Pro Evolution Soccer 2009

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Konami
Entwickler
Konami
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
0
Pro Evolution Soccer 2009 [X360 , looki.de]

Gesamtwertung

83%/10

Grafik

Gut

Sound

Befriedigend

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Pro Evolution Soccer 2009

Kommt und lauschet uns bei unserer Erzählung einer tragischen und nahezu unglaublichen Geschichte vom Sturz eines Titanen. Ein Gigant, der uns in den letzten Jahren die Freudentränen voller Glückseligkeit, Euphorie, Adrenalin und vor allem einer Menge Spaß bescherte, ist gefallen. Nein, Reiner Calmund lebt noch! Es ist noch schlimmer - Seid stark! Auch wir müssen uns zusammenreißen und verkünden mit einer Träne im Knopfloch: FIFA hat gewonnen! Wieso und weshalb sich der vermeintliche japanische Fussballriese Pro Evolution Soccer in diesem Jahr selbst ein Bein stellt, erfahrt ihr in der traurigsten aller Looki Reviews.

Ein Neubeginn?

Fangen wir von vorne an – Vor einem Jahr entschuldigte sich der PES-Häuptling Seabass bei seinem Stamm für den Ausrutscher namens PES 2008. Auch wenn das eigentliche Spiel noch immer klasse war, erkannte das geneigte Zockerauge doch einige schwerwiegende Fehler, welche sich gerade in Sachen Technik offenbarten. Seabass gelobt Besserung und versprach, sich mit dem nächsten Teil der Reihe solange Zeit zu lassen, bis der Titel den eigenen Vorstellungen entsprechen würde. Nach der harschen Kritik sollte es zurück ans Zeichenbrett gehen. Eine komplette Neuentwicklung schien sich demzufolge in der Mache zu befinden.

Danach war es einige Monate ruhig. Zur Überraschung vieler gab es bereits im Juni diesen Jahres die offizielle Ankündigung des neuen Pro Evolution Soccer 2009 für Herbst 2008. Zugegeben ein recht kleiner Zeitraum für eine Neuentwicklung, wenn ihr uns fragt. Aber gut, PES-Spieler sehnten diesen Tag herbei, schließlich war man bis dato ja immer nur hervorragende Fussballkost von Konami gewohnt und ein Ausrutscher kann jedem einmal passieren. In dieser Woche war es dann soweit. Virtueller Fussball sollte erneut revolutioniert werden. Doch die Realität sieht anders aus. Anstatt seinem Namen alle Ehre zu machen und den Fussball als Videospiel weiterzuentwickeln, stagniert PES nun seit gut zwei Jahren vor sich hin und hat es auch in diesem Jahr nicht geschafft, an seine Glanzzeit aus PES 5 und 6 anzuknüpfen.

Nein!

Welche Neuerungen bietet Pro Evolution Soccer 2009 eigentlich? Im Prinzip hat sich am Umfang nicht allzu viel geändert. Noch immer könnt ihr euch durch diverse Turniere, Freundschaftsspiele und dem Herz des Spiels, der Meisterliga kicken. All diese Modi haben sich allerdings kein Stück verändert und beinhalten exakt denselben Inhalt wie schon im letzten Jahr.

Neu hingeben ist allerdings die neu erworbene Lizenz der Champions League. Zwar fehlt hier von deutschen Clubs, wie im gesamten Spiel, zwar jede Spur, aber dennoch kann der Modus für einige Zeit bei Laune halten und mit einer netten Aufmachung ein wenig Stimmung erzeugen. Schade, dass man die Champions League nicht direkt in die Meisterliga integrieren konnte. Laut Aussagen der Entwickler hat die ihnen gegebene Zeit ihnen dabei einen Strich durch die Rechnung gemacht. So viel zum Thema “Zeit lassen, bis der Titel den eigenen Vorstellungen entspricht“. Da es sich bei den Trikots der entsprechenden Teams zudem nicht immer um die Original-Pendants der CL-Trikots handelt, wird die ansonsten recht gute Atmosphäre des Modes ein wenig getrübt. Allerdings kündigte Konami bereits an, diese im November per Patch nachzureichen.

