Gesamtwertung88%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Hättet ihr gedacht, dass ihr nach dem ersten Tony Hawk-Titel noch acht weitere Ableger vorgesetzt bekommt? Wir auch nicht! Tony Hawk ist zwar immer noch eine Klasse für sich und bietet von Teil zu Teil immer wieder neue, meist sinnvolle Ergängungen, dennoch sehnte man sich im Laufe der Jahre und nach unzähligen Combos in Millionenbereich nach ein wenig mehr Abwechslung und vor allem Realismus. Mit Skate von EA scheint sich dieser langjährige Wunsch nun zu erfüllen. Ob Tony tatsächlich einpacken kann, erfahrt ihr in unserem Test!
Des Tonys neidische Blicke?
Lasst die Geschichte der Fun-Sport-Titel Revue passieren. Alle Titel von besagtem Tony bis hin zu SSX oder dem Geheimtipp Shaun Murrays Wakeboarding Unleashed haben eines gemeinsam: Die Steuerung. Mit einfachen Tastenkombinationen lassen sich die spektakulärsten Tricks hinlegen. Skate geht hierbei mit einem vollkommen neuen Konzept in Hinsicht auf Steuerung einen anderen Weg. Möchte das Spiel dem Genre damit eine neue Note verpassen? Im Gegenteil, Skate spielt sich derart anders und will gar nicht als nicht als Fun-Sport, sondern als Simulation angesehen werden. Und das zu Recht! Es spielt sich nicht nur sehr durchdacht und verdammt intuitiv, sondern eröffnet so ganz nebenbei noch eine völlig neue Form des Videospielens. Ähnliches gab es zuletzt höchstens bei Fight Night zu erleben. Wie gesagt, höchstens!
Flick et doch bitte
Aber wie zur Hölle spielt es sich denn nun? Tut einfach so, als ob ihr noch nie einen Tony-Titel gespielt hättet, es sieht nämlich folgendermaßen aus: In Skate steuert ihr mit dem linken Stick den Körper eures Boarders, was noch recht albewährt anmutet. Aber ihr könnt so aber nicht nur gekonnt Kurven nehmen, sondern euer Gewicht nach vorne verlegen, um euch so zu mehr Schwung aus Quarters oder Pipes zu verhelfen.
Zieht ihr den Stick nach hinten, könnt ihr mit sehr authentischen Powerslides schnell Bremsen oder Kurven schneiden. Um zu pushen, müsst ihr entweder X oder A drücken.
X simuliert dabei den linken und A den rechten Fuß. Ähnlich sieht es bei den beiden Triggern aus, welche für eure Hände verantwortlich sind und mit welchen ihr zum Großteil die verschiedensten Grabs ausführt. Die richtige Finesse der Steuerung kommt allerdings mit dem rechten Analogstick auf euch zu. Alle Flips und Manuals, die euch in dem Spiel zu Verfügung stehen, lassen sich ohne zusätzliche Buttons ausführen. Mit den sogenannten Flick It-Controls dirigiert ihr euer die Flipausrichtung eures Boards wirklich tatsächlich fast wie beim echten Skaten.
Die Grundlage eines jeden Tricks bei Skateboarding ist der gute, alte Ollie, sozusagen der einfache Sprung. Hierzu zieht ihr den Stick einfach hinten und drückt ihn dann schnell wieder nach vorne. Je länger ihr ihn nach hinten zieht und je schneller ihr ihn anschließend noch vorne flickt, desto höher springt ihr. Komplizierter wird es schon bei Ausführen eines Heel- bzw. Kickflips. Zwar ähnelt die Flick-Bewegung dem Ollie, allerdings müsst ihr die Vorwärtsbewegung mit einem einer leichten Tendenz nach links oder rechts einschlagen, um euer Board dabei entsprechend zu drehen.
Shuvits lassen sich aufs Parkett legen, indem ihr den Stick nach hinten zieht und die Bewegung dann mit einer seitlichen Halbdrehung abschließt. Dies sind die Grundlagen, auf denen alle Flip-Tricks aufbauen. Alle Tricks lassen sich auch über die Nose ausführen, dazu müsst ihr die Tricks einfach seitenverkehrt ausführen. Für einen Nollie also erst vorne und zum Abschluß hinten. Die Flips lassen sich auch miteinander kombinieren, allerdings müsst ihr schnell sein, um beispielsweise einen Kickflip late Shuvit zu stehen.
Flipsen-Suppe?
