Gesamtwertung86%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Rollenspiele gehören bekannterweise zu dem Genre, das auf der Xbox 360 leider am meisten vernachlässigt wird. Wirklich große Rollenspiele kann man an einer Hand abzählen, doch nun scheint sich dies endlich zu ändern. Nachdem zuletzt vor kurzer Zeit mit Blue Dragon das erste richtige japanische Rollenspiel im Stil der alten Final Fantasy-Titel erscheinen ist und in unserem Review eine ordentliche Wertung von 86% einheimsen konnte, steht nun der nächste RPG-Hit an, der in die Fußstapfen von Genrekönig The Elder Scrolls IV: Oblivion treten möchte. Die Rede ist von Two Worlds, das bereits einige Male verschoben wurde, nun allerdings endlich fertig gestellt worden ist. Hier erfahrt ihr nun alles über den PC-Rollenspielhit und dessen Portierung auf die Xbox 360-Hardware.
Nichts als Ärger mit kleinen Geschwistern
Jetzt ist Sie weg und ich bin wieder allein, allein. Ok, zugegeben, so beginnt der Songtext zu Sie ist weg von den Fantastischen Vier aus dem Jahr 1995. So ein Unfug, sagt ihr jetzt bestimmt, allerdings sind Ähnlichkeiten zum Handlungsplot von Two Worlds nicht von der Hand zu weisen. Denn gerade war eure verwundete Schwester noch da und lehnte sich erschöpft und blutend an einen Baumstamm, als sie auch schon verschwunden ist. Sie ist weg! Und dabei habt ihr nur eine kurze Rast gemacht und euch dabei nach einem lauschigen Plätzchen für etwas Erholung umgeschaut. Nur ein kurzer Augenblick der Unaufmerksamkeit war nötig, das Kyra verschwindet. Sie ist allerdings nicht selbst getürmt, sondern wurde verschleppt. Und wie es so üblich ist, schlagen die Entführer euch einen Deal vor: Das Leben eurer Schwester im Austausch gegen einige altertümliche Artefakte. Nur zu blöd, das die Entführer mit den Artefakten vorhaben, einen längst vergessenen Kriegsgott wieder auferstehen zu lassen.
Die Story von Zuxxez Two Worlds ist, wie ihr unschwer erkennen könnt, recht simpel gestrickt und bietet nichts wirklich Neues. Trotz der wenig einfallsreichen Geschichte wird es hier allerdings nicht langweilig, da der Hauptplot durch zahlreiche kleine Nebenhandlungen, die parallel zum eigentlichen Spielablauf stattfinden, aufgelockert wird.
Dieses Schema kennt man unter anderem bereits aus Oblivion und es gewährt dem Spieler, die Spielwelt unbeschwert und zu jeder Zeit ohne Zeitdruck frei zu erkunden. Und in Two World gibt es einiges zu erkunden und zu entdecken, denn das Reich Antaloor ist riesig.
Kopfgeldjäger - geiler Job!
Bevor es aber ans erkunden geht, gilt es zunächst einmal, einen Charakter zu erstellen. Dabei habt ihr allerdings nicht die Möglichkeit euch zwischen Mann, Frau oder gar einer Rasse zu entscheiden, hier steht nur die männliche Spezies zur Auswahl. Immerhin könnt ihr Haar-, Augen- und Gesichtsfarbe, Körpergröße und Statur euren ungefähren Vorstellungen entsprechend anpassen, die Fähigkeiten und Attribute eures Helden werden hingegen direkt im Spiel aufgeteilt. Ein besonderes Augenmerk haben die Entwickler dabei auf die Charakterentwicklung gelegt, denn euer Protagonist entwickelt sich im Laufe des Spiels durch die Vergabe von erworbenen Skillpunkten. Diese können wahlweise in Stärke, Lebensenergie, Geschicklichkeit und Willenskraft investiert werden. Die Art eurer Verteilung entscheidet dabei, ob ihr euren Helden eher zu einem Magier oder doch lieber zu einem Kämpfer heranwachsen lasst. Darüber hinaus gilt es auch noch weitere Fertigkeiten wie beispielsweise Waffenkunde, der Umgang mit Schilden, Schleichen, das Reiten auf Pferden oder Schlösserknacken zu erlernen und hochzustufen.
Erwähnenswert ist dabei auf alle Fälle das umfangreiche Arsenal an erlernbaren Zaubersprüchen, das mit Erd-, Luft-, Wasser-, Feuer- und Totenmagie reichhaltig abgedeckt ist. Insgesamt sind es über 80 verschiedene Zaubersprüche, die es in der gesamten Spielwelt zu entdecken gilt und mit denen ihr den Gegnern ordentlich einheizen könnt. Das Hotkeysystem gewährt euch dabei stets einen einfachen, übersichtlichen und schnellen Gebrauch der anwendbaren Zauber. Übersichtlich und aufgeräumt präsentiert sich auch das Interfacemenü. Dieses wirkt zwar zu Spielbeginn etwas überladen und gewöhnungsbedürftig, erweist sich aber im Laufe des Spiels als durchdacht und überaus hilfreich.
Das Quest-Logbuch und die Weltkarte sind vorbildlich angelegt und geben euch immer einen übersichtlichen Blick auf die laufenden Aufträge. Zusätzlich werden die einzelnen Aufträge und Missionen komfortabel auf der Karte angezeigt, genauso wie neu entdeckte Orte, Städte, Dörfer, Dungeons sowie die überall in Antaloor verstreuten Portale. Die Portale dienen dabei der schnellen Reise zwischen den einzelnen Örtlichkeiten, da ein einfaches Reisen über die Karte so wie es beispielsweise bei Oblivion zum Einsatz kommt nicht möglich ist.
