Mass Effect

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Microsoft
Entwickler
Bioware
Erscheinungsdatum
-
Genre
RPG
USK
16
Mass Effect [X360 , looki.de]

Gesamtwertung

95%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Sehr gut

Mass Effect

Im Jahre 2148, knapp 200 Jahre nach der ersten Mondlandung, machte die sich noch in den raumfahrerischen Kinderschuhen befindliche Menschheit eine schicksalsträchtige Entdeckung in den zerklüfteten Hügeln der lebensfeindlichen Marsoberfläche. Die Astronauten der geeinten Menschheit fanden Ruinen einer Kolonie der, wie sich später herausstellte, ausgestorbenen außerirdischen Rasse der Protheaner. In den Ruinen befanden sich Überreste einer uralten und doch bahnbrechenden Technologie, die es ermöglicht mithilfe von Massenwirkungsfeldern mit Überlichtgeschwindigkeit zu reisen. Überall um die Erde herum entwickeln sich interplanetare Handelsstationen und Kolonien, die Menschheit befindet sich auf dem Gipfel ihrer kulturellen Evolution und bald wird klar, dass der kleine Planet der bisher auf den Namen Pluto hörte, ein gefrorenes Massenportal der Protheaner ist. Diese Massenportale sind der grundlegende Baustein um innerhalb weniger Augenblicke in weit entfernte Galaxien vorzudringen. Mit einer riesigen Flotte macht sich die Menschheit auf die größte Entdeckungsreise ihrer, im Vergleich jungen Geschichte und stößt recht bald auf die erste außerirdische, raumfahrende Kultur: die Turianer.

Diese Begegnung entwickelt sich aber alles andere als friedlich und brandete schließlich in einem Konflikt der noch Generationen später als der „Erstkontaktkrieg“ bekannt ist. Durch diesen Krieg kam die Menschheit in Kontakt mit der Citadel, einer riesigen Raumstation, die den Citadel-Rat beheimatet. Dieser Rat ist ein Regierungsorgan, das die Geschicke aller außerirdischen Rassen steuert und sorgt mit allen Mitteln für Frieden. Erst jetzt wird der Menschheit klar, welche riesigen Ausmaße die Entdeckung des ersten Portals auf dem Mars haben würde. Nach jahrzehntelangem Frieden und florierenden Handelsbeziehungen über mehrere Galaxien hinweg, kommt es zum Angriff auf die Menschenkolonie Eden Prime. Die feindlichen Kräfte sind als „die Geth“ bekannt. Einer nicht-organischen Lebensform, die sich von ihren Erschaffern losgelöst hat und allen organischen Lebensformen feindlich gesinnt ist. Was hinter diesem Angriff steckt, ist bisher unbekannt. Die Menschheit reagiert und schickt das fortschrittlichste Schlachtschiff ihrer Flotte, die Normandy. Mit an Bord ist Commander Shepard, ein vielversprechender Offizier im Militär der Allianz. Wir.

Was wissen wir eigentlich über Sheppard?...

Diese Frage ist das erste, was ihr in Mass Effect zu hören bekommt und mit genau dieser Frage beschäftigt ihr euch während des ganzen Spiels. Wer seid ihr, was macht ihr, woher kommt ihr? Zumindest einen Teil von all den Fragen, die sich Euch stellen, könnt ihr bereits vor dem eigentlichen Spiel beantworten. Bevor ihr den ersten Ausflug auf euer großartiges Schiff, die Normandy, macht, müsst ihr euch im Schiffscomputer registrieren. Da dem Computer allerdings einige Dateien über euch abhanden gekommen sind, müsst ihr dessen Speicher ein wenig auf die Sprünge helfen, und so wird auch die Charaktererstellung raffiniert in das Spielsetting integriert.

