Overlord

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Codemasters
Entwickler
Triumph Studios
Erscheinungsdatum
-
Genre
Abenteuer
USK
16
Overlord [X360 , looki.de]

Gesamtwertung

83%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Overlord

Man nehme ein Quäntchen Gut- und Böse-Spielprinzip aus Fable, fiese Imps aus Dungeon Keeper, und mische einige neue Ideen hinein. Fertig ist das neustes Werk der Triumph Studios, Overlord. Egal ob megafies oder verehrungswürdig edel und sympathisch – alles ist in Overlord möglich. Ob der Titel auch Spaß macht, erfahrt ihr in unserem Test.

Ihr wollt es doch auch!

Es war ein langer, tiefer und erholsamer Schlaf, den ihr als Overlord hinter euch gebracht habt. Während ihr so vor euch hin träumt, hört ihr eine quäkende Stimme, die euch aus den schönsten Träumen reißt. Ein altes, runzeliges Kerlchen blickt euch ins Gesicht und faselt etwas, dass ihr noch gar nicht so richtig zuordnen könnt. Noch ein wenig matt auf den Beinen, erhebt ihr euch, um dem Schergenmeister zu folgen. Gnarl, so der Name des Runzelmännchens, dass ein wenig wie eine Mischung aus einem Gremlin und Gollum aussieht, führt euch in die Welt des Bösen ein. Er erklärt euch, dem dunklen Overlord, was während eures langen Schlafes vorgefallen ist.

Böse Helden haben sich an eurem Machtzentrum, dem dunklen Turm zu schaffen gemacht und wichtige Teile, wie das Turmherz, gestohlen. Dieses sollt ihr zunächst einmal wieder beschaffen. Da ihr jedoch zu Beginn noch recht schwach seid, erhaltet ihr Unterstützung durch fleißige Helferlein, die so genannten Schergen. Diese Imp-ähnlichen Wesen gibt es in verschiedenen Ausführungen. Doch dazu später mehr.

Mittels linkem Stick steuert ihr euren Overlord zu Schergenportalen, um Schergen zu rufen. Diese könnt ihr dann in eine vorgegebene Richtung laufen lassen oder mit dem rechten Stick selbst steuern. Die Schergen sind euch treu untergeben, wodurch sie all dies tun, was ihr von ihnen verlangt. Im Spiel erhaltet ihr nach und nach mehr Schergen und diverse Schergengruppen, von denen insgesamt vier zur Verfügung stehen. Zunächst beginnt ihr mit einer kleinen Schar von Untergebenen, die mit fünf Gefolgsschergen recht übersichtlich ausfällt. Später regiert ihr ein recht großes Gefolge von bis zu 40 Einheiten. Diese rüsten sich nach und nach mit gefundenen Gegenständen auf und werden so mitunter wesentlich stärker.

Abgesehen von einigen Wegfindungsproblemen, funktioniert die KI recht gut. Einmal getötete Gegner hinterlassen, ebenso wie zerstörte Kisten oder Vasen, unter anderem Goldstücke. Mit diesen könnt ihre euch nach einiger Zeit in eurem Turm neue Waffen und Rüstungen schmieden lassen oder diese durch das Opfern von Schergen aufbessern. Weiterhin könnt ihr Einrichtungsgegenstände für euren Turm kaufen, was jedoch keinerlei Auswirkungen auf das eigentliche Spiel hat.

Vier starke Typen

Die braunen Schergen, eure Kampfeinheiten, stehen euch gleich zu Beginn zur Verfügung. Sie sind recht robust und können sowohl gut einstecken, als auch austeilen. Dann gibt es die grünen Schergen, die Assassinen. Dank ihrer rasiermesserscharfen Klauen und ihres Schleichtalents, können sie jeden Gegner lautlos von hinten ins Jenseits befördern. Die roten Schergen sind die Bogenschützen im Spiel. Sie sollten stets aus sicherer Distanz ihre Feuerpfeile einsetzen, da sie für den Nahkampf ungeeignet sind. Schließlich findet ihr noch die mächtigen blauen, die Heiler-Schergen.

Sie können magischen Schaden verursachen, schwimmen, ätherische Gegner besiegen und tote Schergen wieder erwecken. Solltet ihr im Kampf Schergen verlieren, stehen euch Lebensessenzen zur Verfügung.

Hierfür muss jedoch auch Leben geopfert werden. Schafe und Menschen, sind die beste verfügbare Lebensquelle. Habt ihr genug Energie gesammelt, könnt ihr neue Schergen rufen. Neben den Schergenportalen, gibt es drei weitere wichtige Quellen. Sollte der Overlord in einer Schlacht ernsthaft verletzt werden, ist es ratsam, eine Blutgrube aufzusuchen. Hier könnt ihr Schergen opfern, um neue Lebenskraft zu erhalten.

Gleiches gilt für euer Mana. Wenn diese zum Zaubern wichtige Essenz einmal versiegt, opfert ihr Schergen an Managruben. In selbstloser Weise springen die Schergen dann in die Gruben und ihr erhaltet die wichtige Essenz. Schließlich finden sich an gewissen Stellen auch Teleportationsstationen, mit denen ihr zum dunklen Turm oder bereits besuchten Gebieten springen könnt.

Fies, fieser – Overlord?

