Gesamtwertung90%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
'Jajaja! Endlich fünf Sterne bei Song X! Oder endlich überhaupt einen Song im Modus Extrem gepackt!' Der Schweiß tropft von der Stirn, die Hände total schwitzig und die Nachbarn wundern sich mal wieder über das hysterische Geschrei und den ohrenbetäubenden Krach aus meiner Bude. Der Grund: Guitar Hero 2, das nun auch für die Xbox 360 verfügbar ist und den Schritt von der PlayStation 2 zu Microsofts Next-Gen-Konsole geschafft hat. Dabei mussten die Entwickler an dem ohnehin tollen Gameplay-Konzept keine Änderungen vornehmen, lediglich Detail-Anpassungen wurden vorgenommen. Doch auch wenn das Musikspiel nach wie vor eine Spielspaßgranate erster Güte ist, ist auch hier nicht alles Gold was glänzt.
Euch die Spielmechanik von Guitar Hero 2 erklären zu wollen gleicht dem Versuch, Fußballfans die Abseitsregel näher zu bringen. Ein sinnloses Unterfangen, denn eigentlich weiß fast jeder, wie es funktioniert: Ihr habt eine Plastikgitarre, auf der ihr die auf dem Bildschirm ablaufenden farbige Notenreihen nachspielt. Je mehr Treffer ihr habt, desto mehr Punkte kassiert ihr. Was sich so simpel anhört, gerät jedoch zur absoluten Geschicklichkeitsübung, wenn der Schwierigkeitsgrad erst einmal steigt. Auf 'leicht' spielt man sich höchstens warm, denn dann benötigt ihr nur drei der fünf Buttons am Hals der Gitarrenreplik und die Notenreihen huschen in lockerer Folge über den Screen. Sich auf diese Weise im Karrieremodus durch die Songs zu arbeiten sollte daher auch für Anfänger kein Problem sein.
Ganz anderes sieht das aber spätestens ab dem Modus 'Hard' aus, wo ihr alle fünf Griffasten bedient - und natürlich gleichzeitig noch den Anschlagschalter. Dabei ist es absolut von Vorteil, wenn ihr die Songs schon kennt und euch von s und Soli nicht überraschen lasst.
Das alles ist aber auch schon von der PS2-Variante des Spiels bekannt, die schon seit Ende 2006 mit großem Erfolg im Handel erhältlich ist (siehe unser Review). Was ist also neu an der Xbox 360-Version?
Zum einen wurde die Songliste um zehn Stücke erweitert und ihr klimpert nun insgesamt 74 nach, wovon etwa 50 von bekannten Künstlern stammen und der Rest eher dem Underground zugerechnet werden kann. Nach wie vor handelt es sich größtenteils im Coverversionen, Originalsongs sind nach wie vor in der Minderheit. Einige der Songs, wie zum Beispiel 'The Trooper' (Iron Maiden) und 'Dead!' von My Chemcial Romance sowiue Billion Dollar Babies von Alice Coooper sind eine echte Bereicherung des Repertoires, während andere wie 'Hush' (Deep Purple) eher in die Kateorie 'Langweiler' einzustufen sind.
Wie schon beschrieben gibt es am Spielprinzip selbst keine Änderungen, lediglich die Abfolge der Songs im Karriere-Modus wurde angepasst, sodass nun eine durchaus logischere und bessere Lernkurve entsteht. Das Vorhandensein einer Festplatte für das Anlegen von Speicherständen sorgt außerdem für schnellere Lade- und Speicherzeiten im Vergleich zur PS2 und verschafft uns daher ein paar Prozent mehr Spaß.
Das vielleicht herausstechendste neue Merkmal ist wohl die neue Plastikgitarre, die einer Gibson Explorer nachempfunden ist. Optisch macht der weiße Controller schon einiges her, allerdings muss man bei der Handhabung einige Abstriche hinnehmen. So wurde beispielsweise das (überflüssige) D-Pad an der falschen Stelle untergebracht: Wer seinen rechten Arm beim Spielen auf der Gitarre ablegt, löst bei versehentlicher Berührung des Steuerkreuzes gelegentlich falsche Noten aus und zerstört so unter Umständen eine mögliche perfekte Wertung.
Zudem ist die Gitarre von den Ausmaßen geschrumpft und hat einen deutlich kürzeren Hals, als das PS2-Modell (das man - natürlich - leider nicht verwenden kann). Dadurch ergibt sich eine etwas unergonomischere Haltung beim Spielen, was noch dadurch verschlimmert wird, dass zum einen das Tremolo verkürzt wurde und nicht mehr so gut funktioniert. Zudem wurde auch der Abstand zwischen Anschlagschalter und Tremolo leicht verkürzt, was sich jedoch bei größeren Händen durch nervige Dauer-Berührungen negativ auswirkt. Positiv scheinen sich jedoch die Noten-Tasten entwickelt zu haben, die nun deutlich besser ansprechen. Möglicherweise bin ich selbst nur besser geworden, aber mit der X-Plorer produziere ich tatsächlich deutlich weniger Spielfehler aufgrund nicht 'erkannter', bzw. verpasster Noten.
Allerdings lässt sich nicht wegdiskutieren, dass es auch ein Problem mit der Auslösung der 'Starpower' gibt. 'Der was?' - fragen sich GH-Neulinge jetzt vielleicht. Durch das korrekte Spielen bestimmter Notenreihen erhaltet ihr Starpowerenergie, die sich durch das Hochreißen des Gitarrenhalses in Punktemultiplikatoren umwandeln lässt. Doch dummerweise wird diese Aktion zu häufig nicht erkannt und man vergeudet Zeit und Energie.
Veteranen werden wissen, wie nervig solche Spielspaßbremsen sein können, schließlich wird dieses Feature vor allem in hektischen Phasen als eine Art Lebensretter eingesetzt. Ein kürzlich erschienenes Update soll dieses Problem beseitigt haben, in der Praxis konnten wir jedoch keine signifikante Verbesserung feststellen. Dafür traten aber auch keine Probleme mit unserer Konsole auf, wie man vilerorts im Internet lesen kann.
Einen Schub hat Guitar Hero 2 davon abgesehen natürlich in optischer Hinsicht erhalten. Auch wenn das Spiel auch jetzt noch kein grafischer Leckerbissen ist (und auch nicht sein will), so wurden die Texturen aufgehübscht, die Lichteffekte verbessert, Animationen und Figurenmodelle angepasst sowie andere Detail-Änderungen vorgenommen. Auch soundtechnisch gibt es eine Verbesserungen zu vermelden, denn nun dürft ihr die Songs in Dolby Digital 5.1 durch eure Anlage wummern lassen. Einer der großen Vorteile der Xbox 360-Fassung soll vor allem hinsichtlich der Online-Konnektivität entstehen: Neue Inhalte, vor allem natürlich neue Songs, sollen via Xbox Live zugänglich gemacht werden. Bei der kürzlich veröffentlchten ersten 'Lieferung' handelte es sich noch um neu aufgelegte Guitar Hero 1-Stücke.
Der Preis von 500 MS-Punkten für jeweils drei Songs lässt sich allerdings schon als happig bis frech bezeichnen. So haben wir uns das sicherlich nicht vorgestellt. Außerdem gibt es keinen Online-MultiplayerModus, lediglich eure Punkte könnt ihr in Bestenlisten vergleichen. Wer mit oder gegen Freunde spielen möchte, muss sich derzeit noch einen zweiten Controller kaufen und sie zu sich nach Hause einladen.