Der Spieler hat die Wahl ob er sich einen vorgefertigten Shepard aussucht und nur Namen und Klasse ändert, oder ob er sich einen komplett eigenen Commander erstellt, dessen Gesicht, dank zahlreicher Einstellungsmöglichkeiten, bis ins kleinste Detail verändert werden kann. Ihr wollt anstatt des aalglatten und Soldatenhaften Standard-Commanders lieber eine etwas reifere, weibliche Protagonistn mit Fältchen, von langen Kriegsjahren zeugenden Narben und schicken, roten Haaren? Kein Problem, mit ein paar Klicks seid ihr dabei. Selbst die Position der Wangenknochen, die Breite der Nase und die Form der Augen lassen sich anpassen. Eurer Vorstellungskraft sind fast keine Grenzen gesetzt.

Nur in der Auswahl der Frisuren wünscht man sich teilweise etwas mehr Gestaltungsraum. Die Frisuren sind größtenteils eher kurz, Zöpfe und generell lange Haare sind im Gegensatz dazu nicht drin. Wäre für einen Offizier und Kommandanten des wichtigsten und fortschrittlichsten Schiffs der gesamten menschlichen Rasse allerdings auch etwas ungewöhnlich, jedenfalls heutzutage. Stereotypen gibt es halt auch noch in 180 Jahren.

Nachdem ihr nun also das Aussehen eures Alter-Egos, dass euch immerhin 20-50 Stunden, je nach Spielweise begleiten wird, festgelegt habt, beginnt auch schon das Rollenspiel in Mass Effect. Ihr legt eure Vorgeschichte fest. Seid ihr ein Abkömmling einer Raumfahrerfamilie, seid ihr in einer außerirdischen Kolonie oder auf der Erde aufgewachsen? Wollt Ihr als ein selbstloser Kriegsheld, skrupelloser Soldat oder letzer Überlebender einer großen Schlacht gelten? Eines ist auf jeden Fall klar: Ihr werdet prominent sein, zumindest innerhalb der Allianz und Leute werden euch auf eure Vergangenheit ansprechen und ihre Urteile über Sheppards Aktionen in Bezug auf eure mehr oder weniger ruhmreiche Vergangenheit bilden. Wirklich große Auswirkungen auf den späteren Spielverlauf hat das zwar nicht, macht aber unglaublich Spaß, bringt eine wahnsinnige Tiefe in das Rollenspiel und erhöht den Wiederspielwert sehr stark, was bei einem so komplexen Rollenspiel nicht gewöhnlich ist.

Man erlebt beim zweiten oder dritten Durchspielen zwar die gleiche Grundstory, viele Kleinigkeiten, zwischenmenschliche Beziehungen und einige Quest werden jedoch anders Verlaufen als beim ersten Mal. Eure Taten bestimmen den Verlauf des Spiels und legen fest ob ihr durch selbstlose oder skrupellose Aktionen als vorbildlich oder abtrünnig eingestuft werdet. Die Geschicke und das Ansehen der Menschen liegt als wichtiger Vertreter in eurer Hand. Doch dazu später mehr.

Viele Klassen verderben den Brei

Was wäre ein gutes Rollenspiel ohne unterschiedliche Klassen? Den größten Einfluss auf euer Verhalten im Kampf haben die verschiedenen „Berufe“ in der Allianz-Armee. Standard-Sheppard schwört auf viel Kawumm und ist ein klassischer Soldat, der nicht wirklich viel mehr lernen kann, als die verschiedensten Waffengattungen zu meistern, seine Kraft im Nahkampf aufzubauen und durch eine größere Fitness und stärkere Rüstungen mehr Beschuss einzustecken. Andere Klassen sind zum größten Teil zwar vielseitiger, sind aber weitaus weniger effektiv, was das Erledigen von unerwünschten Gästen angeht.

Weitere Berufe stellen die Techniker, Biotiker und Mischformen aus allen drei Klassen dar, die besonders interessant im weiteren Spiel sind. Die Biotiker kann man in etwa mit den Jedi aus Biowares innofiziellem Mass Effect-Vorgänger Knights of The Old Republik vergleichen.

Mit ihren Biotik-Fähigkeiten, wie Heben, Werfen und Biotikschild sind diese eher als unterstützende Einheiten zu sehen und können mit eher seltenden Biotik-Implantaten aufgerüstet werden. Die Attacken der Biotiker werfen die schönsten Effekte auf den Bildschirm, die sich auch durch das tolle Physiksystem bemerkbar machen.

