Pro Evolution Soccer 6

Review
Plattform
Microsoft XBOX 360
Vertrieb
Konami
Entwickler
Konami
Erscheinungsdatum
-
Genre
Simulation
USK
0
Pro Evolution Soccer 6 [X360 , Justgamers]

Gesamtwertung

87%/10

Grafik

Gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Befriedigend

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Sehr gut

Pro Evolution Soccer 6

Dieses Jahr stand ganz im Zeichen des Fussballs. Vor allem wegen der Weltmeisterschaft im eigenen, sonnigen Lande. Videospieler freuten sich nach Ende des Turniers natürlich auf den ersten Next-Generation-Zweikampf der Fussballspiel-Größen FIFA 07 und Pro Evolution Soccer 6. Wir haben uns zu erst den Xbox 360-Vertreter aus dem Hause Konami zur Brust genommen und endlos viele Spiele auf dem HD-Rasen ausgetragen. Warum die Xbox 360 Fassung sich auch PES Lite nennen darf und warum PES6 trotzdem rockt, erfahrt ihr in unserem Spielbericht.

Beschnitten

Next-Generation gepaart mit dem Thema Fussball bedeutete bislang stets geringerer Umfang. Während bei FIFA 06 lediglich Nationalmannschaften zur Verfügung standen und auch der 07er-Ableger mit weniger lizenzierten Mannschaften daherkommt, sprach man bei Konami bislang nicht von Streichungen und Änderungen für die Next-Generation-Version. Bereits bekannt war lediglich, dass es ob eines Verbotes seitens der DFL keine Bundesliga-Teams, mit Ausnahme der Münchener Bayern, geben wird. Auch nicht mit verfälschten Namen. Allerdings schafften es einige allseits bekannte und lieb gewonnene Features nicht in die neue Generation und bleiben Käufern der diesjährigen PlayStation 2-Fassung vorbehalten. Das Ganze teilt sich dabei in zwei Gruppen auf: Irgendwo verständlich und anscheinend unnötig.

Einen großen Teil der Änderungen gegenüber dem PS2-Pendant nimmt der Editor ein. Sony-Jünger editieren hier alles nach Belieben. Daten, Aussehen und Fähigkeiten der Spieler, Mannschaftsnamen, Wappen und Trikots aber auch Namen von Stadien und Wettbewerben. Auf der Xbox 360 ist davon nicht viel übrig geblieben. Mannschaften, Stadien und Wettbewerbe sind zum Beispiel komplett entfallen. Dadurch müssen eigene Taktiken vor Freundschaftsspielen stets manuell geladen und zugewiesen werden.

Auch lassen sich so keine Spieler transferieren. Unverständlich. Zum anderen wurde auch das Bearbeiten der Spieler entschlackt. Namen, Daten und Fähigkeiten lassen sich ändern, das komplette Aussehen jedoch nicht. Sprich, das Gesicht bleibt vorgegeben und der verfälschte Name auf dem Trikot erhalten. Durch den Umstieg auf die Next Generation Grafik vielleicht noch zu erklären im Gegensatz zur Tatsache, dass sich die Namensansage nicht ändern lässt. Das ist für Fans der deutschen Nationalmannschaft insofern schade, da die Sprachsamples für die Bayernspieler ja allesamt vorhanden sind und Podolski, Schweinsteiger und Co. somit von den Kommentatoren ausgesprochen werden könnten, wenn man sie denn zuweisen könnte.

Und so setzt sich das Fehlen von Features durch das Spiel wie ein roter Faden fort. Wiederholungen können nicht gespeichert werden, der herausfordernde Trainingsmodus mit all seinen Aufgaben existiert nur noch als langweiliger freier Trainingsmodus, PES-Punkte samt Shop und somit freischaltbare Extras neben den Classic-Teams entfallen, ja selbst die umfangreichen Statistiken nach Spielende suchen PES-Veteranen vergebens. Warum auch immer.

Weltmeister

Solisten stehen im Einzelspiel die gewohnten Turniere und Ligen, bis eben auf die deutsche Liga, zur Verfügung. Europa- und andere Kontinental-Cups sind ebenso vorhanden wie der Internationale-Pokal. Vereinsmannschaften kommen im Konami- und im Reebok-Cup außerdem hinzu - Qualifikationen für die Nationalmannschaftsturniere spielen hingegen lediglich die Besitzer der PlayStation 2-Fassung, ebenso wie Statistik- und Überraschungsmatches, aus.

