Gesamtwertung86 %/10 |
Grafik9 Sound10 |
Lanzeitspaß9 Spieleinstieg9 |
Bedienung8 |
Mit Shadow Complex wird der diesjährige Summer of Arcade mit einem ganz besonderen Spiel abgeschlossen. Zieht man ein spielerisches Resümee aus den fünf Titeln, liegt es ganz klar auf der Hand, dass die Spiele allesamt für Fans der alten Schule gedacht sind und an die gute, alte Zeit anknüpfen. Splosion Man sorgte für strahlende Augen bei Jump'n Run-Freunden, Turtles in Time ließ die Herzen der Nostalgiker höher schlagen, es gab viele Blasen an den Fingern, weil Marvel vs. Capcom 2 einfach noch immer eine Bombe ist, und Hälse schwollen auf Blumenkohlgröße an, nur um dann den ganzen Dampf in befreienden Freudenschreien wieder abzulassen. Der Grund: Das knallharte, aber süchtig machende Trials HD. Und auch Shadow Complex setzt auf alte Tugenden und bringt ein fast verloren geglaubtes Gameplay wieder auf den Bildschirm. Ein Side-Scrolling Action-Adventure im Stile eines Super Metroid. Und das in verdammt edler Optik.
Die banale Story ist eigentlich nicht der Rede wert und schnell zusammengefasst. Typ mit Frau unterwegs - Frau wird verschleppt - Typ sucht - Typ findet sich in mysteriöser Anlage wieder und muss Welt retten. Das Übliche eben. Macht aber nix, denn das Spiel hat ganz andere Qualitäten.
In Shadow Complex seid ihr in einem riesigen Untergrundkomplex unterwegs, welcher in viele kleine Abschnitte unterteilt ist, zu welchen Ihr anfangs keinen Zugang habt. So lassen sich Schleusen und Türen erst mit dem passenden Equipment öffnen. Auf diese Weise stellt sich immer wieder ein "Aha!"-Effekt ein, wenn Ihr mit einer neuen von Euch gefundenen Waffe neue Abschnitte oder diverse versteckte Plätze erreichen könnt. Und Euer Arsenal nimmt dabei ziemlich schnell so große Ausmaße an, dass Ihr letztlich sogar Iron Man zum Tänzchen bitten könntet.
Seid Ihr zu Beginn nur mit einer Taschenlampe ausgestattet, heizt Ihr den Gegner bald darauf schon mit Granaten, Raketen, einer Auto-Shotgun oder einem Jetpack ein, um nur ein Paar Sachen zu nennen. Ganz weit vorne bei Eurem Waffenarsenal - die Foam Gun, eine sich verfestigende Schaum schießende Kanone, deren Dienste Ihr schon bald zu schätzen wissen werdet, ist schon eine Klasse für sich. Nicht nur, dass sie sich hervorragend dazu eignet, Gegner "zu verpacken" (Eine Mixture aus Schaum und Granate kommt immer gut), ihr könnt außerdem Mechaniken außer Kraft setzen oder aber neue Abschnitte erreichen.
Die Foam Gun erlaubt es Euch nämlich, neue Plattformen zu bauen und gewährt Euch so Zugang zu vorher unerreichbaren Abschnitten. Einfach klasse! Je weiter Ihr spielt und je mehr Möglichkeiten Ihr dadurch beim Experimentieren habt, desto mehr entfernt sich das Spiel dabei von seinem vermeintlichen Ballerantlitz und desto facettenreicher wird sein Gameplay und Ihr geht sprichwörtlich die Wände hoch, glaubt's uns! Wir haben schon lange kein Spiel mehr erlebt, in dem es so viel Spaß gemacht hat, bereits bekannte Abschnitte nochmals zu durchqueren, weil man durch die dazugewonnen Fähigkeiten jedes Geheimnis einfach lüften will. Hier liegen die ganz großen Stärken des Spiels. Hier werden die Punkte gesammelt. Und zwar reihenweise.
Neben der Kampagne, die Euch für gut fünf Stunden bei Laune hält und einen verdammt hohen Wiederspielwert bietet, was nicht nur an dem einfach genialen Leveldesign liegt, bekommt Ihr mit den so genannten Proving Grounds noch einen coolen Modus spendiert. Hier müsst Ihr Euch hüpfend und ballernd durch einige fordernde Challenges kämpfen und dabei eine möglichst gute Zeit hinlegen.
