Gesamtwertung70%/10 |
GrafikGut SoundBefriedigend |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungGut |
Bisher erschienen die neueren Ridge Racer-Titel ausschließlich für Sony-Konsolen. Bisher. Denn irgendwie hat sich Ridge Racer 6 nun sehr unauffällig auf die Xbox 360 verirrt. In den USA ist der Titel knallhart gefloppt und scheint sich auch außerhalb von George Bush Country nur mittelmäßig zu verkaufen. Wer einen Blick in die Online-Ranglisten wirft, findet gerade einmal knapp über 12.000 Spieler, von denen gefühlte 10.000 unter japanischer Flagge fahren. Wir haben etwas Ursachenforschung betrieben. Der Welterforschungsmodus ist das Herzstück des Spieles. Sobald man dort das erste Rennen erfolgreich bestritten hat, führen mehrere Wege zum Ziel: Der Sieg im 111ten Rennen. Sobald das erfolgreich bestritten ist, geht es jedoch weiter. Neue Herausforderungen wie Duelle mit überdurchschnittlich starken Gegnern werden verfügbar. Insgesamt kommt man im Welterforschungsmodus somit auf gut über 200 Herausforderungen. Die Rennen sind dabei als Wabe angeordnet. Einige bilden unregelmäßig große Gruppen, die dann jeweils ein 'Gebiet' umgeben.
Werden alle Rennen rund um ein Gebiet erfolgreich bestritten, gilt dieses als entdeckt und gibt ein bisher unbekanntes Fahrzeug frei. Neue Autos gibt es auch ab und an, wenn einmal eines der wenigen speziellen Rennen abgeschlossen wurde. 'Speziell' bedeutet hierbei lediglich, dass dem Rennen ein ?-Icon zugeordnet ist, das ein freischaltbares Fahrzeug anzeigt.
Die Rennen können bis zu einem gewissen Grad in verschiedenen Reihenfolgen abgeschlossen werden. Um das 111te zu vollenden, ist es auch nicht unbedingt nötig, alle vorherigen 110 gefahren zu sein. Schon nach etwa 60 Rennen darf und kann man sich der (vorerst) letzten Herausforderung stellen.
Unfälle kennen die CPU-Gegner zwar nicht, doch legt sich ein KI-gesteuertes Fahrzeug manchmal doch etwas zu stark in die Kurve. Dann korrigiert sich die CPU und ist wieder dick im Rennen. Auffällig ist, dass man gerade in den ersten Rennen den Gegner noch ohne weiteres überholen kann, auch wenn er einen Nitro eingeschaltet hat. Im 111ten Rennen sieht das schon anders aus. Bei den Fahrzeugen, denen man danach in den Profi-Rennen begegnet, wird man auf deren Nitro sogar richtig neidisch.Wenn der Schwierigkeitsgrad ansteigt, dann richtig. Die ersten Rennen in einer neuen Fahrzeugklasse sind stets gewöhnungsbedürftig. Auch wird es mitunter von Rennen zu Rennen unvermittelt schwieriger, weil die KI-Gegner nun doch kräftig beschleunigen, wenn sie ihren Nitro aktivieren.
Regelmäßige Wiederkehr passt auch ganz gut zu den Fahrzeugen. Vier Klassen mit je sechs Fahrzeugtypen gibt es. Die Autos unterscheiden sich dabei in erster Linie in Geschwindigkeit und dem Drift-Typ, der zwischen 'Sanft', 'Standard' und 'Dynamisch' unterschieden werden kann. Jedes Fahrzeug gibt es zudem in mehreren Designs. Der Großteil muss zunächst freigespielt werden. Für manche Autos gibt es aber auch im Xbox Live Marktplatz Freischaltcodes, die kostenlos heruntergeladen werden können.
Bremsen und das Einhalten einer Ideallinie führt hingegen nur dazu, dass man überholt wird. Ganz nebenbei ist es auch nur durch das Driften möglich, den so genannten 'Nitro' aufzufüllen. Je schneller man sich dabei in eine Kurve 'schmeißt, desto mehr wird dieser gefüllt. Gefüllt wird in drei Stufen. Und auch bei der Zündung kann gewählt werden, ob nun eine, zwei oder gleich alle drei Nitro-Kammern gezündet werden sollen. Je mehr, desto massiver ist die Beschleunigung. Gerade in der vierten und schnellsten Fahrzeugklasse führt die Zündung aller Nitros zu einem ordentlichen Boost.
