Gesamtwertung81 %/10 |
Grafik8 SoundUngenügend |
Lanzeitspaß8 Spieleinstieg10 |
Bedienung9 |
Etwas wenig als fünf Jahre hat es gedauert, bis das grandiose Star Ocean: Till the End of Time endlich seinem verdienten Nachfolger weichen musste. Mit The Last Hope bringt tri-Ace nun nicht nur Teil 4 der Weltraum-Saga auf den Markt, sondern positioniert sich erstmals auch auf der Xbox 360. Im Gegensatz zu Microsofts erstem Konsolenversuch bietet das Next-Generation-Modell, vor allem wegen Square Enix, nun auch für Fans japanischer Rollenspiele eine, nicht mal kleine, Plattform. So hat Star Ocean: The Last Hope mit Spielen wie Lost Odyssee und The Last Remnant zu kämpfen und muss nun erst einmal beweisen, ob es nicht nur in der virtuellen Zukunft spielt, sondern auch ob es qualitativ in der Zukunft der heutigen Videospiele ankommen kann. Unsere Reise durch die Welt von The Last Hope schafft Klarheit.
The Last Hope als Prequel zu all den anderen Star Ocean Spielen zu konzipieren, kann nur als cleverer Schachzug gewertet werden. Denn nicht wenige Xbox 360 Spieler dürften überhaupt keine Ahnung haben, was sich eigentlich hinter dem Namen verbirgt.
Dadurch müssen diese Zocker aber ebenso wenig Angst haben storytechnisch den Anschluss zu verlieren. Als junger Pionier Edge zieht man mit seinen Kumpanen in das weite All hinaus, um dort neuen Lebensraum für seine Mitmenschen ausfindig zu machen. The Last Hope startet nämlich Ende des Dritten Weltkrieges, der die Menschheit an den Rand der Vernichtung getrieben hat.
Während die Welt, wie wir sie kennen, nicht mehr existiert bzw. nicht mehr bewohnbar ist, konnte immerhin das meiste der technischen Errungenschaften gerettet und nun für den Erhalt der Spezies eingesetzt werden. So startet der Held des Spiels gleich mit der ersten Welle der Weltraumabenteurer und wie man sich vorstellen kann läuft die Mission alles andere als nach Plan. Technische Anomalien zwingen Edge alsbald auf einem Planeten in der Nähe notzulanden. Glücklicherweise verfügt dieser genau über die Atmosphäre, die man zum Überleben braucht. Doch damit ist unsere, noch recht schmale Heldentruppe noch lange nicht raus aus dem Schlamassel.
Schnell häufen sich neue Probleme an und die Mission darf schließlich auch nicht aus den Augen verloren werden. Also bricht man auf zu neuen Welten, entdeckt neue Kulturen, kommt mit der Physik ins Hadern und findet sich plötzlich in Paralleluniversen wieder und so weiter und so fort. Bis man dann am Ende natürlich noch das elementare Böse selbst vernichten muss.
Das klingt alles ganz spannend und ausgetüftelt, wird auch durch nette Cutscenes, die allerdings schon mal bis zu 45 Minuten dauern, noch untermalt. Fans von Final Fantasy und Star Ocean werden sich wie zu Hause fühlen, ist The Last Hope doch in diesem Bereich ein waschechtes Japano RPG. Leider muss man aber auch anmerken, dass die Zwischensequenzen teilweise einfach zu lang sind, zumindest für das was sie eigentlich aussagen. Auch wurde die wichtige Komponente des Charakterdesins leider größtenteils in den Sand gesetzt. Die Hauptfiguren wirken steril, ihr Background ist oft berechenbar, wie auch ihre Handlungen, weswegen man kaum durch Überraschungen verzückt oder durch Schicksale mitgerissen wird. Das ist wirklich schade, da diese Versäumnisse ein Eintauchen in die Story weitgehend verhindern.
Während der Reise durch die Galaxie muss Edge schnell feststellen, dass die meisten anderen Allbewohner wohl noch nichts von christlichen Werten gehört haben. Die wollen dem Helden und seinen Kumpanen nämlich unentwegt an die Wäsche. Glücklicherweise stellt sich das arg strapazierte Kampfsystem als äußerst motivierend, flüssig und schlichtweg gut heraus. Mit bis zu vier Kämpfern darf man sich den Monsterhorden in Echtzeit stellen.
Dabei übernimmt man stets den Part eines Fighters, während die drei Anderen vom Computer in die Schlacht geführt werden können. Natürlich kann man jeder Zeit zwischen seinen Helden wechseln. Dies ist meist aber gar nicht nötig, da die KI der Mitstreiter an sich vertretbar und deren Aktionen nachvollziehbar sind. Sollen Items eingesetzt werden, so muss man sich dem Anführer zuwenden, denn nur der hat die Macht dazu. Das ist clever, da es von den wertvollen Gegenständen nicht endlos viele gibt. Auch ist es möglich mitten im Kampf die Heldenriege und deren Ausrüstung zu wechseln.
