Gesamtwertung76%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Wirklich aller spätestens seit Marty McFly sind Zeitreisen Kult. Wer hat sich nicht schon mal gewünscht, die Zeit kontrollieren zu können und Dinge zu korrigieren, die man hätte lassen sollen? Mit TimeShift habt ihr nun die Gelegenheit dazu, jedenfalls in Hinsicht auf konstruktives Ausschalten ganzer Gegnerscharen und dem Retten der Welt. Nach fast fünf Jahren Entwicklungszeit und einer extremen Generalüberholung, schaffte es der Titel unter Sierra nun endlich in die Läden. Wir haben uns die Zeit Zunutze gemacht und verraten euch, ob sich das lange Warten gelohnt hat und ob das Spiel dem Genre in eine neue Dimension verhilft.
Spitzenstory? Nix!
Oberbösewicht Dr. Krone hat sich einen alternative Geschichtsverlauf mit Hilfe eines Anzug, mit welchem man die Zeit kontrollieren kann, aufgebaut. Ihr übernehmt die Rolle eines unbekannten Wissenschaftlers, der aus zu Anfang unbekannten Gründen, in den Besitz eines zweiten dieser Anzüge gelangt.
Seine Aufgabe: Krone aufhalten und die Welt von dessen Diktatur befreien, um die Welt wieder auf die Schienen zu führen. Was sich im Kern noch relativ unkompliziert anhört, entpuppt sich im Laufe des Spiels durch wirklich sehr kurze Cutscenes als zunehmender undurchsichtig und schon recht früh als uninteressant. Schade!
Vom Grundprinzip ist ein solider First Person Shooter. Je länger man ihn spielt, desto mehr Parallelen zu bereits bekannten Titeln lassen sich vorfinden. Ob es nun die vielen Propaganda-Durchsagen sind, die frappierend an die einer City 17 erinnern oder die Zeitlupeneffekte, die Parallelen zu F.E.A.R. aufweisen; Man hat stets das Gefühl, irgendwie schon mal alles gesehen zu haben.
Der sich wieder aufladende Schild eures Anzug und der häufige Einsatz von blauen, sich an Feinde klammernde Granaten, lässt hingegen Gedanken an einen gewissen Herrn im grünen Kampfanzug aufkommen. Größter Unterschied ist natürlich die Fähigkeit des Spielers die Zeit zu beeinflussen.
Hier hat man als Spieler drei Möglichkeiten. Entweder man lässt die Zeitlupe spielen, hält die Zeit komplett oder spult sie für einen kurzen Abschnitt gar zurück. Das hat natürlich entscheidende Vorteile bei euren Kämpfen. In der Zeitlupe läuft die Welt um euch herum entsprechend langsam ab während ihr die gegnerische Fraktion mit gewohnter Geschwindigkeit ins Visier nehmen. Aber nicht nur das, mit dieser Methode lassen sich Minenfelder ohne große Risiken durchqueren oder Zu schließende Tore noch passieren. Oder ihr seht, dass der Tunnel euch einbricht Zack! Kurz die Zeit zurückspulen und schnell durch. Stoppt die Zeit, klaut eurem Gegner seine Waffe aus den Händen und erlabt euch an seinem verdutzten Gesicht, wenn er bemerkt, dass er plötzlich unbewaffnet vor euch steht. Es sind diese Kleinigkeiten, die Timeshift angenehm vom Shooter-Einheitsbrei abheben. Allerdings wird das Potenzial dieses Features nicht wirklich ausgenutzt. Nur selten seid mit ihr wirklichen Kopfnüssen konfrontiert, die euren Gehirnschmalz fordern. Hier wäre mehr drin gewesen.
Zeitlos Ballern?
Das Waffenarsenal von TimeShift kann sich auch sehen lassen. Von Standards wie Machinegun oder Pumpgun reicht das Aufgebot noch von einer Armbrust mit Explosivgeschossen bis hin zum Flammenwerfer und Blitzgewehr.
Allerdings könnt ihr stets nur drei Waffen gleichzeitig mit euch führen, so dass ihr früher oder später eure Favoriten gefunden haben und ausschließlich mit diesen Waffen unterwegs sein werdet. Jeder euer Waffen verfügt dabei über eine Sekundärfunktion. Eure MG verschießt dabei etwa Granaten, während der Flammenwerfer zugleich mit Projektilen dient. Während eurer Gefechte bekommt ihr meistens mit gepanzerten Truppen als auch normalen Soldaten zu tun, die keine wirkliche Herausforderung darstellen.
