Gesamtwertung78%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Medal of Honor: Allied Assault stellt bis heute den wohl besten Teil der WWII-Shooter-Serie dar. Alle nachfolgenden Ableger erreichten einfach nicht die Qualität besagten Titels. Mit Airborne versucht EA nun an alte Tugenden anzuknüpfen und präsentiert ein hübsches und vor allem schnelles Spiel. Die Bemühungen waren wahrlich nicht umsonst. Medal of Honor: Airborne ist mit Sicherheit einer der besten Teile der Serie seit Jahren. Warum es den Erwartungen dann aber noch nicht ganz gerecht wird, klären wir in unserem Test.
Vom Himmel in die Hölle
Im Gegensatz zu seinen Vorgängern lässt das Spiel euch selbst bestimmen, wo genau ihr euren Einsatz im jeweiligen Kriegsgebiet starten wollt. Zu Beginn einer jeden Mission springt ihr mit eurem Fallschirm aus eurem Flugzeug und könnt in der Luft die Flugrichtung ändern. Auf dem Boden des Kriegsgebiets deuten Rauchsignale auf einen gesicherten Ort hin, der frei von Gegnern ist. Allerdings könnt ihr auch mitten im feindlichen Territorium landen und euch direkt in die Action stürzen. Nett ist auch die Erfahrung, auf einem Turm zu landen und die feindlichen Soldaten aus sicherer Höhe mit Scharfschützengewehr auszuschalten. Dieses Feature erweist sich von Beginn an als sehr durchdacht und eröffnet viele Möglichkeiten, eine Mission anders zu meistern. Weiterhin könnt ihr so ein anderes der vielen Missionsziele angehen, falls ihr das letzte als zu schwer empfunden habt. Es gibt sogar fünf Spezial-Landepunkte in jeder Mission, die es zu finden gilt.
Was dem Ganzen letztlich ein wenig an Authentizität raubt, ist die Tatsache, dass die Gegner an vielen Punkten immer wieder neu erscheinen. Falls ihr angenommen auf einem Häuserdach gelandet seid und prophylaktisch einige Gegner aus sicherer Distanz aufs Korn genommen habt, werden euch eben diese wieder über den Weg laufen, wenn ihr anschließend den entsprechenden Weg zum nächsten Missionsziel einschlagt. Eigentlich sehr schade, denn aus diesem Grunde werdet ihr schnell die Lust verlieren, mit verschiedenen Landepunkten zu experimentieren, da sie sich fast nie wirklich auf den eigentlichen Spielverlauf auswirken.
Manche Missionsziele lassen sich sowieso nur über einen einzigen, vorgeschriebenen Weg angehen, wodurch das Spiel dann manchmal doch seinen linearen Spielaufbau durchsickern und das Fallschirm-Feature so fast schon eher als nette Dreingabe erscheinen lässt.
Klar, letztlich sind dies nur einige Kleinigkeiten, denn was bei einem Shooter ja wirklich zählt, sind die Schusswechsel und die KI der Gegner. Aber leider ist Medal of Honor: Airborne auch hier ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite, suchen die Gegner eigenständig Deckung und agieren sehr aggressiv, doch nur allzu häufig kam es vor, dass sie, ohne Rücksicht auf Verluste, einfach auf uns zustürmten, um uns eins mit dem Gewehrkolben überzubraten, anstatt Blei sprechen zu lassen. Gleiches gilt auf für die eigenen Kameraden, die zwar ab und an clever den Gegner in die Mangel nehmen, jedoch oft recht sinnlos in eure Schusslinie und ins gegnerische Feuer rennen und den direkten Zweikampf suchen. Ebenfalls zwei Seiten hat auch das Deckungssystem des Spiels. Haltet ihr den linken Trigger gedrückt, zielt ihr über Kimme und Korn und könnt euch mittels linkem Analogstick frei zur Seite neigen, ducken beziehungsweise hinstellen. Dies ermöglicht vorsichtiges Schießen aus der Deckung heraus und geht mit nach kurzer Eingewöhnungszeit gut von der Hand. Was den positiven Eindruck dieses Features wieder ein wenig dämpft, ist die Tatsache, dass ihr nicht mehr laufen könnt sobald ihr diesen Zielmodus aktiviert habt. Es ist also nicht möglich, mit angelegtem Gewehr vorsichtig um die Ecke zu gehen, sondern lediglich um sie herum zu spähen.
Das Leveldesign des Spiels kann sich auch durchaus sehen lassen und bringt einiges an Abwechslung mit sich. Manche der Missionsabschnitte werden in einem eher weitläufigen Areal ausgefochten, während andere in engen Gassen und Gebäuden zu Tisch bitten.
