Infinite Undiscovery

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Square Enix
Entwickler
Tri Synergy
Erscheinungsdatum
-
Genre
Action
USK
16
Infinite Undiscovery [X360 , looki.de]

Gesamtwertung

76%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Infinite Undiscovery

Bereits seit einigen Jahren erfreuen sich Rollenspiele aus Fernost auch hierzulande immer größerer Beliebtheit. Besonders der Redmonder Konzern Microsoft hat es sich- nicht zuletzt aufgrund der schwachen Verkaufszahlen der Xbox 360 in Asien - in den letzten Monaten zur Aufgabe gemacht, Besitzer einer NextGen-Konsole mit qualitativ hochwertigen Titeln zu versorgen. Dass dies gelingen kann zeigen dabei Genreperlen wie Lost Odyssey und Blue Dragon; doch auch Negativbeispiele sind nicht gerade rar gesät: Enchanted Arms, Ninety Nine Nights oder Final Fantasy XI konnten ihr Potential nicht einmal ansatzweise ausnutzen und wurden mit durchschnittlichen Wertungen überhäuft. Ob sich Square Enix‘ Infinite Undiscovery in dieser Durchschnittsliste einreiht, oder vielleicht doch herausstechen kann, erfahrt ihr in unserem Review.

Der Mond in Ketten

Die Welt wird von hungrigen und grausamen Monstern heimgesucht, die Menschen leben in ständiger Angst, der Mond, von einem tyrannischen Herrscher in Ketten gelegt, scheint schwach auf die Menschheit herab. In dieser turbulenten Zeit findet sich der junge Flötenspieler Capell in einem Gefängnis wieder - eingesperrt aufgrund seiner Ähnlichkeit zum Rebellenhelden Sigmund.

Letzterer ist dabei Anführer einer Gruppe von Freiheitskämpfern, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Welt von Tyrannei durch den Orden der Ketten und den Mond von den selbigen zu befreien. Dummerweise nur hat Capell rein gar nichts mit dem besagten Haufen Rebellen zu tun, verabscheut den Kampf und geht darüber hinaus jedwedem Ärger aus dem Weg. Dies ändert sich jedoch schlagartig als die hübsche Aye zur Rettung des Musikers eilt; im Glauben, dass es sich bei diesem um Sigmund handelt, fliehen die beiden aus dem Kerker und Capell gerät mitten in einen Strudel voller Abenteuer, Kämpfe und nicht zuletzt sehr viel Ärger.

Die Geschichte um den Musiker Capell, der im Spielverlauf vom weichen Musikus zum harten Kämpfer heranwächst, erstreckt sich dabei auf eine Spielzeit von knapp 40 Stunden, die immer wieder durch Zwischensequenzen unterbrochen wird, um die Story weiterzuführen und dem Spieler zusätzliche Informationen zu geben. Die doch recht ausgiebige Spielzeit beschränkt sich jedoch nicht nur auf den äußerst linearen Hauptstrang des Spiels, auch Nebenaufgaben gilt es für den Spieler in der Rolle von Capell zu erfüllen.

Diese sind dabei aber meist langwierig und unspektakulär gehalten, wodurch zwar die Spielzeit verlängert wird, der Frustfaktor jedoch steigt. Wer will sich schon stundenlang mit Botengängen beschäftigen, wenn es eine ganze Welt zu retten gibt? Darüber hinaus leiden die Miniquests unter den riesigen Arealen, in denen sich der Spieler oft nicht zurechtfindet und dieser so zwangsläufig weite Wege bestreiten muss. Der durchschnittliche Rollenspieler beschränkt sich somit besser auf den Hauptquest, verzichtet auf einige Erfahrungspunkte und Gegenstände, taucht jedoch intensiver in die herrlich erzählte, wenn auch etwas einfallslose Story rund um den Kampf Gut gegen Böse ein. Wer es noch leichter haben möchte, wählt zudem einen niedrigen Schwierigkeitsgrad, wodurch die Hintergrundgeschichte in der Breite etwas gekürzt wird. Sprich, man verzichtet freiwillig auf einige Informationen um Helden, Gegner und der Fantasiewelt. Besonders für Spieler mit geringen Englischkenntnissen ist dies von Vorteil, ist der Titel doch von Publisher Kochmedia nicht lokalisiert worden.

