Project Gotham Racing 4

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Microsoft Game Studios
Entwickler
Bizarre Creations
Erscheinungsdatum
-
Genre
Simulation
USK
6
Project Gotham Racing 4 [X360 , looki.de]

Gesamtwertung

89%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Sehr gut

Project Gotham Racing 4

Für Rennspielfans ist die Xbox 360 ein wahres Eldorado: Mit Project Gotham Racing 3, Test Drive Unlimited, Forza Motorsport 2 und einigen anderen Titeln haben es bereits sehr gute Rennspiele auf den Markt geschafft. Ein Meilenstein war vor allem PGR 3, das pünktlich zum Verkaufsstart der Xbox 360 veröffentlicht wurde und mit massig neuen Features, einer bis dato nie da gewesenen Grafik und einem überragenden Mehrspieler-Modus punkten konnte. Nun, knapp zwei Jahre später, schickt sich der bereits zweite Ableger für die Xbox 360 an und möchte mit einigen neuen Features und vielen kleineren Änderungen dem ganzen die Krone aufsetzen. Wir haben uns bereits auf die Jagd nach Bestzeiten und Kudos begeben und berichten euch frisch von der Rennstrecke, ob Project Gotham Racing 4 seinen Vorgänger nochmals übertreffen kann.

Bereits der Spielstart unterstreicht den Weg, den Entwickler Bizarre Creations mit PGR4 gehen möchte: Bekannte Spielelemente mit einigen Neuerungen aufzufrischen. Das Intro kommt gewohnt spektakulär und mit einem klasse Soundtrack daher, so dass sich Fans der Vorgänger sofort heimisch fühlen. Das erste neue Feature lässt allerdings nicht lang auf sich warten. So dürft ihr zu Beginn des Spiels erstmals euren eigenen Fahrer kreieren. Ihr wählt euer Geschlecht und eure Nationalität aus, passt den Helm- sowie Visier-Typ an eure Wünsche an und gestaltet sowohl diese, als auch Anzug nach euren farblichen Wünschen. Nötig geworden ist dies durch das wohl bekannteste neue Feature von PGR 4. Erstmals seid ihr nicht nur in allerhand Autos unterwegs, sondern dürft auch auf flotten Motorrädern platz nehmen.

Diese gehen sogar gegen Rennwagen an den Start, haben allerdings nicht nur Vorteile. Zwar seid ihr auf einem Zweirad verdammt schnell unterwegs und könnt die Kurven viel besser nehmen als die anderen Fahrzeuge; haut es euch allerdings einmal aus dem Sitz verliert ihr wertvolle Sekunden. Dies geschieht schneller als es einem manchmal lieb ist. Klar, auf einem Motorrad benötigt man nicht viel Platz zum Überholen, braucht ihr dafür aber zu viel Zeit müsst ihr davon ausgehen, dass euch euer Kontrahent vom Motorrad rammt ohne dafür bestraft zu werden. Gegen die KI tritt dieses Problem äußerst selten auf, ob eure menschlichen Gegner allerdings immer so fair bleiben, darf getrost bezweifelt werden. Einige Sekunden Rückstand sind auch hier die Folge, da die Rennwagen ohne großen Zeitverlust und spürbare Schäden das Rennen fortsetzen können. Wie auch im Vorgänger sucht ihr ein ausgeklügeltes Schadensmodell nämlich vergeblich.

Das Einzige was euren Boliden zustoßen kann sind Kratzer und kaputte Scheiben. Schäden, die das Fahrverhalten beeinflussen oder gar das Fortführen des Rennens unmöglich machen, sind nicht enthalten, sollen aber nach aktuellen Aussagen von Bizarre Creations im fünften Teil dabei sein.

Dumm nur, dass dieser, nach der Übernahme von Bizarre durch Activision, aller Wahrscheinlichkeit nach, von einem anderen Team entwickelt wird. Spekulationen um eventuelle Nachfolger sollen uns an dieser Stelle aber erst einmal egal sein. Ein nicht geringer Anteil der Spieler wird sich über das Fehlen des Schadensmodells garantiert ärgern.

Bewusst weggelassen hat man erneut diverse Tuning- und Konfigurations-Optionen. Project Gotham Racing steht seit jeher für unkomplizierten Fahrspaß und führt dieses Konzept auch im neuesten Ableger konsequent fort.

