Gesamtwertung88%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
und Schweigen ist Gold. Das wird sich wohl fast jeder Motorsportbegeisterte zu Beginn seiner NfSMW-Karriere sagen. Wie soll man bitte mit einem Protagonisten sympathisieren, der gerade dafür gesorgt hat, dass der wunderschönste BMW, den man jemals in seinem Leben sehen und virtuell fahren durfte, schon wieder weg ist? Kaum ist man nämlich in der neuen Stadt angekommen, Electronic Arts spendiert wie schon in NfS: Underground 2 eine frei befahrbare, relativ große, dabei aber nicht zu weitläufige Stadt, gibt es den ersten Ärger. Nicht nur, dass die Polizei einen von Beginn an auf dem Kieker hat, die Nummer 15 der so genannten Black List fordert den ungeübten Fahrer auch noch direkt zu einem Vergleich heraus. Da man der Neue ist, hat man kaum Freunde, lediglich eine bezaubernde Schönheit in den 20igern nimmt sich des Protagonisten an.
Vor allem, nachdem er seinen Wagen verzockt und es sich einige Zeit lang im Gefängnis gemütlich gemacht hat. Natürlich war das Rennen gegen die Nummer 15 der Black List getürkt, die Polizei machte sich einen Spaß daraus, den Helden einzulochen und der Wagen, sowie dessen Papiere sind weg. Was nun? Ein ehrliches Leben beginnen, mit der Schmach leben? Niemals! In Need for Speed: Most Wanted geht es um Rache, um Ehrgefühl und um demolierte FBI-Wagen. Die Nummer 15 der Black List ist nun übrigens die Nummer 1 und zwar mit dem wunderhübschen BMW, den der Held einst fuhr. Prompt klemmt man sich eines der lizenzierten Serienmodelle unter den Hintern, wobei anfangs zwischen Anfängermodellen, wie dem Golf GTI, gewählt werden darf, und macht sich einen Namen auf der Straße.
Das Ziel ist es, die Black List von hinten aufzurollen und der gefürchtetste und beste Fahrer der Stadt zu werden. Dabei läuft das Ganze immer gleich ab. Bevor man den jeweils nächsten Boss der Black List herausfordern darf, muss eine bestimmte Anzahl von Rennen gewonnen, eine bestimmte Anzahl von Meilensteinen erreicht und ein bestimmter Bekanntheitsgrad unter den Cops erlangt werden. Dabei kann man selbst zu den einzelnen Events fahren oder sich bequem per Klick hinteleportieren lassen.
Neben den bekannten Modi, etwa dem Rundkurs oder dem Drag-Race, besser bekannt als die Viertelmeile, sind auch neue Spielvarianten hinzugekommen. Diese sind das Mautstellenrennen, welches eine Art Time Trial darstellt und euch über die Highways der Stadt schickt, und die Radarfalle. Letztgenannter verlangt vom Spieler, schnellstmöglich durch Radarfallen zu rasen, um bei möglichst hoher Geschwindigkeit geblitzt zu werden. Die Ergebnisse der mitgenommenen Radarfallen werden dann addiert. Die höchste Punktzahl gepaart mit der schnellsten Zeit ergeben dann den ersten von vier Plätzen.
Meilensteine sind, wie der Name schon sagt, Ereignisse, die den Menschen im Gedächtnis bleiben. Dazu gehören in NfS: Most Wanted unter anderem spektakuläre Highspeedfahrten durch Radarfallen und weite Sprünge. Nach Verfolgungsjagden mit der Polizei braucht man nicht lange zu suchen. Bei Geschwindigkeitsübertretungen heften sie sich sofort an die Fersen des Fahrers. Auch besorgte Bürger melden Raser.
Und wenn man einmal verfolgt wird, dann kriegt man die Cops so schnell nicht wieder los. Zum einen handeln sie sehr teamintensiv und dadurch äußerst intelligent und effektiv, zum anderen irritiert und hilft der Polizeifunk gleichermaßen. Die Stimmen, die aus dem Funkgerät dröhnen, wirken real, so dass man sich tatsächlich verfolgt fühlt. Der Sinn für die Straße geht verloren, man versucht nur noch irgendwie zu entkommen. Bestimmte Punkte auf der Karte kann man durch Umfahren von Objekten zerstören. Dies dient dazu, die Polizisten abzulenken.
Doch auch wenn die Cops den Sichtkontakt verloren haben, heißt das nicht automatisch, dass man wieder frei ist. Vielmehr wird das Gebiet, in dem man zuletzt gesehen wurde, abgesperrt und durchsucht. Lediglich durch eines der zahlreichen Verstecke in der Stadt kann man letztlich entkommen. Dabei sollte man darauf achten, möglichst viel Schaden anzurichten, d.h. Polizeiwagen zu rammen und Sachschaden zu provozieren. Doch je weiter man geht und je dreister man wird, desto intelligenter und vor allem desto zahlreicher werden die Cops. Ein schnelles Auto ist also Pflicht. Und das natürlich nicht nur bei Verfolgungsjagden.
Mit einem Serienauto kommt man nicht weit. Wie schon die Vorgänger bietet auch NfS: Most Wanted umfangreiche Tuningmöglichkeiten, die von der Verschönerung des Äußeren bis zur Ausstattung des Gefährts mit Nitro reichen. Zwar sind nicht mehr so viele Teile aus- und einwechselbar wie bei NfS: Underground 2, dafür ist das Feature nun deutlich übersichtlicher. Große Fehler kann man beim Tuning also nicht mehr machen.
