Gesamtwertung85%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Die Fußball WM ist vorbei, das Sommerloch steht vor der Tür. Grund genug für 3D Realms, dieses Loch mit ihrem neusten Geniestreich zu füllen. Da der Duke noch immer kein Lebenszeichen von sich gibt, setzt die Community alle Erwartungen in den ambitionierten Ego-Shooter Prey. Wir haben uns für euch auf Monsterhatz gemacht und berichten euch nun in unserem Test, ob hier der erste richtig gute Shooter für die Xbox360 in den Startlöchern steht.
Der Traumpfad der Cherokee
Bevor wir hier näher auf das eigentliche Spielgeschehen eingehen, muss etwas zur Story gesagt werden. Ja, ihr habt richtig gelesen. Im Gegensatz zu früheren Ego-Shootern, setzten Titel der heutigen Generation nämlich auf eine Handlung. Es gibt Sympathie und Antipathie, Liebe und Leid, Hass, Trauer, Zorn und Wut. Eben wie in einem richtigen Hollywoodfilm. Erzählt wird die Geschichte von Tommy, einem jungen Cherokee Indianer, seiner Freundin Jen und seinem Großvater Enisi.
Zu Beginn des Spiels befinden sich alle drei in einer Bar, die auf einem Indianerreservat steht. Im Gegensatz zu seiner Freundin und seinem Großvater möchte Tommy das Reservat verlassen und ein neues Leben beginnen. Eigentlich sollte sich dies auch Jen wünschen, die als Bedienung in der Bar jeden Abend von alten betrunkenen Männern angebaggert wird. Enisi, ein weiser alter Cherokee, versucht seinen Enkel auf den Pfad der Ahnen einzuschwören. Doch der junge Indianer hegt keinerlei Interesse, den Geschichten seines Großvaters zu lauschen. Dies ändert sich auch dann nicht, als urplötzlich das Chaos in Form einer Alien-Invasion über das Reservat hereinbricht. Ein gleißender Lichtschein taucht die gesamte Bar in grünes phosphorisierendes Licht und saugt das gesamte Inventar nebst Enisi, Jen und Tommy auf. Kurze Zeit später erwacht Tommy und findet sich in einem gigantischen Alien-Raumschiff an den Händen gekettet neben seinen Liebsten wieder. Während der Fahrt durch das Raumschiff, gibt es eine Explosion und Tommy stürzt auf festen Boden. Dieser ist jedoch mit Alien-Schleim überzogen.
Um sich seinen Weg zu bahnen, muss der Held zunächst einmal sich durch die Katakomben des Raumschiffs schlagen. Hierzu verfügt er zu Anfang lediglich über eine Rohrzange. Doch bald schon stellt sich ihm ein Alien-Wächter entgegen, der ihn mit einer Waffe bedroht. Einige Schläge später, hält Tommy die Waffe in seinen Händen.
Wenige Spielminuten später, findet Tommy seinen Großvater wieder. Dieser ist an eine Vorrichtung gekettet, welche ihn geradezu bestialisch hinrichtet. Doch vorher kann der alte Mann ihm noch einige hilfreiche Tipps mit auf den Weg geben. Jetzt heißt es also nach Jen und den anderen gefangenen Menschen des Reservats suchen. Tommy macht sich auf und überquert eine Brücke. Ehe er sich versieht, attackiert ihn ein Wächter und durchtrennt mit einem gezielten Gewehrschuss die tragenden Seile der Brücke. Tommy stürzt ins Bodenlose. Als er seine Augen aufschlägt, sieht er einen Falken, den er noch aus seinen Jugendtagen kennt. Der Geist seines Großvaters erläutert Tommy den Walk of Spirit, welcher ihn dazu befähigt, für einige Zeit seinen Körper zu verlassen, um an Orte zu kommen, die der menschlichen Hülle unzugänglich sind. Diese Fähigkeit dominiert im weiteren Verlauf das Spielgeschehen. Außerdem erhält der junge Cherokee von seinem Großvater einen Bogen, mit dem er im Ghost-Walk seine Gegner mit nur einem Schuss besiegen kann. Wie es weitergeht, soll an dieser Stelle nicht verraten werden.
Dreh dich um und die Physik ist außer Kraft gesetzt
Wer nun denkt, dass Prey ein durchschnittlicher Shooter von der Stange ist, der mit einer mittelmäßigen Story glänzt, liegt zum Teil daneben.
Klar: Die Hintergrundgeschichte hat eher B-Movie Charme, denn ausgefeilte Dialoge und tiefgründige Handlungsstränge. Doch kommt es gerade bei einem Shooter nicht so sehr auf hollywoodreife Storys an.