So steuert ihr euer Gefährt wie gewohnt eher arcadelastig um die verschiedenen Kurse, müsst aber um wirklich erfolgreich zu sein sowohl Ideallinie als auch Bremspunkte nahezu perfekt treffen und punktgenau zum Drift ansetzen. PGR setzt klar auf fahrerisches Können und nicht auf die richtige Einstellung des Fahrzeugs. Bei den Motorrädern gilt das Gleiche. Wer eine simulationsartige Steuerung wie in MotoGP erwartet, wird schnell enttäuscht. Das Fahrverhalten, das natürlich von Fahrzeug zu Fahrzeug unterschiedlich ist, ist insgesamt betrachtet erneut eine gelungene Mischung aus Arcade und Simulation.

Einfluss auf euer Gefährt haben erstmals verschiedene Wetterbedingungen. Konntet ihr im Vorgänger lediglich bei klaren Wetterverhältnissen fahren, ist es nun außerdem möglich bei Regen, Schnee, Sturm oder Nebel auf die Strecke zu gehen. Dass sich das Wetter auch auf die Steuerung der Boliden auswirkt, ist klar. Während ihr bei starkem Nebel die Kurven erst sehr spät sehen könnt, werdet ihr bei vereister Strecke oft ins Rutschen kommen und bei Regen mit Aquaplaning zu kämpfen haben.

Kernstück von Project Gotham Racing 4 ist der neue Karriere-Modus. Dieser basiert neuerdings auf einem Kalendersystem, in dem ihr von Veranstaltung zu Veranstaltung springt.

Jedes normale Rennevent besteht meist aus drei oder vier einzelnen Rennen, die es zu meistern gilt. Je nach Platzierung bekommt ihr Kudos, die sich mit den im Rennen gesammelten Kudos addieren. Wer nach allen Aufgaben die meisten Kudos besitzt, geht als Sieger der Veranstaltung hervor und bekommt zusätzlich wertvolle Tourpunkte. Diese sind für eure Platzierung in der Rangliste von Bedeutung. Zu Beginn eurer Karriere startet ihr nämlich als 72. einer in vier Gruppen unterteilten Rangliste. Sammelt ihr Tourpunkte klettert ihr in dieser Liste nach oben und werdet vom Amateur über die Profi- und Teufelskerl-Stationen zum Meister. Je nachdem in welcher Unterteilung ihr euch befindet, stehen andere Fahrzeuge und Veranstaltungen zur Verfügung, so dass ihr auch in der zweiten Saison allerhand neue Events besuchen könnt.

Besonders viele Tourpunkte sammelt ihr in so genannten Major Events, für die ihr euch erstmal qualifizieren müsst, bevor ihr um einen ganzen Batzen Punkte um die Wette fahren könnt. Den Großteil der einzelnen Aufgaben machen normale Rennen, Knock Out-Rennen und Fahrten gegen die Zeit aus. Bekannte Modi wie Checkpoint-Rennen und Überholmanöver sind ebenfalls dabei.

Etwas Abwechslung bringen Einladungs-Events mit sich. Hier müsst ihr knifflige Herausforderungen meistern, wie das schnelle Durchfahren von Checkpoint-Toren oder das Überfahren von möglichst vielen Pylonen. Als Belohnung winkt ein seltenes Gefährt. Die große Abwechslung der PGR3-Karriere möchte sich aber auch da nicht einstellen.

Gut, dass es auch die alte Version der Karriere mit Abstrichen ins Spiel geschafft hat. Unter dem Menüpunkt Arcade könnt ihr eines von 10 Kapiteln auswählen, wovon ihr sieben allerdings noch freischalten müsst. Jedes Kapitel besteht aus sechs Aufgaben, die es sowohl im Auto als auch mit dem Motorrad zu bewältigen gilt.

Wie aus PGR3 gewohnt tretet ihr in einem Schwierigkeitsgrad nach Wahl an. Die Auswahl reicht auch hier von Stahl über Bronze, Silber und Gold bis hin zu Platin. Der Arcade-Modus erweist sich als abwechslungsreicher, als die Karriere, da ihr nur selten normale Rennen fahren müsst. Viel mehr geht es darum, möglichst schnell geblitzt zu werden, sauber durch Slalom-Tore zu fahren oder im neuen Superstar-Modus möglichst viele Kudos-Sterne zu sammeln.