Genau wie beim Auswählen von Zaubern oder Items, pausiert das Spiel dann, so dass man sich in aller Ruhe Gedanken über die nächsten Schritte machen kann. Profis können darauf übrigens größtenteils verzichten, weil man die meisten Zauber und Spezialattacken auch per Knopfdruck auslösen kann.
Neu ist die Möglichkeit, nicht nur seinem Gegner ausweichen, sondern gleichzeitig auch einen Konterangriff einleiten zu können. Beteiligt man sich primär am Nahkampf, teilt also ordentlich aus und kriegt ständig eins auf die Mütze, so steigert man in der Schlacht auch seine Wut. Ist diese dann groß genug, steigern sich nicht nur die Attribute, sondern man hat auch die Möglichkeit vernichtende Team-Attacken zu starten, deren volles Ausmaß sichtbar wird, wenn man das dazugehörige Quick-Time Event perfekt meistert. Man sieht also, am Kampfsystem gibt es kaum etwas auszusetzen. Nervig ist lediglich, dass man einen Gegner nicht dauerhaft ins Visier nehmen kann, sondern immer um eben jenen herumtänzeln muss. Das kann die Taktik schon mal ganz schön durch einander werfen und nervt vor allem beim positionieren seiner Fernkämpfer.
Ein weiterer Aspekt des Spiels ist das Crafting-System. Das unterscheidet sich kaum von anderen Spielen. Erst wird ein Rezept gekauft, gefunden oder erdacht, dann die nötigen Gegenstände gesammelt und zu guter letzt wird das Item, die Waffe oder der Sofortzauber kreiert. Das motiviert ziemlich, ist aber leider nur an Bord des hauseigenen Raumschiffes möglich. Das Ärgerliche an der Sache ist aber , dass eben dieses Raumschiff, ähnlich wie Speicherpunkte, eher selten besucht wird und es einen großen Aufwand darstellt, abseits eines geplanten Aufenthalts an Bord dorthin zu gelangen, da meist lange Wege zu gehen sind, bis man mal am Ziel angekommen ist. Wie die Charaktere, so erfreuen sich auch die Monsterhorden nicht gerade der ausgefallensten Machart. Zwar gibt es weit über 100 Gegnertypen, viele wiederholen sich aber und kommen lediglich anders "bemalt" später im Spiel erneut zum Einsatz. Dafür können jedoch die Bosse beeindrucken. Die sind nicht nur ausgefeilt designt, sondern fordern jedes Mal aufs Neue das ganze Geschick der Heldentruppe.
Nach einem Kampf gegen einen der Kolosse wird man immer erst einmal durchatmen und daran zurückdenken. Mit einem zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht. Das dürfte sich übrigens ebenso bei der Erkundung der Landschaften einstellen. Denn diese stehen im krassen Gegenteil zum Charakterdesign.
So viel Vielfalt hat man in einem Spiel sicher selten gesehen. Von mittelalterlichen Burgen, über postmoderne Megacities bis hin zu von bösartigen Monstern befallenen Einöden ist alles dabei, was man sich nur vorstellen kann. Dabei leistet die Engine ganze Arbeit. Man ertappt sich fast zu oft dabei, wie man mit offenem Mund in den virtuellen Himmel starrt, um die wunderschöne Sonne zu begutachten oder wie man kurz stehen bleibt, um die unglaublich detaillierte Fauna oder die wunderschöne Architektur zu bewundern. So machen Erkundungstouren Spaß.
Getragen wird der Abwechslungsreichtum des Spiels letztlich noch durch zahlreiche Nebenquests, Rätseleinlagen und andere Beschäftigungen, die Japano RPGs schon seit Jahrzehnten auflockern. So trifft man auf allerlei Minispiele, die mit netten Belohnungen reizen. Für Sammelwütige gibt es ebenfalls genug zu tun.
So darf man sein Monsterbook vervollständigen, Bosse abseits der Mainstory plattmachen und zahlreiche Boni freischalten, wenn man bestimmte Items findet oder versteckte Orte besucht. Auch nimmt man auf die Beziehungen der einzelnen Charaktere unter einander Einfluss. So gewaltig sogar, dass man damit letztlich die Enden bestimmt, die es zu sehen gibt. Wer also jedes Ende genießen will, muss den Titel schon mehrmals durchspielen.
Star Ocean: The Last Hope macht seinem Vorgänger alle Ehre. Zwar fehlt es hier und da an Risikofreudigkeit, was Neuerungen angeht, die Stärken alter Japano RPG-Tage werden aber konsequent aufgegriffen und verfeinert. Das Kampfsystem motiviert unentwegt, die Geschichte ist interessant und es gibt mehr als genug zu tun. Technisch hat der Titel ebenfalls einiges zu bieten und so dürfen vor allem Fans des Genres ohne Bedenken zugreifen. Alle anderen müssen sich überlegen, ob ihnen ein recht starres Spielsystem, uninteressante Hauptcharaktere, die langen Zwischensequenzen, kleinere Fehler im Kampfsystem und die Notwendigkeit oft mehrere Stunden hintereinander weg spielen zu müssen, den Kauf vermiesen oder ob sie sich der Herausforderung stellen und letztlich mit einem sehr guten Spielerlebnis entlohnt werden wollen.
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Star Ocean: The Last Hope im Test.
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