Kernstück des Spiels stellt wie jedes Jahr die Meister-Liga dar. Zwar verläuft auf der Xbox 360 die Gründung der Meister-Liga etwas anders, das anders gestaltete Hauptmenü bietet jedoch die gleichen Funktionen, was ja mittlerweile nicht mehr selbstverständlich ist. So spielt ihr euch hoch in die 1. Division, macht Konditionstraining und werdet auf dem Transfermarkt aktiv. Kleiner aber feiner Unterschied: Durch den entfallenden PES-Shop lässt sich die Option ML-Gruppierungen nicht erwerben. Ein direkter Start in der 1. Division ist somit unmöglich.

Wichtig ist, was auf dem Platz passiert

Nirgends passt diese alte Fussball-Phrase mehr als hier. Denn Abseits von Streichungen und Entschlackungen macht Pro Evolution Soccer 6 hier alles wieder wett. Vorausgesetzt man gewöhnt sich an das Xbox 360-Pad. Ist diese Hürde erst einmal genommen, kommt die Xbox 360-Version noch eleganter als die PS2-Fassung daher. Die Tastenbelegung ist dabei gleich geblieben. Das bedeutet, dass ihr die Spieler im Gegensatz zu FIFA 07 mit LB wechselt, statt mit Hilfe des linken Triggers. Der schnellere Druckpunkt ermöglicht somit auch flinkere Wechsel. Auch das Sprinten findet ihr nicht auf einem Trigger sondern auf RB, weshalb analoges Sprinten nicht möglich ist. Lediglich das mehrfache Drücken der Sprinttaste erlaubt noch schnelleres Rennen und das noch weitere Vorlegen des Balles. Mit gezogenem RT dribbelt ihr euch durch die gegnerischen Abwehrreihen.

Drückt ihr LT in Verbindung mit einer der vier Haupttasten, könnt ihr wie gewohnt die Strategien ändern. Welche das sind, legt ihr wie immer selbst fest. So lassen sich Abwehrverhalten wie Abseitsfalle und Pressing an die Tasten binden aber auch Flügelspiel und andere Taktiken festlegen. Der Wechsel zwischen offensiver und defensiver Aufstellung kann mitten im Spiel Gold wert sein. Ebenso wie die Grundaufstellung an sich. Positionen lassen sich wie gewohnt editieren sowie Abwehr- und Angriffsverhalten für jeden Spieler einzeln festlegen. Nebenbei sucht ihr Schützen aus, wählt einen Kapitän oder legt die Verteidigungslinie fest. Bis ihr dabei die optimale Aufstellung gefunden habt, bedarf es entweder Geduld oder das offizielle Strategiebuch. Zu variabel und bedeutsam sind hier die einzelnen Einstellungen.

Auffallend ist während des Spielgeschehens die neue Ballphysik, an die ihr euch erstmal gewöhnen müsst. Der Ball rollt insgesamt langsamer und somit realistischer. Steht ihr beim Pass falsch zum Ball, kommt dieser mit aller Wahrscheinlichkeit nicht beim Mitspieler an.

Zu Beginn ist also das ein oder andere Fehlpassfestival auf der Tagesordnung, ist das Ganze jedoch in Fleisch und Blut übergangen, stellt sich diese Änderung als lohnenswert heraus. Bei Torschüssen braucht ihr indes mehr Fingergefühl. Lupfer sind keine Torgarantie mehr wie im vierten Teil und die Schussleiste lädt verdammt schnell auf.

So passiert es zu Beginn oftmals, dass ihr frei vor dem Tor stehend, den Ball in die Wolken haut. Aber auch so ist das Erzielen von Toren etwas schwerer geworden, denn die Torhüter sind glänzend aufgelegt, lassen den Ball jedoch öfters abprallen. Wer hier schnell reagiert macht aus einer vereitelten Torchance doch noch einen Treffer. Ab dem dritten Schwierigkeitsgrad habt ihr außerdem an der gegnerischen Abwehr ordentlich zu knabbern, woran das erschwerte Dribbling nicht unschuldig ist. Gut, dass die Laufwege sowie das komplette Verhalten eure KI-Kollegen stimmig sind, so dass ihr mit tödlichen Pässen ob flach oder hoch, das ein oder andere Mal die gegnerische Abwehr aushebelt.

