GUN

Review
Plattform
Microsoft XBOX 360
Vertrieb
Activision
Entwickler
Neversoft
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
16
GUN [X360 , Justgamers]

Gesamtwertung

83%/10

Grafik

Befriedigend

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Ungenügend

Bedienung

Gut

GUN

Zieh!

Früher war doch alles besser. Kinder hörten noch auf ihre Eltern und anstatt auf ihrer Xbox 360 zu spielen, halfen sie ihnen dabei, das Abendessen zu erlegen. So ein vorbildlicher Sohn ist auch der Protagonist von GUN. Bevor er nämlich ausgiebig die sandigen Wüsten Amerikas erkundet, hält er sich etwas Zeit für seinen Vater frei. Dieser ist sein Idol und hat ihm auch das Schießen beigebracht. Zufrieden leben die beiden nur für das Jagen und verdienen damit ihren Lebensunterhalt. Glücklicherweise darf auch der Spieler in den Genuss des Familienidylls kommen, denn dadurch erlernt er ganz nebenbei die wesentlichen Gameplayelemente. Denn in GUN überlebt niemand, ohne gute Schießkünste. Da man es später natürlich mit allerlei Menschen zu tun bekommt, ist es ganz erträglich, dass man zu Beginn nur auf Tiere schießt. Diese laufen zwar weg, können einen aber wenigstens nicht auf Anhieb tödlich verwunden. Natürlich ist man von Beginn an mit dem obligatorischen Revolver und einer Schrotflinte bewaffnet. Ned, der Vater des Protagonisten, führt den Spieler schrittweise ins Spiel ein.

Zunächst wird versucht, mit der normalen Zielfunktion ein paar Tiere zu erlegen. Diese ist recht unpräzise zu handhaben und erinnert an die typische Ego-Shooter Zielmechanik, die beispielsweise bei TimeSplitters Anwendung fand. Trotz der recht gewöhnungsbedürftigen Steuerung dieser Funktion, trifft man aber beinahe jedes Ziel, denn auch, wenn man relativ deutlich am Ziel vorbei schießt, wird dieses noch getroffen. Dies ist aber der einzige Schwachpunkt, den GUN in einer Kampfsituation offenbart.

Neben der normalen Zielfunktion bietet das Spiel dem Zocker nämlich noch eine weitere Variante an. Wer Wild West Filme kennt, der weiß, dass die Helden mit einer unglaublichen Schnelligkeit schießen und mit einer noch unglaublicheren Präzision treffen. Aktiviert man den so genannten Schnellschussmodus, so verlangsamt sich das Spielgeschehen und auch das Zielen automatisiert sich. So kann man in kurzer Zeit viele Ziele ausschalten, ein schnelles Ruckeln am Analogstick in die gewünschte Richtung sorgt für das Wechseln des Ziels.

Da dieser Modus aber relativ schnell zur Ausrottung ganzer Städte missbraucht werden könnte, kann er nur eine bestimmte, kurze Zeitspanne lang aktiviert bleiben. Durch Treffer füllt sich die Zeitanzeige wieder. Taktisches Vorgehen ist in den späteren Kämpfen enorm von Vorteil, geschlichen werden kann aber nur in den seltensten Fällen. Das Waffenarsenal des Helden vermehrt sich im übrigen stetig, vom Scharfschützengewehr, über die Schrotflinte, bis hin zum Indianerbogen findet man alles, was der Wilde Westen an tödlichem Werkzeug zu bieten hatte.

Hat man alle nötigen Tiere zusammen mit Ned erlegt und selbigen vor dem Angriff eines Bären bewahrt, soll die Beute an den Mann gebracht werden.

Doch es geht etwas schief und es kommt zum ersten großen Kampf. Sofort wird deutlich, dass GUN nicht zimperlich ist. Massen von bewaffneten Feinden stürmen auf den Protagonisten zu. Dabei hinterlässt die künstliche Intelligenz der Gegner ein zwiespältiges Gefühl beim Spieler. Zum einen handeln sie sehr geschickt, verstecken sich hinter Kisten, zum anderen stehen sie manchmal aber auch einfach ohne Deckung da und versuchen dem Helden den Garaus zu machen. Dieser aktiviert dann kurzerhand seine Schnellschussfunktion und die Sache ist geregelt. Sollte der Protagonist einmal verwundet werden, und das wird nicht selten der Fall sein, da die Gegner clever platziert wurden und sowieso immer viel zu viele auf einmal kommen, kann er sich leicht heilen, indem er ein bisschen Whisky zu sich nimmt. Genau wie Munition kann man diesen eigentlich überall finden, gekauft werden kann er allerdings nicht.

Wurde der erste Kampf erfolgreich gemeistert, offenbart GUN ein weiteres, geniales Feature. Da es im Wilden Westen nur wenig fahrbare Untersätze gab, war man natürlich auf das Pferd angewiesen.

