Gesamtwertung81%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungGut |
Der Geruch von verbranntem Gummi liegt in der Luft, um uns herum verkeilen sich zwei Fahrzeuge zu einer unansehnlichen Ziehharmonika und wir verwandeln einen Wüstenbuggy mithilfe eines montiertem MG zu Altmetall. Nein, wir sind nicht in irgendeinem x-beliebigen Drive-by-Shooter gelandet, sondern inmitten einer ganz normalen Spielminute von Stuntman: Ignition, dem Nachfolger des damals noch PS2-exklusiven der Name verrät es bereits und vor allem nicht wirklich realistischen Stuntman. Alles verworfen, alles neu? Mitnichten, am Spielprinzip hielt man fest: Im Karrieremodus verschlägt es Euch als blutigen Rookie, der noch ganz am Anfang der Nahrungskette steht, von einem Filmdreh bis zum Nächsten.
Eingeteilt ist jedes vorrangig auf Action konzipierte Projekt dabei in einzelne Szenen, die Ihr nacheinander meistern müsst. Dabei sind Fahrzeugtyp und Verlauf der Szene fest vorgeschrieben. Ohne Erklärung ist aber auch der beste Stuntman aufgeschmissen, daher führt Euch eine Stimme aus dem Off in die einzelnen Abschnitte ein und weist Euch vor allem auch auf potentielle Gefahrenquellen hin, die es zu überwinden gilt.
Wer jetzt denkt, er könnte ohne Probleme die geforderten Elemente auf Befehl hin perfekt fahren, irrt gewaltig und hat wahrscheinlich noch nie den Vorgänger gespielt. Denn Ignition ist schnell, hektisch und vor allem fordernd.
Dabei macht uns die Steuerung Gott sei Dank keinen Strich durch die Rechnung und überzeugt sowohl auf der PS2, als auch auf der Xbox 360 mit einer von Haus aus optimal eingestellten Buttonkonfiguration.
Das ist sogar ziemlich wichtig, denn hier zählen gleich mehrere Sachen: Das richtige Timing, die richtige Geschwindigkeit und die korrekte Lage zum zu überwindenden Hindernis. In einer Szene müsst Ihr zum Beispiel einen Lavastrom überwinden. Nur zu gut, dass gerade in diesem Moment, ein mitgerissenes Haus vom Fluss getragen wird, durch dessen Vordertür Ihr nun durchbrettern müsst. Solch spektakuläre Augenblicke stehen bei Stuntman: Ignition an der Tagesordnung: In einem anderen Film heizt Ihr stattdessen mit einem Laster, der eine SCUD-Rakete auf dem Buckel hat, durch die Pampa, müsst bewaffnete Buggys abschütteln und den Boliden mitsamt explosiver Ladung über eine Klippe jagen genial!
Oder wie wäre es am Steuer eines meterhohen Monster-Trucks, der einfach gleich über eine ganze Schar Polizeiwagen drüberfährt die Szene gehört übrigens zu einem Redneck-Movie, der der Serie Ein Duke kommt selten allein nicht ganz unähnlich ist. Genauso verhält es sich beim inszenierten Lava-Inferno: Die Flucht mit dem Auto durch die Gebirge erinnert fatal an die Fluchtszene aus dem '97er-Katastrophenfilm Dante's Peak mit Pierce Brosnan.
Seid Ihr am Ende der Szene angekommen, ist dies aber nicht gleichbedeutend damit, dass Ihr den Dreh geschafft habt. Maximal fünf Fehler dürft Ihr Euch in jeder einzelnem Take erlauben, danach ist Schluss.
Und selbst wenn sich der Fehlerteufel weniger als fünf Mal eingeschlichen hat, seid Ihr nicht auf der sicheren Seite. Manche Drehs erfordern eine maximale Fehleranzahl, die logischerweise mit zunehmenden Spielverlauf immer geringer wird, zudem gibt es eine bestimmte Punkteanzahl, die es zu erreichen gilt und zwar bevorzugt mit sogenannten Stuntketten. Selbige werden - ähnlich wie in Burnout - ausgelöst, indem Ihr in kurzer Zeit alle möglichen Stuntaktionen durchführt. Seien es die fest vorgeschriebenen, oder gewöhnliche Dinge, wie so nah wie es geht an anderenn Fahrzeugen vorbeizufahren ohne sie zu streifen. Danach hagelt es Punkte auf dem Konto und der Regisseur wird sicherlich auch erfreut sein, was Ihr alles aus den Kursen herausholt.
Motivierend bis zum Ende...
Je besser Ihr abschneidet, desto mehr Boni werden freigeschalten. Die könnt Ihr dann für eigene Kurse des mitgelieferten Streckeneditors verwenden. Heisst aber umgekehrt auch: Keine Extrapunkte, keine Items für den Baukasten. Doch viele Spieler werden bereits froh sein, wenn sie einige der Szenen überhaupt meistern, denn Ignition bleibt der noch jungen Tradition treu und ist wie der erste Stuntman-Teil richtig, richtig schwer und könnte locker als Paradebeispiel für den Begriff Try & Error durchgehen. Stures Auswendiglernen der Fahrmanöver ist somit nicht nur eine Empfehlung, sondern absolutes Muss.
Eine Kurve hier, ein U-Turn da, zusätzlich noch über eine Klippe springen, auf zwei Rädern fahren, einen Korkenziehertrick in der Luft vollführen oder mit dem Bike mittels Aktionstaste unter einem LKW entlang gleiten sonst noch Wünsche?
Nur schade, dass die etwas detailarme Kulisse auf beiden Systemen trotz seltener Slowdowns - nicht ganz mit der furiosen Qualität der Rennen mithalten kann. Wenn es aber um Sachen wie Scheiße in die Luft sprengen oder mit hoher Geschwindigkeit ein Motorrad in die Planke zu drücken geht, nimmt das Grinsen des Action-Fans ungeahnte Formen an. Nicht umsonst wurde Stuntman: Ignition mit dem blauen ab16er-Siegel gekennzeichnet, manche Fahrelemente gehen locker mit dem Prädikat Brachial durch. Die Belohnungen für die Mühen sind aber recht umfangreich: Neben den bereits erwähnten Bonusgegenständen und Fahrzeugen freut man sich als Stuntman doch sicher am Meisten, den Film letztendlich zu sehen.
Statt einem Blockbuster gibt es jedoch nur Trailer zu sehen, die aber wirklich unterhaltsam sind, jedoch leider nicht eigene Fahrsequenzen verwenden schade! Eher düster sieht es beim lieblos-wirkenden Mehrspielermodus aus: Weder das Kulissenrennen, noch der Kulissenkampf können wirklich überzeugen. Zudem mussten auf der PlayStation 2 Online-Duelle einem Splitscreen-Modus weichen Xbox 360-User freuen sich derweil über beide Verbindungsarten, zusätzlich noch über die Systemlink-Möglichkeit und darüber, dass der MP-Modus über Xbox Live statt einer maximalen Anzahl von vier Stuntmännern sogar Platz für bis zu sieben weitere Kontrahenten bietet.