Ist der Lieblingswagen dann schön und stark genug, um mit den schweren Jungs auf der Straße mitzuhalten bzw. den Black List Fahrern die lange Nase zu zeigen und ist man selbst berühmt genug, kann man den jeweiligen Boss herausfordern. Gegen eben jenen fährt man dann zwei Rennen, deren Typ jeweils variiert. Das heißt, manchmal muss man Drag, manchmal aber auch Sprint fahren. Serviert man den Gegner ab, kann man zur Belohnung zwei von sechs Symbolen wählen, die jeweils eine Art Bonus enthalten. Dabei gibt es Leistungsverbesserungsfelder, die etwa ein spezielles leistungssteigerndes Bauteil für das Vehikel oder eine optische Verbesserung versprechen, und Fragezeichenfelder. Davon gibt es drei. Unter einem Feld verbergen sich die Wagenpapiere des abservierten Black List Fahrers. Unter den beiden anderen lächerliche Geldprämien oder Gimmicks, wie Du kommst kostenlos aus dem Gefängnis frei!.
So kämpft man sich bis ganz nach vorn und holt sich letztlich sein Vehikel wieder, welches man bereits zu Beginn besaß. Hätte der Protagonist nur die Klappe nicht zu weit aufgemacht!
Immerhin weiß man den BMW erst dann richtig zu schätzen. Der brüllt zwar wie ein Löwe, liegt aber angenehm auf der Straße, was man von so manch anderem Vehikel nicht unbedingt behaupten kann. Die Steuerung geht zwar locker von der Hand, aber selbst die einfachsten Wagen sollten nicht unnatürlich schlecht steuerbar sein.
Gerade zu Anfang machen Einsteigermodelle, wie der Eclipse, dem Spieler ziemlich zu schaffen, weil sie nur schwer zu kontrollieren sind. Der so genannte Speeder, der während einer kurzen Zeit das Geschehen in Zeitlupe zeigt, soll zwar helfen, dieses Problem in den Griff zu bekommen, aufgrund seiner Unausgereiftheit verschlimmert er selbiges aber nur. Die Fahransicht kann man im Gegensatz zu den Versionen der anderen Konsolen bequem mit einem Druck auf die RB- Taste während der Fahrt ändern.
Neben dem Freie Fahrt-Modus, der es dem Spieler ermöglicht, ganz unbekümmert durch die Stadt und zu Events zu rasen, bietet NfS: Most Wanted natürlich einen Schnellspielmodus. Je nachdem, wie viele Black List Fahrer man bereits besiegt hat, kann man aus zahlreichen lizenzierten Wagen und erfundenen Strecken, sowie dem Renntyp wählen. Dass das allein aber nur wenig Spaß macht, ist klar. Im Xbox Live Modus könnt ihr neben eurer Blacklist-Jagd auch gegen menschliche Spieler online antreten. Die Rennen können frei konfiguriert und ranked oder unranked gespielt werden. Alles was ihr auf gerankten Servern spielt, wird auf EAs Servern gespeichert und ist für jeden Xbox Live User ersichtlich. Zu den Modi gehören Rundkurs, Sprint und Drag-Race, die schon aus dem Einzelspieler bekannt sind - allerdings wurde auf Gegenverkehr verzichtet um Bandbreite zu sparen.
Need for Speed: Most Wanted ist optisch und akustisch ein Fest für die Sinne. Die Xbox 360 wird von der Pracht gelegentlich etwas überfordert, was mit ein paar unschönen Rucklern quittiert wird, doch die nahezu perfekte Präsentation macht das gleich wieder wett. Die Umgebungsgrafik, Automodelle, Straßenbelag und Effekte sind so schön wie nie zuvor und deuten in Richtung Zukunft. Im Vergleich PAL vs. HDTV kommen ganz klar die Vorteile der hochauflösenden Xbox 360 Grafik ans Tageslicht: Viele Details, keine hässliche Treppchenbildung, bestechende Schärfe - ein rundum schönes Gesamtbild was durch die tollen Unschärfe-Effekte und High Dynamic Range Imaging(kurz HDRI) passend abgerundet wird.
Der Soundtrack gleicht den Versionen der anderen Konsolen, doch ist der Klang unserem subjektiven Befinden nach Satter und klarer. Die Zwischensequenzen treiben die obligatorische Story voran und sind ein Highlight des Spiels. Die sehr gute schauspielerische Leistung und die professionelle deutsche Sprachausgabe sorgen für echte Straßenrennatmosphäre. Der wieder einmal geniale Soundtrack, der von Rock, über HipHop bis hin zu Metal alles zu bieten hat, rundet das technische Bild gelungen ab.
Die grandios designte Stadt lädt ein, sich einfach einmal ein paar Minuten Zeit zu nehmen um sie zu erkunden und der Polizei zu zeigen wo der Hammer hängt. Um der Erste auf der Blacklist zu werden, muss man schon Einiges an Spielzeit hinter sich gebracht haben, es gibt viele Rennen zu gewinnen, Streifenwagen zu überrumpeln und Fahrer zu beeindrucken. Die Autos lassen sich sehr gut steuern und sehen dazu noch ungemein gut aus. Das unter der grandiosen Detailverliebtheit an einigen Stellen, vor allem im HD-Modus die Framerate leidet, ist ärgerlich, dem Spielspaß aber kaum abträglich. Jeder der mit Need for Speed Underground seinen Spaß hatte, wird von Most Wanted begeistert sein alle anderen auch.