Immerhin erhält der Titel durch die Cherokee-Ahnen Geschichte einen leicht philosophischen Touch. Was jedoch komplett neu ist, ist das phänomenale Leveldesign. So etwas hat bislang noch kein Shooter geboten. Auch wenn Prey linear ist, verliert er durch die Architektur an standardisierter Linearität.
Was ist es nun, das Prey vom 08/15 Shooter unterscheidet? Es ist der so genannte Wall-Walk. Wenn ihr mit Tommy an leuchtende Wandteile lauft oder auf bestimmte Felder schießt, dreht sich der Raum um 90 oder 180°. Wo eben noch oben war, ist dann auf einmal unten. Und Feinde schießen von der Decke herab auf euch. An anderen Stellen tun sich geheimnisvolle Tore auf, aus denen weitere Gegner stürmen. Viele Rätsel, die leider nicht gerade sehr abwechslungsreich gestaltet sind, lassen sich erst unter zur Hilfenahme des Wall-Walks oder des Spirit-Walks lösen. Kleine Symbole an der Wand oder auf dem Boden weisen euch dezent darauf hin, wo ihr den Spirit-Walk ausführen müsst. Während ihr im Geistmodus seid, ist euer Körper allerdings auch angreifbar. Somit solltet ihr stets überlegen, wo ihr euren Körper verlasst. Ein weiteres Novum: Wenn ihr eure Lebensenergie verliert, sterbt ihr nicht direkt, sondern gelangt ins Jenseits. Hier umkreisen euch die so genannten Albe. Rote Albe stehen für Lebensenergie, blaue Albe für Geistenergie. Mit Pfeil und Bogen müsst ihr nun in kürzester Zeit so viele Albe wie möglich treffen, bevor ihr wieder zurück zu dem Punkt gelangt, an dem ihr gestorben seid. Apropos Sterben: Zwar gibt es die Möglichkeit einer Auto-Save Funktion, doch Quicksave und Quickload wurden nicht ins Spiel gebracht.
Von Wächtern, Spuckern und Rieseneiern.
Die Gegnervielfalt ist recht begrenzt, weiß dank liebevoller Ausgestaltung aber zu gefallen. Einige Gegner erinnern an ihre Pendants in Spielen wie Quake 3 und Doom 3. Leider können sie nicht annähernd so viele Schockmomente im Spieler hervorrufen, wie die teilweise ekelerregenden Ausgeburten der virtuellen Hölle es in Doom 3 vermochten. Die Level selbst basieren auf einer verbesserten Doom 3 Engine, die ganz ohne Ruckeleinlagen daher kommt. Selbst die Außenlevel, die in IDs Konkurrenten völlig fehlten, wissen zu überzeugen.
Licht und Schatteneffekte wurden zwar spärlich eingesetzt, und auch der Taschenlampeneffekt wurde lediglich durch ein Feuerzeug ersetzt.
Auch ansonsten haben die beiden Titel einiges gemeinsam. So müsst ihr Konsolen aktivieren, Lebensenergie aufsammeln, Energie von Wandbehältern auf eure Waffen umlenken und euch bis auf die Bossgegner mit mäßig intelligenten Widersachen auseinandersetzen. Dabei fließt zwar Blut und an der einen oder anderen Stelle hängt auch mal eine Leiche von der Decke. Insgesamt ist Prey aber weitestgehend weniger blutrünstig als Doom 3.
Ähnlich sieht es auch mit dem Klangteppich aus. Während beim Konkurrenten auf PC und Xbox in besonders spannenden Momenten mit dem Einsatz von musikalischen Effekten gearbeitet wurde, verhält sich Prey relativ still. Die Gegner kommen über undefinierbare Laute kaum heraus. Zur Sprachausgabe selbst ist zu sagen, dass der Titel komplett Englisch mit deutschen Untertiteln ist. Leider untertiteln diese auch nicht sämtliche Aussagen, sodass gutes Englisch nicht schaden kann. Die Sprecher sind recht motiviert, ohne an eine Topleistung heranzukommen.
Wir schlagen uns online
Auch das ist möglich: Neben dem Solopart, bietet Prey nämlich einen Mehrspielermodus. Leider gibt es nur den Deathmatch und den Team-Deathmatch Modus. Sehr wenig, im Vergleich zur Konkurrenz. Insgesamt dürft ihr euch auf acht Maps austoben, die recht ansehnlich und umfangreich ausgefallen sind. Natürlich sind die beiden Sonderkräfte Wall-Walking und Spirit-Walking auch im Multiplayer enthalten, was wohl den eigentlichen Reiz des Online-Spielens ausmachen dürfte.