Reicht bei Tony und Konsorten noch ein Druck auf die entsprechende aus, um Rails und Curbs zu grinden, müsst ihr euch bei Skate schon ein wenig mehr ins Zeug legen. Neben dem richtigen Timing beim Sprung aufs Rail, müsst ihr dieses auch noch punktgenau treffen, da ihr ansonsten dem Asphalt aus nächster Nähe 'Guten Tag!' sagen könnt.
Auch hier könnt ihr mit verschiedenen Bewegungen andere Grinds und Slides fabrizieren oder sogar während des Grinds die Position ändern und so aus einem 5-0 einen Crooked zaubern. Kaum ein Grind ähnelt bei seiner Ausführung dem anderen. Sehr cool! Die für den heutigen Rollsport nicht mehr wegzudenkenden Manuals haben ihren Weg natürlich auch in das Spiel gefunden. Mit ihnen könnt ihr Flips, Grinds oder Grabs aneinander reihen und euch so zu mehr Punkten verhelfen. Um sie auszuführen, müsst ihr den Stick bis zu einer bestimmten Position mit Gefühl nach vorne oder hinten drücken, allerdings nicht zu weit oder zu knapp. Hier ist Finger ähm Zehenspitzengefühl gefragt und kommt der Ausführung im wirklichen Sport verdammt nah. Aber ihr werdet sehen, dass es gerade dann wirklich schwierig wird, wenn ihr zur Landung zum Manual ansetzen wollt. Die weisen Worte Übung macht den Meister! trafen selten so treffend zu wie in Skate. Das Spiel schreit geradezu danach, studiert werden.
Skate bietet neben des obligatorischen Free Skate-Mode natürlich auch einen Karriere-Modus. Hier erstellt ihr einen Charakter nach eurem Belieben, wählt die Klamotten, von denen erst später neue freigeschaltet werden, und legt los. Ein kleines Tutorial gewährt euch einen Einblick in die Steuerung des Spiels, mit der ihr euch dann auf einem netten Spot anfreunden werdet, den viele von euch sicher schon aus der Demo des Spiels kennen dürften. Dies ist natürlich nur ein sehr kleiner Teil von dem, was euch in San Venelona erwartet.
Die Stadt wurde eigens für das Spiel entworfen und bietet euch nicht nur zahlreiche Plätze, um euren Skatewünschen freien Lauf zu lassen, sondern vor allem Leben. In der Stadt laufen Passanten herum, welche euch je nach Laune anfeuern oder anbrüllen.
Und auch Autos dürfen in einer Stadt nicht fehlen. In San Venelona gibt es allerdings auch Gelände, auf dem das Skaten untersagt ist und die über Wachleute verfügen, die euch bei Nichtbeachtung der Verbotsschilder auch gerne schon mal vom Brett schuppsen. Die gesamte Stadt steht euch, bis auf einige Spots, die ihr erst durch diverse Challenges freischalten müsst, von Anfang an zur Verfügung. Da ihr oftmals weite Strecken fahren müsst, am zu eurem nächsten Ziel zu gelangen, haben die Entwickler der Stadt ein U-Bahn-System verpasst, mit dem ihr schnell zum nächsten Spot gelangt.
Vom Affen zum Star
Der Karriere-Modus besteht meistens darin, auf verschiedenen Spots zu skaten und dabei eine vorgeschriebene Trickkombination zu meistern. Mal müsst ihr einige Flip-Tricks stehen, einige Meter grinden, mal den Securities davonfahren oder ein bestimmtes Rail ownen. Wenn es euch ein bestimmter Spot mal angetan hat, könnt ihr mit dem Session-Modus euren Startpunkt festlegen und beliebig oft von dieser Stelle aus einen neuen Versuch starten, eure Tricks zu landen. Dadurch entfällt lästiges Neupositionieren. Durch das Meistern der vielen Challenges bekommt ihr neue Sponsoren für eure Klamotten, ziert schnell die Cover der angesagten Szene-Magazin wie das Thrasher-Mag und schaltet neue Events, wie die X-Games frei. Bei all der Shredderei fällt leider unangenehm auf, dass man nicht in der Lage ist, zu Fuß die Gegend zu erkunden, was manchmal doch schon sehr angebracht wäre, wenn ihr eine bestimmte Stelle erreichen wollt.
Ebenfalls etwas nervig obwohl realistisch können die Bordsteine und andere kleine Unebenheiten sein, die euch schnell vom Brett holen. Ihr müsst wirklich auf jede Kleinigkeit achten und diese überspringen, was manchmal gar nicht so leicht ist. Das Spiel zwingt euch nämlich von der vorgegebenen Kameraperspektive aus zu spielen. Zwar wirkt diese wie aus einem Skateboard-Video sehr cool, hat den Fokus stark auf dem Board und vermittelt ein sehr cooles Mittendrin-Gefühl, allerdings kann sie euch durch ihre Unübersichtlichkeit oft zum Verhängnis werden. Hier wäre eine weitere Einstellung sehr wünschenswert gewesen.
