Just Cause

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Eidos
Entwickler
Avalanche Software
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
16
Just Cause [X360 , looki.de]

Gesamtwertung

85%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Befriedigend

Bedienung

Sehr gut

Just Cause

Viva la Revolucion! Mit diesem eingängigen Schlachtruf, den schon seinerzeit Kubas Staatschef Fidel Castro und sein charismatischer Mitstreiter Che Guevara einst ausgaben, kann man am besten das Xbox360 Erstlingswerk Just Cause von den Avalanche Studios beschreiben. Korruption, Drogen, Machtränke und jede Menge bleihaltige Action vor einer traumhaft schönen Kulisse. Und ihr natürlich mittendrin. Ob dieses Far-Cry Next-Gen Konzept aufgeht, verrät euch der Test.

Da staunt selbst Kubas Fidel

Sonne, Strand und Meer – so weit das Auge blicken kann. Wer träumt bei diesem nasskalten Herbstwetter nicht davon? Dazu noch einen eisgekühlten Cocktail oder ein leckeres Bier und nette Frauen rings umher. All das könnte auch Agent Rico Rodriguez haben. Doch anstatt genüsslich einen Cocktail zu schlürfen, muss er sich im Auftrag der US-Regierung in einen Helikopter schwingen, um auf der Insel San Esperito ein Regime zu stürzen.

Denn Präsident Salvador Mendoza ist den Amerikanern schon längst ein Dorn im Auge, ist er doch im großen Stil im internationalen Drogengeschäft tätig und besitzt, wie sollte es auch anders sein, natürlich jede Menge Massenvernichtungswaffen. Auch mit einigen paramilitärischen Staatsfürsten wickelt er seine dubiosen Geschäfte ab. Und hier kommt ihr als Rico Rodriguez ins Spiel. Denn kaum ist das Intro über euren Bildschirm geflimmert, befindet ihr euch auch schon im Sturzflug auf das malerische Postkartenidyll San Esperito.

Besser als 007?

Während Rico sich im Anflug auf die Insel befindet, werdet ihr vom ersten Moment an mit der Steuerung vertraut gemacht. Denn wer nun denkt, dass der Agent brav in der Maschine sitzt, der irrt. Mittels waghalsigem Hechtsprung hat sich Mr. Rodriguez nämlich aus dem Heli gestürzt. Gut, dass er seinen Fallschirm dabei hat. Kaum gelandet, wartet schon die erste Aufgabe auf ihn. Er muss einem Kollegen zur Hilfe kommen. Dank automatischer Zielanvisierung ist dies ein Kinderspiel. A propos Spiel: Sinn und Zweck ist es, Präsident Mendoza zu stürzen. Dass das leichter gesagt ist, als getan, merkt ihr bereits nach wenigen Spielminuten.

Denn der Inselregent hat überall seine Schergen verteilt. Daher solltet ihr überlegen, wie ihr am sinnvollsten vorgehen wollt. Schleicht ihr euch ein, ist dies meist der sicherste Weg. Zieht ihr lieber die brachiale Art vor, macht dies jedoch eindeutig mehr Spaß. Und davon gibt es auf der rund 5.000 Quadratkilometer großen Insel reichlich. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Spielen, nimmt sich Just Cause selbst nicht ernst und bietet allerbestes Entertainment. Vor allem das Gameplay ist äußerst beeindruckend geworden. Nicht genug, dass ihr euch, wie in GTA, nahezu jeden fahrbaren Untersatz „ausborgen“ könnt. Agent Rico ist auch noch äußerst gelenkig. So kann er mittels Betätigung der A-Taste während der Fahrt einen gewagten Stunt hinlegen oder aus einem brennenden da beschossenen Auto heraushechten. Besonders eindrucksvoll wird das Ganze ungefähr nach einer halben Stunde Spielzeit. Denn dann verfügt euer alter Ego über eine Art Greifzange mit Schleppseil. Mit diesem Gadget heftet sich Rico kurzerhand hinter Autos und lässt sich mitziehen. Doch nicht etwa im Dreck. Vielmehr macht ihr dies vom Gleitschirm aus. Sieht nicht nur cool aus, ist auch noch sinnvoll, um schnellstmöglich das potentielle Opfer aus dem Wagen zu katapultieren oder rasch von einem Ort zum nächsten zu gelangen. Egal ob Stunts, Action-Einlagen oder Explosionen. Alles ist ein wenig überdreht und überzeichnet. Doch das ist ganz im Sinne der Entwickler. Frei nach dem Motto: Langweilig ist woanders!