Eine weitere Neuerung ist der so genannte Become a Legend-Modus, in dem ihr euren eigenen Spieler kreieren und mit ihm eine komplette Karriere starten könnt. Diesbezüglich hält auch der Editor erstmals Einzug auf der Xbox 360 und der PS3 und bietet euch viele Möglichkeiten, eurem Alter-Ego das passende Aussehen samt Outfit zu verpassen. Wer einen Hang zum Narzissmus hat, kann mit der Live Vision Cam sogar sein eigenes Gesicht einscannen, was in der Praxis auch recht gut funktionierte.

In Become a Legend steht ihr dann mit eurer Eigenkreation auf dem Platz und spielt lediglich mit diesem einen Spieler. Im Vorfeld könnt ihr noch euer Lieblingsteam und eure bevorzugte Position wählen. Auf dem Platz sammelt ihr durch gelungene Aktionen Erfahrungspunkte und mausert euch langsam zum Fussballstar. Was sich in der Theorie noch recht spannend anhört, verkommt allerdings schnell zum unspektakulären Gekicke, da ihr die meiste Zeit nicht aktiv am Spielgeschehen teilnehmt, was unserer Meinung nach nicht der Sinn eines Videospiels ist. Schon ein wenig motivierender ist dann doch die Möglichkeit, seinen Star im Legends-Mode mit bis zu drei anderen Gleichgesinnten auf den Platz zu schicken und dort zusammen aufs Leder einzutreten. Hier geht das Konzept schon eher auf, da hier der Teamaspekt durchaus gefördert wird. An die Klasse des FIFA 10 gegen 10 Online-Modus kommt man hier allerdings nicht heran.

Im Großen und Ganzen war es das auch schon mit den Neuerungen in Sachen Spielmodi, was an sich auch kein Beinbruch ist. Schließlich zählt die Action auf dem Platz mehr, als der Umfang des Gesamtpakets. Aber genau hier stellen sich kurioserweise die größten Schwächen des neusten Ablegers heraus. Schwächen, die man in dieser Form nicht von der Serie gewohnt ist, aber dazu später mehr.

Wem die Spielgeschwindigkeit im Vorjahr noch zu hoch war, der dürfte sich über die aktuelle Drosselung freuen, die dem Spiel zu mehr taktischem Tiefgang und Realismus verhilft, allerdings noch immer nicht an alte Tugenden anknüpfen kann. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Zweikämpfen im Mittelfeld. Wer sich hier mit geschickten Manövern durchsetzen kann, verschafft sich einen Vorteil, da es nun sehr viel schwieriger ist, sich als Verteidiger gegen die zweikampfstarken Stürmer durchzusetzen, was letztlich darin resultiert, dass es Torszenen zuhauf regnet.

Im Gegensatz dazu steht allerdings auch der damit verbundene Frust, wenn sich ein Ibrahimovic oder ein Adriano einfach durch die Abwehrreihen walzt, ohne dass man etwas dagegen ausrichten kann. Wo wir gerade beim Thema Zweikämpfe sind: Hier hat sich PES in diesem Jahr wahrlich ein Eigentor geschossen. Wenn der Ball zwischen zwei konkurrierenden Spielern hin und her klatscht, erinnert das mehr an einen Flipperautomat, als an realistischen Fussball. Ebenfalls für Frust sorgt die KI in dieser Hinsicht. Anstatt den Ball nämlich direkt an sich zu reißen, für den Fall, dass man ihn dem Stürmer dann doch mal abgenommen hat, stehen sie erst dumm in der Gegend rum, ehe sie auch nur darüber nachdenken, an den Ball zu gehen - Wutausbrüche garantiert.

