Gesamtwertung85 %/10 |
Grafik7 SoundUngenügend |
Lanzeitspaß8 Spieleinstieg7 |
Bedienung7 |
Wer damals die hervorragende Dreamcast-Version des Prügelklassikers Marvel vs. Capcom 2 gespielt haben sollte und sich dabei immer gewünscht hat, online gegen Gleichgesinnte anzutreten, sollte seiner alten Liebe nochmal eine Chance geben. Das Beat'em Up wurde kürzlich via Xbox Live Arcade und PSN in einer überarbeiteten Fassung veröffentlicht. Wir haben uns erstere Version angeschaut und verraten, ob der vermeintlich chaotische Prügler auch heute noch zu begeistern weiß und seine 15€ Wert ist oder nicht.
Der Zeitpunkt, Marvel vs. Capcom neu aufleben zu lassen könnte nicht besser gewählt sein. Nach dem genialen Street Fighter IV stehen Beat'em Ups der alten Schule wieder ganz hoch im Kurs. Aber lasst Euch eines direkt gesagt sein: Für den Fall, dass abgefahrene und vor allem schnelle Kloppereien, in denen es Bildschirm füllende Specialmoves nur so hagelt, nichts für Euch sind, solltet Ihr direkt die Finger von Marvel vs. Capcom 2 lassen. Hierbei handelt es sich nämlich um den König derartiger Spiele - von uns auch liebevoll Epilepsie Knüppler genannt.
Wie der Name schon vermuten lässt, vereint Marvel vs. Capcom 2 die beliebtesten Charaktere beider Universen in einem Beat'em Up und lässt sie in Dreierteams gegeneinander antreten. Unter den sage und schreibe 56 Charakteren befinden sich aber nicht nur Kämpfer aus der Street Fighter-Reihe oder Darkstalkers, sondern mit Jill Valentine, Megaman oder Strider Hiryu auch Recken bekannter Capcom-Titel ohne großartige Klopperfahrung. Auf der anderen Seite finden sich aus dem Marvel Universum bekannte Superhelden wie Spider-Man, Wolverine, Dr. Doom, Iceman, oder Hulk wieder, um nur ein paar zu nennen. Während der Kämpfe, die im klassischen 2D aufgetischt werden, könnt Ihr jederzeit zwischen den Charakteren hin und her wechseln.
Angeschlagene Kämpfer können sich so kurzzeitig wieder erholen. Das ist aber noch lange nicht alles. Auf Knopfdruck könnt Ihr eines Eurer Teammitglieder zur Unterstützung anfordern und so beispielsweise Combos einleiten oder abschließen.
Das Ganze geht sogar soweit, dass Ihr die Superspecial-Moves all der Mitglieder nacheinander oder gleichzeitig ausführen könnt, was die Comboanzeige schnell in Rekord verdächtige Höhen schnellen lässt. Bezüglich der Charaktere muss gesagt sein, dass das Balancing der Kämpfer nicht gerade das Beste ist und man mit manchen Charakteren gegen geübte Iron Man-, Magneto- oder Storm-Spieler nicht den Hauch einer Chance hat. Dementsprechend sind manche der Charaktere eher als nette Kämpfer für den lustigen Kampf zwischendurch als als wirklich gute Wahl anzusehen.
Das Gameplay wirkt zwar auf den ersten Blick sehr chaotisch und dementsprechend schwer zu handhaben, lässt man sich allerdings erst einmal darauf ein, verschafft einem die übersichtliche Buttonbelegung schnell den nötigen Überblick über die Movepalette der Riege.
Im Gegensatz zu anderen Capcom-Prüglern, stehen Euch hier lediglich vier Tasten für Angriffe zur Verfügung, wodurch man sich umfangreiche Combos relativ schnell aneignen kann. Richtig knifflig wird es erst beim Ausführen und Aneinanderreihen einiger der Superspecials oder der Air Combos. Hier müsst Ihr verdammt schnell sein. Spätestens hier wird auch deutlich, dass der Titel nur mit einem Arcade Stick wirklich anständig spielbar ist. Während man Street Fighter IV noch einigermaßen anständig mit herkömmlichen Controllern zocken konnte, ist ein Stick hier Pflicht.
