Gesamtwertung74%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Nach einer herausragenden WM begann für viele Fußballprofis bereits Mitte August letzten Jahres wieder der harte Alltag in Form von nationalen Liga- und Pokalspielen sowie internationalen Begegnungen. Nicht anders ging es den Entwicklern von Fußballsimulationen, die ebenfalls von der Euphoriewelle des Sommers profitierten. Besser in die Gänge kam dabei EA Sports, die FIFA 07, welches aufgrund einer neuen Gameplay-Engine nach langer Zeit wieder einmal ein Zeichen setzen konnte, präsentierten, während Konamis PES6 bei den Fans verhältnismäßig wenig Anklang fand. Dennoch waren die KI-Schwächen und der mangelnde Realismus beim EA-Ableger immer noch deutlich spürbar.
Nun, knapp vier Monate nach Release von FIFA 07 legt man mit UEFA Champions League 2006-2007 einen weiteren Titel vor, welcher vorhandene Fehler ausbessern und neue Innovationen bringen soll. Alles nur Geldmacherei, oder überzeugt der Titel wirklich? Wir verraten es euch im Looki-Review.
Sie sind die Besten!
Zwar gingen Viele davon aus, dass EA mit UEFA Champions League 2006-2007 eine abgespeckte FIFA 07 Variante ohne Innovation und Neuerungen auf den Markt bringen würde, jedoch werden gerade diese Kritiker zumindest in einigen Bereichen eines Besseren belehrt. So wurde die Liste der spielbaren Teams beispielsweise sinnvoll um europäische Topclubs wie u.a den FC Porto, Eindhoven oder Galatasaray Istanbul erweitert. Auch sämtliche Ligen aus FIFA 07 wurden in den neuen EA-Titel übernommen, sodass es nun sogar theoretisch möglich ist Aachen, oder Gladbach zum Sieg in der Königsklasse zu führen. Genauso logisch wie schade finden sich dann aber weder Nationalmannschaften noch historische Teams in der Auswahlliste; auch nicht-europäische Teams wurden komplett gestrichen. Historisch wird es jedoch in der speziell auf die Champions League zugeschnittenen Herausforderungen, ein Modus, der aus keinem FIFA-Titel mehr wegzudenken ist. In 42 Szenarien lassen sich so die besten Spiele vergangener Champions League-Tage unter besonderen Bedingungen nachspielen.
Ob nun das nie vergessene Finale Liverpool gegen Mailand aus dem Jahre 2005, oder der Klassiker Bayern gegen Manchester 1999, zahlreiche Top-Begegnungen der letzten Dekaden müssen vom Spieler gemeistert werden. Näher betrachtet ähneln die Bedingungen dabei aber denen in FIFA 07 und bieten im Vergleich dazu wenig Abwechslung. So muss beispielsweise ein Rückstand in den letzten zehn Minuten in einen Sieg umgemünzt, oder Tore mit eingewechselten Spielern geschossen werden. Ein großes Manko ist weiterhin die Tatsache, dass sämtliche Begegnungen mit dem aktuellen Kader der jeweiligen Mannschaft gespielt werden muss. Wer also glaubt mit Mario Basler noch einmal ein Freistoßtor gegen Manchester erzielen zu dürfen, wird enttäuscht sein.
Das Herzstück von UEFA Champions League 2006-2007 ist jedoch zweifelsohne der Ultimative Team Modus, welcher lediglich in der Xbox 360 Variante zu finden ist; in anderen Umsetzungen ist dieser durch einen Managermodus ersetzt, der hier fehlt. Ziel dabei ist es in guter alter Trading Card Manier Päckchen mit Spielerkarten zu sammeln und damit sein ultimatives Team zu bilden. Diese Päckchen können zuvor in drei preislich verschiedenen Varianten erworben werden; bezahlt wird über ein Punktekonto, welches wiederum durch gespielte Partien in den zahlreichen Modi aufgefüllt wird. Zu den Spielerkarten gesellen sich weiterhin Aktions-, Trainings- oder Vertragskarten, die die Fähigkeiten der Spieler aufstufen, oder das Spielgeschehen beeinflussen können.
Letzteres kommt vor allen Dingen in Multiplayerpartien negativ zum Tragen, da dadurch oftmals der komplette Spielverlauf auf den Kopf gestellt werden kann. So können beispielsweise Fitnesskarten gegen Ende einer Begegnung eingesetzt werden um Spieler zu erfrischen und schneller laufen zu lassen als die des Gegners. Dieser kann wiederum sofern er sie besitzt - mit einer Negativ-Karte kontern. Wer zu faul zum Sammeln ist, kann seine fehlenden Karten übrigens per Online-Tausch erwerben. Zu guter letzt rundet ein Sammelalbum in welchem doppelte Karten abgelegt werden können das Feature ab.
