Tiger Woods PGA Tour 2006

Review
Plattform
Microsoft XBOX 360
Vertrieb
EA Sports
Entwickler
EA Sports
Erscheinungsdatum
-
Genre
Simulation
USK
0
Tiger Woods PGA Tour 2006 [X360 , Justgamers]

Gesamtwertung

77%/10

Grafik

Befriedigend

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Ausreichend

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Gut

Tiger Woods PGA Tour 2006

Neues und Altbewährtes

Die erste Änderung, die sich bemerkbar macht, ist der neue Karrieremodus. Voreilige Spieler, die sich gleich in der ersten Gamingsession auf den sechs Golfkursen tummeln wollen, werden einen herben Rückschlag erleben. Abgesehen von Pebble Beach müssen alle anderen nämlich erst im Karrieremodus durch einzelne kleine Herausforderungen freigeschaltet werden, während ihr euch für die Zulassung zu größeren Turnieren vorbereitet. In den Herausforderungen müsst ihr z.B. besonders nah an das Loch schlagen, mehrere Löcher unter einem gewissen Schlaglimit meistern oder einfach andere Spieler im Match besiegen. Was erst langweilig und nervig erscheint, ist fordernd und gleichsam unterhaltsam. Da neben Erfahrung und Geld jetzt auch neue Plätze winken, will man kontinuierlich eigene Fähigkeiten verbessern.

Neu ist auch die Gameer-Anzeige. Wenn ihr gute Schläge macht oder euch beispielsweise aus dem Rough retten konntet, füllt sich die Anzeige, bei Patzern im Spiel kann sie allerdings auch zurückgehen. Ist sie randvoll, lässt sich durch das Drücken von A ein todsicherer Schlag platzieren. Anfangs wird man feststellen, dass die meisten Matches schon gelaufen sind, ehe man in den Genuss des Gameers kommt. Doch hier greifen die Erfahrungspunkte, die man während der Spiele sammeln kann. Diese kann man verwenden, um die eigenen Skills wie z.B. Schlagkraft, Schlaggenauigkeit, Puttgenauigkeit zu verbessern. Wenn der Skill Focus verbessert wird, füllt sich die Gameer-Anzeige auch schneller.

Die beste Neuerung in Tiger Woods PGA Tour 06 ist der so genannte Shape Stick. Mit dem rechten Analogstick lässt sich jetzt die Flugbahn beeinflussen und der Punkt, an dem der Schläger den Ball treffen soll. Dadurch kann man z.B. mit einer leicht bogenförmigen Flugbahn an Hindernissen vorbeispielen oder etwa beim Putting die Rollbahn des Balls verlängern, indem man ihn etwas weiter oben anspielt. Der Shape Stick ist eine wirklich tolle Verbesserung, die dem ohnehin schon guten Gameplay auf der Xbox 360 mehr Tiefe verleiht.

Zwei Veränderungen, die eher deplaziert wirken sind die „Ideal Putt Camera“ und die Belegung der LB-Taste mit dem Power Boost. Die Kamera für den idealen Putt zeigt durch eine gelbe Linie auf dem Grün, wie der Ball am besten verlaufen soll. Das mag manchmal eine nette Hilfe sein, aber gerade beim Spielen mit einem menschlichen Mitspieler vor dem heimischen Fernseher kommt diese Kamera dem Cheaten recht nahe. Es ist keine große Herausforderung mehr, den kleinen weißen Ball in das Runde Loch zu befördern, wenn diese Funktion den Weg diktiert. Die „Ideal Putt Camera“ lässt sich nicht deaktivieren und ist damit genauso unveränderlich wie der Power Boost. Er ermöglicht durch schnelles Drücken der LB-Taste während des Rückschwungs, einen besonders kräftigen Schlag zu machen. Dumm ist dabei nur, dass das Punktieren der LB-Taste meist zum Verreißen des linken Analogsticks führt. Die Bewegung von Analogstick und LB-Taste zu koordinieren ist problematisch und es ist sehr ärgerlich, dass das Controller-Setup keinerlei Änderung zulässt.

