Gesamtwertung79 %/10 |
Grafik8 SoundAusreichend |
Lanzeitspaß8 Spieleinstieg10 |
Bedienung8 |
Dass Electronic Arts Jahr für Jahr das Genre des Sports in seiner Gesamtheit dominiert und den wohlverdienten Ruf auch schon einmal auf Kosten der Qualität ausnutzt, dürfte hinlänglich bekannt sein. Nicht selten bekamen wir schon Aussetzer vor die Füße geworfen, die sich im Vergleich zum jeweiligen Vorgänger kaum oder gar nicht verändert hatten. Ab und an gab es da auch Titel die dem Prequel insgesamt sogar hinterher hinkten. Mit Tiger Woods PGA Tour 10 erwartet uns nun eine Art Jubiläums-Titel der Golfsimulation. Nicht etwa, weil die Serie ein rundes Alter erreicht, sondern einfach weil die "10" im Namen einen großen, marketingtechnischen Vorteil mit sich bringt. Da mag man doch davon ausgehen, dass sich die Franchise von der besten Seite zeigen will. Das Problem an der Sache ist jedoch, dass EA seinem Tiburon Studio nicht einmal ein ganzes Jahr an Entwicklungszeit spendiert hat. Deshalb konnte man schon im Vorfeld davon ausgehen, dass uns keine Revolution erwartet. Auch die zurückhaltenden Kommentare der Entwickler ließen das vermuten. Was letztlich aus Tiger Woods PGA Tour 10 wurde, klärt nun unser Test.
Vor allem Besitzer der 2009er Variante von Tiger Woods PGA Tour werden sich beim Anblick des Menüs verwundert die Augen reiben. Und das wird auch nicht das letzte Mal der Fall gewesen sein. Denn was Tiger Woods PGA Tour 10 an Deja vú-Erlebnissen zu bieten hat, sucht seines Gleichen. Beim Durchsehen der Spielmöglichkeiten wird schnell klar, dass wie auch schon im Vorjahr der Karrieremodus das Herzstück des Spiels darstellt. Dieser ist auch dieses Mal wieder extrem umfangreich und verdient sich Lob in den höchsten Tönen.
Mit einer Ausnahme: Die Änderungen im Detail sind so minimal, dass sie kaum auffallen. Würde Tiger Woods PGA Tour 10 das erste Spiel der Serie sein, könnten wir uns kaum mehr halten vor Erstaunen und kaum mehr Atmen vor Freudensprüngen.
Doch mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass man all das, was über den Bildschirm flimmert so ähnlich bereits vor einem Jahr zu Gesicht bekam, hält sich die Euphorie doch sehr in Grenzen. Viel mehr beginnt man zu überlegen, ob der Preis überhaupt gerechtfertigt ist. Wer den Vorgänger gespielt hat, wird sich vielleicht sogar hinters Licht geführt fühlen. Nichtsdestotrotz spiegeln der Umfang und die inhaltliche Qualität des Karrieremodus' das ganze Spiel wieder und dürften vor allem Neueinsteiger zu begeistern wissen. Wie in der 09er Version erstellt man zunächst einen Nachwuchs-Golfer nach eigenem Gutdünken und rüstet ihn mit einigen Standard-Skills und einer charakteristischen Schwungbewegung aus.
Danach geht's auch schon ab auf den Platz. Kenner der Reihe werden schnell die acht aus dem Vorgänger übernommenen Plätze wiedererkennen und sich vermutlich auch über die ebenso vielen neuen Golfhügel freuen. Der Eine oder Andere wird sich dann allerdings sicherlich fragen, was mit den acht anderen Plätzen des Prequels geschehen ist und wieso man diese nicht portieren konnte oder wollte.
Dem Geheimnis sind wir leider auch nicht auf die Spur gekommen. Insgesamt wirken die 16 Kurse im Vergleich zu den 27, die die Wii-Version bietet, etwas spärlich. Dafür unterscheiden sie sich aber immerhin sehr von einander und fordern den Spieler ein ums andere Mal heraus.
Zu bewältigen gibt es dann bekannte Golf-Turniere wie die PGA Tour, den FedEx Cup und erstmals auch die U.S. Open Championships. Wer dabei die immer stärker werdenden Computergegner, die natürlich auch dieses Mal virtuelle Abbilder echter Golfprofis sind, bezwingen will, muss seinen Pixel-Kameraden ordentlich trainieren. Das kann man natürlich während der eigentlichen Trainings-Sessions am Besten tun, aber auch in Online-Matches und durch das Bestehen einzelner Herausforderungen. Je besser man wird, desto einfacher geht die Steuerung von der Hand. Diese wurde ebenfalls kaum verbessert, war ja aber schon im 09er Ableger durchaus gut. Trotzdem hätte man den Spielraum, der zur Perfektion noch vorhanden ist, etwas besser nutzen können. Einzig das Putting-System musste sich einer kompletten Umstrukturierung unterziehen.
