Gesamtwertung85%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Große Veränderungen muss man in den Fortsetzungen der Tony Hawk-Reihe oft mit der Lupe suchen. Auch wenn sich Tony Hawk: American Wasteland wieder nicht großartig von den Vorgängern unterscheidet, bietet der Titel doch diesmal eine größere Neuheit: Ein riesengroßer Ausschnitt von Los Angeles, der ohne Unterbrechungen durch Ladezeiten oder Ähnliches erkundet werden kann. Wie bei den neueren Grand Theft Auto-Titeln wird man dabei anhand mehrerer Missionen durch eine große 'Stadt' geführt. Klar, ganz Los Angeles wurde nicht abgebildet, doch kann sich die Größe des verfügbaren Areals durchaus sehen lassen. Um schnell voran zu kommen, können im Spielverlauf schon bald Busse genutzt werden, deren Routen in bereits besuchte Stadtteile führen.
Eine weitere, aber auch die letzte Ähnlichkeit mit den GTA-Spielen sind die zahlreichen Shops, die in ganz L.A. zu finden sind. Viele Dienstleister beschäftigen sich dabei mit dem Äußeren der Hauptfigur: Tattoos, Frisur oder Kleidungsstil können gegen Bares gewechselt werden. In anderen Läden gibt es z.B. neue Skateboards zu kaufen. Im Gegensatz zu den Rockstar Studios, die stets bemüht sind, das Drumherum so humoristisch wie möglich zu gestalten, setzt Entwickler Neversoft auf puren Realismus und Geschäftssinn. Wie sonst sind die zahlreichen Werbeplakate von Nokia und Co zu erklären?
Weil die eigenen Fähigkeiten zunächst nur mittelmäßig sind, sollten die Skills durch erfolgreichen Abschluss der zahlreichen Sponsoren-Challenges, die in den Skateshops angeboten werden, verbessert werden. Werden die Herausforderungen erfüllt, gibt es Stat-Punkte, die verteilt werden können. Doch auch das Geld, das zum Erwerb eines neuen Outfits oder Skateboards benötigt wird, liegt nicht auf der Straße. So genannte 'Geldziele' sind hin und wieder zu erfüllen, um an die begehrte Knete zu kommen.
Statt wie in den beiden Underground-Spielen auf möglichst obskure Vehikel zu setzen, steht den altgedienten Skateboards diesmal ein ebenso altgedientes, aber auch hippes Gefährt zur Seite: BMX-Fahrräder sind in der Stadt verteilt und können jederzeit genutzt werden. Dabei stellen die Zweiräder nicht nur eine Abwechslung, sondern auch eine Alternative dar. So können sämtliche Aufgaben auch auf zwei Rädern erledigt werden.
Sind wir früher immer auf die Nase gefallen, wenn wir bei Höchstgeschwindigkeit ausschließlich mit der Vorderradbremse unseres Fahrrads zum Stillstand kommen wollten, dient die 'Deppenbremse' der in diesem Spiel verfügbaren BMX vor allem dazu, die unmöglichsten Tricks auszuführen.
Apropos Tricks: Natürlich sind wieder neue Kunststücke hinzugekommen, die mit wiederum neuen Tastenkombinationen ausgelöst werden müssen. Das Handbuch gibt auf mehreren Seiten Auskunft über die grundlegenden Tricksereien, die durch zügiges Button-Drücken und Stick-Schwenken dargeboten werden können. Wer etwas mehr Zeit benötigt, um einen Trick vernünftig auszuführen, kann auch den so genannten Fokus-Modus ausführen, der sich allerdings nur starten lässt, wenn man zuvor schon die Spezial-Anzeige durch gute Combos gefüllt hat
Die Jugend hat keine Zeit mehr. Nicht nur, dass es wirklich nur wenige Sekunden Inaktivität bedarf, eh das Hauptmenü durch ein Demo-Video ersetzt wird, das erst nach kurzer Ladezeit wieder verschwindet - auch während des Spiels macht sich allgemein Unruhe breit. Kaum tritt der gewählte Skater aus dem Bus, wird er auch schon überfallen. Schon wenige Augenblicke danach gilt es, sich die ersten Tricks von den Profis auf der Straße abzuschauen, um das Landei-Image loszuwerden, das angeblich zum Überfall führte.
Der Zeitdruck passt natürlich auch zum Classic-Modus, der wieder inklusive ist. In zwei Minuten müssen dort fünf von zehn Zielen erfüllt werden, damit es auf in die nächste Runde gehen kann. Dabei steht euch nicht ganz Los Angeles, sondern jeweils nur einer von insgesamt sechs Leveln zur Verfügung.
Umfang und Level bzw. die frei 'beskatebare' Stadt ist im Vergleich mit den Fassungen für PlayStation 2 und Xbox identisch. Lediglich die Optik wurde mit neuen Texturen und schärferem Äußeren aufgemöbelt. Voraussetzung dafür ist aber ein Bildgerät, dass die hohen Auflösung der Xbox 360 auch darstellen kann. Sobald nämlich auf einem HDTV oder Monitor gespielt wird, kann Tony Hawk: American Wasteland durchaus mit der PC-Konkurrenz mithalten. Besitzer 'normaler' PAL-Fernseher schauen aber in die Röhre: Die Grafik der Xbox 360-Fassung ist im Vergleich mit PS2 & Co. auf den alten Geräten fast identisch. Weiterhin sind Texte im Spiel nur schwer lesbar, da die gewählte Schriftart bei kleinen Auflösungen viel zu fummelig und winzig ist.
Das kennen wir schon von den Vorgängern: Mach-Dir-Den-Skater, die Grafik, den Park oder den Trick. Überall gibt es eine neue Kleinigkeit, doch vor allem beim Mach-Dir-Den-Park-Modus fällt auf, dass die eigene Kreativität immer noch in Schranken gewiesen wird: Im Gegensatz zum Story-Modus lockt eben kein riesengroßes, sondern nur ein durchaus überschaubares Areal. Dabei ist nicht nur die maximale Größe, sondern auch die Anzahl der Objekte, die man platzieren kann, limitiert: Je größer das bebaubare Areal, desto weniger Rampen, Häuser und Halfpipes dürfen gesetzt werden.
Lustig wird's zu Acht, wenn sich noch sieben weitere Spiele per Xbox Live dazugesellen. Für Einsteiger ist die menschliche Konkurrenz aber nur schwer bezwingbar. Online tummeln sich so fast ausschließlich Tony Hawk-Fans die mit einem Controller und/oder Tony Hawk-Spiel auf die Welt gekommen zu sein scheinen. In etlichen Modi wie z.B. dem neuen Elimiskate, bei dem Runde für Runde der schlechteste Skater rausfliegt, können sich Mutige trotzdem mit Kollegen aus aller Welt messen.
Letztlich ist das Spiel aber auch nur eine 1:1 Umsetzung der Versionen, die auch für die etwas ältere Konsolengeneration erhältlich sind. Wer nicht auf HDTV umsteigen möchte und noch eine Xbox oder PlayStation 2 sein Eigen nennt, kann somit eigentlich auch zu einem Spiel für die 'alte' Generation greifen.