Im 06er Update von Tiger Woods greift man weiterhin auf da bewährte Game Face System zurück. Damit ist es dem Spieler möglich, ein komplettes Alter Ego von sich zu erstellen auf den Golfplatz zu schicken. Wieder kann man jedes einzelne Detail des Körpers, jede Stirnfalte, jedes Muttermal und jeden Bierbauch selber festlegen. Doch wer ein richtiger Golfstar werden will, der braucht natürlich auch sein eigenes Outfit, sowie persönliche Siegerposen. Gerade die Animationen, die man einzeln freispielen und auswählen kann, sind sehr unterhaltsam.

Für das Game Face System der Xbox 360 wurden extra hochauflösende Texturen verwendet, weswegen ein beachtlicher Realismus erzielt werden kann. Leider machten sich ab und zu Clippingfehler und andere kleine Darstellungsfehler bei den selbst gebastelten Golfern bemerkbar, die den guten Eindruck etwas trüben.

Tiger 360 – Eine Mogelpackung?

Man kommt wahrscheinlich nicht drum herum zu fragen, ob die EA Sportspiele für die Xbox 360 keine lieblos und kurzfristig zusammengeschusterten Titel sind. Das fängt bei der Zahl der Golfkurse an, denn mit Carnoustie, Pebble Beach, Pinehurst No. 2, Riviera, TPC at Sawgrass und Turnberry finden wir auf der Xbox 360 nur sechs Golfplätze, wogegen bei den anderen Versionen die doppelte Zahl spielbar ist. EA Sports hält als Argument dagegen, dass das Design der Kurse für die Xbox 360 komplett überarbeitet wurde und dass das Golfen zusammen mit der neuen Physikengine noch authentischer geworden wäre. Zwar sind die sechs momentanen Kurse abwechslungsreich, aber hier wäre sicherlich trotzdem mehr drin gewesen. Auch bei den digitalisierten Profis der PGA Tour wurde der Rotstift angesetzt: hier dürfen nur neun statt 23 Profis ihren Abschlag machen. Aber keine Sorge, denn Tiger Woods fehlt natürlich nicht, ebenso wenig wie sein ärgster Konkurrent Vijay Singh. Anscheinend hat auch hier EA lieber Wert auf Klasse statt Masse legen wollen. Tiger Woods sieht dank hochauflösender Texturen unglaublich realistisch aus und man erkennt jede Falte, jedes Pigment im Gesicht und jede Muskelgruppe. Dass das Spiel nichtmals auf Deutsch lokalisiert wurde, obwohl die Verpackung sogar dt. Bildschirmtexte anpreist, kann jedoch ein weiteres Anzeichen für einen verfrühten Release sein. Der Xbox Live Modus bietet nicht mehr, aber auch nicht weniger als andere Versionen des Spiels.

Die Präsentation

Es ist sehr schwer, die grafische Qualität des Spiels einzuschätzen. Eigentlich handelt es sich nur um eine aufpolierte Version der Current-Gen, jedoch sorgen die höhere Auflösung und die verbesserten Texturen doch für Wohlwollen. Gerade die feinen Texturen von Tiger Woods und den anderen Stars sehen prima aus, ebenso die vom Grün und von den Sandbunkern. Die Animationen sind durch Motion-Capturing auf gewohnt hohem Niveau. Neu in der Xbox 360 Version sind auch die dreidimensionalen Zuschauer, die der 2D Bitmap-Welt entsprungen sind und endlich aus Polygonen bestehen.

Diese klatschen fleißig, laufen umher und krümmen sich sogar vor Schmerzen am Boden, wenn man sie mit Bällen abschießt. Die Xbox 360 kann trotzdem mehr als das, was uns hier geboten wird. Denn wogegen das Zentrum des Golfkurses überzeugen kann, sind die Grafiken am Rande recht lieblos.