Wenn zum Beispiel ein überdimensionaler Außerirdischer durch die Luft gewirbelt wird und dadurch alles auf seinem Weg zu Klump haut, sieht das einfach überragend aus. Die Techniker eignen sich besonders gut im Kampf gegen Maschinen und Roboter-Einheiten, wie die Geth. Deren künstliche Intelligenz kann beispielsweise gehackt und gegen feindliche Einheiten eingesetzt werden. Außerdem verstehen es Techniker, die Schilde feindlicher Einheiten außer Gefecht zu setzen und deren Waffen unschädlich zu machen. Besonders hilfreich beim lösen von Aufgaben und dem Aufrüsten des eigenen Arsenals ist die Dechiffrier-Fertigkeit der Techniker. Diese erlaubt es mit immer höheren Erfahrungsstufen, verschlossene Kisten zu öffnen oder Computer-Terminals zu hacken. Für das Hacken und Öffnen von gesicherten Systemen wird ein allgegenwertiges und geheimnisvolles Gel benötigt, das man unter anderem durch das Zerschrotten von eingesammelten Waffen erhalten kann. Das Dechiffrieren an sich ist allerdings nicht so elegant gelöst worden, wie wir es von Bioware kennen. Mit drei bis vier Klicks in der richtigen, vorgegeben Reihenfolge in einer bestimmten Zeit, ist so eine Kiste offen. Das geht nach ein paar Kisten und Terminals in Fleisch und Blut über, so dass die Fehlerquote nach ein bis zwei Stunden bei null Prozent liegt.

Hier hätte man sich ein wenig Abwechslung oder ein interessanteres System wie in Biowares KotoR oder dem Ego-Shooter Bioshock gewünscht, zumindest bei einigen Hochsicherheitssystemen. Erfahrung bekommen wir Rollenspiel-Üblich durch das Lösen von Quests und das Ausschalten von Gegnern.

Mass Effect geht aber noch ein Stückchen weiter und fordert den Spieler auf ein wenig zu Forschen und sich alles ganz genau anzuschauen. Überall im Mass Effect-Universum erhalten wir Hinweise und stoßen auf Geschichten, die in unserer „Kodex“ genannten Bibliografie abgespeichert werden. Je mehr wir in Erfahrung bringen und je mehr Konversationen wir führen, desto mehr Punkte bekommen wir. Das war aber längst nicht alles. Dieses Weltraumlexikon bietet nahezu auf alle Fragen eine Antwort. Ebenfalls waren wir von der sehr guten Sprachausgabe des Kodex begeistert. Hier heißt es „zurücklehnen und lauschen“. Jedes Thema wird umfangreich erklärt und schnell bekommt man das Gefühl, dass alles was der Computer da erzählt hat, wirklich irgendwann mal geschehen ist.

Das brauch ich noch! Und das und das!

Der Sammeltrieb wird in Mass Effect besonders stark gefördert. Schier unendlich viele, verschiedene Rüstungen, Waffen, Implantate und Upgrades finden wir auf unseren Erkundungstouren, nach Kämpfen und in Quests. Außer bei den Rüstungsgegenständen profitieren hier jedoch meistens die Soldaten.

Techniker und Biotiker kriegen hier und da zwar auch einen schicken neuen Kampfanzug, ein viel tolleres Multitool oder ein Biotikimplantat, sind aber eher auf ihre Fähigkeiten, als auf ihre Ausrüstung angewiesen. Für Soldaten hingegen sind die zahlreichen gewonnen Kämpfe in Mass Effect oftmals wie Weihnachten und Ostern zusammen. Wer bei den zahlreichen Händlern und auf dem Schwarzmarkt nicht fündig wird, wird auf dem Schlachtfeld mehr als genug beschenkt.

Das ist aber auch mehr als nötig. Ohne die optimale Ausrüstung wird schneller gestorben als man schauen kann. Für jede Gegnersituation kann man sich verschiedene Itemkonfigurationen zurechtlegen. Wenn man beispielsweise weiß, dass man eher gegen Maschinen kämpft, setzt man Sheppard und seinem Squad eher panzerbrechende Munition in die Flinten.