Viel Feind, viel Ehr

Insgesamt umfasst die Tropen-Show 21 ausgedehnte Missionen, die sich über mehrere virtuelle Tage erstrecken. Dabei entspricht ein Tag in etwa 25 realen Spielminuten. In seinem Kampf gegen das Regime ist Rico nicht allein. Mehr und mehr stärkt er durch erfolgreich abgeschlossene Missionen den Revolutionären den Rücken.

Während er sich nach und nach dem „Inner Circle“ des Präsidenten nähert, muss er unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Mal soll er Drogenbosse aus dem Weg räumen, mal einen wichtigen Kontaktmann aus einem Gefängnis befreien oder einen Konvoi entführen. Da allerdings die CIA ihre Finger mit im Spiel hat und in Kooperation mit der Guerilla-Front auf San Esperito die großen Drogenkartelle beeinflusst, müsst ihr euch auch auf deren Seite stellen.

Aber nicht nur dieses Wechselspiel zwischen den Fraktionen ist ein entscheidendes Kriterium für einen erfolgreichen Missionsabschluss. Gleichzeitig heißt es auch noch, sich vor der ortsansässigen Polizei in Acht zu nehmen. Denn die versteht nun wirklich keinen Spaß. Neben den eigentlichen storyrelevanten Aufgaben, könnt ihr auch noch zahlreiche von der Geschichte abzweigende Aufträge erfüllen und dadurch Prestigepunkte einsacken. In verschiedenen Unterschlupfen könnt ihr Munition und Fahrzeuge unterbringen. Quasi auf Kommando dürft ihr euch einen Transport-Heli zur Hilfe rufen, der euch einen Jeep oder ein Motocross-Bike organisiert. Da ihr aber auf dem dicht befahrenen Straßennetzwerk rund um San Esperito quasi rund um die Uhr ein Fahrzeug findet, ist dieses Feature eher ein nettes Gimmick, es sei denn, ihr habt euch einmal im Dschungel verlaufen und müsst vor den Regierungstruppen fliehen. Ein wenig nervig ist die Minimap, da sie nicht genug Terrain anzeigt, und somit das eine oder andere Mal die Missionsziele aus dem Auge verloren gehen. Freundlicherweise spendierten die Entwickler rote Pfeile, die über dem aktuellen storyrelevanten Ziel leuchten. Um euch einen besseren Überblick über Ziele, Kontaktpersonen oder Verstecke zu verschaffen, müsst ihr ansonsten umständlich über die Select-Taste in euren PDA wechseln und dann die Inselkarte aufrufen. Wo wir schon mal beim Thema PDA sind: Hier könnt ihr zusätzlich diverse andere Funktionen aufrufen, wie zum Beispiel eine politische Karte, welche euch über den augenblicklichen Zustand der einzelnen Provinzen informiert und euch anzeigt, ob diese instabil oder politisch stabil sind. Des Weiteren eine Evakuierungsoption, wenn es euch zu gefährlich wird, eine Option mit Übersicht über die aktuellen Missionsziele, einen Button für die geschlossenen Guerilla-Verbindungen, einen für die Regierungstreuen Verbindungen, und einen allgemeinen Statistik-Bildschirm mit Übersichten über Spielzeit, beendete Storyimssionen, ausgehobene Siedlungen und vieles mehr.

Da ist ja mal was los…

Spätestens seit Far Cry wissen wir, wie eine Tropeninsel auszusehen hat. Viel Grünzeugs, Traumstrände, kristallklares Wasser und viel Sonnenschein. Natürlich steht San Esperito dem in nichts nach und zaubert ein bislang nicht gesehenes Urlaubsparadies auf den heimischen Bildschirm.

