Gesamtwertung79%/10 |
GrafikGut SoundAusreichend |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Jahrelang war der weiße Sport die Vorzeigesportart der Deutschen. Mit Steffi Graf und Boris Becker erhielt Tennis einen nie geahnten Boom. Doch nachdem sich unsere Gräfin nach Amerika verdünnisierte und das Bobberle lieber diverse Besenkammern und TV Sender unsicher machte, herrscht nahezu Ebbe. Abwechslung für alle Hobbie-Cracks bietet nun 2ks zweiter Teil der Top Spin Reihe, der sein Debüt auf der Xbox 360 feiert. Aus diesem Grund haben wir unsere Rackets entstaubt und einige heiße Matches auf Sand, Asche, Hallenboden und Rasen absolviert, um zu schauen, ob der Titel den eindrucksvollen Vorgänger noch toppen kann.
Komm, spiel mit mir
Wer einmal auf einem Tennisplatz gestanden hat, der weiß, wie Kräfte zehrend so ein Match sein kann. Dabei braucht man nicht einmal ein Profi zu sein. Auch Otto Normal merkt dies schon nach wenigen Spielen. Wem das alles zu anstrengend erscheint, der darf sich über Top Spin 2 freuen. Zunächst einmal bastelt ihr euch euren persönlichen Tennisspieler aus einem großen Zubehör-Pool oder startet mit einem der dem realen Pendant zum Verwechseln ähnlich aussehenden echten Profis. Anschließend könnt ihr im Einzel, Doppel oder Mixed antreten. Wie auch schon im Vorgänger bildet das Herzstück von Top Spin 2 natürlich der umfangreiche Karrieremodus. Ihr beginnt als unbekannter Provinzspieler, und müsst euch erst einmal einen Namen bei den Sponsoren und den Turnierleitern machen. Hierzu wird fleißig trainiert. Natürlich fallen die Trainingsstunden eher spaßig und unterhaltsam, denn trocken und langweilig aus. Mal müsst ihr mit präzisen Schlägen lebensgroße Dominosteine aus dem Weg räumen.
Ein anderes Mal schiebt ihr mittels eurer gelben Filzkugel Bowlingkugeln an, damit diese die Pins aus der Bahn kegeln. Diese herausfordernden Minimissionen sind zum Teil recht knackig, da oft zeitlimitiert, machen allerdings überwiegend Spaß. Nach erfolgreichem Absolvieren der Trainingsaufgaben, gibt es Showmatches, mit bestimmten Zielvorgaben, um einen ersten Sponsor zu bekommen. Natürlich wurde mit Originallizenzen nicht gegeizt. Habt ihr dann euren allerersten Vertrag in der Tasche, geht es mittels Termin-Planer in die Metropolen der Welt. Von kleinen Turnieren steigert ihr euch, klettert nach und nach auf der Weltrangliste empor bis ihr schließlich die heiligen Hallen von Wimbledon betreten dürft. Natürlich steht auch der Grand Slam auf dem Spielplan. Melbourne, Flushing Meadows, Paris, die US-Open alles ist mit dabei. Das Geld der gewonnenen Turniere investiert ihr in neue Ausrüstungen und verbessert nach und nach eure Werte. Aufschlag, Return, Spin, Lob oder Asstraining, machen aus euch den weltbesten Spieler schlechthin. Bewertet wird euer Erfolg in Sternen. Erst ab einer gewissen Anzahl an Sternen, schaltet das Programm weitere Turniere und Trainingsmöglichkeiten frei. Motivation ist stets gegeben. Fans des ersten Teils dürften den Aufbau des Nachfolgers zunächst ein wenig unübersichtlich und zu komplex finden. Doch dank eines gut gemachten Handbuchs, finden sich auch Veteranen der ersten Stunde bei Fragen aller Art gut unterstützt.
Wem der Offlinemodus zu langweilig erscheint, oder wer die eigene Weltrangliste dominiert, der darf sich wahlweise mit bis zu vier Spielern Off- und Onlinematches liefern. Dies macht besonders viel Spaß, da menschliche Spieler schwerer einzuschätzen sind, als die KI. Lags treten ab und an in unseren internationalen Testspielen auf. Da Top Spin 2 erst am 7. April erscheint, konnten wir Tennismatches gegen Inländer jedoch noch nicht testen.