Leider verpasste man es, das Spiel mit wirklich dramatischen Momenten zu spicken, wie man es von Call of Duty 3 gewohnt ist. Die Schusswechsel machen zwar viel Spaß, aber es fehlt einfach das gewisse Etwas. Da helfen auch die sehr seltenen Konfrontationen mit gegnerischen Panzern, die teilweise nur planlos im Kreis fahren, und anderen gepanzerten Fahrzeugen, leider nicht viel. Man hat irgendwie ständig das Gefühl, dass hier einfach mehr drin gewesen wäre. Ebenfalls cool gewesen wären z.B. zerstörbare Gegenstände, hinter denen die Gegner und man selbst Deckung bezieht. Stattdessen kann man sich locker hinter einer Holzkiste oder einen Holzzaun Deckung in Sicherheit wiegen, während ein feindlicher Soldat sich mit seiner MG42 die Zähne an uns ausbeißt. Dies hätte dem Spiel einfach mehr von seiner ansonsten recht bedrohlichen Atmosphäre verliehen und auch das Gameplay aufgepeppt.
Was dem Spiel sehr gut zu Gesicht steht, ist seine hohe Spielgeschwindigkeit, welche den Shooter ein wenig von der Konkurrenz abhebt. Mit der nützlichen Sprintfunktion könnt ihr in Windeseile von einer Deckung zur nächsten hechten oder schnell zum nächsten Missionsziel rennen.
Wo wir schon beim Thema Waffen sind, hier hat sich EA ein weiteres neues Feature einfallen lassen, was dem Spiel auch sehr zu Gute kommt. Jedes Mal wenn ihr einen Gegner umnietet, bekommt ihr Erfahrungspunkte für die genutzte Waffe gutgeschrieben. Ein blauer Füllstand zeigt an, wann ihr genügend Punkte erreicht habt. Schießt ihr mehrere Gegner hintereinander nieder oder verpasst ihnen einen gezielten Treffer in den Kopf, füllt sich die Anzeige noch schneller. Habt ihr genügend Erfahrung gesammelt, schaltet ihr eines von drei Upgrades für die jeweilige Waffe frei und könnt fortan präziser zielen, schneller nachladen oder den Rückstoß verringern. Die Upgrades machen sich danach stark bemerkbar und lohnen sich wirklich. Eure Fähigkeiten behaltet ihr dann das gesamte Spiel über. So habt ihr später die Qual der Wahl beim Aussuchen der Waffen vor jeder Mission. Nehme ich jetzt meine aufgepimpte Thompson oder soll meine Schrotflinte doch noch ein wenig aufmotzen? Dieses Feature macht Laune und erweist sich als sehr motivierend.
Die Präsentation des Spiels hinterlässt auch einen soliden Eindruck. Zu Anfang sitzt man in der Missionsbesprechung und erhält seine Missionsziele. Im nächsten Moment sitzt man mit seinen Kameraden im Flugzeug. Alles sehr atmosphärisch aufgemacht. Das Flugzeug wird von feindlichen Kugeln durchsiebt und einige Soldaten werden schon hier abserviert. Hier gibt es wirklich einige sehr schön gemachte Momente zu erleben. Trotzdem sehnt man sich irgendwann nach etwas Anderem. Die Einsatzgebiete sind zwar stets hübsch aufgemacht und es gibt spektakuläre Explosionen zu sehen. Allerdings gibt es nichts zu entdecken, was man nicht zuvor schon mal gesehen hat. Die Modelle der Soldaten wurden sehr detailliert in Szene gesetzt, wenn auch die Mimik ein wenig mehr Politur hätte vertragen können. Leider mussten wir bei unserem Test oft einige nervige Slowdowns in Kauf nehmen. Gerade beim Einsatz des Scharfschützengewehrs ging die Framerate enorm in die Knie. Da es sich bei unserer Testversion aber nicht um die letztliche Verkaufsversion handelt, könnten die Entwickler dieses Problem noch mit ein wenig Glück in den Griff bekommen.
Der neue Mulitplayer-Knüller?
Einzelspieler bekommen leider nur ein relativ kurzes Spielvergnügen geboten. Nach spätestens acht Stunden Spielzeit, erblickt ihr schon den Abspann. Doch zum Glück gibt ja da noch den Multiplayer-Modus, der sich auch langfristig als spaßig darstellt. Neben der gängigen Deathmatch-Modi erwies sich der Battlefield ähnliche Modus als sehr gut spielbar. Hier müsst ihr versuchen, drei auf der Karte positionierte Flaggen einzunehmen und zu halten. Alle Modi lassen sich mit insgesamt 12 Spieler spielen. Sehr cool übrigens: Das Fallschirm-Feature seinen Weg auch in den Mehrspielermodus gefunden. So wird man als Alliierter abgeworfen und kann seinen Gegner schon vom Himmel aus einheizen, aber auch schon tot sein, bevor man überhaupt sicheren Boden unter Füßen gefasst hat.