Für die Hobbyregisseure unter euch haben die Entwickler ein sehr gelungenes Replay-Feature eingebaut, mit der ihr zu ziemlich jeder Zeit die letzte Minute des Spiels bearbeiten könnt. Hier gibt es einige coole Optionen. Ihr könnt eine bestimmte Szene ausschneiden, aus verschiedenen Kameraperspektiven mit der unheimlichen genialen Zeitlupenfunktion abspielen, eurem Video mit verschiedenen Farbfiltern einen anderen Look verpassen und das Ganze dann sogar über das sogenannte SKATE.reel TV online mit der ganzen Welt teilen. Andere Skater können euer Werk dann anschauen und bewerten. Allein durch die Demo strotzt die Video-Sektion schon jetzt mit genialen Videos und mehr werden folgen, soviel steht fest.
Wo wir schon beim Thema Online sind, so könnt ihr Skate natürlich auch mit Freunden über das Internet zocken. Ob ihr nun einfach zusammen mit bis zu fünf Mitspielern durch die Stadt cruised, euch Rennen liefert oder einfach um die höchste Punktzahl skatet; Auch hier bietet das Spiel genug Optionen, um auch langfristig zu gefallen.
Wahrer Sport
Wie ihr sicher schon bemerkt habt, könnt ihr die Fähigkeiten eures Fahrers im Gegensatz zu Tony Hawk nicht ausbauen. Euer Skater bleibt während des gesamten Spiel in Hinsicht seiner Fähigkeiten unverändert. Das Einzige was sich im Laufe des Spiels spürbar verbessern wird, werden eure eigenen Fähigkeiten sein, eure Tricks von Stunde zu Stunde gekonnter einzusetzen. Das Erfolgsgefühl, wenn ihr das erste Mal einen richtig schwierigen Trick steht ist genial. Ihr habt wirklich das Gefühl, etwas geleistet zu haben. Und diese Selbstzufriedenheit nach dem x-ten Anlauf, ist die beste Belohnung, die man sich als Spieler wünschen kann, oder etwa nicht? Das ist es, was den Sport ausmacht. Das ist es, was Skate ausmacht. Und allein deshalb hat es schon jetzt einen Stern im Videospielehimmel verdient.
Aber dennoch, das Spiel ist keinesfalls perfekt. Das Trick-Repertoire bietet zwar einige stylische Flips etc., viele aus dem Sport bekannte Tricks werden dem Spieler allerdings verwehrt. So lassen sich keine Flatland- oder wirklichen Liptricks ausführen, keine Inverts und auch extravagante Slides wie Dark- oder Casperslides werden außen vor gelassen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Eine Fortsetzung dürfte uns mit Sicherheit früher oder später beglücken. Da sind wir uns ganz sicher.
Das grafische Gewand von Skate ist richtig hübsch anzusehen und trägt seinen Teil zur mehr als gelungenen Skate-Atmosphäre bei. Gerade die kleinen Details des Boards, wie die dreckigen Rollen oder das Griptape sehen einfach nur famos aus. Die Animationen der Skater sind exzellent und bieten keinen Grund zu meckern. Ganz im Gegenteil, gerade bei den Wiederholungen könnte man wirklich auf den Trichter kommen, ein echtes Skate-Video vor sich zu haben. Höchstens noch bei den Stürzen, die mal sehr schmerzhaft und spektakulär aussehen, manchmal aber auch recht unbeholfen anmuten. Ein weiteres, dickes Lob gebührt den Entwicklern für die superbe Sounduntermalung, derart realistische Geräusche gab es bislang wohl keinem Sportspiel zu hören.
Einen coolen Nebeneffekt gibt es auch bei der Musik zu verzeichnen. Während ihr euch auf der Straße an dem wunderschönen Ambiente ergötzt hört ihr zwar keine Musik. Seid ihr aber in unmittelbarer Nähe zum nächsten Skatespot, drängen sich die sowohl rockigen Klänge von Slayer, Black Flag, Agent Orange und sogar David Bowie, als auch die dicken Beats von Gang Starr und vielen mehr immer mehr in den Vordergrund. Sobald ihr den Spot aufsucht, dröhnt es dann richtig so richtig aus den Boxen. Klasse!