Ein Upgrade hat auch die Intelligenz des Schiedsrichters erhalten. Dieser pfeift durch die Bank zufrieden stellend und nicht zu kleinlich wie im Vorgänger. Vorteilssituationen werden in den meisten Fällen richtig erkannt und auch die Kartenwahl ist absolut stimmig. Neu hinzugekommen ist bei einem Freistoß ohne folgende Karte die Möglichkeit, diesen umgehend auszuführen. Das ist nicht nur realistisch sondern bestraft auch diejenigen, die solche Situationen nutzen um sich den Schweiß von der Hand zu wischen. Insgesamt spielt sich Pro Evolution Soccer 6 dynamischer und besser als sein Vorgänger. Dafür aber für Neueinsteiger auch schwieriger. Hier ist gerade bei Neulingen Geduld gefragt, auch weil der angesprochene Trainingsmodus mit all seinen Herausforderungen fehlt und durch einen spartanischen ersetzt wurde.

Stadionatmosphäre

Nicht ganz so gut wie Konkurrent FIFA 07 aber natürlich besser als Pro Evolution Soccer 5 präsentiert sich der Sechser im Punkto Präsentation. Alles ist selbstredend hochauflösend und weit Augenschonender als auf der PlayStation 2. So ganz Next Generation ist das Ganze jedoch noch nicht und kann mit den vorher gezeigten Screenshots rund um Adriano nicht mithalten. Zu steif sind beispielsweise die Fahnenbewegungen. Dafür läuft das Spielgeschehen bis auf äußerst seltene Ausnahmen flüssig und auch die Animationen überzeugen durch die Bank. Untermalt werden die Menüs mit dem PES-typischen Tracks, das Kommentatoren-Duo Hansi Küpper und Wolf Fuss leistet wie gewohnt ordentliche Arbeit und auch die Fans haben einige neue Fangesänge einstudiert und bringen diese noch besser rüber.

Dank Xbox Live habt ihr außerdem die Möglichkeit im Online-Modus Duelle auszutragen. Zum einen als Freundschafts- aber auch als Ranglistenspiel. Da Pro Evolution Soccer 6 zum Testzeitpunkt noch nicht in Deutschland erhältlich war, blieben uns lediglich Partien gegen ausländische Spieler, in denen wir mit leichten Lags zu kämpfen hatten. Bei inländischen Duellen sollten diese jedoch nicht mehr auftreten.

Fazit

Pro Evolution Soccer 6 muss sich in der Xbox 360-Fassung erstmals eine Looki-Wertung unter 90% gefallen lassen. Klar, der Sechser spielt sich fantastisch, sieht besser aus als sein Vorgänger, hat aber auf Microsofts Next-Gen-Konsole ordentlich an Umfang abgenommen. Der mächtige Editor bietet kaum noch Optionen, Motivation in Form von PES-Shop-Punkten für das Absolvieren von Turnieren und Ligen ist auch nicht mehr vorhanden. Gut, dass es die Gamerscore-Erfolge gibt, die beispielsweise den erstmaligen Gewinn eines Cups mit 40 Punkten belohnen.

Abseits dieser Mängel macht Pro Evolution Soccer 6 vor allem auf dem Platz eine hervorragende Figur. Bessere Ballphysik, faire Schiedsrichter, neue Animationen und vieles mehr, machen jede Partie zu einem Erlebnis und ermöglichen immer wieder neue Wege Tore zu erzielen. Unter dem Strich bleibt somit eine immer noch gute Wertung von 87%. Wer mit dem Editor eh nichts anfangen kann und Mehrspielerpartien, on- wie offline, bevorzugt, addiert sich heimlich noch zwei Prozentpunkte oben drauf. Diejenigen die weniger Wert auf die Grafik legen, keinen HDTV aber dafür eine PlayStation 2 besitzen, sollten beide Fassungen vorher Probespielen und sich dann zwischen Grafik und Umfang entscheiden. Für mich als Freundschaftsspiele-Spieler und Argentinien-Wähler empfiehlt sich somit die 360-Fassung, die auch gewiss regelmäßig bis nächsten Oktober im Laufwerk der Xbox 360 rotieren wird. PES 6 spielt sich nämlich weit besser als FIFA 07.

Pro Evolution Soccer 6 [X360 , Justgamers]

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