Als wichtiger Aspekt des Spiels wird das Gut gegen Böse hervor gehoben. Je nachdem, wie ihr euch verhaltet, so verspricht es das Spiel, sollen sich die Untertanen im Reich euch gegenüber verhalten. Seid ihr gnädig und barmherzig, wird dies von der Bevölkerung dankend zur Kenntnis genommen und euch stehen Tür und Tor offen. Solltet ihr jedoch mit euren Schergen zu viel Chaos anrichten, wird euer schlechter Ruf euch voraus eilen, sodass ihr auf teilweise massiven Widerstand stoßen könntet.

Diese Optionen sind im Ansatz aus Fable bekannt. Doch wie verhält sich nun dieses Gut/Böse-Spiel in der Praxis? Ihr könnt euren Schergen befehlen, Wohnungen dem Erdboden gleich zu machen oder die Population zu dezimieren. Innerhalb einiger Missionen dürft ihr entscheiden, ob ihr euch beispielsweise einen großen Essensvorrat selbst einverleibt oder ihm den Einwohnern des Dorfes Rauschingen zurück gebt. Viel Auswirkung hat euer Verhalten jedoch nicht. Verhaltet ihr euch mies, ändert sich das Aussehen eures Turmes und euer Alter Ego wird dunkler.

Revolutionäre Veränderungen im Spielgeschehen sind jedoch nicht vorgesehen.

Mei is des schön

Absolut überzeugen hingegen kann ab der ersten Sekunde in der ihr in das Spiel eintaucht die auf dem Bildschirm entstehende Spielwelt mit ihren Kreaturen, unterschiedlichsten Orten und den Bewohnern. Hier haben die Entwickler sehr gute Arbeit geleistet. Ein klein wenig haben sich die Leveldesigner bei der Erschaffung der Welt wohl vor Entwickler-Legende Peter Molyneux und seinem großartigen Fable verbeugt. Doch nicht nur die wunderschön gestalteten Settings sind es, die Overlord zu einem besonderen Spielerlebnis machen. Vor allem der einmalige Humor, eine gehörige Portion Ironie und ein Augenzwinkern gegen Heldenspiele- und Filme machen den Titel aus. Wenn ein Bossgegner fett, faul und gefräßig sich von seinem Thron erhebt, einen donnergleichen Windstoß aus seiner Hose fahren lässt und dann schimpfend durch die Gegend torkelt, sieht das ebenso witzig wie gut in Szene gesetzt aus.

Ein anderes Beispiel: Ihr kommt an eine Kürbisplantage. Die Halblinge, eine Gegnerart des Spiels, haben einen Bauern als Vogelscheuche verkleidet und an einen Mast gebunden. Nun klagt der Bauer euch sein Leid und bittet euch, die Kürbisse und Sonnenblumen, die ihn auslachen, zu vertreiben und die Halblinge zu töten. Natürlich helfen eure Schergen gerne, legen dabei jedoch des armen Bauern Farm in Schutt und Asche. Hier kommt nun der Humor. Statt sich aufzuregen über das Chaos, erklärt der Bauer leicht irritiert, er könne in Zukunft Gurken anpflanzen, die ihn nicht auslachen, keine Widerworte gäben und sowieso besser sein als Kürbisse. Drittes Beispiel: Eure Schergen kommen an einen Ort, an dem ein Bossgegner wartet. Dieser lässt sich durch Musik unterhalten. Statt gegen ihn zu kämpfen, fangen eure Schergen an, in feinster Riverdance-Manier, eine flotte Sohle aufs Parkett zu legen.

Doch wo viel Licht, dank der sehr netten Grafik ist, da ist auch ein wenig Schatten. So stört es, dass dem Spiel keine Minimap spendiert wurde. Wer sich in den komplexen Arealen zurecht finden will, kommt kaum herum, des Öfteren in die beigelegte Karte zu schauen. Auch die Speicherfunktion ist nicht optimal gelöst worden.

Zu wenige Punkte, kein Auto-Save und die Tatsache, das man einen Teil der Mission neu machen muss, wenn man im Kampf getötet wird, sind lediglich suboptimal gelöst worden.

Und auch der Mehrspielerpart hätte umfangreicher ausfallen dürfen. Im Multiplayer bekommt ihr lediglich zwei Spielmodi geboten. Ihr tretet gegeneinander in den Optionen Schlacht um Punkte oder wahlweise Plünderung um Gold sowie kooperativ auf diversen Multiplayer-Karten an.

Humor ist wenn man trotzdem lacht!

Auch wenn euch von technischer und akustischer Seite kein Über-Titel geboten wird, macht Overlord doch vieles richtig. Neben der bereits angesprochenen Spielwelt, sind es vor allem die Schergen, die überzeugen können. Knurrend, brummend und Kommentare abgebend, locken sie dem Spieler ein ums andere Mal ein Schmunzeln auf die Lippen. Generell kann über die deutsche Synchro nichts negatives gesagt werden. Auch der Sound passt sich den Umgebungen und Situationen an und wirkt zu keiner Zeit nervig und aufgesetzt.

Fazit

Auch wenn mit Overlord das Rad nicht neu erfunden wurde bietet das Spiel viele originelle Ansätze und Ideen, die meist konsequent umgesetzt werden. Die gute Steuerung, die taktische Möglichkeit eure Schergen einzusetzen und die stimmige Fantasy-Welt, heben den Titel aus der Masse ab. Ein wenig mehr nicht-lineare Missionen wären noch wünschenswerter gewesen. Abgesehen von kleineren Macken ist Overlord jedem zu empfehlen, der schon immer mal fies sein und den Helden richtig in den Allerwertesten treten wollte. Overlord bietet hierfür ausreichend Gelegenheit.

Overlord [X360 , looki.de]

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