Halo Wars

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Microsoft
Entwickler
Ensemble Studios
Erscheinungsdatum
-
USK
12
Halo Wars

Gesamtwertung

81 %/10

Grafik

8

Sound

8

Lanzeitspaß

8

Spieleinstieg

9

Bedienung

8

Halo Wars

Gerade in Amerika ist der unglaubliche Erfolg der Halo-Serie nicht von der Hand zu weisen. Der dritte Teil stellt für viele Shooter-Freunde das Nonplusultra auf den Konsolen dar. Und wenn eine Saga sich einer so deutlichen Beliebtheit erfreut, warum sollte man es dann nicht versuchen, das Ganze für so viele Leute wie möglich zugänglich zu machen? Das dachten sich wohl auch die Entwickler der Ensemble Studios und bringen mit Halo Wars das erste Strategiespiel im Halo-Universum auf die Xbox 360. Moment mal, ein neues Strategie-Spiel von den Age of Empires-Machern? Und dann noch gepaart mit Halo? Das kann nur gut werden, oder etwa nicht? Im Prinzip ja. Es gibt da nur ein klitzekleines Problem: Strategie und Konsole waren noch nie gut aufeinander zu sprechen. Schafft es Halo Wars die Friedenspfeife anzustecken?

Master Chief im Kindergarten?

Halo Wars spielt 20 Jahre vor den Geschehnissen des ersten Halo und befördert Euch in den bereits anwährenden Krieg der Menschen gegen die Allianz der Covenant. Auf dem Planeten Harvest haben die Aliens ein uraltes Relikt bergen können, welches den entscheidenden Schlag für den Krieg bedeuten könnte. Die Mannen des UNSC-Schiffs Spirit wurden entsandt, um der Sache auf den Grund zu gehen…

Die Story des Spiels bietet gute Ansätze und wird zwischen den einzelnen Missionen in sehr gelungenen Zwischensequenzen vorangetrieben, wer allerdings auf der Suche nach der nächsten wirklich großen Geschichte ist, wird hier wahrscheinlich enttäuscht. Zu flach sind die im Spiel vorkommenden Charaktere rund um Captain Cutter, Sergeant Forge, die Möchtegern-Powerfrau Anders dem oder eher lieblosen Cortana-Ersatz Serina. Man hat halt deutlich an der Abwesenheit des Master Chiefs zu knabbern. Aber dennoch kommen in Halo Wars gerade Fans der Reihe auf ihre Kosten. Das liegt vor allem an dem sehr actionlastigen Gameplay, welches die Ensemble Studios für Euch aufbereiten und den Gefechten des Shooters wirklich sehr nah kommt. Für ihr erstes Konsolen-RTS hat Ensemble hier wirklich gute Arbeit geleistet. Micro-Management ohne Maus ist natürlich schwer zu realisieren. Um dem Spieler allerdings keinen unnötigen Problemen auszusetzen, hat man in Halo Wars beispielsweise darauf beschränkt, Rohstoffe direkt in der Basis abbauen zu können. Auch der eigentliche Aufbau der Basis entfällt in gewissem Maße. So werden alle Gebäude in für sie vorgesehene Felder rund um den zentralen Punkt der Kommandozentrale gebaut. Natürlich bietet diese Lösung des bekannten Problems eines Strategiespiels auf der Konsole eine Menge Komfort, allerdings werden eingefleischte Profis ihre gewohnten Freiheiten vermissen.

Man merkt dem Spiel an, dass Ensemble hier kleine Brötchen in Hinsicht auf die Komplexität der zur Verfügung stehenden Einheiten gebacken hat. Im Kampf gegen die Covenant und die Flood stehen Euch jeweils eine gute Hand voll Infanterie-, Lufteinheiten oder Fahrzeuge zur Verfügung. Diese könnt ihr mit mächtigeren Upgrades verbessern, welche ihr durch das Bauen oder Einnehmen von Reaktoren freischaltet. Dazu gesellen sich diverse Held-Einheiten, die mit starken Spezialfähigkeiten für dezimierte Gruppen beim Feind sorgen können. Weiter könnt ihr, die nötigen Ressourcen vorausgesetzt, auch mächtige Laserangriffe oder heilende Schilde von der Spirit of Fire und mehr anfordern. Das Resultat ist eine gute Mischung aus guter Zugänglichkeit und fetten Schlachten, die das Strategie-Genre gekonnt auf die Couch befördert, ohne zu viele Kompromisse einzugehen.

Auch die Steuerung wurde gut gelöst und leistet die meiste Zeit gute Arbeit. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mehrere Einheiten zu steuern. Anhand eines Fadenkreuzes wählt ihr die gewünschte Einheit aus. Haltet ihr den Auswahlknopf gedrückt, vergrößert sich der Auswahlradius und ihr könnt weitere Einheiten eurer Gruppe hinzufügen.

Die RB-Taste dient dazu alle Einheiten, die Ihr auf dem Bildschirm seht, auszuwählen. Durch einen Druck auf LB stehen Euch hingegen komplett alle Einheiten auf der gesamten Karte zur Verfügung. Das Problem mit dem Controller kristallisiert sich spätestens dann heraus, wenn ihr große Gruppierungen habt, aber nur bestimmte Einheiten kommandieren wollt. Hier ist zeitaufwändige Fummelei angesagt. Um dieses Problem zu lösen, könnt ihr die verschiedenen Einheiten einer Gruppe mit dem rechten Trigger durchschalten und so die gewünschte Einheit einsetzen. Gerade in großen Gefechten offenbaren sich hier aber klare Schwächen.

