Guitar Hero 5

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Activision Blizzard
Entwickler
Neversoft
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
0
Guitar Hero 5

Gesamtwertung

90 %/10

Grafik

9

Sound

9

Lanzeitspaß

9

Spieleinstieg

10

Bedienung

10

Guitar Hero 5

Viele von Euch dürften wahrscheinlich irgendwo in Euren geliebten Zockecken noch die gute, alte Plastik-Gitarre für Guitar Hero herumliegen haben. Wahrscheinlich ein wenig verstaubt, die Batterien ohne Saft. Machen wir es kurz: Zückt sie! Füttert sie mit frischen Batterien! Macht es so wie wir - Werft das neue Guitar Hero 5 in Euer Laufwerk und Ihr werdet wissen, warum Ihr das Teil noch nicht verkauft habt. Ihr habt sogar noch das Drumset und ein Mic? Großartig! Ruft Eure Freunde an und stellt schon mal das Bier kalt. Der Abend wird ein gelungener. Glaubt's uns! Warum wir endlich wieder mit alter Euphorie zu den Plastik-Instrumenten greifen, klären wir in unserem Test zu Guitar Hero 5.

Der Partykönig

Werfen wir einen Blick zurück: Guitar Hero 3 stellte damals das Nonplusultra für Zock-Rocker dar. Der geniale Soundtrack und süchtig machende Gameplay schlugen erneut ein wie eine Bombe. Der hammerharte Schwierigkeitsgrad schreckte einige Spieler allerdings schnell wieder ab. Ein Jahr später expandierte die Reihe und lockte mit neuen Instrumenten erneut vor die Bildschirme. Der Soundtrack war eher für die breite Masse ausgelegt, ebenso wie der Schwierigkeitsgrad. Es fehlte allerdings das bestimmte Etwas, irgendwie wollte der Funke nicht überspringen. Es folgten einige Spin-Offs, die zwar für Fans der jeweilige, gefeatureten Band eine gute Sache waren, wirklich Innovationen allerdings vermissen ließen.

Das Rad der Reihe schien sich festgefahren zu haben. Was kann man in den neuen Teil also besser machen? Wie kann man erneut für Begeisterung sorgen? Wie den Funke wieder überspringen lassen? Die Antwort findet Ihr in Guitar Hero 5 - Startet Ihr das Spiel, könnt Ihr einer Band beim Spielen zusehen. Eine kleine Anzeige lädt Euch zum munteren Mitmachen ein. Ein Tastendruck und Ihr seid sofort mitten drin und gebt beispielsweise "Smells like Teen Spirit" zum Besten. Das klingt auf den ersten Blick zwar ganz nett, aber was soll das bringen? Stellt Euch einfach folgendes Szenario vor: Ihr seid auf einer Party. Mit dem Bier in der Hand schlendert Ihr wenig vor Euch hin, lauscht dem schlechten Musikgeschmack des Gastgebers und verspürt kurzer Hand den Drang, den Raum zu verlassen.

Ein gute Entscheidung, denn im Raum nebenan scheint der bessere Rock zu klingen. Ihr öffnet die Tür, bekommt eine Plastikgitarre in Hand gedrückt und ehe Ihr Euch verseht gebt Ihr den Ton bei "So Lonely" an. Ihr drückt die auf einem Bildschirm vorgebenen Noten auf Eurer Plastikaxt, so wie Ihr es immer geliebt habt. Das nette Blondchen wird auf Euch aufmerksam. Ihr merkt es, Ihr wollt mehr. Ihr werft die Gitarre dem relaxten Typen mit der seltsam riechenden Zigarette in die Hände, der dann mitten im Song den Schwieirigkeitsgrad an seine kaum noch vorhandenen Fertigkeiten anpasst. Alles ohne Pause. Ihr nehmt die Sticks in die Hand, nehmt hinter den Drums Platz. Die blonde Maid erkennt Eure animalische Art Schlagzeug zu spielen.

Sie ist sehr angetan von dem, was sie sieht. Sie kommt Euch näher. Jetzt seid Ihr im wahren Rausch, springt auf und reißt der Dicken das Mikro aus der Hand. Der Höhepunkt des Songs gehört Euch. Ihr holt alles aus Eurer Röhre! Der Song klingt aus und dreht Euch mit hochgerissener Hand langsam Richtung Frau und... Weg ist sie! Kein Verlust, der relaxte Typ ist ja noch da...

Der Party-Modus klingt auf dem Papier eher unspektakulär, ist aber genau das, was Guitar Hero immer gefehlt hat. Ein unheimlich zugänglicher Modus, bei dem man einfach nicht widerstehen kann, mitzuspielen. Jedes kleine Detail, ob nun der Schwieirigkeitsgrad, das Instrument, die Spieleranzahl oder natürlich der eigentliche Song kann hier in Windeseile und ohne lästige Menüs geändert werden. Wer genug Mics am Start hat, kann sogar eine ganze Gesangskapelle aufziehen und einen Karaoke-Party einläuten. Das Konzept eines Party-Modus wurde nur sehr selten derart gut umgesetzt.

