Hour of Victory

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Midway Home Entertaiment Inc
Entwickler
nFUSION
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
18
Hour of Victory [X360 , looki.de]

Gesamtwertung

68%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Hour of Victory

Eines der meist beackertsten Felder auf dem großen Spielemarkt ist wohl das des WWII-Shooters. Kaum ein anderes Genre weißt derart viele Titel auf. Neben den Genre-Referenztiteln wie Call of Duty 3 und Medal of Honor, versuchen sich immer wieder eher unbekannte Spiele auf dem Markt zu etablieren und mit neuen Aspekten die ausgetretenen Pfade wieder interessant zu gestalten, auf dass zahlreiche Spieler ihm folgen. Hour of Victory ist so ein Titel. Der von Midway produzierte Shooter hat sich das ehrbare Ziel gesetzt, frischen Wind ins Setting Zweiter Weltkrieg Shooter zu wehen. Ob es ein Orkan ist oder eher ein laues Lüftchen, erfahrt ihr in unserem Test!

Drei Männer – ein Weg

Zunächst sollen an dieser Stelle einige Worte zur recht banalen Hintergrundgeschichte von Hour of Victory verloren werden. Wieder einmal geht es, wie in nahezu jedem Shooter, der das Thema Zweiter Weltkrieg zum Gegenstand hat, um den Kampf der guten Alliierten, die sich verbünden, um die bösen Deutschen auszuschalten.

So weit, so historisch. Doch nun kommt ein neuer Aspekt ins Spielgeschehen. Anlehnend an die Entwicklung der V2-Rakete in den letzten Kriegsjahren, stricken die Storywriter eine eigene Geschichte. In Hour of Victory befindet sich eine mit atomarem Sprengkopf versehene Bombe in der Entwicklung. Damit wollen die Deutschen die Macht an sich reißen. Dies versuchen die Alliierten natürlich mit allen Mitteln zu verhindern.

Unter ihnen befinden sich die drei Helden des Spiels der Scharfschütze Calvin Blackbull, der Covert Ops Spezialist Ambrose Taggert und der Meister des Nahkampfes und kompromissloser Action William Ross. Ja ihr habt richtig gelesen.

Während in den meisten Shootern lediglich ein Protagonist zur Verfügung steht, geben sich in Hour of Victory drei vollkommen unterschiedliche Charaktere ein Stelldichein.

Vor jeder Mission dürft ihr wieder einen der drei Figuren wählen. Welche Auswirkungen eure Wahl hat, bemerkt ihr recht schnell. Während euer Scharfschütze auf Dächer klettern und den feindlichen Schergen aus dem Hinterhalt das Lebenslicht auspustet, kann Taggert im Stile eines Sam Fisher leise und unauffällig durch die Levels schleichen und ist ein Meister der Tarnung. Ihr werdet überdies regelmäßig vom Spiel informiert, welche der Aufgaben gerade eher von einem der nicht gewählten Charaktere gelöst werden kann. Einen Superhelden mit übernatürlichen Fähigkeiten und einen MacGyver-Verschnitt, der sich als Allrounder aus jeder misslichen Situation befreit, werdet ihr in Hour of Victory vergeblich suchen. Dadurch erhält der Titel aber auch einen gewissen Reiz.

Hausmannskost oder Deluxe-Menü?

Entsprechend eurer Charakterwahl fällt auch das Waffenarsenal aus. Während Taggart in einer schallgedämpften Sten Mk-II seinen Liebling gefunden hat, um seine Feinde möglichst lautlos auszuschalten, und Scharfschütze Blackbull die Sniper-Rifle bevorzugt, geht es bei Ross mit dem Standard-Repertoire an Waffen ziemlich brachial und martialisch zu.

Leider werden die unterschiedlichen Fertigkeiten der Charaktere nur bedingt genutzt. Wirklich neue Routen werden in den Missionen nicht freigeschaltet.

Meist schließt ein Tor auf oder klettert auf ein Dach, nur um kurz danach wieder denselben Abschnitt wie mit den anderen Charakteren zu spielen. Eine große Enttäuschung, schließlich sollte dieses Feature den Titel von der Konkurrenz abheben. Dies ist leider nicht der Fall. Schnappt ihr euch beispielweise ein Scharfschützengewehr mit Ross, spielt sich das Spiel genauso wie mit Blackbull.

Von den kleinen Klettereinlagen mal abgesehen. Weiterhin gibt es Missionen, in denen sich die drei Charaktere vollkommen gleich spielen. So sollt ihr in einer Mission beispielsweise Bomber vom Himmel holen. Hinter die Flak geklemmt, leisten alle drei gleich gute Arbeit. Um euch in den meistens recht kurzen und leider zu linearen Levels zurecht zu finden, spendiert euch das Programm einen Radar, auf dem ihr eure Feinde erkennen und anhand grüner, gelber und roter Punkte feststellen könnt, inwieweit ihr in das Visier der Gegner gelangt seid und sie auf euch aufmerksam geworden sind.

Da die Widersacher meist in größeren Gruppen unterwegs sind, solltet ihr möglichst schnell mit einem Druck auf die B-Taste in Deckung gehen, oder mit LB zur nächsten schützenden Stelle rennen. Verfärbt sich euer Bildschirm rötlich, solltet ihr aufpassen, nicht noch mehr Treffe einstecken zu müssen. Einige Sekunden Pause und der Bildschirm wechselt wieder in die normale Farbe um. Dieses Prozedere haben die Entwickler eingebaut, um nicht das Gameplay durch krampfhaftes Suchen nach Medikits zu bremsen.

Gib Gas!