Manchmal wirken die Gebäude wie tapezierte Baukästen und auch bei den Bäumen scheint die Grafikengine erst aus kürzerer Distanz von Bitmaps auf Polygonmodelle umzuschalten, die dann bei Kamerafahrten unschön aufpoppen. Die Kamerafahrten selbst sind öfters merklich durch Ruckler unterbrochen, die nun wirklich nicht hätten sein müssen. Sieht man sich die Darstellung der Spieler an, so fällt bei den Haaren immer noch das gleiche Problem mit den Shadern auf, welches in vielen Launchtiteln der Konsole auftaucht. Man hat es einfach mit dem Glanzeffekt übertrieben, weswegen die selbst erstellten Frisuren meist so aussehen, als hätte man die Spielfigur kopfüber in ein Fass mit Wet-Look Haargel gestopft. Für das Xbox 360 Debüt der Golfreihe hätte ich mir zudem ein bisschen mehr TV-Feeling gewünscht.

Ein paar mehr Kameraperspektiven und schönere Replays hätten nicht geschadet. Ein Caddy hätte mit dabei sein können und es hätte besonders geschickte Spieler sicherlich gefreut, wenn man Replays von tollen Schlägen abspeichern und zu schönen Videos zusammenbasteln könnte. Hierfür hätte sich EA z.B. an Bizarres PGR3 orientieren können, wo Fans des Genres viele Spielereien (Live Kanäle, speicherbare Replays, Foto-Modus) haben.

Der Sound weiß zu gefallen. Die Musik in den Menüs ist wie vorher auch sehr chillig und die Kommentare von David Feherty und Gary McCord sind Klassiker, wobei in der aktuellen Version noch ein paar frische Sätze hinzugekommen sind.

Fazit

Überragende Grafik, individuelles Gaming, umfassende Onlinemodi und ein neues Spielgefühl – das sind die Dinge, die man mit der Xbox 360 eigentlich verbinden sollte. Bei der Grafik erzielt Tiger Woods PGA Tour 06 für mich ein Bogey. Die Texturen und das HD sind toll, aber richtig zufrieden bin ich damit noch nicht. Eine neue leistungsfähige Engine muss her, die vor allem auch keine Ruckler hinterlässt. Dass ich mir aufgrund des vermurksten Power Boosts meinen Controller nicht selbst belegen darf nervt und der stark beschnittene Umfang lässt mich doch etwas enttäuscht zurück. Nach dem Spielen der PS2-Version hoffte ich zudem, dass die Xbox 360 ein größeres Erlebnis bietet. Damit sind neue Onlinemodi gemeint und mehr Drumherum (bessere Replays, mehr Perspektiven oder mal ein Kurseditor?). Toll wäre doch eine Art Clubhaus, wo ich mir im TV Zusammenschnitte meiner besten Spiele anschauen kann und Bilder von meinen größten Siegen an der Wand hängen habe. So sammle ich einfach nur Preise und Trophäen und habe sonst nichts davon. Eigene und fremde Spiele mit Kommentaren unterlegen wäre auch eine neue Idee gewesen. Der Shape-Stick geht zum Glück in die richtige Richtung, indem man so das Schlagen noch genauer beeinflussen kann. Die Gameer-Anzeige ist ein nettes Gimmick, welches jedoch selten zum Zug kommt und von der Bedeutung für das Spiel eher gering ist. Unterm Strich bleibt ein Spiel, welches für Neulinge an sich überzeugend sein kann. Schließlich ist das Spiel an sich ganz gut, es unterscheidet sich nur nicht gewaltig von den anderen Versionen und bietet im Umfang sogar noch weniger. Kenner der Reihe, die beim Sprung auf die Next-Gen etwas Bahnbrechendes erleben wollen, werden deshalb enttäuscht. Ich setze meine Hoffnungen jedenfalls in die folgende Version. Dann hat EA vielleicht auch mehr Zeit und mehr Möglichkeiten.

Tiger Woods PGA Tour 2006 [X360 , Justgamers]

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