Monster of Rock

Natürlich schlummert aber noch weitaus mehr unter der Haube von Guitar Hero 5. Und auch im Rest des Spiels wird Zugänglichkeit ganz groß geschrieben. Der Karriere-Modus kommt ohne großen Schnickschnack wie eine Story, die eh niemanden interessiert hat, und ohne Geld daher, für das man neue Instrumente kaufen.

Ihr spielt alleine oder mit mehreren Freunden durch verschiedene Locations und werdet je nach Eurer Leistung mit bis zu fünf Sternen belohnt. Jeder Song bietet daneben noch eigene Herausforderungen, die ebenfalls mit mit weiteren Sternen locken. So gilt Eure Star Power so oft es geht wieder aufzufüllen, so viele Tappings wie möglich zu landen, oder einen Song möglichst gut mitzusingen. Zwar wiederholen sich die Herausforderungen nach gewisser Zeit ein wenig, aber das ist angesichts der insgesamt 85 Originaltracks keine Schande. Habt Ihr genug Sterne kassiert, schaltet Ihr die nächste Location frei. Der Schwieirigkeitsgrad lässt sich auch hier jederzeit neu festlegen, sodass Frust gar kein Thema ist. Neue Instrumente werden durch absolvierte Herausforderungen oder gemeistere Songs freigeschaltet. Wer mag, kann also gut und gerne des Öfteren mal im Charakter-Editor nachschauen, ob die neuste Klampfe auch dem eigenen Alter Ego auch gut steht. Im Editor habt Ihr wirklich komplett freie Hand. Nicht nur, was Euer Bandlogo, oder die Bandmitglieder angeht. Wer genug Zeit mitbringt, kann seiner Fantasie hier freien Lauf lassen. Ebenfalls sehr gut gelöst: Gefällt Euch ein Song im Karriere-Modus nicht, könnt Ihr ihn einfach überspringen und links liegen lassen. Das Spiel zwingt Euch keinen Song wirklich auf. Falls Eure Tür klingeln sollte und mal wieder die zockgeilen Freunde auf der Matte stehen, braucht Ihr den Karriere-Modus noch nicht einmal zu verlassen, sondern wechselt einfach in den Log-In-Screen, von welchem Ihr direkt in andere Spielmodi wechseln könnt.

Feuchtfröhliche Truppe

Auch wenn das Spiel alleine schon jede Menge Spaß birgt, so kommt richtige Stimmung erst mit einer Band um Euch herum auf. Das Gameplay hier wurde drastisch verbessert. Sollte ein Bandmitglied mal einen schlechten Tag haben und am Instrument versagen, wird nicht gleich die ganze Band von der Bühne geworfen. Stattdessen haben die restlichen Rocker der Kombo die Möglichkeit, den "gefallenen Kameraden" durch gute Leistungen wieder auf die Beine zu helfen. Auch die Star Power wird nun besser verteilt.

Solltet Ihr einen Gitarrengott in Euren Reihen haben, kann dieser seine Star Power an die anderen verteilen, falls seine eigene bereits randvoll sein sollte. Völlig neu sind dagegen die Band Moments, bei denen die komplette Band bei bestimmten Abschnitten des Songs perfekt zusammenspielen muss. Bei Erfolg erhöht sich der Multiplikator mal eben auf 12. So werden die Punkte geholt, meine Lieben.

Gerade in Sachen kompetitive Multiplayer-Modi gibt es in GH5 eine ganze Reihe neuer Dinge zu erleben. Ganz weit vorne mit dabei ist der so genannte Momentum-Modus. Hier starten alle Spieler in dem selben Schwierigkeitsgrad.

Je nach Leistung passt sich dieser dann während des Spiels an die Fähigkeiten des Spielers an. In der Praxis eine Mordsgaudi. Nicht ganz so prickelnd erwies sich während unseres Test der Do or Die-Modus, in dem man vorgegebene Abschnitte des Songs fehlerfrei meistern muss. Schleicht sich ein Fehler ein, muss man bis zum nächsten Abschnitt warten ehe man weiterspielen kann. Wer es schafft, die meisten Abschnitte zu meistern gewinnt. Das Dumme hierbei ist, dass es durchaus vorkommen kann, dass alle Kontrahenten aus dem Rhythmus kommen und warten müssen, bis es weitergeht, und dementsprechend niemand spielt. Cooler wird's da schon wieder im Band vs. Band-Mode, in welchem Ihr mit Eurer Kombo gegen Gleichgesinnte online antreten könnt.

Die grafische Präsentation des Spiels stellt auch gleichzeitig die beste der Reihe dar. Alle Figuren überzeugen stets mit passender Choreographie und Lippensynchronität.