Werden organische Feinde, wie Piraten oder anderen Aliens erwartet, greift man besser auf schwere Wunden reißende „Schredder“ oder fiese chemische Waffen zurück. Des Weiteren gibt es nützliche Upgrades wie die Laufverlängerung, die den Schaden der Waffe dramatisch erhöht aber schneller überhitzt oder Regulatoren, die die Stabilität der Waffe erhöhen und sich somit besonders gut für Anfänger am Scharfschützengewehr eignet. Besonders wichtig sind auch die Rüstungsupgrades, die entweder die Härte des Materials erhöhen, die Schilde wirksamer machen oder dafür sorgen, dass die Gesundheit schneller regeneriert.

Sheppard greift außerdem auf Upgrades für seine Granaten zurück, die nur er benutzen kann. Hier wird zum Beispiel die Sprengkraft erhöht oder Gift beigemischt. Von solchen Upgrades gibt es so viele verschiedene Arten, dass hier jeder Tüftler seinen Spaß haben wird.

Für unbedarfte Rollenspielanfänger könnte sich diese unglaubliche Masse an Items aber zu einem Übersichtsproblem entwickeln. Es empfiehlt sich deshalb, nach jeder Mission überflüssige Items zu verkaufen oder zu Universalgel zu verarbeiten.

Ghost Spectrum Specter

Das Kampfsystem erinnert an eine Mischung aus dem Squad basierten Gameplay von Full Spectrum Warrior und Ghost Recon Advanced Warfighter und dem Rundenbasierten Kampf- und Machtsystem aus Knights of the Old Republic. In den Kampfmodus gelangt man durch das Sichten von Feinden oder manuell per Knopfdrück. Schlagartig erweitert sich das HUD des Spiels auf kampfrelevante Informationen wie die aktuell ausgewählte Waffe und Lebens- sowie Schildindikatoren, die man ständig im Auge behalten sollte. Sollte Sheppards kurz vor Ableben stehen, warnt uns eines der Mitglieder des Squads.

Dieses kleine aber sinnvolle Feature hat uns schon oft vor dem Ableben gerettet, ohne das es das allgegenwärtige Rollenspiel-Gefühl stört. Ähnlich wie in Gears of War können wir kurze Sprints von einer Deckung zur anderen einlegen. Das schlaue System erkennt Deckungen und ermöglicht es aus der relativen Sicherheit von Mauervorsprüngen oder Kisten heraus zu agieren. Nur zum Zielen und Feuern wird kurzzeitig die Deckung verlassen um ein freies Schussfeld zu ermöglichen. Danach wird sich automatisch wieder geduckt oder zur Seite gelehnt.

Mit dem Steuerkreuz geben wir den Mitgliedern des Squads Befehle wie sie sich im Kampf verhalten sollen. Wir schicken sie in Deckung, geben Angriffs- oder Rückzugsbefehle. Das System geht sehr einfach von der Hand und ist oft relativ Überflüssig, da sich die Gefährten von selbst recht schlau verhalten.

Bei der Waffenauswahl sind die Fähigkeiten des einzelnen Charakters zu berücksichtigen. Sollte einer eurer Kameraden keine Sturmgewehr-Fertigkeiten haben, sollte dieser lieber auf die Pistole zurückgreifen, mit der die meisten Klassen umgehen können und trotzdem ein ordentlich Schadenspotential haben. Damit man sich nicht zu hektisch entscheiden muss wird das Spielgeschen bei der Waffenauswahl pausiert und man hat alle Zeit der Welt sich für das Waffensetting des Squads zu entscheiden.

Die meiste Effizienz in offenem Gelände hat eine ausgewogene Auswahl aus Feuerkraft (Shotgun), Sturmangriff (Sturmgewehr) und Fernkampf (Scharfschützengewehr), während man in engeren Gebäudekomplexen eher auf reine Feuerkraft setzen sollte. Jeder Charakter hat eigene Spezialkräfte, die sich ebenso über ein equivalentes Auswahlrad aktivieren lassen.

