Gesamtwertung91%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Wer schleicht da so spät durch Nacht und Wind? Es ist Sam Fisher. Topagent, Spezialist für besonders knifflige Einsätze und der lautloseste Schleicher unter Gottes Sonne. In seinem nun mehr vierten Einsatz mit dem Namen Double Agent feiert Fishers Sam sein Next-Gen Debüt auf der Xbox 360. Da die Reihe bereits auf der alten Xbox eine mehr als gute Figur machte, können wir davon ausgehen, dass auch das neuste Abenteuer ein optischer Augenschmaus wird. Aber auch inhaltlich und spielerisch dürfen wir uns auf Neues und Altbewährtes freuen.
Spiels noch einmal, Sam!
Nachdem Splinter Cell: Double Agent mehrfach verschoben wurde, halten wir nun endlich die finale Version in den vor Freude schwitzigen Händen. Wie wird Sams Ausflug ins Next-Gen Zeitalter werden? Was ist mit den versprochenen Neuerungen? Sehen die bewegten Bilder wirklich so gut aus, wie die Screenshots? Viele Fragen, die bereits kurz nach dem Einlegen der DVD beantwortet werden sollen. Denn was uns im fulminanten Intro präsentiert wird, lässt auf Großes hoffen. Und eins vorweg: Sam hält, was er verspricht.
Zu Beginn befinden wir uns mit Agent Fisher und einem weiteren Top-Agenten in einem Flugzeug. Nach einem kurzen Briefing geht es im Sprung in die Tiefe. Kurz danach landet ihr im See eines Kraftwerks. Euer erstes Ziel ist es, eurem Kollegen den Weg frei zu machen. Dazu taucht ihr geschmeidig aus dem See ins Kraftwerk durch einen Verbindungsschacht, knipst lautlos das Licht und die Wachen aus und sucht nach dem Schalter, der die elektrische Energie vom Zaun nimmt. Wenige Spielminuten später befindet ihr euch im Innern des Kraftwerks.
Euer Partner, dem ihr eigentlich den Rücken frei halten sollt, macht sich nun auf eigene Faust auf den Weg. Dumm nur, dass er wohl nicht in Fishers Schleich-Kursus war. Denn während ihr durch einen Lüftungsschacht gerobbt seid und das Geschehen von oben betrachtet, haben die Wachen euren Mitstreiter kurzerhand kalt gestellt. Doch was ist das? Vor euch ist eine riesige Rakete, die in einigen Minuten in die Luft gejagt werden soll, und Tausenden Menschen den Tod bringen wird. Doch die bösen Buben haben die Rechnung ohne unsere Schleichkatze gemacht. Also schleicht ihr euch an den Wachen vorbei, stellt die Zündung der Rakete auf manuell und hackt euch in den Computer, um den Raketenstart zu verhindern. Das Spiel überlässt euch diesmal, ob ihr eure Gegner betäuben oder töten wollt, ob ihr direkt oder von hinten herum eure Widersache aus dem Weg räumt und wie ihr eine Mission beendet. Zwar müsst ihr die Primärziele erfüllen, um die Story komplett spielen zu können. Doch bei den Sekundärzielen sieht das schon ein wenig anders aus. Diese perfekt zu erfüllen, empfiehlt sich aus mehreren Gründen. Zum einen gibt es für erfolgreich absolvierte Optionen, wie das Erreichen eines Zwischenziels ohne einen Feind zu töten oder ohne Alarm auszulösen, nach Beenden des Levels Boni. Zum anderen natürlich die beliebten Achievements.
Doch zurück zum Spiel. Ihr werdet die eine oder andere Tür und den einen oderanderen PC zu hacken haben, um weiter zu kommen. Und hier bauen die Entwickler fiese und leider auch ziemlich nervige Fallen ein. Neben den altbekannten Lockpicks kommen die aus dem Vorgänger bekannten Zufallszahlen-Mechanismen vor.
Wer hier die Logik nicht begreift, wird nicht weiter kommen. Sinnloses Drücken zwecklos. Ein kleiner Tipp: Wartet einfach, bis in einer der vier Kolumnen zwei gleiche Zahlen zum Stillstand kommen, möglichst im oberen und unteren Sektor und bestätigt dann den Code. Nach einigen Versuchen, solltet ihr den Dreh raushaben.
Die Sache mit dem Gewissen
Wer denkt, dass Splinter Cell: Double Agent recycelte Kost auf den Vorgängern bietet, der irrt sich gewaltig. Denn diesmal ist nicht nur die Story mit etlichen Wendungen gespickt. Auch das Interagieren wurde gewaltig erweitert. In vielen Situationen müsst ihr euch überlegen, welchen Weg euer Gewissen gehen würde. Ausschlaggebend für derlei emotionale Aspekte ist die Story des Titels. Während Sam die Londoner Bevölkerung vor der Rakete gerettet hat und wieder sicher im Flugzeug sitzt, erfährt er, dass seine kleine Tochter heimtückisch ermordet wurde. Dies macht aus dem einst so harten und stolzen Sam einen gebrochenen Mann. Doch was wäre ein Sam Fisher, wenn er sich komplett aufgeben würde? Noch einmal will er antreten. Diesmal erwartet ihn der Auftrag seines Lebens. Fisher soll hierbei die Terrorvereinigung JBA (John Browns Army) unterwandern und sie ein für alle Mal vom Erdball zu tilgen. Als Doppelagent kämpft Sam von nun an für beide Seiten. Ihr dürft euch also auf ein äußerst emotionsgeladenes Splinter Cell freuen mit einem starken Protagonisten.