Intelligente Echtzeit-Schlachten

Neben der Story ebenfalls entscheidend für die Bewertung eines jeden Rollenspiels, ist das Kampfsystem. Hierbei kehren die Entwickler dem rundenbasierenden Kampf den Rücken zu und lassen den Spieler in Echtzeit gegen fiese Monster und andere Kreaturen antreten; Zufallskämpfe auf separaten Schlachtfeldern gibt es nicht.

Auf den ersten Blick wie ein ausgelutschtes Hack n‘ Slay-Konzept wirkend, präsentiert sich das Spielprinzip aber um einiges durchdachter, als zu Beginn angenommen. Klassisch bedient man sich zwar auch hier Aktionspunkten zum Ausführen von Combos und Magiepunkten zum wirken von Zaubern, jedoch dominieren andere Aspekte den Kampfausgang. So können Partymitglieder kurze Zeit selbst gesteuert werden und damit deren besondere Angriffe genutzt werden.

Gegner in weiter Entfernung überrascht man so mit einem präzisen Schuss mit dem Bogen, bei welchem in 3rd-Person Manier gezielt wird, oder jagt explosive Fässer in die Luft um Gegnerhorden geschickt auszuschalten. So gilt es zu Beginn beispielsweise einem Oger zu entfliehen, welcher der Party in Größe und Kraft schlichtweg überlegen ist.

Nach einer spannenden Flucht vor dem Ungetüm, stellt er den Helden uns seine Begleiterin in einem Flur, welcher mit explosiven Fässern gespickt ist. Schnell ist die Situation erkannt, der Bogen gespannt und das Monster mit einer ordentlichen Ladung Dynamit in die Luft gejagt. Diese „Connect“-Funktion dient aber auch dazu andere Charaktere kurzzeitig die Führung übernehmen zu lassen, um mit diesen NPCs anzusprechen. Denn nicht immer wirkt unser Held Capell so sympathisch auf Männer, wie es bei einer hübschen Frau der Fall ist. Nicht selten lassen sich so zusätzliche Informationen oder Aufträge ergattern. Doch erst einmal zurück zum Kampfsystem.

Ebenfalls entscheidend für den Ausgang eines jeden Gefechts ist der Überraschungsmoment, von welchem Infinite Undiscovery durchaus lebt. Oftmals gilt es Gegner geschickt zum umschleichen, um dann aus dem Hinterhalt anzugreifen; da diese Angriffe – sofern die Party nicht entdeckt wurde – stets einen kritischen Treffer nach sich ziehen, können so kampfentscheidende Wunden zugeführt werden. Diesen Umstand nutzen jedoch ebenfalls die Gegner, die ab und an aus dem Hinterhalt auftauchen und die Gruppe überraschen. Da alles in Echtzeit abläuft und somit auch während dem Ausrüsten von Charakteren, dem Auswählen von Zaubern und Combomöglichkeiten, oder dem Blick in die Inventarkiste das Spiel weiterläuft, ist jederzeit ein Angriff seitens des Gegners möglich. Wem angesichts dieser Umstände das Kampfsystem zu komplex erscheint, kann jedoch beruhigt werden. Die Gruppenmitglieder, von denen bis zu vier Mitstreitern eine Party bilden, reagieren selbständig und in den meisten Fällen äußerst intelligent.