Vom Becker Hecht und der Sampras Rolle
Natürlich haben es sich die Mannen von 2k nicht nehmen lassen, die eingängige Steuerung aus Teil Eins noch weiter zu verfeinern, was zu einem äußerst realistischen Gameplay führt. Dank sauberer Ballphysik und exzellenter KI, kommt es bereits auf niedriger Spielstufe zu interessanten und abwechslungsreichen Spielen. Mit Hilfe eines Balken, legt ihr die Schlagstärke fest. Je nach Button, benutzt euer virtuelles Alter Ego den Schläger zum Slice, Spin und anderen Schlägen.
Ein wenig Schade ist die Tatsache, dass die Entwickler wie schon viele ihrer Kollegen, es nicht ganz hin bekommen haben, aus Top Spin 2 ein komplett ruckelfreies Spiel zu machen. Gerade bei einigen Bewegungsabläufen fällt dies manchmal unangenehm auf.
Von Ladebildschirmen und mittelschönen Grafiken
Eines der größten Mankos von Top Spin 2 erkennt ihr bereits beim Erstellen eures Spielers. Bis das Programm nach jeder einzelnen Attributveränderung nachgeladen und diese euch angezeigt hat, vergehen einige Sekunden. Auch nach der Auswahl eines Turniers, zwischen Trainingseinheiten und nahezu allen anderen Bildschirmen, wird permanent mehr oder weniger lang nachgeladen. So kostet es Geduld und Nerven bis ihr schließlich auf dem Platz steht.
Kommen wir zum wohl diskussionswürdigsten Punkt von Top Spin 2. Wer sich noch gut an den Vorgänger, der seinerzeit die Xbox zum Schwitzen brachte, erinnern kann, der weiß, dass 2k Sports im Vorfeld versprochen hatte, noch einige Schippen drauf zu legen.
Doch ist das Unterfangen wirklich geglückt, oder ist der Nachfolger lediglich eine grafisch etwas aufgepeppte Version des Xbox-Urtitels? Gerade in HDTV Qualität glänzt Top Spin 2 in etlichen Belangen. Da wäre die Umgebung zu nennen. Hier wurde im Vergleich zum eindrucksvollen ersten Teil noch einmal kräftig nachgelegt. Die Stadien überzeugen dank hoch aufgelöster Texturen, die Zuschauer sehen realistischer denn je aus. Und auch auf Spiele in der untergehenden Abendsonne oder bei strahlend schönem Wetter wurde Wert gelegt.
Diesen authentischen Look, können die Spielermodelle leider nicht zu 100 % erfüllen. Zwar erkennt man schon von Weitem einen Pete Sampras oder eine Anna Kournikova. Und auch die sich realistisch gegen die jeweilige Laufrichtung wippenden Haare oder Kleidungsstücke, sehen beeindruckend aus. Doch das Gestik und Mimikspiel der Protagonisten, wirkt teilweise doch recht grob und hölzern. Auch die Unschärfe oberhalb der Köpfe, welche bereits in Fifa 06 unangenehm aufgefallen ist, sticht sofort ins Auge. Wer keinen HDTV sein eigen nennt, dem wird eine Menge an optischem Reiz verloren gehen. Zudem unterstütz Top Spin 2 ausschließlich den 60 Hz Modus.
Der Ton macht die Musik
Dies gilt auch bei Sporttiteln. Was wäre ein John Mc Enroe ohne seine Wutausbrüche? Obwohl ihr euren Spielern auch eine Stimme verleihen könnt, bleiben sie im Spiel selbst, bis auf wenige Szenen, doch überraschend stumm. Besondere Mühe haben sich die Entwickler in Punkto Sound an keiner Stelle gegeben. Die Stuhlrichter klingen recht unmotiviert, ein umfangreicher Kommentar fehlt und der Soundtrack plätschert ohne nennenswerte Ohrwürmer oder Höhepunkte vor sich hin. Wenigstens wurde alles komplett lokalisiert.