The Elder Scrolls IV: Oblivion

Review
Plattform
Microsoft XBOX 360
Vertrieb
Take 2
Entwickler
Bethesda
Erscheinungsdatum
-
Genre
RPG
USK
12
The Elder Scrolls IV: Oblivion [X360 , Justgamers]

Gesamtwertung

91%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Sehr gut

The Elder Scrolls IV: Oblivion

In Deutschland beschwert man sich über viele Arbeitslose und dass die Fußball-Nationalmannschaft einfach nicht so gut ist, wie man es gerne hätte. Dabei können wir uns noch glücklich schätzen, solche Probleme würden die Bewohner des Fantasy-Kontinents Tamriel sicher mehr begrüßen, als die Plage, mir der sie zu kämpfen haben. Überall im Land öffnen sich Tore in die Höllenwelt Oblivion, furchterregende Monster streifen durch alle Provinzen inklusive Cyrodiil, der Provinz in der The Elder Scrolls IV: Oblivion spielt, plündern und überrennen ganze Städte. Hinzu kommt noch, dass das Kaiserreich allem Anschein nach ebenfalls dem Untergang geweiht ist. Der Feind hat Mörder beauftragt, um Kaiser Uriel Septim und seine Söhne aus dem Weg zu räumen. Letztendlich bleibt dem Herrscher nichts anderes übrig, als aus seinem eigenen Palast zu fliehen. Glücklicherweise gibt es da diesen Geheimgang im Kerker der Kaiserstadt. Interessante Geschichte, wird sich so mancher an dieser Stelle sagen, doch wo ist der Held, wo ist mein Alter-Ego? Keine Angst, Oblivion ist ja keine selbstlaufende Grafik-Demo. Die Zelle, in der sich des Kaisers Fluchtweg befindet, ist nämlich besetzt, kann ja mal passieren, bei so einem durcheinander in der Welt. Der Häftling ist der Spieler selbst und welch eine Überraschung, Uriel Septim hat uns doch wirklich in einem seiner Träume gesehen. Er erklärt uns kurzerhand für aus der Haft entlassen und nach einer schnellen Hatz durch die Katakomben unter der Kaiserstadt, beauftragt er uns in seiner letzten Amtshandlung als Kaiser, sein Amulett der Könige an uns zu nehmen und es seinem engen Freund zu überbringen – damit fängt sie an, die Suche nach dem letzten Thronerben des Kaiserreichs, die Suche nach dem einzigen Weg die dämonischen Tore nach Oblivion zu schließen.

Aber seien wir mal nicht zu voreilig, immerhin befinden wir uns hier in einem Mega-Rollenspiel, da hat man doch alle Zeit der Welt. Am Anfang steht wie immer die Charaktererstellung. Die läuft wesentlich detaillierter ab, als im Vorgänger Morrowind, neben der Auswahl der Rasse sowie dem Erfinden eines Namens darf man an seinem Charakter nahezu jeden Gesichtszug individuell verändern.

Das fängt mir der Breite der Nase an, geht über die Lage der Augen bis hin zum Feintuning des Übergangs zwischen Kinn und Hals. Wie gewohnt, kann man sich auch eine Frisur und das Alter des Helden in Spe aussuchen. Zwar besitzt jede der 10 Rassen verschiedene vorgefertigte Haartypen, dennoch ist die Auswahl etwas mager ausgefallen. Das Alter des Charakters entscheidet übrigens nicht etwa über seine Agilität oder Stärke, ein visuell 80-jähriger kann genauso effektiv Gegner verkloppen wie ein faltenloser Jungspund.

Die Qual der Wahl

Moment, da fehlt doch noch was, Rasse ausgewählt, Äußerliches den eigenen Wünschen angepasst, wo ist denn die Klassenauswahl geblieben? Immerhin sollte mein Held doch auf einem, von mir favorisiertem Gebiet besonders stark sein. Selbstverständlich gibt es auch in Oblivion eine Klassenauswahl, aber anstatt blind eine Klasse tippen zu müssen, ohne zu wissen, wie sie sich eigentlich spielt, haben die Entwickler geschickt Schnupper-Angebote im Tutorial verteilt. Im Klartext heißt das, als Spieler bekommt man die Möglichkeit fast alle Facetten seines zukünftigen Lebens auszuprobieren.

