Gesamtwertung80%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungGut |
Als Spieler 1999 auf ihrer PlayStation das erste Mal mit dem Skateboardtitel Tony Hawks Pro Skater in Berührung kamen, war nicht auszudenken, welch ein erfolgreiches Franchise in diesem Moment auf Sonys Konsole ihre Anfänge fand. So begeisterte die Reihe Jahr für Jahr aufs Neue durch ihr arcadelastiges Gameplay, verrückte Tricks, erstklassige Musik und coole Skater; praktisch außer Konkurrenz fuhren die zahlreichen Umsetzungen ebenfalls Traumwertungen ein. Tony Hawks Pro Skater war somit in kürzester Zeit zum Pflichtkauf für Konsoleros geworden. Doch Zeiten ändern sich, wie unser folgendes Review beweist. Denn mit Skate schickt ausgerechnet der für Einfallslosigkeit und fehlende Ideen oftmals harsch kritisierte Entwickler Electronic Arts dieser Tage einen innovativen und überraschend erfrischenden Skateboardtitel ins Rennen, der Tony Hawk als Genreprimus verdrängen soll. Ob Tony Hawk-Spieleschmiede Neversoft angesichts der hochgelobten Konkurrenz reagiert hat? Wir verraten es euch.
Welcher Typ Skater bist du?
Wo der Vorgänger Project 8 oder Konkurrenztitel Skate auf einen einzigen Karrieremodus setzen, bietet Proving Ground bereits zu Beginn die Auswahl zwischen drei verschiedenen Klassen und somit drei verschiedene Karrieremodi, unter denen der Spieler die für ihn zutreffendste aussuchen darf.
Die Unterschiede machen sich dann in den Missionen bemerkbar. So wird der Karriere-Skater öfter an Fotoshootings oder Videodrehs teilnehmen müssen um den Bekanntheitsgrad zu steigern. Hierbei helfen bekannte Skater wie Stevie Williams, die dem Spieler alle notwendigen Tricks von Grund auf beibringen.
Der Hardcore-Skater wird indes von Prominenten wie Bam Margera mit Tricks und Stuntmöglichkeiten versorgt; gemäß dem Motto höher, schneller, weiter gilt es hier halsbrecherische Sprünge hinzulegen, Objekte zu zerstören oder eine gegnerische Gang aufzumöbeln. Zu guter Letzt könnt ihr euch für den Weg eines Riggers entscheiden. Der Fokus dieser Karriere liegt dabei auf dem Bau von Halfpipes, Railways oder anderen Trickmöglichkeiten mit Hilfe des neuen Baumodus, der durch Betätigen der Back-Taste überall aufgerufen werden kann.
Leider ist dieser jedoch in vielerlei Hinsicht zu unhandlich ausgefallen. So macht eine sensible Steuerung beispielsweise die Positionierung von Objekten umständlich und zehrt damit an den Nerven des Spielers. Auch zahlreiche monotone Missionen, die sich darauf beschränken auf eine gewisse Art und Weise von A nach B zu skaten, sorgen nicht gerade für Abwechslung im Spielablauf.
Hier trösten selbst die zahlreichen Challanges, die zusätzlich bewältigt werden können, nicht hinweg; auffallend bei diesen jedoch der hohe Schwierigkeitsgrad der bekannten KRANK-Challanges, auch wenn 100.000er Kombos in Tony Hawk-Titeln keine Seltenheit sein mögen. Abgerundet wird der Karrieremodus schließlich durch die Möglichkeit alle drei Skatertypen zu verbinden und einen eigenen Avatar zu erstellen, individuell einzukleiden sowie erstmals ein Skateboard auszuwählen.
In weiteren Zügen des Spielverlaufs können zudem durch verdientes Geld Gegenstände, Kleidung, Boards oder Videoeffekte gekauft werden. Für Einsteiger darüber hinaus sicherlich erfreulich zu hören, dass sämtliche Tricks, vor allen Dingen die neu hinzugefügten Nail The Manual- und Nail The Grab-Modi ausführlich erklärt werden; Profis könnte dies vielleicht etwas zu viel Erklärung sein, weshalb sie sich zu Beginn unterfordert fühlen könnten.
Im Gegensatz zur hellen, fast schon kunterbunten Umgebung in Project 8, wirken die Stadtteile in Proving Ground düster und unheimlich, dafür jedoch belebt und authentisch, was zur guten Atmosphäre beiträgt.
Diese Kulisse bietet nun also die Grundlage für professionelle Skatervideos? Zugegeben, die Kulisse passt, die Technik jedoch kann nicht voll und ganz überzeugen. So können Filme nur aufgenommen werden, wenn es explizit gewünscht wird. Wie in Skate, ein Replay des letztens Tricks anzuschauen ist somit hier nicht möglich. So kann es durchaus passieren, dass eine waghalsige Combo nicht auf Band gespeichert ist, weil der Spieler zuvor den Record-Knopf nicht betätigte. Schade!
