Gesamtwertung90 %/10 |
Grafik8 Sound10 |
Lanzeitspaß10 Spieleinstieg9 |
Bedienung9 |
Bei der optischen Darbietung hat sich recht wenig getan. Alles wirkt ein wenig düsterer und kälter, was allerdings auch an der Story liegen kann, die zum Großteil in Industriegebieten und Armenvierteln spielt. Hinzugekommen ist ein Grieseleffekt, der zwar optisch einiges hermacht, aber auch zu Unschärfe und Fehlern bei der Schattenbildung führen kann. Die ausgezeichnete Präsentation führt sich auch in den schönen Animationen fort. Jeder Haupt-Charakter hat einen eigenen Motion-Capture-Paten für einzigartige Gestik und Mimik spendiert bekommen, was ungemein zur Persönlichkeitsbildung beiträgt. Die kinoreifen Zwischensequenzen erzählen die Story der "Lost" besonders Stilvoll und wissen mit den richtigen Kameraeinstellungen und Zeitlupen zur rechten Zeit, große Spannung aufzubauen.
Mit Busta Rhymes und der Metal-Legende Max Cavalera, der als Frontsänger der Band Sepultura bekannt wurde, wird mal wieder auf erstklassige Beschallung aus dem Radio gesetzt. Kein anderes Spiel vermag es mit einer derart riesigen Bandbreite von unterschiedlichsten Genres und Typen einen so coolen und markanten Sound zu erschaffen. Rockstar setzt auf den Geschmack der Spieler, legt bei The Lost and Damned aber eine härtere Gangart ein. Im Rocker-Clubhouse der "Lost" wird auf extreme Klänge gesetzt, die besonders den Metalheads unter uns sehr gefallen dürften. Die absolut perfekte Synchronisation des Hauptspiels wurde nahtlos beibehalten und sorgt wieder für passende Emotionen im Storyverlauf. Die Auswahl der markigen Sprecher passt wie der Nietenfäustling aufs Auge und setzt bei den Hauptcharakteren teilweise sogar GTA IV in den Schatten. Hut ab!
Bei der Bedienung hat sich eigentlich nur etwas bei der Lenkung der Motorräder getan, die jetzt deutlich einfacher zu steuern sind und den Spieler nicht so schnell vom Sattel werden. Allerdings führt das auch manchmal zu ungewollt komischen Situationen, wo sich Protagonist Johnny auch nach dreieinhalbfachen Saltos mit Abschluss an einer Hauswand immer noch auf dem Sattel hält. Das "Schießen aus fahrenden Untersätzen" ist immer noch knifflig, dieses Problem wurde bei der Konkurrenz in Saints Row 2 besser gelöst.
Der Spaßfaktor des Hauptprogramms bleibt unvermindert und wird durch viele tolle zusätzliche Features und Details noch perfektioniert. Die etwas düsterere Atmosphäre von The Lost and Damned trägt zum Spannungsaufbau der toll aufgebauten Story bei. Besonders spaßig sind die Formationsfahrten mit den "Lost", wo echtes Zugehörigkeitsgefühl aufkommen kann, besonders wenn auch mal Gespräche abseits der Missionen geführt werden, in denen man vieles über die Persönlichkeiten der Charaktere erfährt. Besonders auffällig ist, dass man den Eindruck vermittelt bekommt, dass Auto fahren nicht dem Stil eines Mitglieds der "Lost" entspricht und man wirklich den größten Teil der Spielzeit auf dem Sattel verbringt und die reine Coolness ausstrahlt. Braucht man Hilfe, ruft man per Handy seine Kumpels an, die nicht lange fackeln und von ihren Bikes aus und zu Fuß mit Blei um sich schmeißen, was das Zeug hält. Dass sie dabei nicht besonders intelligent vorgehen, kann man verschmerzen. Etwas merkwürdig muten die Fehler in der Physikengine an. So können Bürgersteige schon einmal dafür sorgen, dass man auf dem Bike plötzlichen einen mehrfachen Salto mit Kür auf's Parkett legt.
Vom Spiel- oder Steuerungsprinzip her ist nichts hinzugekommen. Wer GTA IV gespielt hat, kommt auch mit The Lost and Damned klar.
Die neuen Mehrspielermodi ergänzen das sowieso schon gute GTA IV-Repertoire perfekt. Interessante Modi wie Motor vs. Rotor, in dem Biker vor einem Helikopterpiloten fliehen, zeugen von der Kreativität der Entwickler und bringen Spaß ohne Ende.
Wenn die Story bei GTA IV erstmal ein bis zwei Stündchen braucht, um in Gang zu kommen, kriegen wir in The Lost and Damned von Anfang bis zum Ende die volle Härte der Actionbreitseite von Rockstar Games zu spüren. Allerdings nimmt die Story den Spieler derart in den Sog, dass kaum Zeit für andere GTA-typische Aktivitäten, wie das Erkunden der Stadt oder Gelegenheitsaufträge, ist. Mich persönlich hat der Fokus auf Story und weniger auf spielerische Freiheit allerdings gar nicht gestört, eher imponiert. Vor allem die coolen Formationsfahrten mit den anderen Bikern und die ausgezeichnet inszenierten Überschneidungen mit der GTA IV-Hauptstory sorgen für Spaß. Rockstar Games hat es wahrhaftig geschafft, einen Zusatzinhalt zu erschaffen, der viele Vollpreisspiele nicht nur storytechnisch im Schatten stehen lässt. Wenn die rund 15 Stunden Solospielspaß geschafft sind, bekommt der Spieler auch noch einen sehr schön aufgemöbelten Mehrspielermodus für seine 1600 Microsoft-Points geboten, der mit seinen neuen, zur Story passenden Modi für viele weitere Stunden Spaß sorgen kann. An der grafischen Güte des Hauptspiels hat sich kaum etwas geändert. Lediglich ein neuer Griesel-Effekt und etwas aufpolierte Wettereffekte haben sich zu der schönen Optik hinzugesellt. Einen absoluten Glanzpunkt stellt der wie immer hervorragende Soundtrack dar. Synchronsprecher, Soundeffekte und Radiostationen sind wieder einmal über jeden Zweifel erhaben und bilden die einsame Spitze an der "f'ing Hall of Rock" der Spielegeschichte. Insgesamt bietet Grand Theft Auto IV: The Lost and Damned mehr als ausreichend Gründe um die 20 Euro für die benötigten Microsoft-Points locker zu machen. Wir freuen uns auf eine qualitativ gleichwertige Fortsetzung. Chapeau!
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GTA 4 - The Lost and Damned im Test.
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