Die Bühnen wurden ebenfalls allesamt liebevoll in Szene gesetzt und erfreuen das Auge häufig mit payrotechnischen Schmankerln. Auch die fünf freispielbaren Stars Johnny Cash, Kurt Cobain oder beispielsweise Shirley Manson von Garbage wurden klasse eingefangen. Hat man diese in den Kader seiner Rocker aufgenommen, ist es sogar möglich, alle Songs mit ihnen zu spielen. Der makabere Nebeneffekt: Wenn Johnny Cash zu Megadeth abmosht oder der verstorbene Nirvana-Frontmann zu Public Enemies "Bring the Noise" anfängt zu rappen, dürfte das eingefleischte Fans eher übel aufstoßen. Also nehmt es nicht allzu ernst. Neuerdings kann auch auch sein Xbox Live Avatar auf die Bühne lotsen und abrocken lassen. Ein nettes Feature.

Nie wieder Tokio Hotel

Der Soundtrack in Guitar Hero 5 ist eine Klasse für sich. Hier wird dürfte der Musikgeschmack eines jeden getroffen werden. Neversoft hat sehr gute Arbeit geleistet und versorgt Euch mit einem weiten Spektrum verschiedener Rockstile. Freunde des Heavy Metal werden mit Iron Maiden oder Megadeth ebenso bedient wie Punk Rocker mit Face to Face oder Thrice.

Daneben gibt es noch Titel von Muse, Nirvana, Bush, Billy Idol, Motley Crue, Queen, The Killers und und und. Natürlich gibt es aber wieder wirklich kranke Nummern wie "21st Century Schizoid Man" von King Crimson, die alles von Euch abverlangen und dem legendären "Through Fire and Flames" von Dragonforce aus dem dritten Teil in nichts nachstehen. Insgesamt muss man bei dieser großen Auswahl sagen, dass sich Neversoft alle Mühe gemacht hat, so viele Leute wie möglich anzusprechen, dadurch aber den Kompromiss eingehen musste, eher weniger interessante Titel für den Einzelnen anzubieten. Wer gerne Songs im Kaliber einer Truppe wie Children of Bodom nachspielen, dürfte mit Coldplay wahrscheinlich so viel anfangen können wie ein zahnloser Rentner mit einer Speckschwarte. Sehr lobenswert ist die Möglichkeit, das Songaufgebot mit dem Importieren der Songs von Guitar Hero: World Tour oder dem kürzlich veröffentlichten Greatest Hits-Ableger aufzustocken. Weniger lobenswert ist allerdings die Tatsache, dass das Importieren mit Geld bezahlt werden muss (280 MS Points für World Tour und 160 MS Points für Greatest Hits) und selbst dann nicht alle Songs übernommen werden können. Weiterhin benötigt Ihr für den Download den sich auf der Rückseite der entsprechenden Handbücher befindlichen Code. Daneben werden derzeit allerdings viele kostenlose Downloads für World Tour angeboten, die auch mit GH5 funktionieren.

Zu guter Letzt wurde der GHStudio-Modus überarbeitet. Hier könnt Ihr Euren eigenen Tracks anhand vorgegebener Samples erstellen. Insgesamt wurde der Modus zwar verbessert, bietet bessere und vor allem weitaus mehr Samples und ist leichter zu handhaben, dennoch entpuppt sich dieser Modus als Geduldsprobe und dürfte bei vielen Spielern eher wenig Anklang finden. Aber schaut es Euch selber an.

Fazit

Auch wenn ich in der letzten Zeit durchaus Spaß mit Rock Band 2, Guitar Hero: World Tour und den ganzen Ablegern gehabt habe, so hab ich das gute, alte Plastik doch erst jetzt wieder richtig lieben gelernt. Guitar Hero 5 macht alles richtig und spendiert Euch das bis dato umfangreichste und zugänglichste Musikerlebnis. Vor allem der vermeintlich unscheinbare Party-Modus katapultiert das Spiel in ungeahnte Spielspaßsphären. Man kann definitiv sagen, dass Neversoft sich alle Mühe gegeben hat, die Reihe in so gut wie allen Belangen zu verbessern. Guitar Hero 5 glänzt mit übersichtlichen Menüs, einer unfassbaren Inszenierung und einem nochmals aufgepeppten Gameplay, das Euch wieder in die alte Sucht nach Plastik verfallen lässt. Das Einzige, was mir ein wenig zu schaffen macht, ist die Tracklist. Mit den Songs steht und fällt der Titel schließlich und in Guitar Hero 5 ist sie ein zweischneidiges Schwert. Einerseits hat sich Neversoft wirklich ins Zeug gelegt, um dem Spieler eine breit gefächerte Auswahl an Hits zu bieten, andererseits werden hier derart viele Genres bedient, sodass die Tracklist für den speziellen Geschmack, meiner Meinung nach, zu sehr verwässert ist. Zu wenig Butter auf zu viel Brot sozusagen. Darüber kann man aber locker hinwegsehen, schließlich bekommt man in Guitar Hero 5 das beste Multiplayer-Musikspiel und das will angesichts der mächtigen Konkurrenz schon was heißen.

Guitar Hero 5

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