Je nach Schwierigkeitsgrad wird eine mehr oder weniger starke Zielhilfe für Schusswaffen aktiviert, die man ebenso wie die Selbstständigkeit der KI-Kameraden einzeln zuschalten kann. Standardmäßig ist diese auf deaktiviert, so dass sich nur auf defensive Fertigkeiten begrenzt wird, für offensive Fertigkeiten muss Sheppard erst Befehle erteilen. Stellt man die Selbstständigkeit auf Aktiv, kämpft das Squad von sich aus und ist somit eine echte Hilfe im Kampf. Dies ist besonders für Spieler geeignet die sich lieber auf ihre eigenen Fähigkeiten konzentrieren wollen und auf mehr Action setzen.

Welt retten? Langweilig...

... wir retten die gesamte Galaxis. Und diese Galaxis, dieses Universum an Geschichte und Kultur, an Rassen, Konflikten und Politik kann man nur als episch bezeichnen. Man kann hier nur ein richtig großes Lob an die Autoren aussprechen, die nicht mal eben nur eine schöne Story, sondern nebenher auch noch einen ganzen Kosmos aus dem Boden gestampft haben. Nichts wirkt deplaziert oder an den Haaren herbeigezogen. Die Welt von Mass Effect ist glaubwürdig wie kaum eine andere.

Ähnliches haben wohl nur Gene Roddenberry, J.R.R. Tolkien oder George Lucas geschafft. Die jüngste Geschichte der Menschen und der anderen Rassen ist detailverliebt ausgearbeitet und wenn man sich ein wenig mit den Aliens in seiner Crew oder im restlichen Spiel unterhält, entwickelt sich mit jedem Gespräch ein großer Zusammenhang, der leicht nachzuvollziehen ist. Das dies keineswegs langweilig aufgebaut ist, merkt man nach dem ersten Dialog. Fast lebensecht wirken Aktionen, Mimik und Gestik der Gesprächspartner und verhelfen so einem ganzen Universum zum Leben. Schnell kriegt man auch die politische Lage der Welt zu spüren. Durch zufällig mitgehörte Gespräche und Nachrichtendurchsagen in den Aufzügen, die sich Euren Taten auf Missionen und innerhalb der Citadel anpassen, baut sich ein unglaubliche dichtes Story-Gebilde auf.

Auf der riesigen Raumstation, der Citadel, dem Schaltzentrum der Galaxis bemerkt man anhand von Reaktionen und Streitigkeiten sofort einige Konflikte zwischen den Völkern. Auch die Menschen, die jüngste Rasse auf der Citadel, sind nicht sehr beliebt. Besonders bei den Turianern macht sich ein regelrechter Fremdenhass breit.

Der Rassismus ist eine Hauptantriebsfeder in Mass Effect, der das große Konfliktpotential zwischen so völlig verschiedenen Lebensformen in den Mittelpunkt stellt und die Geschichte somit besonders interessant macht. Intrigante Probleme stellen sich auch in dem Mikokosmos Eures Schiffes, der Normandy, ein. Die Menschliche Besatzung will ihre Probleme lieber auf eigene Faust lösen, anstatt auf Außerirdische verlassen zu müssen.

Besonders gut gelungen sind Bioware-typisch die verschiedenen Alien-Rassen, die oft sehr eigenartige, aber glaubwürdige Kommunikationsformen pflegen oder wie am Beispiel der Stammeskrieger der Kroganer, lieber erst schießen als reden und bei denen Konflikte traditionell nur mit Waffengewalt ausgetragen werden. Diese freunden sich zum Beispiel, ohne ins Detail zu gehen, eher mit Sheppard an, wenn dieser Brutal und Skrupellos agiert und keine Schwäche zeigt und freuen sich, wenn sich der Allianzoffizier mal zu dem einen oder anderen derben Spruch hinreißen lässt. Jeder Dialogpartner hat seinen eigenen Charakter, hat Macken, Gewohnheiten und Ansichten, die sie entweder gerade heraus sagen oder hinter Andeutungen verstecken.