Damit sich Hour of Victory auch ansprechend spielt und nicht bereits nach einigen Minuten Langeweile einstellt, haben die Entwickler großen Wert auf eine möglichst glaubhafte KI gelegt.Wo in vielen vergleichbaren Titeln die Gegner einfach nur strohdumm in der Gegend umher irren, oder mal hinter einer Kiste mehr schlecht als recht Deckung suchen, sind die Soldaten bei Hour of Victory zum Teil um einiges cleverer.

Im Regelfall sind sie nicht alleine unterwegs, sondern durchkämmen die Territorien in kleinen Gruppen und geben sich gegenseitig Feuerschutz. Jeder Trupp wird von einem Offizier kommandiert, der sich um das Wohl seiner Untergebenen kümmert und anordnet, wie mit dem Feind, also euch und euren Mitstreitern, umzugehen ist. Allerdings solltet ihr keine flinken Schergen wie beispielsweise in F.E.A.R. oder Far Cry erwarten, zumal die KI von gelegentlichen Aussetzern geplagt wird.

Eigentlich fast schon ein Muss sind die verschiedenen fahrbaren Untersätze, mit welchen ihr euch durch die Areale bewegt. Und auch Hour of Victory kann mit diversen Fahrzeugen aufwarten. An vorderster Stelle stehen natürlich der Panzer und der Jeep. Diese sind, wie auch die Spielfiguren, recht einfach und präzise zu steuern, sodass sich Genrekenner wie Neulinge schnell heimisch fühlen werden. Als wirklich gelungen kann man Fahrzeug-Missionen aber auch nicht bezeichnen. Hier wird nur Durchschnittskost geboten, was das Ganze schon fast überflüssig macht.

Schaun mer mal…

Natürlich werdet ihr euch Fragen, wie es um die Optik des Titels bestellt ist. Hier müssen wir sagen, dass Hour of Victory zwar gute Momente, aber auch zahlreiche Schwächen aufweist. Wer im Hinterkopf hat, dass die Grafik auf die Unreal Engine 3 aufgesetzt ist, der dürfte enttäuscht sein. Vor allem die Texturen sind zum Teil deutlich geringer aufgelöst, als beim Genre-Primus Call of Duty 3. Auch wirken die Texturen insgesamt wenig abwechslungsreich und dunkel. Gut gelungen sind hingegen die Explosionen und die verschiedenen Wettereffekten. Warum jedoch die Rauchschwaden nach Explosionen so mager ausfallen und die Charaktere blaß wirken, ist uns ein Rätsel.

Im Gegensatz hierzu steht der Sound. Wer über eine entsprechende Anlage verfügt, genießt eine exzellente Atmosphäre in Dolby Digital. Hier und da haben wir Explosionsgeräusche vermisst. Die Sprachausgabe ist ebenfalls gelungen. Auf eine deutsche Lokalisierung bezüglich der Synchronisation hat man indes verzichtet, was bei einem WWII-Shooter allerdings keinen Beinbruch darstellt, zumal die deutschen Soldaten auch Deutsch sprechen.

Mehrspieler

Was wäre ein Shooter ohne entsprechenden Multiplayer-Part? Diesen bietet Hour of Victory natürlich auch. Leider haben die Entwickler auf einen Coop-Modus komplett verzichtet. Gespielt wird wahlweise über System Link oder Xbox Live Ranglisten-Spiel.

Angeboten werden euch Kriegsgebiet, Eroberung und Zerstörung. Insgesamt bietet euch das Spiel drei Modi, die ihr mit bis zu zwölf Teilnehmern spielen könnt. Leider ist es dabei egal, welche Variante ihr wählt, da die Modi allesamt von den gleichen Problemen heimgesucht werden. Die Grafik baut sich zu Beginn eines Matches ungeheuer langsam auf, die Animationen der Charaktere sehen leider mehr als unbeholfen aus und auch ansonsten seid ihr bei der Konkurrenz besser bedient. Im Vergleich zu Call of Duty 3 gibt es keinerlei Klassen oder Fahrzeuge, was sich letztlich im monotonen Ablauf der Matches widerspiegelt. Allerdings war es uns auch nicht möglich, den Multiplayer-Modus voll auszukosten, da die Server während unseres Tests eher spärlich besucht waren.

Fazit

Auch wenn es sie inzwischen schon wie Sand am Meer gibt, spiele ich Weltkriegs-Shooter noch immer sehr gerne und freute ich mich daher auch auf Hour of Victory, welches mit viel versprechenden Features angepriesen wurde. Letztlich kann ich aber nur sagen, dass meine Enttäuschung dementsprechend groß ist. Eine beklemmende Atmosphäre wie bei der Konkurrenz will einfach nicht aufkommen. Die Missionen bieten keinerlei überraschende Wendungen, sind viel zu kurz geraten und die Charaktere wirken teilweise leblos. Auch die verschiedenen Fähigkeiten hätten viel besser ins das Spiel eingebunden werden müssen. Hier wurde viel Potenzial vergeudet. Ganz zu schweigen vom ernüchternden Mulitplayer-Modus, der wie eben dahin geschustert wirkt. Dabei ist es bei einem kurzen Spiel wie diesem Pflicht, den Spieler mit gelungenen Mehrspieler-Partien auch langfristig ans Pad zu fesseln.

Hier und da sind gute Ansätze wie beispielsweise in der Grafik zu erkennen, diese werden aber durch die vielen Mankos gnadenlos erstickt. Fans von Shootern dieser Art werden kurzweilig ihren Spaß mit Hour of Victory, aber auch stets das Gefühl haben, alles schon einmal in einem schöneren Gewand erlebt zu haben.

Hour of Victory [X360 , looki.de]

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