Auf der anderen Seite greift sie teilweise ungewollt in das Spielgeschehen ein und agiert auf eigenes Risiko. So kommt es nicht selten vor, dass man einen Elfmeter hinnehmen muss, weil die KI der eigenen Mitspieler es für vernünftig hält, im eigenen Strafraum zur Blutgrätsche anzusetzen. Das Problem mit der KI hat aber noch größere Ausmaße – So kommt es nicht selten vor, dass die KI eurer Kameraden freie Räume ungenutzt lässt und stattdessen teilweise stupide auf euch zu gerannt kommt, wie der ballgeile Hund von nebenan. Ebenfalls sehr frustrierend sind die häufigen Szenen, in denen man vergeblich nach einem freistehenden Mann für die passende Flanke sucht. Anstatt sich freizulaufen, bekommt die KI es anscheinend häufig mit der Angst zu tun und verdrückt sich aus dem Strafraum. Der Torwart macht seine Sache indes besser, als im letzten Jahr, weist allerdings auch einige eklatante Schwächen auf, die nicht selten dafür sorgen, dass man sich mit der Hand vor die Stirn klatscht.

Als ebenfalls gewöhnungsbedürftig erweist sich das Pass-System. Nicht nur, dass es schon einer hohen Präzision bedarf, den gewünschten Spieler anzuspielen, ihr könnt die Passrichtung des Balls nun mit dem linken Stick noch weiter beeinflussen. So könnt ihr beispielsweise den tödlichen Pass in den Lauf noch präziser ausrichten.

Das Problem dabei ist, dass dies enorm viel Übung vom Spieler abverlangt und gerade bei Anfängern für Frust sorgen kann. Aber auch wenn ihr euch lange Zeit mit diesem System auseinander gesetzt habt, kommt es dennoch häufig vor, dass der Pass ungewollt in den Rücken des Spielers gesetzt wird, was einen schnellen Konterangriff schnell zunichte machen kann. Und glaubt es uns, wenn wir sagen, dass dies überaus ärgerlich sein kann, um es mal vorsichtig zu formulieren. Des Weiteren wurde das Dribbling der Spieler komplett auf den linken Stick gelegt. Tricks wie das Ballhochlegen oder die altbekannte Drehung mit dem Ball werden nun allesamt mit dem linken Stick durchgeführt, während der rechte Stick voll und ganz für manuelle Kurz- und Langpässe genutzt wird. In der Praxis klappten die Tricks jedoch nicht mehr so problemlos, wie noch im letzten Jahr. Im Gegenzug dazu lassen sich manuelle Pässe nun komfortabler ausführen, da ihr den Stick nicht mehr zusätzlich drücken müsst.

PES 2009 bietet neuerdings drei verschiedene Möglichkeiten, zwischen den eigenen Spieler hin und her zu wechseln. Entscheidet man sich für die volle Unterstützung, wechselt das Programm den von euch kontrollierten Spieler selbstständig.

Dies auch die meiste Zeit effektiv, auch wenn es mal vorkommen kann, dass es sich bei einem gegnerischen Angriff nicht entscheiden kann, was beim Spieler teils für Verwirrung sorgen kann. Die zweite Option 'halbunterstützt' lässt euch die Spieler weitestgehend selbst wechseln, allerdings nicht komplett. Es kommt ab und zu vor, dass die KI eigenständig den Ball spielt, obwohl man den Spielzug lieber selbst kontrolliert hätte.

Ein wenig gewöhnungsbedürftig, ist man es doch gewohnt, stets den Spieler am Ball eigenhändig zu kontrollieren. Die letzte Alternative bietet eine vollkommen neue Form. So spielt ihr permanent denselben Spieler, bis ihr euch letztlich dazu entscheidet, diesen zu wechseln. Soll heißen: Spielt ihr einen Pass, kontrolliert ihr weiterhin den Spieler, der den Pass gespielt hat, bis ihr zum ballführenden Spieler wechselt. Das bietet euch zwar die Möglichkeit, die Räume besser zu nutzen und auf einen Pass in den Lauf zu hoffen, allerdings geht das Konzept dieses „Off-the-Ball“-Verschnitts nur selten auf, da die KI euer Vorhaben in den wenigsten Fällen erkennt. Vor allem bei schnellen Passkombinationen auf kurze Distanz kommt hier zudem eine Menge Hektik auf und kontrollierte, aufeinander folgende Pässe sind kaum oder nur mit einer Menge Übung möglich.

Insofern ihr die alten Teile stets mit manuellem Spielerwechsel gespielt haben solltet, werdet ihr schnell merken, dass keine der nun gegebenen Optionen vollkommen zufrieden stellend ist und jede mit ihren eigenen Fehlern zu kämpfen hat.