Schleich dich, Fisher!
Nachdem ihr so ins Ellsworth Gefängnis gelangt seid, wo ihr eine JBA-Kontaktperson befreit und ganz nebenbei noch zahlreiche körperliche uns seelische Grausamkeiten über euch ergehen lassen müsst, dürft ihr eine Reise rund um den Globus antreten. Wer bereits mit den Splinter Cell-Titeln vertraut ist, dürfte sich sehr schnell zurecht finden. Sams Hangeln an Rohren und Kopf-über-Gegner-beseitigen ist genauso im neusten Teil wiederzufinden, wie seine bewährten Waffen. Neulinge, die noch keine Erfahrungen in Sachen Schleichen oder Fishers-Extremsport sammeln konnten, können das umfangreiche und gut gemachte Tutorial vorab bestreiten. Was uns beim Testen besonders angenehm auffiel, ist die Tatsache, dass unser Held nun noch geschmeidiger animiert wurde, dank dichter Atmosphäre und exzellenter Grafik wir das eine ums andere Mal das Gefühl hatten, mitten in einem Kinofilm zu stecken und den Schauspieler bewegen zu können anstelle einer Videospiele-Figur. Zur gelungenen Atmosphäre trägt nicht nur die stimmungsvolle Grafik bei. Auch Missionen unter Zeitdruck, zahlreiche unvorhergesehene Wendungen und Überraschungsmomente und die knappe Munition lassen einen den Atem anhalten.
Schade nur, dass ihr von getöteten Gegnern nicht immer die Waffen mitnehmen könnt. Dies würde es allerdings wohl auch zu einfach machen. Apropos einfach: Natürlich gibt es wieder verschiedene Schwierigkeitsstufen, die sich vor allem im Punkt KI widerspiegeln.
Aber auch auf niedrigster Stufe sind die Gegner alles andere als dumm. Während ihr im Vorgänger in Ruhe eure Umgebungsbeleuchtung ausschießen konntet, um eure Kontrahenten aus dem Hinterhalt zu meucheln, wurden die neuen Gegner teilweise mit Taschenlampen ausgestattet.
Somit bleibt euch entweder das Verstecken hinter Kisten und im geeigneten Moment von hinten mit dem Messer anschleichen oder das Ausschalten mittels schallgedämpfter Pistole übrig. Beides ist effektiv und sollte in Betracht gezogen werden. Der schlaue Agent räumt dann auch die toten Körper weg, bevor noch eine weitere Wache Verdacht schöpft und Alarm schlägt. Spätestens dann gibt es für Sam mehr zu tun, als unbedingt nötig.
Neben der verbesserten KI gibt es nun auch ein Vertrauenssystem. Je nachdem, wie ihr reagiert und für welche Vorgehensweise ihr euch entscheidet, reagieren eure Begleiter auf euch. Begleiter? Ihr habt richtig gehört. Denn erstmals ist Sam nicht immer nur auf sich allein gestellt. Da die KI-Kollegen gut reagieren, könnt ihr euch meistens auf sie verlassen. Ein wenig nervig ist hingegen die Kamera, die ihr zwar komplett um Sam drehen könnt und mit einem Klick auf den rechten Stick hinter Fisher platziert. Doch in manchen Situationen könnt ihr nicht aus dem Geschehen rauszoomen oder den optimalen Winkel finden. Zwar stört das nur gering, da in den meisten Fällen die Kamera gut positioniert wurde. Doch sollte dies eigentlich in jedem Fall so sein.
Schau an der Fisher Sam
Dass Splinter Cell: Double Agent eine grafische Augenweide ist, versteht sich fast schon von selbst, wenn man sich an die exzellenten Vorgänger erinnert. Allein wegen des optisch generalüberholten Sam Fisher lohnt sich bereits der Kauf des Titels. Aber auch die Umgebungen lassen die Muskeln der Xbox 360 spielen und zeigen, was technisch möglich ist. Gestochen scharfe Texturen, zahlreiche Effekte wie Rauch- und Staubpartikel, gewaltige Explosionen, diverse Filter und vieles andere mehr versetzten uns durchweg ins Staunen. Bis auf einige kleinere Ruckler verlief unser Ausflug mit Sam wie am Schnürchen. Die Lade-, und Speicherzeiten sind äußerst kurz gehalten und dank Quicksave-Funktion, könnt ihr jederzeit speichern. Auch der Sound wurde hervorragend umgesetzt. Zwar wiederholen sich einige Kommentare von Kollegen und Feinden, wenn ihr nicht direkt reagiert. Doch vor allem der sonore Bass von Agent Fisher ist ein Ohrenschmaus.
Wer nicht allein spielen will, kann sich auf einen tollen und abwechslungsreichen Multiplayer freuen, der alles bietet, was das Herz begehrt. Wahlweise via System Link oder Xbox Live könnt ihr benutzerdefinierte Herausforderungen annehmen, im Koop-Modus spielen, euch in Ranglisten-Spielen messen und so fort. Leider konnten wir diesen noch nicht ausgiebig spielen. Ein umfangreicher Multiplayertest folgt in den nächsten Tagen.