Mit Schwert und Schild bewaffnet erlegt man seine erste Riesenratte, mit Hilfe eines Bogens samt der dazugehörigen Pfeile durchsiebt man einen widerspänstigen Goblin und dank mehrerer verschiedener Zauberrollen in der Kutte eines toten Elfen-Magiers darf man einigen Untoten entweder Feuer unterm Hintern machen, oder ihnen einen Blitz durch ihre abgefaulten Extremitäten jagen.

Wer es lieber auf die ruhige Art von Sam Fisher angehen lassen will, der kann sich auch im Schleichen versuchen, vielleicht steht einem ja eine große Zukunft als Meisterdieb bevor. Danach wählt man entweder eine der 21 vorgefertigten Klassen, oder man definiert die Eigenschaften des Helden selbst. Sowohl jede Klasse als auch jede Rasse besitzt bestimmte Vorteile, Krieger sind z.B. stärker im Nahkampf, die reptilienartige Rasse der Argonier ist wiederum gegen Gift immun und kann sogar unter Wasser atmen. Etwas später im Tutorial kehrt man übrigens noch einmal zu den Charaktereigenschaften zurück um sich die Sternenkonstellation, sprich das Sternzeichen auszusuchen, unter dem man das Licht der Welt erblickt hat.

Freiheit²

Nach der Einführung hat man die Wahl: erkundet man Cyrodiil auf eigene Faust oder wendet man sich der spannenden Story-Kampagne rund um die Rettung des Kaiserreichs und das Besiegen der bösen Mächte aus Oblivion zu? Egal, welchen Weg man einschlägt, langweilig wird einem in der riesigen Fantasy-Welt nie. Überall in Cyrodiil warten unzählige Quests darauf gelöst zu werden, sei es nun eine Höhle, über die man zufällig in der Wildnis stößt und die gesäubert werden will, oder eine Mission von einem Zivilisten. Überhaupt lohnt es sich, mit NPCs zu reden, oder ihnen beim Reden zuzuhören. Denn im Gespräch mit den KI-Kollegen ist man auf vorerst auf bestimmte Themengebiete wie „Gerüchte“ beschränkt.

Erst durch das Zuhören oder das Kommunizieren mit anderen Bewohnern werden mit der Zeit immer weitere Themen freigeschaltet, über die man reden kann. Wie ein NPC auf den Spieler reagiert, hängt auch von seiner Einstellung zu ihm ab. Durch einen kleinen Geldbetrag oder das einfache Erzählen eines (wenn man Glück hat, guten) Witzes steigt der Spieler im Ansehen der jeweiligen Person, was heißt, dass diese dann eventuell auch mehr oder detailliertere Informationen bzw. Geheimnisse preisgibt. Beleidigt man hingegen den Gegenüberstehenden, darf man sich auf versiegelte Lippen einstellen. Alle Bewohner in Oblivion folgen übrigens einem gewissen Tagesplan. Sie gehen in die Kneipe, führen auf der Straße Gespräche mit anderen NPCs und hauen sich pünktlich zur Geisterstunde aufs Ohr.

Manche gehen sogar einem Nebenjob als Dieb nach und rauben in der Nacht Häuser aus. Wozu aber anderen zusehen, wenn man es auch selbst machen kann? Alles was man dazu braucht sind leise Sohlen und ein handlicher Dietrich, mit dem man Schlösser knackt, wobei jedes seinen eigenen Schwierigkeitsgrad hat und man bei komplizierteren oft mehrere Anläufe tätigen muss bis das Schloss letztendlich nachgibt. Das knacken an sich ist eine Art Minispielchen, das ähnlich wie in Splinter Cell: Chaos Theory abläuft – durch das geschickte Manövrieren des Dietrichs im Schlüsselloch, müssen je nach Schwierigkeitsgrad, eine oder mehrere Zuhaltungen geöffnet werden.

Wer nicht hören will ...