Der charismatische Commander Sheppard hat in Dialogen immer mehrere Möglichkeiten, seine Meinung kundzutun und die Gespräche in die gewünschte Richtung zu lenken. Fast Jede Antwort hat Einfluss auf eure Moral, die entweder ins vorbildliche oder abtrünnige Schema rückt.

Die beiden Seiten heben sich aber nicht, wie in KotoR gegenseitig auf, sondern sind jeweils eigenständige Skalen. So ist man also nicht zwangsläufig entweder weiß oder schwarz, sondern kann sich in den facettenreichen Grautönen aufhalten.

Das hat zwar Einfluss auf einige Gespräche und schaltet neue Antwortmöglichkeiten frei, hat aber sonst keinen größeren Einfluss auf das Spiel. Zudem beherrscht Sheppard zusätzlich zu seinen Kampffertigkeiten auch noch die Dialogfertigkeiten „Einschmeicheln“ und „Einschüchtern“, die beide das Gespräch oft recht schnell wenden und Sheppard als Sieger hervorgehen lassen. Manchmal wendet sich das Blatt aber zu schnell, so dass man davon ausgehen kann, einen größeren Streit mit einer guten Antwort zu gewinnen. Je schwerwiegender das Thema ist, desto höhere Fertigkeiten braucht man um neue Dialogoptionen freizuschalten. Geht man abtrünnig vor, kommt man oft schneller zum Ziel, vorbildliche Vorgehensweisen hinterlassen jedoch oft einen größeren Eindruck und bringen im Endeffekt meistens auch eine lukrativere Belohnung.

Bekommt man mit einer aggressiven Antwort zum Beispiel nur ein paar Credits, erhält man von dankbaren Gesprächspartnern manchmal ergiebige Quests oder Lizenzen bestimmte Alienausrüstung zu erwerben, an die man sonst niemals heran käme.

Solche Entscheidungen betreffen jedoch nicht nur euch selbst oder Eure unmittelbare Umgebung. Manchmal kommt euer Gewissen ins Spiel. Ist es es Wert euren alten Freund zu erschießen nur um 500 Credits zu sparen? Könnt ihr die Ausrottung einer ganzen Rasse verantworten? Nur einer kann gerettet werden. Wer soll sterben? Das müsst ihr ganz allein entscheiden.

A game called quest

Während Ihr rund ein Drittel der gesamten Spielzeit mit Diplomatie verbringt, verbringt ihr die anderen zwei auf dem Schlachtfeld. Wir gehen storymäßig nicht weiter auf die Hauptquest ein um euch nicht die Spannung zu verderben. Ihr dürft also beruhigt weiterlesen. Viele Aufträge beginnen im Landungspanzer, dem sogenannten Mako. Dieser wird entweder spektakulär aus der Normandy abgeworfen oder wird, wie langweilig, auf dem Boden abgesetzt.

Der Mako ist ein schwer gepanzerter Gelädewagen mit drei Achsen, einer Minigun und einer sehr schönen „ich-mach-alles-kaputt“-Kanone, mit der ihr euch durch ganze Gegnermassen fräsen könnt. Dauert euch das zulange, drückt ihr einfach ordentlich aufs Gas und überfahrt die Geth-Soldaten.

Macht zwar mehr Laune, ist aber nicht gerade sehr effektiv bei verstreuten Gegnern, außerdem seid ihr so dem Dauerfeuer ausgesetzt, ohne dass ihr großartig ausweichen könnt. Gegen Raketen und ähnlich ballistische Projektile hilft oft nur die Flucht nach oben mit den Hilfsdüsen des Mako. Hat man diese Taktik ein wenig eingeübt, kommt man sehr gut mit dem Panzer zurecht. Die Steuerung ist sehr eingängig.

Das Fahrzeug bewegt sich immer in die Richtung in die Ihr blickt. Blickt ihr Richtung Heck, vollführt der Mako eine elegante Wende und fährt so weiter. Mithilfe der Hilfsdüsen und ein wenig Training lassen sich auch schnelle 360 Grad-Drehungen vollführen. Ein wirklich nettes Spielzeug. Hier fehlen allerdings die sonst so coolen Upgrades im Spiel. Dem Mako würden ein paar nette Raketenwerfer oder bessere Schilde von Zeit zu Zeit ganz gut stehen. Vielleicht in Teil 2?