Vom Umfang her bietet Marvel vs. Capcom im Prinzip recht wenig. So gibt es lediglich einen Story-, einen Scoreattack- sowie einen Trainingsmodus, der sich gerade für Anfänger generell empfiehlt, wenn man online überhaupt eine Aussicht auf Erfolg haben will. Der wahre Kern liegt aber im Multiplayer-Modus. Endlich kann man die fast schon übertrieben anmutenden Kämpfe auch online austragen. Während unserer Tests hatten wir zwar einige kleinere Verbindungsprobleme gerade bei der Suche nach Ranglisten-Matches, die Kämpfe an sich verliefen aber auch bei höheren Pings ohne störende Lags. Hier beweisen die Entwickler aus dem Hause Backbone Entertainment, dass sie ihr Handwerk verstehen. Schließlich war schon der Online-Modus von Super Street Fighter 2 Turbo HD Remix, für welches sich die Softwareschmiede ebenfalls verantwortlich zeichnete, schon äußerst gut gelungen. Einen Turniermodus wie bei besagtem Edelprügler findet man in Marvel vs. Capcom 2 allerdings nicht.
Bei der grafischen Gestaltung setzt man wie schon beim Gameplay voll und ganz auf das Original. Für die Umsetzung hat man dem Spiel neuerdings einen 16:9-Modus verpasst. Anhänger des alten Spiels werden jetzt wahrscheinlich die Stirn runzeln, es sei aber gesagt, dass sich das neue Format nicht auf das Gameplay auswirkt und der eigentliche Kampf nach wie vor in der 4:3 Ebene abspielt. Wer möchte, kann aber auch natürlich jederzeit wieder in den 4:3-Modus wechseln. Darüber hinaus hat Backbone Entertainment zwei nette Grafikfilter eingebaut, die die Sprites der Kämpfer ein wenig runder erscheinen lassen, ein grafische Generalüberholung wie in SSF2THDR sollte man aber nicht erwarten. Als stark verbesserungswürdig erweist sich aber noch immer der Soundtrack des Spiels, der ebenfalls eins zu eins aus dem Original übernommen wurde und mit seinem unpassenden Jazz-Geplänkel teilweise für Ohrenbluten sorgen kann. Unser Tipp: Die Musik des Spiels stumm schalten, die Kostbarkeiten der eigenen Musiksammlung anwerfen und das Spiel genießen.
Na hervorragend! Ich war froh, meine Sucht nach der Dreamcast-Fassung von Marvel vs. Capcom 2 nach jahrelanger Therapie endlich hinter mich gebracht zu haben, und jetzt wird mir die Nadel wieder gnadenlos in die Venen gerammt. Die Folge: Durchgemachte Nächte, Schlafmangel, ausgetrocknete Augen und blutige Finger. Verdammt! Das Zeug haut noch immer so rein wie damals. Schlimmer noch: Durch den neuen Onlinemodus treffe ich gleich auf ganze Herden ähnlich angefixter Typen wie mich. Es ist wirklich wie ein Teufelskreis. Es ist beängstigend. Es ist Nerven zerreißend. Es ist... Ach, was rede ich - Es ist einfach ein Traum! Scheiß auf Methadon! Ihr solltet Euch diesen Trip ruhig mal gegeben haben. Vielleicht findet Ihr ja einen neuen Freund fürs Leben. So wie ich.
Mavel vs. Capcom 2 ist einfach zeitlos gut und wird - trotz seiner Ecken und Kanten - nicht ohne Grund von vielen als das beste Beat'em Up aller Zeiten angesehen. Ob Ihr letztlich Gefallen an dem Titel finden werdet, entscheidet sich wohl erst nachdem Ihr selbst Hand angelegt habt. Die Reihe war halt schon immer Geschmacksache - Entweder man verabscheut das schnelle, knallbunte Spiel von vorn herein oder es ist die große Liebe. So wie bei gewissen anderen Dingen... Ihr wisst schon!
Mach Dir einen Namen im Dark Orbit. Allein oder mit Verbündeten wagst Du Dich in weit entfernte Sternen- systeme vor und kämpfst um 10.000 € zum Spiel...
Marvel vs. Capcom 2 im Test.
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