Als waschechter Arcade-Racer pfeift Ridge Racer 6 auf vieles, das man von Gran Turismo oder Project Gotham Racing gewohnt ist. Immerhin: Geht es bergauf, werden die Fahrzeuge deutlich langsamer. Geht es bergab, beschleunigen sie. So viel Realismus musste dann wohl doch sein. Sobald das Driften aber so beherrscht wird, dass man damit regelmäßig den Nitro auffüllen und Rennen gewinnen kann, macht das Spiel eine Menge Spaß. Jedenfalls so lange, bis es langweilig wird. In den ersten 111 Rennen in den Basis-Routen funktioniert im Grunde alles nach dem gleichen Schema: Man startet als letzter auf dem 14. Platz und muss sich innerhalb von drei Runden an die erste Stelle und über die Ziellinie fahren. Ein Zweit-, Dritt- oder Höherplatzierter kommt in dem Spiel nicht weiter, sondern darf die aktuelle Challenge gleich noch einmal fahren. Eine kleine Varianz ergibt sich durch die paar Rennen, bei denen man z. B. mit zwei Nitros startet und den Nitro nur wieder auffüllen kann, wenn man mit Hilfe des künstlichen Schubs durch eine Kurve prescht. In einem anderen Modus muss man ganz ohne Nitro-Unterstützung auskommen, während die CPU-gesteuerten Kollegen trotzdem mit flammendem Auspuff an einem vorbeiziehen können.Natürlich könnte man auch behaupten, dass Ridge Racer 6 auf der Xbox wohl nur etwas schlechter ausgesehen hätte. Letztlich fehlen der Xbox 360 aber auch noch einige vergleichbare Spiele.
Rein optisch macht das Spiel einen guten Eindruck. Die Autos sind hübsch detailliert. Den Streckenhintergründen merkt man hingegen doch manchmal an, dass Sie sowohl im Spiel als auch bei der Entwicklung in den Hintergrund gerückt wurden. Dafür gibt es Hubschrauber, landende Flugzeuge und (fahrende) LKWs, die außerhalb des Parcours für Leben sorgen. Manches Schaf schaut hingegen nicht so glücklich (modelliert) aus. Aber mit Schafen habens wohl nicht so, die Japaner.
Denkt man außerdem an Forza Motorsport, das erst im letzten Jahr für die Xbox erschien und auch auf der alten Hardware ausgesprochen gut aussah, freuen wir uns doch schon auf die kommenden Jahre, die sicher noch das eine oder andere spektakulär aussehende Rennspiel bereit halten. Bis dahin haben wir unter anderem Ridge Racer 6 und das ist ganz in Ordnung.
Wer seine Xbox 360 an einen Monitor mit 4:3er Seitenverhältnis angeschlossen hat, freut sich zudem über eine Darstellung, die im richtigen Verhältnis steht und nicht wie bei Project Gotham Racing 3 zusammengestaucht wird. Eigentlich ist die falsche Darstellung bei PGR 3 ein Bug, der nach Monaten aber immer noch nicht ausgemerzt wurde.
Nichts gegen Japaner, die Internetverbindungen (Stichwort: Ping-Zeiten) bis ins Nintendo-Land sind aber erfahrungsgemäß recht schlecht. Die Kombination aus der japanischen Ridge Racer 6-Übermacht und hohen Pings ergibt dann für den Onlinemodus einen herben Schlag. Will man sich mit unbekannten Ridge Racern messen, spielt man letztlich oft mit mindestens einem Japaner. Haushohe Pings und Lags lassen den Spielspaß dabei vergehen. Ridge Racer 6 läuft dann nämlich nur noch als Diashow. Aber auch mit deutschen oder europäischen Spielerkollegen ist die Online-Performance nur mittelmäßig. Von der Möglichkeit, mit bis zu 13 menschlichen Gegnern gleichzeitig spielen zu können, kann man sich aber trotzdem theoretisch durchaus beeindrucken lassen. In der Praxis fällt Ridge Racer 6 dabei natürlich durch.
Ein Xbox Live-Feature ist dann aber doch sehr nett: Für jede Strecke lassen sich die internationalen Rundenrekorde aus dem Netz laden. Es liegt dann an jedem selbst, ob er sich die Mühe macht und an einem verregneten Wochenende versucht, die ersten Fünf (Japaner) vom Thron zu stoßen. Dabei gibt es sogar noch Unter-Highscores für die Kombination aus bestimmter Strecke und bestimmten Fahrzeug. Insgesamt keine große, aber tolle Sache, die man eigentlich in jedem Rennspiel finden sollte.