Selbstverständlich schläft das Gesetzt auch in Cyrodiil nicht, wird man bei einem Einbruch oder einer anderen Straftat wie Mord oder Diebstahl auf frischer Tat ertappt, kann man sich je nach dem wie hoch das auf den Kopf des Helden ausgesetzte Kopfgeld ist, entweder durch Zahlung der geforderten Geldmenge freikaufen, Wiederstand leisten, oder einfach ins Kittchen wandern. Sitz man die Strafe einfach ab, werden dem Charakter für das Nichtstun Skillpunkte abgezogen. Wem das nicht gefällt, der kann entweder versuchen aus der Zelle auszubrechen, oder eben, schon während der Verhaftung Wiederstand leisten, und zwar indem man dem Wachmann einfach den Garaus macht. Ob das klug ist, sei aber jedem selbst Überlassen, da nach einem Mord gleich die ganze Welt davon bescheid weiß. Und dabei spielt es keine Rolle ob man eine Wache vor der Eingangstür des Kaiserpalastes in der Hauptstadt erledigt hat oder einen Bauern irgendwo im tiefsten Wald, wo einen eigentlich niemand gesehen hat - das Gesetz sieht kurioserweise wirklich alles. Sollte man sich übrigens gegen einen Angriff wehren, was durchaus passieren kann, da überall in Tamriel Wegelagerer lauern, wird man selbstverständlich nicht vom langen Arm des Gesetzes gejagt. Sowohl Morrowind-Veteranen als auch Genreneulinge werden mit dem Kampfsystem in Oblivion ohne Probleme klar kommen. Wie auch im Vorgänger darf man entweder mit Schwert & Schild oder Bogen & Pfeilen kämpfen, gleichzeitig kann man einen Haupt-Zauberspruch im Petto haben, den man jederzeit blitzschnell per Hotkey aktivieren kann - selbst während man gerade bewaffnet ist.

Die meisten gefallenen NPCs hinterlassen nach ihrem Ableben gewisse Gegenstände, sei es nun ihre Kleidung, bzw. Rüstung, Waffen, Nahrung oder sonstige Gegenstände. Die Sachen, die man braucht, kann man bequem im eigenen Inventar verstauen. Aber man sollte sich davor hüten, das Inventar zu überfüllen. Dann bewegt sich der Held wegen Überbelastung nämlich keinen Schritt mehr weiter, da er nur ein bestimmtes Gewicht tragen kann. Steigen während des Spielverlaufs die Stärke-Werte, kann man auch mehr mit sich schleppen. Wer wegen seines Sammelticks an chronischem Platzmangel leidet, kann seine erbeuteten Gegenstände in Truhen verstauen, die gibt es überall. Sollte einem das noch immer nicht reichen, kann sich ja von seinem Ersparten ein Eigenheim kaufen, dass sicherlich genug Platz für alles bietet.

Tour de Cyrodiil

So viel Freiheit, wenn man die Welt auf eigene Faust erkundet, lohnt es sich da überhaupt noch der Story zu folgen? Klar lohnt es sich, außerdem ist man durch das in Angriff nehmen der Storymissionen keinesfalls in seiner Freiheit eingeschränkt. Zwischen oder gar während einem Storyauftrag, der erfüllt werden will, kann man sich ruhig auch eine Pause von der spannenden Geschichte gönnen, Tamriel eine Weile selbst erkunden, sich eine Gilde anschließen und dort Missionen erledigen oder ggf. andere Quests erfüllen. Wenn man wieder bereit ist, reicht ein Klick im ausführlichen Journal, wo der Held über alle Ereignisse Buch führt und schon ist man wieder drin im Story-Arc. Anders als in Morrowind, Stichwort Balmora, fällt die Orientierung in Oblivion wesentlich leichter. Grund dafür ist der neue Kompass und die ausführliche Landkarte.

Auf dem Kompass sind neben den Himmelsrichtungen auch interessante und wichtige Orte wie z.B. Höhlen, Städte, Schreine o.ä. eingezeichnet. Das heißt, immer wenn sich in der Nähe ein Ort befindet, der für den Spieler von Interesse sein könnte, weiß er auch davon und muss nicht mühevoll jeden Busch abklappern, ob sich hintern ihm nicht zufällig der Eingang zu einem Dungeon befindet. Storyziele werden auf dem Kompass und der Landkarte mit einem roten Pfeil angezeigt, so weiß man immer, wo man als nächstes hin muss, will man der Story folgen.Wer etwas gegen Fußmärsche über die teils sehr weiten Entfernungen hat, dem sei geraten sich ein Pferd zu besorgen. Die Vierbeiner kann man entweder in Ställen kaufen oder einfach klauen – das zieht allerdings wieder die bereits beschriebenen gesetzlichen Konsequenzen hinter sich. Wem auch das Reiten zu lange dauert, der wird sich über ein brandneues Feature besonders freuen. Orte in Cyrodiil, die man bereits besucht hat, darf man fortan mir nur einem Mausklick erreichen.