Kudos-Sterne? Ganz genau! Das sammeln der beliebten Kudos wurde überarbeitet. So befindet sich die Kudos-Anzeige nun in der Mitte des Bildschirms. Bekommt ihr genug Kudos, füllt sich ein Stern auf. Nun gilt es weitere Punkte zu sammeln ohne eine Kollision einzugehen. Schafft ihr dies unbeschadet füllt sich ein Stern nach dem anderen und somit euer Punktekonto. Für weniger Frust sorgen unterdessen die Tatsachen, dass ihr nicht bei jeder kleinen Bandenberührung eure Kombination verliert und ihr außerdem neue Möglichkeiten habt, Kudos zusammeln. Hier kommen die neuen Motorräder ins Spiel, mit denen ihr während eines Wheelies, der natürlich auch Punkte bringt, mit der B-Taste verschiedene Stunts ausführen könnt. Auch Fahrten bei Höchstgeschwindigkeit werden neuerdings mit Kudos belohnt. Auf Grund dessen eignen sich gerade die Zweiräder für das schnelle Kudos-Sammeln. Anders als im dritten Teil sind die Kudos außerdem die virtuelle Währung im Spiel. Anstelle von Credits verprasst ihr diese im neuen PGR-Shop für neue Fahrzeugpakete, Strecken, Foto-Filter und Multiplayer-Modi. Emsige Sammler kaufen sich außerdem für eine Million Kudos ein heiß begehrtes Spielerbild für die Xbox Live Gamercard. Der Nachteil des neuen PGR-Shops ist der Fahrzeugerwerb. Ihr kauft nämlich nicht mehr jedes Gefährt einzelnen sondern in Paketen. Somit hat man zu seinen Fahrzeugen nicht mehr die innige Verbindung, sie verkommen quasi zur Massenware.

Es macht schließlich einen Unterschied aus, ob man sich für viele Credits ein PS-starkes Monster kauft und es in der Garage nach Wahl platziert als wenn man viele Boliden auf einen Schlag bekommt, die in den vorgefertigten Garagen geparkt werden, von denen ihr je Tour-Stufe eine zur Verfügung habt. Dennoch könnt ihr wie gewohnt durch diese schlendern, eure Fahrzeuge begutachten und fotografieren. Selbst eine Partie Geometry Wars: Waves steht euch wieder in der Amateur-Garage zur Verfügung.

Zusätzlich zum Multiplayer-Part gibt es neuerdings die PGR auf Abruf-Funktion, die viel Wert auf Community legt. Hier bekommt ihr Zugriff auf eigene als auch von anderen Spielern generierte Inhalte seien es Fotos, Videos oder Ghosts eurer besten Runden.

Im Streckenumfang legt Project Gotham Racing 4 nochmals eine Schippe drauf. Neben den aus dem Vorgänger bekannten Städten Las Vegas, London, New York, Tokio und dem Nürburgring könnt ihr nun auch in Macau, Quebec, Shanghai, St. Petersburg und dem fiktiven Michelin-Testkurs euer Können beweisen. Die neuen Metropolen befinden sich auf dem optischen, immer noch herausragenden Niveau der bekannten Orte und sehen wunderschön aus. An sich hat PGR4 in Puncto Strecken- und Fahrzeug-Design nur einen kleinen Sprung gemacht, kann dafür mit den neuen Wetter-Effekten ordentlich punkten. Regen perlt neuerdings vom Lack der Fahrzeuge, starker Nebel bricht realistisch das Licht der Leuchtreklame von Macau und das vereiste Quebec sieht einsam, verlassen und wenig einladend aus, während ihr euch zu jedem Wetter über die vielen Sehenswürdigkeiten von St. Petersburg freut. Gleiches lässt sich zur Akustik sagen: Der neue Soundtrack steht dem des Vorgängers in nichts nach und überzeugt mit Aktualität und viel Abwechslung. Auch die Motorengeräusche der Boliden sind erneut von Fahrzeug zu Fahrzeug sowie Kameraperspektive zu Kameraperspektive unterschiedlich und ungemein realistisch.

Fazit

Project Gotham Racing 4 schafft einen weiteren Schritt nach vorn. Der neueste Ableger führt die Serie konsequent fort, beinhaltet fast alle beliebten Spielelemente und reichert diese mit einigen Neuerungen an. Seien es Zweiräder, das gelungene Wettersystem oder kleine Änderungen wie breitere Auslaufzonen für besseren Spielfluss. Kleine Fehler hat man aber auch dieses Mal gemacht: so wollen weder die Motorräder, noch das neue Shop-System vollkommen überzeugen. Trotz aller Neuerungen hat man allerdings oftmals das Gefühl fast alles irgendwie schon im Vorgänger erlebt zu haben. Dieses heftige neue Spielgefühl des dritten Teils will einfach nicht aufkommen. Aus diesem Grund schrammt PGR4 knapp an einer 90er-Wertung vorbei. Wer Project Gotham Racing 3 kaum gespielt hat, darf sich allerdings getrost zwei Prozentpünktchen hinzu addieren.

Project Gotham Racing 4 [X360 , looki.de]

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