Habt Ihr den schlussendlichen Einsatzort erreicht, heißt es oft aussteigen und weiterlaufen. An jedem Ort gibt es mehrere Quests zu lösen, die ihr entweder vorher bekommt, oder durch das Ansprechen diverser NPCs am Einsatzort erhaltet. Diese sind meistens besonders lukrativ und sollte man sich nicht entgehen lassen. Man sollte generell mit jedem sprechen um wichtige Informationen und weitere Aufträge zu erhalten.

Die Missionen an sich sind eher linear gehalten. Man hat zwar mehrere Lösungswege, auch bedingt durch die unterschiedlichen Fertigkeiten der Charaktere, aber schlussendlich kommt das selbe bei rum. Das ist allerdings kein Nachteil, sondern bietet viel größere erzählerische Möglichkeiten, was auch sehr gut genutzt wird. Außerdem hat man selten das Gefühl, man hätte irgendetwas Interessantes vergessen. Trotzdem wirken die Levels ab und zu etwas zu simpel für ein Rollenspiel dieser Größenordnung und die Gegnermassen verlangen dem Spieler ab einem bestimmten Level nur noch ein müdes lächeln ab. Besonders reine Soldaten-Squads mähen sich mit ihren Sturmgewehren butterweich durch das Feindgebiet.

Da hilft nur: Schwierigkeitsgrad hochstellen. Mass Effect bietet eine riesige Fülle an Nebenmissionen, die sich größtenteils auf der Citadel abspielen aber auch zur Erkundung von fernen Systemen einladen. Zum Glück werden im Tagebuch, das Questlog des Spiels, Hauptmissionen und Sidequests voneinander getrennt angezeigt, da man sonst von der riesigen Anzahl erschlagen werden würde. Die Aufträge in der Citadel sind allesamt gut designed und beinhalten erzählerische Glanzlichter, Sie sind für jemanden, der sich mit der Story des Spiels auseinander setzen und die Teammitglieder kennen lernen will, unabdingbar. Die Quests, für die man die Citadel verlassen muss, um zum Beispiel Piratenlager auszuheben, Terroristen hochgehen zu lassen oder Verbrecher der Gerechtigkeit zuzuführen, sind allesamt packend in Szene gesetzt und lassen nur den unglaublichen Aufwand erahnen, den Bioware in die Entwicklung dieses Spiels gesteckt hat.

Zudem bietet jedes Sonnensystem einen Planeten, dessen Oberfläche man erkunden und Geheimnisse erforschen kann. Leider ist die Citadel die einzige belebte Stadt im ganzen Spiel.

So vermisst man oft das Erkunden fremder Kulturen in außerirdischen Weltraumhäfen, wie man es aus KotoR kennt. Die Planeten sind leider etwas eintönig und bieten meistens dieselben Aufgaben. Hier geht viel Potential verloren, ist aber aufgrund der unglaublichen Größe des Spiels nachvollziehbar.

Steril mit Stil

Als optisches Highlight stechen ganz besonders die unglaublich gut designten Charaktere hervor. Gerade die Alienrassen bieten einen Fantasie- und Detailreichtum, der die Konkurrenz ganz klar in den Schatten stellt. Die Raumstationen sind sehr steril gehalten, was hier aber kein Nachteil ist. Alles wirkt komplett duchgestyled und muss sich nicht vor anderen Spielen verstecken. Besonders die Citadel mit ihren verschiedenen Sektoren ließ uns staunen. Das futuristische und saubere Design wirkt dem Trend entgegen, alles möglichst organisch oder industriell aussehen zu lassen und erinnert etwas an ältere Weltraumstreifen. Im Mittelpunkt der Raumstation befindet sich ein Ring voll mit üppiger Vegetation und außerirdischer Architektur, die einen harten Kontrast zum geradlinigen Aufbau bietet.

