Gesamtwertung32 %/10 |
GrafikMangelhaft SoundBefriedigend |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegGut |
BedienungMangelhaft |
Kaum ein Zocker dürfte sich als Freund von Imitationen outen. Viel mehr lechzen wir doch alle nach Innovation, auch wenn wir dafür tiefer in die Tasche greifen müssen. Ob man nun grafischen, spielerischen oder erzählerischen Fortschritt schätzt, ein Genre das stehen bleibt, wird scharf kritisiert oder zumindest weniger beachtet. Nachdem Guitar Hero den Bereich der Musikspiele gehörig auf den Kopf stellte und einen Hype, der seines Gleichen sucht, auslöste, konnte Rock Band das ganze Konzept durch eine schickere Präsentation und vor allem mehr Instrumente verfeinern.
Auch wenn wir derzeit von Ablegern der Serien geradezu bombardiert werden, sind die Grenzen des Genres noch nicht ausgereizt und wir dürfen uns wohl noch auf die eine oder andere Überraschung gefasst machen. Doch während Guitar Hero: Metallica beispielweise bereits nur noch einen begrenzten Markt ansprechen dürfte, versucht Konami nun mit Rock Revolution auf den finanziellen Zug aus Gold aufzuspringen. Und das ohne jede eigene Idee, lediglich mit neuen Songs, allerdings ohne Instrumente und einer schwächeren Präsentation. Ob sich Rock Revolution wirklich als Gurke herausstellt, klären wir im Test.
Hat man die Scheibe erst einmal ins Laufwerk gelegt und den kurzen Vorspann überstanden, präsentiert sich ein verdächtig an Rock Band erinnerndes Menü. Einziger signifikanter Unterschied besteht in der Auswahl der Instrumente. Die ist nämlich auf drei beschränkt. Die ziemlich schwache Songliste darf man daher nur mit der Gitarre, dem Bass und den Drums durchproben. Warum es keinen Mikrofon-Support gibt? Wir wissen es nicht. Die gecoverten Songs, ja es gibt keine Original-Lieder, bestechen vor allem durch das Fehlen guter Sänger. Da macht Papa Roachs Klassiker "Last Resort" doch gleich viel mehr Spaß. Hervorzuheben ist indes, dass man jeden Gitarren- und Drum-Controller, auch von Third-Parties, anschließen und nutzen kann.
Hat man sich für einen Spielmodus entschieden und die Bandmitglieder festgelegt, wartet der erste Schock. Das Gameplay gleicht einem Chaos. Erinnert man sich an Rock Band oder Guitar Hero, so wird man feststellen, dass die verschieden farbigen "Buttons", die es zur richtigen Zeit zu erwischen gilt, gut sichtbar über die virtuellen Notenlinien gleiten.
Bei Rock Revolution ist das leider nicht der Fall. Zwar ist der Aufbau der Gleiche. Die "Buttons" fallen aber regelrecht von oben nach unten und geben dem Spieler so kaum Zeit, sich auf das anstehende Anschlagen oder Trommeln einzustellen. Sobald man sich dem schweren Schwierigkeitsgrad nähert, kann man das Ganze nur noch als Witz bezeichnen. Es ist überhaupt nicht möglich einen Song zu überstehen, wenn man die Noten nicht stundenlang auswendig lernt und dann immer und immer wieder einzelne Songabschnitte übt. Da fragt man sich doch, was sich die Entwickler dabei gedacht haben mögen. Wollen sie durch das schwerste Spiel des Genres auffallen? Das haben sie geschafft, aber sollte ein Spiel dabei nicht vielleicht auch Spaß machen? Könnte man eigentlich mal drüber nachdenken.
Am Schlimmsten wird es, wenn man sich die Drums zur Brust nimmt. Während das Kick-Pedal nicht sichtbar von den anderen Bestandteilen auf dem Bildschirm getrennt ist und das Gehirn so auf eine harte Probe gestellt wird, muss man selbst herausfinden, welche Farbe welcher Drum zugeordnet wird. Das Problem dabei: Nicht jeder Part des Instruments hat auch eine eigene Buttonfarbe. Eine konkrete Ordnung scheint es nicht zu geben. Klingt verwirrend? Ist es auch.
Überhaupt wollen wir mal ein Drumset für die Konsole sehen, dass sieben Teile unterstützt und nicht aus dem Hause Konami stammt. Um das Spiel perfekt Daddeln zu können, muss man also geradezu zum hauseigenen Instrument greifen. Und Überraschung: Das gibt es in Deutschland natürlich gar nicht und muss importiert werden. Da stehen die 30 Euro, die man für das Spiel berappt, gleich in einem ganz anderen Licht da.
Die gibt's vielleicht bei Guitar Hero und Rock Band, bei Rock Revolution sucht man sie vergebens. Und selbst wenn einem eines der schwachen Covers gefällt, so wird man sich den Namen der Band, die das Stück Original aufgenommen hat, selbst suchen müssen, denn die sind natürlich nicht vermerkt. Meist klingen die Aufnahmen furchtbar und als wären Amateure am Werk gewesen. Manche Songs erkennt man erst beim zweiten Hinhören.
Wer seinen eigenen Charakter entwerfen möchte, guckt in die Röhre. Für die Karriere darf man aus vorgefertigten Alter Egos wählen und diese auf die Bühne schleifen. Immerhin: Nicht alles, was nicht glänzt, ist Mist. Die Animationen der Bands sind angenehm zu betrachten und wissen zu gefallen. Was man von den Zuschauern nicht gerade behaupten kann. Die scheinen im Schnelldurchlauf animiert worden zu sein und sind keinen Blick wert. Der Karriere-Modus an sich ist ebenfalls kaum der Rede wert, weil zur Genüge aus anderen Spielen bekannt. Aufgepeppt wird das Ganze durch einzelne Aufgaben, wie "Erreiche diesen und jenen Score", was auf Dauer wenig ausmacht, aber anfangs die Lust am Spiel steigert. Immerhin darf man seine eigenen Soli in die Songs einbauen. Auch der Multiplayer bietet keine Überraschungen, hier gibt's nicht viel zu berichten. Alles die gleiche Soße.
Wer hätte das gedacht? Da ist Rock Revolution also alles andere als eine Umwälzung im Genre, sondern viel mehr ein gewaltsamer Rückschritt, der alle Features eines Guitar Hero und eines Rock Band zu vereinen versucht, dabei aber nicht einmal auf hohem Niveau scheitert. Im Gegenteil: Der Titel bietet nichts, was einen Kauf lohnenswert machen würde. Denn selbst wenn die Innovation ausbleibt, so sollte ein Spiel dieser Machart doch wenigstens mit guten Songs locken. Ich mag nicht darüber urteilen, wie gut oder schlecht die Original-Tracks sind, die als schlechte Cover auf die Scheibe gepresst worden, denn das ist ja bekanntlich Geschmackssache. In ihrer Präsentation in Rock Revolution aber sind sie kaum mehr als überschaubare Hör-Unterschicht. Wer neben Gitarren und Drums in einem "Rocksong" auch gern sein Stimmchen vernimmt, wird ebenso enttäuscht, wie jemand, der gutes Gameplay bevorzugt. Das Problem für Rock Revolution im letzten Fall ist, dass das wohl jeder Zocker sein dürfte. Alles unspektakulär bis schlecht. Was gibt's da also noch zu sagen? Versuch missglückt, Rock Revolution ist auch für einen Budget-Titel zu teuer. Ach, und man möge mir die Ironie, die hin und wieder aufblitzt, verzeihen. Aber: Ich musste das Spiel wirklich lange zocken.
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Rock Revolution im Test.
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