Es gibt aber auch einige negative Aspekte bei Shadow Complex, die nicht von der Hand zu weisen sind. Das komplette Spiel wird zwar in 3D dargestellt, gespielt wird aber auf einer festgelegten 2D-Ebene. Altbewährtes im neuen Look sozusagen. Jason, der Held des Spiels, zielt grundlegend in einem Winkel von 180 Grad. Die Richtung wird dabei mit dem rechten Analogstick angeben, was die meiste Zeit gut klappt. Das Ganze birgt allerdings auch einige Tücken. Ein Beispiel: Ihr werdet auch von sich im Hintergrund befindlichen Feinden attackiert. Haltet Ihr in die Richtung des Gegners, erkennt das Spiel Euer Vorhaben und zielt dann in den Raum hinein. Das klappt zwar häufig ganz gut, während unseres Tests ist es allerdings ebenfalls häufig vorgekommen, dass wir Probleme hatten, Ziele bei hohem Gegneraufkommen zu erfassen und mussten dadurch zwangsweise sehr viel Blei schlucken.
Gerade auf höheren Schwierigkeitsgraden eine sehr nervige Angelegenheit. Ebenso ist es nicht möglich, Granaten in solchen Situation weit in den Raum zu feuern - Die Entwickler mussten einige Kompromisse eingehen. Leider.
Auch die weiteren Schwächen des Spiels sind in der Steuerung verankert. Die Handhabung des Greifhakens erweist sich als sehr fummelig und auch die Sprungeinlagen hätten durchaus noch ein wenig Feinschliff vertragen können. Gleiches lässt sich auch über die KI der Gegner sagen.
Da hat Pflanzengerd, unsere Büropflanze klar mehr auf dem Kasten. Die künstliche Dummheit geht sogar so weit, dass Gegner uns teilweise gar nicht bemerken, obwohl wir direkt vor ihrer Nase herumtanzen. Ein Patch schafft hier hoffentlich Abhilfe. Die gut inszenierten Bosskämpfe hätten ebenfalls etwas mehr Tiefgang vertragen können und fordern den Spieler nur minimal.
Auf technischer Linie lässt der Titel allerdings voll und ganz seine Muskeln spielen und überstrahlt mit seinen hervorragenden Lichteffekten sogar manchen Vollpreistitel. Gerade die Unterwasser-Abschnitte haben es uns angetan. Wenn man bedenkt, was hier an Hammeroptik auf den Spieler losgelassen wird, tut einem die kommenden Xbox Live Arcade-Titel fast schon ein wenig leid. Da nimmt man einige Unschönheiten wie kleinere Clippingfehler oder die eine oder andere hölzerne Animation gerne in Kauf. Auch die Sprachausgabe (ja, auch die Deutsche!) kann sich wirklich hören lassen. Daran können sich einige andere große Spiele ein Beispiel nehmen. Der Soundtrack kommt auch sehr stimmungsvoll daher und glänzt mit einigen Perlen für das Spielerohr.
Meine Güte, was wurde in den vergangen Wochen bloß für ein Feuerwerk an exzellenten Titeln via Xbox Live Arcade auf uns abgefeuert? Shadow Complex stellt dabei die alles überstrahlende Abschlussrakete dar. Jedenfalls fast. Mein persönliches Highlight ist noch immer Splosion Man. Dennoch ist es schon beachtlich, mit wie viel Liebe die Jungs von Chair Entertainment hier zu Werke gegangen sind. In der letzten Zeit gab es kein Spiel, welches so viel Wiederspielwert im Gepäck hatte und den kleinen Forscher in mir so behutsam aus der Versenkung geholt und in der Spielewelt abgesetzt hat. Da zücke ich doch gerne meinen Hut! Und trotz der superben Inszenierung, dem spitzenmäßigen Leveldesign und dem hohen Motivationsfaktor, muss der Titel doch einige Federn lassen. Die Zielerfassung kann mitunter für Frust sorgen und hätte mehr Feinschliff verdient, die Story ist Mist, die KI hinterlässt immer wieder ein Kopfschütteln beim Spieler und die Bosskämpfe hätten durchaus ein wenig fordernder sein dürfen. Macht aber alles nichts - Was Euch mit Shadow Complex erwartet, ist nicht nur eine wunderschöne Ode an alte Tage, sondern mal ganz so nebenbei einer der besten Titel des Jahres. Wer hier nicht zuschlägt, verpasst ein verdammt großes Spiel zum verdammt kleinen Preis.
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Shadow Complex im Test.
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