Nach einer kurzen Ladepause befindet man sich somit in sekundenschnelle am ausgewählten Ort. Lediglich Plätze, die man vorher noch nie besucht hat, muss man zu Fuß oder per Ross erreichen. Damit verhindern die Entwickler, dass man sich von Anfang an, an jeden x-beliebigen Ort in der Spielwelt „teleportieren“ kann.

Gute Seiten, schlechte Seiten

Grafisch punktet The Elder Scrolls IV: Oblivion in fast allen Disziplinen. Kein Xbox 360-Spiel, egal ob Rollenspiel oder Ego-Shooter kann Spieleraugen mit seiner grafischen Aufmachung derzeit das Wasser reichen reichen. Die Charaktere sind, bis auf die teilweise unspektakulären Gesichter, äußerst detailliert modelliert und mit scharfen Texturen versehen, das Gleiche gilt für alle Innenräume sowie Städte und Burgen. Man sieht, dass sich die Entwickler von Bethesda viel Mühe mit dem Aufbau der Welt gegeben haben, dennoch sieht nicht alles so aus, wie man es sich im Vorfeld vorgestellt hat.

The Elder Scrolls IV: Oblivion (17 Bilder)

Die Vegetation sieht von nahem betrachtet zwar sehr eindrucksvoll und lebensecht aus, schaltet sich aber selbst in der höchstmöglichen Detailstufe während des Durchquerens von Wäldern und Wiesen hässlich ins Bild, Bäume und Felsen poppen unschön in der Landschaft auf. Des Weiteren bestehen entfernte Landflächen aus arg matschigen Texturen. Es macht den Anschein, als wäre Oblivion in seiner echten, vollen Pracht auf der Xbox 360 unspielbar gewesen, weswegen die Entwickler den Detailgrad in manchen Bereichen derart runtergeschraubt haben. Im Gegensatz zur PC Version leidet der Titel unter Ruckeleinlagen, was daran liegt, dass der Festplattenspeicher gleichzeitig genutzt und Defragmentiert wird. Doch ein kleiner Trick hilft vorübergehend: Wenn ihr das System startet, haltet einfach den A-Button, bis das Bethesda Logo erscheint. Dadurch wird der Cache geleert und ihr habt vorübergehend Ruhe.Ein Ohrenschmaus im wahrsten Sinne des Wortes ist der orchestrale Soundtrack. Schon im Intro begrüßen euch die Thematiken, welche euch über die Spielewelt verteilt immer wieder in abgewandelter Form begegnen werden. Die Musik ist mit einer Mischung aus Gladiator und Der Herr der Ringe zu vergleichen. Wer des Englischen mächtig ist, sollte seine Konsole auf die entsprechende Sprache umstellen. Denn die meisten englischen Sprecher, allen voran Patrick Steward als König, gefallen zum Teil um Längen besser, als die deutschen Pendants. Ansonsten hält sich der Soundtrack dezent zurück, passt sich den Szenen an und bildet einen rundum gelungenen Klangteppich.

Fazit

Mit The Elder Scrolls: Oblivion bietet uns Beteshda für die Xbox 360 ein nahezu perfektes Rollenspiel. Nie gab es auf einer Konsole eine derartig gigantische und frei erkundbare Welt zu bestaunen. Alles geht seinen eigenen Tagesabläufen nach - vom Orc über den Magier bis hin zum Bauern auf dem Feld. Hinzu kommt ein einsteigerfreundliches Gameplay, eine -trotz kleiner Schwächen- phänomenale Grafik, die eindeutig die Xbox 360 fordert. Für ein 'First Gen' Spiel, ist Oblivion eine Augenweide. Der orchestrale Sound erinnert an Hollywoodfilme im Stile von Herr der Ringe und die Sprecher wurden bis in die kleinsten Statistenrollen exzellent besetzt. Wer mit diversen Popups und einigen Ladehemmungen leben kann, kommt selbst als Rollenspielgegner zumindest für ein paar Stunden nicht um Oblivion herum. Alle anderen greifen sowieso zu.

The Elder Scrolls IV: Oblivion [X360 , Justgamers]

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