EA hatte versprochen, dass man nun noch intuitiver und vor allem genauer Putten können wird. Leider ist genau das Gegenteil dabei herausgekommen. Zu umständlich präsentiert sich das ganze System und zu ungenau dessen Ausführung. Des Öfteren verpatzt man entscheidende Schläge, weil die Steuerung und nicht etwa man selbst versagt. Das ist nicht nur schade, sondern auch verdammt ärgerlich. Immerhin funktioniert der Rest der Bedienung wie bereits angesprochen sehr ordentlich. Wieder hat man die Möglichkeiten zwischen dem 3-Klick-Schlag und dem Abschlagen durch den Analogstick zu wählen. Letztere ist natürlich die Innovativere und Spaßigere, schwächelt aber noch immer leicht, wenn es um die Präzision geht.
Hat man irgendwann aber den perfekten Schwung raus, geht die Karriere recht leicht von der Hand. Auch Spielspaß kommt auf und die einzelnen Events, sowie die Möglichkeit, seinen Charakter durch das komplexe Skillsystem immer besser zur machen, sorgen für jede Menge Motivation. Um diese möglichst lang aufrecht zu erhalten, hat EA ganz schön an der Wetterschraube gedreht. Das einzige echte neue Feature des Spiels ist nämlich das stark verbesserte Wettersystem. So darf man nun erstmals nicht nur bei strahlendem Sonnenschein, sondern auch bei Nieselregen und Hagel auf den Golfplatz treten und seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Zum bereits bekannten Wind, der beachtet werden muss, gesellen sich nun also auch noch Probleme der Reibung und veränderte Platzverhältnisse, die beim Abschlag einberechnet werde wollen. Gerade beim Putten kann ein starker Regen schon einmal zum verfrühten Stopp des Balles führen. Im Übrigen wirken sich die Wettereffekte auch sehr angenehm auf die Optik des Spiels aus. Genial ist das Feature vor allem im Onlineplay. Dort hat man nämlich die Möglichkeit, sich die Live-Wetter Daten herunterzuladen und so auf seinem Fernseher bei genau dem gleichen Wetter, wie man es bei einem Blick aus dem eigenen Fenster zu Gesicht bekommt, zu Golfen. Das mag eine Spielerei sein, sorgt aber für Erstaunen und Motivationsschübe.
Apropos Online: Wie auch im Singleplayer, dazu später mehr gibt es auch im Online-Multiplayer eine echte Neuheit. So können sich angehende Golf-Profis nun neben Einzelspielen und Turnieren auch zu so genannten Live-Turnieren anmelden. Findet also etwa gerade ein Spieltag der PGA Tour statt, darf man sich mit den realen Ergebnissen der Golfprofis messen. Das ist alles sehr fein und weiß auch zu motivieren, eine echte Alternative zur altbekannten Rangliste ist das aber nicht.
Um den Einzelspieler-Part etwas aufzupeppen, hat sich EA einen sehr netten neuen Modus ausgedacht. Erstmals ist es demnach möglich vergangene Großereignisse der Golfgeschichte nachzuspielen. So soll man etwa ein bestimmtes Loch besser spielen, als es früher eine Legende wie Phil Mickelson getan hat oder bestimmte, sehr schwierige Schläge von Golfprofis wiederholen.
Dafür gibt's dann Punkte, die wiederum neue, historische Momente freischalten. Das Ganze steigert sich bis zu diversen Hole-in-Ones der Golfgeschichte und fesselt lange an den Bildschirm. Mehr ist es dann aber auch nicht. Das wird die einen enttäuschen und die anderen, die die Franchise zum ersten Mal anfassen begeistern. Alles in allem ist Tiger Woods PGA Tour 10 aber ein mehr als zweischneidiges Schwert. Dass es noch immer keine Lokalisierung für den Titel gibt, sei dabei nur Mal am Rande erwähnt, denn wir sind es langsam Leid auf eine solch überflüssige Frechheit überhaupt noch hinzuweisen. Wer also kein Englischspricht, darf getrost die Finger von dem Spiel lassen.
Tiger Woods PGA Tour 10 ist genau das geworden, was man davon erwarten konnte. Und das ist insofern wirklich traurig, da Electronic Arts als "Dominator" im Sportgenre auch eine gewisse Verantwortung gegenüber den Spielern trägt. Weniger als ein Jahr Entwicklungszeit mündet letztlich in einem leicht verbesserten Aufguss der 09er Version. Einige neue Features, die wohlgemerkt allesamt sinnvoll und motivierend sind, können den Karren nicht aus dem Dreck ziehen, denn die zwei kleinen Worte Deja vú durchstreifen allzu oft die Gedanken eines Kenners. Die Tour 2010 mag Einsteiger verzücken und begeistern, die Fans wird sie aber maßlos enttäuschen. Zu wenig Kurse, Patzer bei der grafischen Umsetzung und Stagnation in Sachen Gameplay und Technik. Das sind letztlich die Eckpunkte, die das Spiel ausmachen. Und wie man sehen kann fehlen in dieser Auflistung einfach die positiven Aspekte. Tiger Woods PGA Tour 2010 ist ohne Frage ein gutes Spiel, aber mit der 09er Version im Hintergrund ist es so überflüssig, wie die Frage nach der Lokalisierung des Titels. Und sowohl das eine, als auch das andere ist ärgerlich und zutiefst bedauerlich.
Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...
Tiger Woods PGA Tour 10 im Test.
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