Schwaches Gameplay schwache Steuerung
Seit Jahren steht die FIFA-Reihe nun im Schatten des in Sachen Realismus und Gameplay überlegenen Konkurrenten Pro Evolution Soccer. Und auch mit diesem Titel, soviel lässt sich vorwegnehmen, wird EA Sports den Genreprimus nicht vom Thron stoßen. So kündigte man zwar eine leicht verbesserte Ballphysik, realistischere Bewegungen und verbesserte KI an, zu spüren ist davon aber recht wenig. In unsren Testspielen staunten wir nicht schlecht, als der Ball nach einem Gewaltschuss aus 30 Metern die Latte berührte, dort zu kleben schien und dann wie ein Stein auf den Boden fiel.
Weiterhin erlaubte sich die KI wieder einmal massive Aussetzer allen voran die Torhüter, die ab und an am Ball vorbeitraten, auf der Linie klebten und zahlreiche Fehlpässe spielten. Auffällig war ebenfalls, dass Spieler beim Dribbling den Ball automatisch liegen ließen um für den nachkommenden Spieler zu überlassen. Ein Trick welcher in echten Fußballspielen für die eine oder andere Torchance sorgt, in unsrem Fall aber in 90 Prozent der Fälle zu einem Ballverlust führte. Abstellen lässt sich dieses Feature leider nicht, worüber auch die authentischen Bewegungsabläufe der zahlreichen Topstars nicht hinwegtrösten konnten. Zum schwachen Gameplay gesellte sich schlussendlich auch die schon in FIFA 07 hakelnde Steuerung, insbesondere beim Spielerwechsel. Die einzige Neuerung bezüglich der Steuerung ist die Tatsache, dass nun auch unnötige Szenen wie Wechsel oder Freistoßdiskussionen übersprungen werden können, was vor allen Dingen dem Überraschungsmoment zu Gute kommt.
Angesprochen werden müssen auch die schwache Leistung der Schiedsrichter und das fragwürdige Regelwerk. Zwar behob man den Fehler, dass selbst bei kleineren Fouls der rote Karton gezückt wurde, jedoch scheint man bei EA noch nichts von der Vorteilsregel gehört zu haben, die in UEFA Champions League 2006-2007 lediglich in einigen wenigen Situationen zum Einsatz kommt. So spielt man beispielsweise einem Spieler den Ball in die Spitze, sodass dieser nur noch einschieben muss und trotzdem wird ein eher ärmlicher Rempler zuvor als Foul gewertet und abgepfiffen. Das Ergebnis ist ein Freistoß aus 30 Metern. Nicht zuletzt dadurch lassen sich in Multiplayermatches einige Tore des Gegners geschickt verhindern.
Technisch ein wenig besser
Ein weiterer wichtiger Faktor für unsren Test war der technische Aspekt, allen voran die Grafik in UEFA Champions League 2006-2007. Hier wird der Spieler zwar nicht enttäuscht, aber im Vergleich zu FIFA 07 nur minimale Unterschiede erkennen können. So wurden lediglich die Spieleranimationen ein wenig optimiert, wodurch Emotionen nun authentischer wirken; neue Lippen- und Mundbewegungen erzielen den gleichen Effekt. Die Spielermodelle sind indes nicht merklich verbessert worden. Dagegen wirken die Kamerafahrten bei Wiederholungen sowie vor und nach dem Spiel deutlich überarbeitet, ein Schritt um die Atmosphäre der Champions League so gut wie möglich einzufangen. Dass dies gelungen ist, wird deutlich, sobald ein Spiel im Berliner Olympiastadion ausgetragen wird. Hier fährt die Kamera förmlich in das Stadion hinein um schlussendlich auf die Spieler zu schwenken, während ein Blitzlichtgewitter auf diese einregnet und die Champions League-Hymne im Hintergrund erklingt. Vor allen Dingen die Tatsache, dass CL-Spiele bei Nacht ausgetragen werden verstärkt diese heroische Atmosphäre, kommen Flutlichter und Scheinwerfer hier doch besser zur Geltung. Weniger erfreulich sind die wie immer leblos wirkenden Zuschauer, welche nur aus einer Textur zu bestehen scheinen und kleinere Ruckler während der Einlaufsequenz sowie Wiederholungen. Wann EA in diesem Punkt endlich ansetzt, bleibt fraglich.
Soundtechnisch sind ebenfalls nur kleine Unterschiede festzustellen. Die Fans verwandeln das Stadion nun durch lautere Fangesänge, Pfiffe und Zurufe endgültig zum Hexenkessel; ein weiterer Pluspunkt für die überragende Atmosphäre. Passend zu jeder Mannschaft werden weiterhin bekannte Lieder, wie Youll never walk alone angestimmt. Bei deutschen Teams wurden indes jedoch auffällig oft Auswärtssieg-Sprechchöre verwendet. Deutliche Abstriche muss man aber wiederum beim Kommentatorenduo machen, die sich oftmals in ihren Aussagen wiederholen oder gar selbst widerlegen. Nicht selten schossen wir so drei oder gar vier Mal das Tor des Monats in einem einzigen Spiel.