Vom grafischen Standpunkt waren die Erwartungen an PES 2009 gewohnt niedrig. Allerdings fällt von Jahr zu Jahr mehr auf, dass die Präsentation einfach nicht mit der Konkurrenz mithalten kann und nur aus nächster Nähe mit gelungenen Spielergesichtern teils zu gefallen weiß. Daneben gibt es nach wie vor dieselben alten Pappkameraden in Form von Fotografen am Spielfeldrand zu bewundern und auch das Publikum kommt recht farblos daher. Alles wirkt irgendwie blass und lieblos. Da können auch die zwei neuen Stadien nicht viel ausrichten, auch wenn man hier einen kleinen grafischen Fortschritt feststellen kann. Dies wäre ja an sich noch zu verkraften, wenn da nicht die wirklichen miesen Fangesänge wären, die die Nerven des Spielers zusätzlich strapazieren. Es ist fast so, als ob Konami PES unbewusst entzaubert hätte, denn die grandiose Stimmung, die man von der Serie gewohnt ist, kommt hier nur selten auf.

Ansonsten gibt es aus technischer Sicht nichts weiter zu meckern. Die Framerate läuft stabil, die nervigen Ruckler aus 2008 sind passé.

Eines der größten Mankos der Vorjahresversion war ohne Frage der Online-Modus des Spiels. In dieser Hinsicht haben sich Seabass und Co. ins Zeug gelegt und bringen erstmals einen 2on2 Modus mit auf die PS3 und die Xbox 360. Allerdings könnt ihr diesen nicht zusammen mit einem Freund auf der Couch bestreiten. Insgesamt verlaufen die Matches weit flüssiger, als im letzten Jahr.

Dennoch kommt es bei diversen Matches noch immer zu teils störenden Lags, die sich negativ auf den Spielfluss auswirken. Ab und an hat das Spiel zudem mit kleineren Tearing-Problemen zu kämpfen, die sich allerdings in Grenzen halten und nicht weiter stören. Sehr gut gefallen hat uns allerdings die Tatsache, dass die Xbox 360-Fassung nun auch endlich die aus den anderen Versionen altbekannte Lobby erhalten hat. Hier könnt ihr entweder ein schnelles Spiel starten oder nach geeigneten Gegnern in den zahlreichen Spielräumen Ausschau halten.

Fazit

Im letzten Jahr war ich zwar ein wenig enttäuscht von PES, aber im Großen und Ganzen hat der Kick doch noch immer eine Menge Spaß gemacht. Und auch in diesem Jahr weiß PES auch durchaus zu gefallen. Die Matches sind in Sachen Tiefgang denen eines FIFA 09 noch immer überlegen und letzten Endes einfach mitreißender, allerdings muss man für die Serie ungewohnte Schwächen in Kauf nehmen, die den Spielspaß traurigerweise ziemlich trüben. Die KI weist viele Fehler auf, die auf Dauer für Frust sorgen, und auch die Ballphysik ist nicht mehr das, was sie mal war, was sich gerade in den teilweise fast schon lächerlichen Zweikämpfen bemerkbar macht. Man merkt dem Spiel förmlich an, dass die Entwickler nicht mehr die Liebe investiert haben, die die Serie ihrer Zeit ganz nach vorne gebracht hat. In den letzten zwei Jahren ist der Zauber von Pro Evolution Soccer auf der Strecke geblieben. Es funkt nicht mehr. Die Faszination ist verflogen. Und glaubt mir, ich habe das Spiel immer und immer wieder gespielt, weil ich es nicht wahrhaben wollte. Dennoch musste ich zum dem traurigen Schluss kommen, dass die gewohnte Qualität in diesem Jahr ein weiteres Mal nicht erreicht wird. PES 2009 beinhaltet einfach zu viele Fehler, die den Fussballfans das Strahlen aus den Augen treiben. Ich hoffe innig, dass Konami sich mit dem nächsten Ableger die Zeit lässt, die von Nöten ist, um das Feuer wieder zu entfachen. Ich bin mir sicher, dass sie das schaffen, denn völlig erloschen ist die Flamme bei Weitem nicht.

Pro Evolution Soccer 2009 [X360 , looki.de]

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