Allerdings greifen sie in doch schon in einer beachtlichen Anzahl an, so dass ihr auf eure Zeitmanipulationen angewiesen seid, um nicht von ihnen platt gemacht zu werden. Erst im späteren Verlauf lassen sich die wirklich harten Brocken blicken. Ihr werdet von mit Jetpacks angreifenden Soldaten aus der Luft angegriffen oder macht Bekanntschaft mit Elite-Trupps, welche über Teleporter oder selbst über einen Zeitanzug verfügen, der sie blitzschnell macht. Dennoch seid ihr weitestgehend mit denselben Gegnern beschäftigt. Zur Abwechslung sitzen in mit Geschützen ausgestatteten Transportern oder greifen auch mal gerne zu stationären MGs. Auch der Spieler kann in manchen Abschnitten des Spiels mit einer Art Quad-Bike die Gegend unsicher machen. Dabei fiel leider auf, dass die Steuerung nicht das Gelbe vom EI gewesen ist. Darüber hinaus nehmt ihr zeitweise hinter Geschützen von Flugeinheiten Platz und durchlebt lineare Ballersequenzen.
Feine Grafik auf beiden Systemen
Ähnlich linear gestaltet sich leider auch der Aufbau der einzelnen Levels. Auch wenn euch euer Weg durch wirklich abwechslungsreiche Areale, wie verwüstete Stadtgebiete, schöne Schneelandschaften, Waffenfabriken oder grüne Berglandschaften führt, ein wirkliches Freiheitsgefühl kommt nie auf. Dementsprechend kann man bei TimeShift von einem Straight-Shooter sprechen, der ausschließlich durch die Features des Anzugs punkten kann. In Bezug auf die Grafik des Spiels hat sich die lange Entwicklungszeit allerdings schon bezahlt gemacht.
Ihr bekommt gerade auf dem PC richtig schöne Texturen zu sehen und nur in den hübschen Außenarealen waren seltene Einbrüche in der Framerate zu bemerken. Ähnliches gilt auch für die Xbox 360-Fassung. Schöne Regeneffekte, die vor allem bei gestoppter Zeit sehr cool aussehen, und sehr detaillierte Umgebungen, die sich während der Ballerei schön zerlegen lassen, können auch Grafikfetischisten zufrieden stellen. In der deutschen Version müsst ihr allerdings auf sich die in den anderen Versionen des Spiels befindlichen Splatter-Effekte verzichten. Zwar spritzt hier und da mal ein bisschen Blut, Fliegende Gliedmaßen oder zerberstende Köpfe werdet ihr allerdings nicht zu sehen bekommen. Die deutsche Sprachausgabe geht indes in Ordnung, auch wenn man schon bessere Arbeit in anderen Spielen zu hören bekam.
Multiplayer? Nix!
Das Spiel bietet natürlich neben seiner ca. zehn Stunden langen Kampagne auch einen reichhaltigen Multiplayer-Modus. Natürlich wollten die Entwickler hier nicht auf das Zeit-Feature verzichten.
Um die Dynamik in den Partien allerdings nicht mit nicht enden wollenden Zeitlupenphasen zu schmälern, hat man Zeit manipulierende Granaten in das Spiel eingebaut, die eine Art Zeitblase erzeugen, die alles in ihr befindliche dann stoppt oder verlangsamt.
Insgesamt dürfte ihr euch dann in obligatorischen Modi wie Deathmatch, Team Deathmatch, 1on1 Duellen, gibt es noch nette Spielarten wie einen Modus, in welchem die Teams versuchen müssen, mit den Chronogranaten eine herunterzählende Uhr aufzuhalten. Alles in allem, könnte auch der Multiplayer-Modus motivieren, allerdings war es uns nicht möglich, während unseres Tests auch nur einen dieser Modi zu spielen.
Warum nicht? Ganz einfach, die deutsche Fassung des Spiels ist, aufgrund seiner Schnitte, nicht mit den anderen Versionen kompatibel und demnach dürfte es für die deutsche Spielergemeinde ebenso schwer wie für uns werden, überhaupt mal in den Genuss einer Partie zu kommen.
Den ganz großen Klops hat man sich natürlich mit dem inkompatiblen Multiplayer-Modus geleistet. Dies müssen wir natürlich in unsere Wertung mit einbeziehen. Wer also auch auf Mehrspielerpartien einen großen Wert legt, sollte demnach einen Bogen um die deutsche Version machen und vielleicht zum Import greifen.