Um kurz auf den Onlinemodus zu sprechen zu kommen: Dieser wurde sinnvoll erweitert und bietet nun neben einfachen Ranglistenspielen und Turniere die Möglichkeit Videos anzuschauen, Geld zu verwetten oder Gegenstände zu tauschen. Weiterhin können selbst erstellte Skateparks online zur Schau gestellt werden.
Ein schönes Feature ist auch die Tatsache, dass nun unkompliziert aus dem Karrieremodus direkt in den Multiplayermodus gewechselt werden kann. Dies erfolgt durch einfaches Betätigen der Start-Taste und der Auswahl der Xbox Live Option.
Alte Laster und wenig Neues in Sachen Technik
Technisch gesehen bietet Tony Hawks Proving Ground auf den ersten Blick eine überaus solide Grafik, einen fantastischen Sound sowie die typische Steuerung der Serie. Erst bei näherer Betrachtung werden die Licht und Schattenseiten der einzelnen Bereiche aufgedeckt.
So unterscheidet sich die Grafik im Vergleich zum direkten Vorgänger auf der Xbox 360 kaum; zwar gibt es zahlreiche kleinere Neuerungen, wie Regen- und Wettereffekte, herumflatternde Kleidungsstücke während eines Tricks oder abwechslungsreichere Texturen aufgrund des veränderten Settings, jedoch lässt sich im Gesamten keinerlei merkliche grafische Verbesserung erkennen.
Weiterhin scheinen alte Laster des Vorgängers nicht ausgebessert, sondern eins zu eins auch in hier integriert worden zu sein. Kleinere Ruckler, zahlreiche Clippingfehler und eine Physik, die den Spieler nach kleineren Stürzen meterweit in die Luft befördert, sind so auch hier zu finden. Die Animationen können indes überzeugen, auch wenn die Charaktere meist den Eindruck von Marionetten vermitteln.
Insgesamt gesehen bietet der Titel dennoch eine herausragende Präsentation, die nicht zuletzt durch das lebendig andere Setting lebt.
Die oben genannten Kinderkrankheiten hätten aber trotz alledem verhindert werden können, ziehen sich diese doch bereits seit einigen Jahren durch die Tony Hawk-Episoden. Ähnliches stellt man ebenfalls bei den immer noch äußerst langen Ladezeiten fest.
Grundlegend unverändert präsentiert sich die Steuerung in Hawks Proving Ground. So wird sich jeder eingefleischte Fan der Serie sofort zurechtfinden und auch jeder Einsteiger die eingängige Steuerung zu Beginn schnell erlernen können. Leider jedoch stößt auch die Steuerung im weiteren Verlauf des Spiels an gewisse Grenzen. So benötigt man bei zahlreichen Nail The Trick- oder Nail The Manual-Tricks sowie Fotoshootings gehörig Fingerfertigkeit, kommt doch hier neben den beiden Analogsticks oftmals das D-Pad zum Einsatz. Hier hätte man vielleicht das alte Sprichwort weniger ist mehr befolgen können.
In Sachen Sound und Musik bietet die Tony Hawk-Reihe bereits seit Jahren eine erstklassige Präsentation. So auch in Proving Ground. Neben bekannten Interpreten sind dabei sogar zahlreiche Newcomer, wie zum Beispiel The Kooks zu hören. Auch liegt der Fokus nicht nur noch auf rockigeren Musikrichtungen und so sind selbst Hip Hop-Rhythmen zu hören. Schön ebenfalls, dass es die Entwickler geschafft haben, das Spiel komplett zu lokalisieren. Einziger Wehrmutstropfen ist dabei die Stimme des Hauptcharakters. Trotz männlich anmutendem Aussehen ist hier eine eher kindliche Stimme zu hören.
So wankt Genreprimus Tony Hawk, fällt jedoch (noch) nicht. Dies lässt sich vor allen Dingen an den guten alten Tugenden der Serie, wesentlich aber einer herausragenden Präsentation, erstklassiger Musik, spaßigem, arcadelastigem Gameplay und einem riesigen Umfang festmachen. Dennoch sollten Besitzer von Project 8 vorerst die Demo anspielen und abwägen ob sich ein Kauf dieses Jahr wirklich lohnt. Einen klaren Sieger zwischen Skate und Tony Hawks Proving Ground gibt es in dieser Saison für mich trotz schlechterer Wertung für den Neversoft-Titel dennoch nicht. Für den Genrethron fehlt Skate einfach die Erfahrung, Tony indes die Innovation.