Das sieht man schon beim Anflug auf San Esperito. Die Insel ist nicht nur größer, sondern verfügt über ein vielfältigeres Erscheinungsbild. Wer sich mit dem Fallschirm nicht am Strand, sondern auf dem Wasser fallen lässt, der wird seinen Augen kaum trauen. Die Unterwasserwelt des Inselidylls ist noch detaillierter und ansehnlicher umgesetzt als beim ohnehin schon eindrucksvollen Far Cry.

Lediglich die Wasseroberfläche sieht bei Cry Techs Shooter attraktiver aus. Leider streamt das Programm die Grafik auch nicht unauffällig ins Bild, sodass es doch das eine oder andere Mal ein Pop up gibt, welches jedoch nicht so störend ist, wie bei anderen Titeln. Auch zu Lande hat Avalanche Studios Just Cause meistens die Nase vorne. Neben einer noch üppigeren Vegetation, einer atemberaubenden Weitsicht und einem imposanten Tages- und Nachtwechsel wurden auch die Wettereffekte und die Motion-Blur während der temporeichen Actionszenen technisch auf den neusten Stand gesetzt. Dank Havok 2.0 Physik Engine gibt es herrlich übertriebene Explosionen zu bewundern. Selbst auf einem Röhrenfernseher mit 4:3 Auflösung macht Just Cause eine gute Figur. Seine wahre Schönheit jedoch entfaltet der Titel erst auf HDTV-Geräten. Auch die Ladezeiten im Spiel wurden recht kurz gehalten. Ein wenig störend empfanden wir beim Testen die Animationen. Gerade Held Rico wirkt ab und an träge und holzig. Das passt nicht richtig zu den Actionsequenzen und den ansonsten fein gezeichneten Charakteren. Und auch die deutsche Synchronisation, holt keinen Hund hinter dem heimischen Ofen hervor. Wie sehr hätten wir uns die Synchronstimme von Antonio Banderas gewünscht. Auch die KI und die wenig akkuraten Trefferzonen hätten die Entwickler besser hinbekommen müssen. Die Musik hingegen entspricht voll und ganz dem kubanisch angehauchten Inselflair und auch die Geräuschkulisse ist stimmig.

Ein wenig schade ist auch die Tatsache, dass sich die Entwickler bei Just Cause ausschließlich auf einen Singleplayer gestützt haben. Wie ein guter Multiplayer aussehen kann, beweist Far Cry. Gerade auf einer riesigen Insel wie San Esperito wäre hier eine Vielfalt an Möglichkeiten geboten, zumal das Spiel selbst durch das Einnehmen von Flaggen in den Rebellenstützpunkten vormacht, wie gut zum Beispiel ein Capture the Flag Modus realisierbar gewesen wäre.

Fazit

Natürlich drängt sich bei Just Cause ein Vergleich mit Grand Theft Auto und Far Cry auf. Ersteres natürlich wegen der frei erkundbaren Welt und der Möglichkeit, sich jeden fahrbaren Untersatz zu schnappen. Bei Far Cry steht vor allem das Tropensetting und die KI im Vordergrund. Während auf dem PC die Far Cry KI seinerzeit mit zu den Besten gehörte, ließ sie leider auf der Xbox und der Xbox360 zu wünschen übrig. Teilweise schließt sich die Just Cause KI dem an. Zwar sind die Gegner nicht ganz so dumm, aber ein wenig mehr Feintuning im Verhalten hätte kaum geschadet. Punkten kann Just Cause jedoch eindeutig bei den herrlich überzogenen Action-Einlagen, der eindrucksvollen Grafik, die sogar weitestgehend Far Cry in den Schatten stellt, und der Story. Einen umfassenden Multiplayer hätten wir gerne im Spiel vorgefunden. So erfindet Just Cause zwar das Rad nicht neu, geht allerdings einen guten Schritt weiter, die Next-Gen Möglichkeiten der Xbox 360 auszunutzen. Wir sind gespannt, ob es einen Nachfolger geben wird.

Just Cause [X360 , looki.de]

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