So heilen diese den Spieler beispielsweise auf Wunsch, wodurch ihr nicht in Menüs herumblättern müsst, und agieren auch im Kampf durchaus taktisch geschickt. Darüber hinaus hat man die Möglichkeit sechs Grundeinstellungen für die Gruppe vorzunehmen. Ob diese also manasparend, defensiv oder offensiv in den Kampf gehen, kann vom Spieler grob bestimmt werden. Das Aufstufen funktioniert indes voll automatisch, sodass sich der Spieler nur um Ausrüstung und Zauber, sowie Combos kümmern muss. Die Schattenseiten dieses Kampfsystem offenbaren sich jedoch ebenso rasch wie die Vorteile.

Zu viele Köche verderben den Brei

So hat der Spieler im Spielverlauf die Möglichkeit seine Party aus ganzen 18 möglichen Gruppenmitgliedern zusammenzustellen. Für den Einen eine Fülle an Auswahlmöglichkeit, wird das Spiel für Andere zu undurchsichtig und komplex. So müssen Ausrüstungsgegenstände für jeden einzelnen Charakter erworben werden, was ordentlich ins Geld geht; darüber hinaus verlieren die Charaktere ihren Charme, ist man mit manchen doch nur wenige Stunden unterwegs und lernt sie so kaum kennen. Eine Handvoll möglicher Mitstreiter und dafür passende Hintergrundgeschichten und Charakterentwicklungen hätten dem Spiel durchaus besser getan.

Weiterhin wirken die Kämpfe aufgrund der Gegnermassen und der Effektgeladenheit der Angriffe oftmals undurchsichtig und verwirrend. Auch hier hätte man ein wenig zurückschrauben und Qualität statt Quantität Vorrang gewähren können. Ein paar mehr Bosse, die durch taktisches Handeln statt durch plumpe Angriffe und Combos den Tod finden, wäre sicherlich eine Bereicherung gewesen.

Überdurchschnittliches Rollenspielerlebnis

Die grafische Präsentation kann sich indes durchaus sehen lassen. Herrliche Effekte in den Kämpfen, gute Zwischensequenzen, weite Areale und eine ordentliche Charaktergestaltung sowie gelungene Animationen überzeugen fast auf ganzer Linie. Dennoch handelt es sich bei Infinite Undiscovery nicht um eine grafische Meisterleistung; in jedem Bereich gibt es Luft nach oben. So könnten die Schauplätze einen Tick lebendiger und detaillierter wirken, die Charaktere indes etwas lockerer in ihren Animationen und feiner in Mimik und Kontur daherkommen. Auch beim Sound gibt es Verbesserungsbedarf, obwohl die Hintergrundmusik und die englischen Synchronsprecher durchaus stimmig erscheinen. So wirken die Effekte in Hinblick auf die Grafik weniger pompös; störend ebenfalls die Zwischensequenzen, in denen sich zwar die Lippen der Charaktere bewegen, es jedoch nichts zu hören, sondern nur Untertitel zu lesen gibt. Ein oder zwei Soundfiles mehr hätten dabei nicht geschadet.

Fazit

Infinite Undiscovery ist zweifelsohne ein gelungenes Rollenspiel. Viele Elemente der Story gefallen und werden durch die zahlreichen Zwischensequenzen perfekt in Szene gesetzt. Dennoch wirkt sie zu linear, worüber auch die schwachen Sidequests nicht hinwegtrösten können, welche die Spielzeit zudem oftmals unnötig in die Länge ziehen. Auch beim Kampfsystem und den Partyfunktionen handelt es sich um ein zweischneidiges Schwert. Während die Connect-Funktion sowie das Echtzeitgameplay das Gefecht taktischer und temporeicher machen, stört die Undurchsichtigkeit beim Kampf, die Anzahl der möglichen Partymitglieder und das nicht genutzte Potential, vor allen Dingen im taktischen Bereich. Wer jedoch nach guter JRPG-Unterhaltung mit guter KI und ansprechender Grafik sucht, kann hier fündig werden. Leider jedoch nur Spieler, die des Englischen mächtig sind.

Infinite Undiscovery [X360 , looki.de]

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