Wirklich schade ist auch die Tatsache, dass ihr keine wirklichen Gruppen bilden und diese mit Shortcuts belegen könnt, um den Chaos entgegenwirken zu können. Wer beispielsweise einen Marines-Trupp und einige Scorpion-Panzer in seperate Gruppen einteilen und diese gleichzeitig auf dem Bildschirm kommandieren will, wird sich schnell mit ersten Schwierigkeiten das Gameplay betreffend konfrontiert sehen. Es gibt allerdings eine gut gemeinte Alternative für dieses Problem. So könnt ihr immerhin sich auf verschiedenen Teilen der Karte befindliche Einheiten durchschalten, somit fällt auch lästiges manuelles Scrollen zum größten Teil weg.

Doch so schlimm sich jetzt das Ganze auch für die Strategie-Affinen unter Euch anhören mag, so gut schafft es das Spiel, Frust durch sein actionorientiertes Gameplay zu vermeiden. Warum soll man sich über die das unpräzise Anwählen einzelner Einheiten in einer Gruppe oder das Fehlen einer wirklichen Gruppenfunktion aufregen, wenn dieses die meiste Zeit überhaupt nicht benötigt wird?

In den 15 Missionen der Kampagne von Halo Wars reicht es meist, große, buntgemischte Truppen und Vehikel auf den Gegner zu hetzen und sich an dem brachialen Feuerwerk zu erfreuen. Dementsprechend verschwindet der anfängliche Wunsch einer präziseren Handhabung ziemlich schnell wieder in der Versenkung. Auch der Aufbau der der einzelnen Missionen bietet genügend Abwechslung, ohne dabei aber etwas Neues zu bieten. Mal müsst ihr Zivilisten während einer Invasion zum rettenden Shuttle eskortieren, einen Reaktorkern beschützen oder auch einfach mal eine Basis einnehmen, eine Armee aufbauen und den Feind plätten. Jede Mission bietet genügend Abwechslung und umgeht geschickt das Moor des Einheitsbreis. Darüber hinaus sind auf der jeder Karte der Singleplayer-Kampagne verschiedene Totenschädel versteckt, mit denen ihr diverse Gameplay-Tweaks für das Spiel anwenden könnt, um jedem Anlauf eine neue Note zu verpassen.

Dies und die Tatsache, dass ihr die komplette Kampagne mit einem Freund über System-Link oder Netz zocken könnt, erhöhen den Wiederspielwert der Kampagne auf nicht zu unterschätzende Weise. Nicht zu vergessen ist jedoch der große Kritikpunkt, dass ihr die komplette Kampagne lediglich aus Sicht der UNSC spielt.

Mehrspieler-Freuden

Kombiniert man das Halo-Franchise mit einem Echtzeitstrategie-Spiel, dürfen sie natürlich nicht fehlen: Die Multiplayer-Gefechte. Mit bis zu sechs Spielern könnt ihr hier in die Schlacht ziehen. Erst hier ist es möglich, selbst Hand an die Covenant zu legen. Aber nicht nur die neue Rasse sorgt hier für frischen Wind.

Jeder Spieler kann vor Beginn des eigentlichen Spieles zwischen drei verschiedenen Helden pro Fraktion wählen, die unter anderem kleine Änderungen am Tech-Tree und daher andere Taktiken mit sich bringen. Insgesamt machen die Multiplayer-Schlachten wirklich eine Menge Laune und werden Euch auch noch nach langer Zeit motivieren. Schade ist hingegen der Verzicht auf einen Map-Editor.

Fazit

Halo Wars schafft es gekonnt, fordernde Strategiekost auf der Xbox 360 abzuliefern. Natürlich muss man aufgrund der Steuerung mittels Controller einige Kompromisse in Kauf nehmen, doch letzten Endes halten sich diese in Grenzen und Frust kommt so gut wie nie auf. Das Spiel bietet zwar hinsichtlich des Genres keine wirklichen Neuerungen, schaukelt das Kind aber dennoch gut nach Hause. Das liegt vor allem an den knusprig zubereiteten Schlachten, die nicht nur grafisch überzeugen, sondern mit einer nicht zu verachtenden Actionkeule um sich Schlagen. Trotz der leichten Handhabung und des spaßigen Gameplays, kristallisieren sich dennoch schnell unverkennbare Schwächen heraus. So ist die Story zwar gut inszeniert worden, steht aber über das gesamte Spiel hinweg im Schatten der Halo-Trilogie. Weiter hat man die Kampagne recht schnell beendet und wundert sich, warum man nicht mit den Convenant in die Schlacht ziehen kann. Zumal lediglich zwei Fraktionen einfach zu wenig sind.

Halo Wars richtet sich klar an die Fans der Reihe und diese sind nun mal actionreiche Kost gewohnt und werden hier, trotz der Schwächen, bestens bedient. Wer hingegen die nächste Evolutionsstufe in Sachen Echtzeitstrategie in Halo Wars vermutet, sollte gar nicht erst anfangen zu suchen. Das Spiel möchte das Genre gar nicht vorantreiben, sondern ein möglichst unkompliziertes und leicht zugängliches Strategieerlebnis bieten. Und ja, das schafft es gekonnt. Um es kurz zu machen: Halo Wars ist ein Strategiespiel zum Zurücklehnen und Genießen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Halo Wars

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