Aber nicht nur die Citadel sieht sagenhaft aus, die Missionen spielen auf Planeten, die uns teilweise eine „hier Urlaub machen“-Funktion vermissen ließ. Der schöne, tropisch anmutende Planet Vermire zum Beispiel, kann locker als Postkartenmotiv herhalten. Auch andere Planeten mit ihren Wetteranomalien und atmosphärischen Highlights sehen wunderbar aus. Wenn man mit seinem Mako über die Mondoberfläche fährt und hinter dem nächsten hohen Hügel die Erde sichtbar wird, fällt einem die Kinnlade auf den Schoß.

Doch kann man natürlich nicht alles toll finden. Kommt man in ein neues Gebiet, zum Beispiel bei der Landung auf der Citadel, fallen sofort extrem schwammige Texturen auf, die erst nach mehreren Sekunden scharf werden. Das passiert leider sehr häufig und das ist besonders in den sonst sehr genialen Zwischensequenzen oder dramatischen Dialogen schade. Außerdem fallen häufig Ruckler auf, die besonders dann in Erscheinung treten wenn viele Gegner den Bildschirm bevölkern.

Der Sound ist sehr stimmig und besonders die Musikuntermalung ist äußerst passend und atmosphärisch. Man setzt hier auf synthetische Sounds im Ambient-Stil, aber auch seichte Klavier-Einlagen lassen sich hier und da entdecken. Die Musik wirkt niemals aufgesetzt und zu aufdringlich, sie passt sich den Situationen an und baut im Hintergrund Stimmung auf. Die Waffensounds und Effekte sind ebenfalls rund und kitzeln einige satte Klänge aus euren Boxen.

Unglaublich gut gelungen, gemessen an der Größe des Spiels, ist die deutsche Sprachausgabe in Mass Effect, die durchweg gelungen ist. Man beachte hier, dass die Dialoge zu einem Großteil in doppelter Ausführung aufgenommen werden mussten, da man einen männlichen und weiblichen Sheppard spielen kann. Einige Patzer gegen Ende des Spiels fallen zwar auf, trüben das Spielerlebnis allerdings nur marginal. Jeder Charakter hat eine markante Stimme, die deutlich hervorsticht. Man kann nur sagen, dass hier fast alles richtig gemacht wurde und dass besonders der tolle Sound maßgeblich zur atemberaubenden Atmosphäre dieses Spiels beiträgt.

Fazit

Wow! Ich bin wirklich überwältigt. Ich bin zugegebenermaßen ein Fan der Biowarespiele und habe schon mit etwas großem gerechnet, aber mit dem was sie da herbeigezaubert haben, haben sich die kanadischen Rollenspielmeister wieder einmal selbst übertroffen. Gigantisch ist garkein Begriff für das, was Rollenspiel-Fans mit Mass Effect erwartet. Das glaubwürdige Universum lässt fast keine Wünsche offen. Die Hintergrundgeschichte, die politische Situation und die unglaubliche Vielfalt der tollen Charaktere und besonders der Aliens lassen den Spieler, je nach Spielweise 20-50 Stunden in diese Welt eintauchen. Ich weiß nicht, was sich die Entwickler von Bioware dabei gedacht haben, als sie die Idee hatten, kurzerhand ein eigenes Universum aus dem Boden zu stampfen, aber der riesenhafte Aufwand hat sich in jedem Fall gelohnt. Da trüben auch nicht gelegentliche Slowdowns, Ruckler und Texturpopups das atmosphärische Gesamtergebnis.

Als Star Wars- und Bioware-Fan merkt man natürlich sofort Anleihen an seine Lieblingsfilme und den inoffiziellen Vorgänger Knights of the Old Republic, doch verschmelzen die Ideen derart mit dem Spiel, dass hier alles sehr frisch und durchgeplant wirkt und keinesfalls aufgewärmt. Der coole, unverbrauchte Science Fiction-Stil, die erstklassigen Dialoge, das überzeugende Universum, die tolle Story inklusive zahlloser Nebenquests und den markanten Charakteren, dieser unglaubliche Umfang und dieses einzigartige „Mittendrin-Gefühl“ machen Mass Effect zu einem der besten Rollenspiele aller Zeiten und dem ohne Zweifel besten Rollenspiel der neuen Generation.

Mass Effect [X360 , looki.de]

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