Kleinvieh ist auch Mist

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
-
Entwickler
Microsoft
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
-
Kleinvieh ist auch Mist [X360 , looki.de]

Kleinvieh ist auch Mist

Xbox Live Marketplace, Wii Shopping-Kanal oder PlayStation-Store – längst gebe ich den Großteil meines Geldes nicht mehr bei Amazon oder dem hiesigen Gamesshop aus, sondern in den Online-Stores von Microsoft, Nintendo und Sony. Der Trend ist neu und fand erst mit der neuen Konsolengeneration den Weg in die heimischen Wohnzimmer. Eigentlich ist er auch gut, er ermöglicht viele Vorteile von PC-Spielen auch auf den Konsolen. Mit nur einem Unterschied: Der Service ist im Gegensatz zum PC-Pendant meist kostenpflichtig.

Ich will mich nicht beklagen. Man kann das Angebot ja schließlich ignorieren und einfach so leben wie noch zu Zeiten der letzten Generation. Wo man immer wieder die gleichen Levels durchstreift, die gleichen Autos fährt oder die gleichen Charaktere spielt. Das ist aber scheiße und auch irgendwie uncool. Wo Möglichkeiten sind, muss man Möglichkeiten nutzten. Wo andere Gamer die neuen Maps spielen, muss man dabei sein. Doch zu welchem Preis?

Für 25€ mal eben ein paar MS-Points kaufen. Das ist viel Geld für zusätzlichen Schnickschnack und muss ja eigentlich auch eine Weile reichen. Auf dem Marketplace angelangt, deckt man sich auch zu gleich mit neuen Sachen ein: 150 Punkte für ein Dashboard-Thema, 400 Punkte für zwei neue Maps. Für den gleichen Preis noch zwölf Autos und 800 Punkte für ein kleines Arcade-Game.

»Da ist ja nichts bei – mach ich täglich«, wird sich so mancher PC- Zocker denken. Für den Konsolero bedeutet dies jedoch nur eins: Pleite - schließlich haben die eben aufgeführten Sachen ganze 20 Euro gekostet. Dumm nur, dass dennoch nur eine Plattform abgedeckt ist. Alles-Zocker lächzen auf der Wii außerdem noch nach Virtual Console-Spielen und im PlayStation-Store in Zukunft nach neuen Singstar Liedern und vielem mehr.

Im Endeffekt würde ich für ein Addon mit gleichem Inhalt, gepresst auf eine CD, niemals 20€ ausgeben. Warum denn aber online? Was veranlasst mich denn dazu, für ein wenige Pixel großes Bild Geld auszugeben – wenn auch nur ein paar Cent. Grade die winzigen Avatare für die Gamercard kommen fasst schon an die Dreistigkeit von Accessoirepacks für Die Sims ran. Ist es der Antrieb, aus dem gekauften Spiel alles rauszuholen? Die Gemütlichkeit, mit der man die neuen Sachen bezieht? Oder einfach der psychologische Effekt, dass man ja eh nur virtuelle Punkte ausgibt? So ganz kann ich das für mich nicht beantworten. Schließlich passiert mir in diesen Fällen immer genau das, was mir sonst nur beim Fussball oder anderen Nebensachen passiert: Mein Gehirn geht in den Standby-Modus.

»Du. Brauchst. Diesen. Scheiß. Nicht.« ist das letzte was mir grade so angestrengt durch den Kopf geht, bevor ich wie immer doch einfach auf Download klicke. Eine »Bist du dir sicher, dass du für das bisschen Inhalt soviel Geld latzen willst«-Abfrage hat man sich bei Microsoft natürlich gespart. Nicht, dass sich noch jemand umentscheidet…

Im Preis/Leistungs-Verhältnis fällt also der Großteil des Zusatz-Contents durch. Erst recht, wenn man bedenkt, dass alleine der Gold-Account 60€ im Jahr beansprucht, der allerdings für Downloads recht irrelevant ist. Auch scheinen die Preise nicht dem Aufwand des Entwicklers gerecht zu werden. Ein Spielerbild ist Arbeit von Sekunden, ein Theme vielleicht von ein paar Minuten. Gleiches bei neuen Maps: Hätte allein eine Multiplayer-Karte einen Wert von 2,50€, wäre die Vollversion ganz schön teuer. Das Ergebnis: Das volle Online-Erlebnis ist zwar ziemlich gut, aber auch ganz schön teuer für den User, während sich andere damit anscheinend eine goldene Nase verdienen.

Da kann man von Glück reden, dass es Spieleschmieden (Ja, ich benutze dieses Wort!) gibt, die darauf bedacht sind, kostenlose Inhalte zu bringen. Epic ist hier ein schönes Beispiel: Die zwei neuen Maps zu GoW waren von Beginn an kostenlos, auch dank der freundlichen Unterstützung vom Discovery Channel. Bereits zuvor hatte man klargestellt, man wolle wie auch bei den vorangegangenen PC-Titeln die Community möglichst lange und kostenfrei supporten. Wollen wir es hoffen…

Da der PC eh unabhängig genug ist und oftmals die Möglichkeit bietet, selbst neue Inhalte zu erstellen, wird Microsoft trotz Vista ein ähnlicher Siegeszug wohl nicht gelingen. Der Anfang ist mit dem 8 US-Dollar teurem Geometry Wars: Retro Evolved jedoch getan.

Kleinvieh ist auch Mist [X360 , looki.de]

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