Ähnlich wie bei GTA Autos, stehen Pferde in GUN eigentlich an jeder Ecke. Das Reiten geht leicht von der Hand und eine gewisse taktische Herausforderung ist auch gegeben, schließlich muss man seinem “lebenden Vehikel” gezielt die Sporen geben, ohne es dabei zu töten. Natürlich kann man auf dem Rücken seines Pferdes auch zum Revolver greifen. VerfolGUNgsjagden stellen sich dabei als erstaunlich spaßig heraus.

Nebenjobs und Bosse

Hat man dann den Umgang mit seinem geliebten Haustier erlernt, geht es auch schon ab in die erste Stadt. So langsam entwickelt sich dann auch die sehr interessante Story, die bis zum Schluss zu fesseln weiß. Eine Handlungsfreiheit wie bei GTA sucht man allerdings vergebens, da man, um die Story voranzutreiben, immer so genannte Primärmissionen absolvieren muss. Um für diese aber gerüstet zu sein, sollte man sich den zahlreichen Nebenmissionen widmen. Diese verbessern nämlich unter anderem die Schusshand, das Reitvermögen und so weiter. Man darf in den Städten gesuchte Verbrecher fangen und das Kopfgeld dafür kassieren, um es beim Händler gegen Aufrüstungsgegenstände für die Waffen zu tauschen, Pokern oder Unruhen niederschlagen. Aber auch das Eintreiben von Pferden oder Kühen ist Pflicht für jeden Westernhelden. Die Hauptmissionen präsentieren sich genauso abwechslungsreich, wie die Nebenjobs.

Obwohl es meistens auf diverse Schießereien hinausläuft, wird dem Spieler nie langweilig, weil er immer neue Herausforderungen zu bewältigen hat. Einmal muss man die bösen Indianer davon abhalten eine Brücke in die Luft zu jagen, die durch ihr Gebiet führt, ein anderes Mal schließt man sich den Rothäuten an, um ein amerikanisches Fort zu stürmen und zu zerbomben, aus dem man vorher in einer Schleichmission fliehen musste. Der Abwechslungsreichtum ebbt zum Glück bis zum Schluss nie ab. Auch die diversen Bosse wurden überlegt ins Spiel eingebaut. Meistens kann man sie nur durch taktisches Vorgehen schlagen. Leider ist das Spiel aber nach relativ kurzer Zeit bereits durchgespielt und nachdem man alle Nebenjobs erfüllt hat, gibt es nichts mehr zu tun. Nichtsdestotrotz wird man auf eine adrenalinreiche Reise durch den Wilden Westen zurückblicken können.

Technisch nur Mittelmaß?

Grafisch ist das Spiel leider nur Mittelmaß. Man merkt dem Titel seine Wurzeln an. Alles wirkt ein bisschen, so als würde Tony Hawk jeden Moment um die Ecke geschliddert kommen. Trotz der recht schönen Gestaltung der Prärie und der Städte kann die Engine nicht wirklich überzeugen, zumal die Dörfer anscheinend ohne Menschen auf der Straße auskommen. Nur wenn es darauf ankommt, scheinen sie aus ihren Ecken zu kriechen und nur ein Ziel zu haben: Den Helden töten! Insgesamt sieht die Grafik der Xbox 360 Fassung nur leicht besser aus, als auf der ersten Xbox - von Next Generation kann hier keine Rede sein. Dafür kann man sich aber nicht über das tolle Design der Charaktere beschweren. Durch die grandiose englische Sprachausgabe wurde diesen das nötige Leben eingehaucht. Zusammen mit der passenden Musik wird letztendlich doch noch richtig gute Westernatmosphäre erzeugt. Zwar können die Klänge nicht mit Songs von Enino Morricone mithalten, zeigen aber ihren ganz eigenen und durchaus gelungenen Stil.

Fazit

Man kann über GUN denken was man will, aber die action- und vor allem abwechslungsreichen Missionen, die tolle Westernatmosphäre, sowie das spaßige und einfache Zielsystem und die gute Story sorgen dafür, dass die wenigen, jedoch teilweise gravierenden Schwachpunkte – etwa die durchschnittliche Engine und die gewöhnungsbedürftige Steuerung – den Spielspaß nur wenig mindern können. GUN macht einfach einen Heidenspaß, so dass jeder Westernfan ohne schlechtes Gewissen zugreifen kann. Wer allerdings neben der Xbox 360 auch die 'alte' Xbox sein Eigen nennt, kann ruhig zur Xbox-Fassung greifen. Die technischen Unterschiede sind hier den Preisunterschied von 10€ nicht wert. Auf der Xbox 360 läuft die etwas ältere Xbox-Fassung allerdings nicht.

GUN [X360 , Justgamers]

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