Euer Inventar ist zwar zu Spielbeginn etwas klein, was jedoch zunächst auf die niedrige Stufe eures Protagonisten zurückzuführen ist. Die Tragekapazität eures Helden richtet sich nämlich nach dessen Stufe, was im Klartext bedeutet: Desto höher die Stärke eures Charakters, desto mehr könnt ihr mit euch schleppen. Und sollte es doch mal etwas mehr an aufgelesenen Schwertern, Schilden, Helmen und Rüstungen sein, habt ihr zudem die Möglichkeit, euer Pferd sofern sich eines in eurem Besitz befindet mit dem schweren Zeugs zu bepacken. Echt nützlich, so ein Gaul!
Zwiespältiges Kampfsystem
So toll das Magiesystem und auch das Interface umgesetzt wurde, das Kampfsystem hinterlässt leider einen zwiespältigen Eindruck. Dies liegt hauptsächlich an der etwas unrunden Steuerung, die sich zwar als recht simpel erweist, jedoch eher an ein typisches Hack & Slay angelehnt ist. Das ist im Prinzip zwar nicht schlecht, lässt aber im direkten Vergleich zu Genrekollegen etwas die taktische Tiefe vermissen. Hier wird nicht geblockt, sondern stets wild drauflos geprügelt. Setzt der Gegner zum Schlag an, kann durch einen kurzen Druck auf den B-Button nach hinten gesprungen und ausgewichen werden. Auf Dauer werden einige dieses simple Kampfsystem sicherlich langweilig finden, wer hingegen auf schnelle und unkomplizierte Hack & Slay-Action steht, wird seine helle Freude an dem Titel haben. Gespielt wird Two Worlds hauptsächlich aus der Third-Person-Perspektive, wobei die Ansicht während des Spiels auch gewechselt werden kann. Somit kann der Titel auch aus der Ego-Perspektive gespielt werden, kämpfen ist in dieser Sicht jedoch leider nicht möglich. Sobald ihr euer Schwert zieht, wechselt die Ansicht nämlich wieder zurück in die Third-Person-Perspektive.
Was uns automatisch zur grafischen Seite von Two Worlds bringt. Die Optik des Titels hinterlässt nämlich genau wie das Kampfsystem einen gespaltenen Eindruck. Zwar wirken Charaktere, Animationen, Licht- und Schatteneffekte sowie die Umsetzung von Flora und Fauna inklusive dem dynamischen Wettersystem durchweg gelungen, dafür hapert es allerdings an anderen Stellen. Da wäre zum einen die auffällige Ähnlichkeit der ortsansässigen Nichtspielercharaktere, von denen einige den Eindruck erwecken, dass sie die gleichen Eltern haben müssen. Ein weiterer Minuspunkt ist, das die Gesichter der NPC´s sehr detailarm und kantig gehalten sind. Die fehlende Lippensynchronität während den Gesprächen wäre ja noch zu verschmerzen gewesen, aber das die Charaktere einen derart leblosen Eindruck hinterlassen, ist schon etwas ärgerlich. Hier wäre durchaus mehr möglich gewesen. Kleine Bugs wie unter anderem das verschwinden von Gegner in Bäumen oder die Schulterpolster eures Helden, die beim wegstecken der Waffe schon einmal dorthin wandern, wo sie unmöglich hingehören können, wirken unfreiwillig komisch, sind allerdings nicht wirklich tragisch und trüben auch in keinster Weise den Spielspaß. Worunter dieser zu leiden hat, ist die Framerate des Spiels, die gerade beim Onlinespielen nahezu jeder Zeit mit sich zu kämpfen hat.
Offline ist es weniger tragisch, da wird nämlich nur ab und zu nachgeladen, wenn man das Gebiet erkundet. Ab und an kann es jedoch vorkommen, dass es während einem Gefecht mit mehreren Gegnern einen kurzen Ruckler gibt, was teilweise schon etwas störend ist. Auch hier wird klar, dass man etwas mehr Sorgfalt hätte walten lassen müssen, denn beispielsweise Genrekollege Oblivion hat nicht mit solchen Schwächen zu kämpfen. Dafür kann dieser allerdings auch nicht online oder Co-op mit bis zu acht Spielern gleichzeitig gespielt werden.
Bei der Vertonung wurde hingegen alles richtig gemacht. Der Titel strotzt nur so vor stimmigen Musikeinlagen und bietet darüber hinaus viele bekannte Synchronsprecher. Mit dabei sind unter anderem die Stimmen von Sharon Stone, Daniel Craig, Michael Caine sowie Patrick Steward. Abgerundet wird das Stimmpaket zudem durch tiefgründige Dialoge die zeitweise sogar eine entsprechende Prise schwarzen Humor spendiert bekommen.
An dieser Stelle möchte ich einräumen, dass mir persönlich Oblivion besser gefällt. Zwar ist Tamriel nicht so groß wie Antaloor, dafür habe ich es dort aber mit Nichtspielercharakteren zu tun, die einen deutlich lebhafteren Eindruck hinterlassen. Two Worlds bietet dafür andere spielerische Qualitäten, wie beispielsweise den bereits erwähnten Onlinemodus oder das umfangreiche Arsenal an Zaubersprüchen. Wem Oblivion gefallen hat, der kann mit Two Worlds eigentlich nichts falsch machen. Sicher, der Titel hat seine Macken, aber das sollte euch auf keinen Fall davon abhalten, einen Blick auf die wirklich sehenswerte und abwechslungsreiche Spielwelt von Antaloor zu werfen.