Vampire Rain

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
AQ Interactive
Entwickler
AQ Interactive
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
18
Vampire Rain [X360 , looki.de]

Gesamtwertung

60%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Befriedigend

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Vampire Rain

In Vampire Rain übernehmen wir die Rolle des Elite-Soldaten John Lloyd, der mit seinem vierköpfigen Team die sogenannten Nightwalker auslöschen soll: Eine äußerst starke, brutale und vor allem schnelle Vampirrasse, die sich bereits zu großen Teilen des Lebenssaftes der Menschheit bedient hat und nun droht, selbige gänzlich auszulöschen. Dumm: Die Nager können menschliche Gestalt annehmen und locken ihre Opfer mit einem subtilen, süßen Duft, der sie immer wieder in von Nightwalker befallenen Städte lockt. Wer jetzt einen Brachial-Actioner oder Alleingänge wie bei Blade erwartet, sieht schneller den Game Over-Bildschirm, als er sich ausmalen kann.

Ballereinlagen sind bei Vampire Rain gar völlig fehl am Platze, vielmehr versteht sich das Spiel als Stealth-Actioner á la Splinter Cell. Und die Indizien sind gar nicht mal so weit hergeholt: Ein Held, der Sam Fisher verdammt ähnlich sieht, die angewandte Third-Person-Perspektive, Gadgets wie Nachtsichtgerät und Nekrovision – eine Art Wärmesichtgerät um Vampire von Menschen zu unterscheiden – sowie die Dunkelheit als allgemeine Existenzsicherung spielen in Vampire Rain die Hauptrolle.

Und bereits die Introsequenz lässt das Ausmaß der Katastrophe verdammt atmosphärisach über den Bildschirm flimmern: Nightwalker-Attacken nehmen zu, Verwundete verwandeln sich zu Vertretern der vampirischen Rasse und was kann man dagegen tun? Richtig, nichts. Nicht ganz, denn es gibt da ja noch unser Team bestehend aus dem bereits erwähnten Protagonisten, Anführer Hank, Scharfschützin Grace und last but not least dem Kommunikationsexperten Duane. Allzu viel aktive Unterstützung solltet Ihr jedoch nicht erwarten: Meistens ist man durch irgendwelche Zufälle – ja klar - oder dämlichen Entscheidungen unseres Heldens allein unterwegs. Habt Ihr Euch nach dem schnarchigen Tutorial endlich wieder gefangen, geht es auch schon ab in die erste Mission. Die Kommunikation der intelligenten Nightwalker soll zerstört werden.

Lasst Euch belehren...

Und bitte tut uns den Gefallen und startet keine Feuergefechte. Wer die Zombies im Blockbuster 28 Days Later gesehen hat, kann nur erahnen, mit welchem Affenzahn die Vampire auf Euch zustürmen. Selbst Erhöhungen bringen da nichts, die Viecher tauchen per unmenschlichem Sprung direkt vor Eurer Nase auf. Zwei Schläge später und man darf das eigene virtuelle Blut gegen den Bildschirm spritzen sehen. Vampire Rain ist ein Spiel, bei dem Ballerein - wenn nicht ausdrücklich verlangt - absolut nicht zum Weiterkommen führen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt im Vorbeischleichen an Gegnern, genauso wie in den Sichtradien, denen man so weit wie es nur geht fern bleiben sollte. An besonders fiese Stellen, wie versammelte Tauben, die wegfliegen, sobald man sich in der Nähe befindet und Feinde anlocken, wurde gedacht.

Letztendlich scheitert das Spielprinzip aber am hammerharten Schwierigkeitsgrad. Mehr Chancen zur Verteidigung und stärkere Waffen wird sich jeder Vampirjäger wünschen, wenn er hier an der selben Stelle immer und immer wieder angegriffen wird. Meist gibt es nur einen Weg zum Ziel und bis der gefunden wird, werdet Ihr John des Öfteren sterben sehen. Um den Bildschirm-Tod vorzubeugen, schreitet Ihr in den Levels mit meist geduckter Haltung voran und tastet Euch an Wänden entlang, nur um zu sehen, was für neue Gefahren sich hinter der nächsten Ecke verbergen. Wer sich mehr spielerische Vielfalt erhofft, wird leider enttäuscht.

Hinzu kommen eine den Spieler manchmal die Schweißperlen ins Gesicht treibende Kamera, sowie andere Designschwächen wie die entweder zu intelligent oder völlig lethargisch agierenden Widersacher. Fegt Ihr einem der Nightstalker aus der Ferne mit dem Scharfschützengewehr die Rübe vom Rumpf, lässt dies alle versammelten Beteiligten scheinbar kalt. Oder Ihr gebt einen gezielten Schuss auf einen weit entfernten Feind ab und versteckt Euch in der finstersten aller finsteren Ecken: Seid sicher, das Monstrum findet Euch! Wie soll da noch ordentliches Sneak'n'Shoot-Gameplay klappen, wenn nicht einmal echte Ablenkmanöver zugelassen werden?

Gute Idee, aber...

Dabei ist Vampire Rain doch ansonsten ein grundsolides Spiel: Eine tolle Endzeit-Atmosphäre – vor allem des ständigen Regens wegen -, gnadenlos schnelle Gegner und eine ordentliche Portion Spannung stehen auf der Haben-Seite des Spiels. Da wäre der Multiplayermodus auch gut aufgehoben, wenn er nicht allzu strikt auf bekannte Spielmodi bauen würde: Deathmatch, Team-Deathmatch, Erobere die Flamme und einige andere teambasierende Gefechtsarten sind nett, keine Frage, aber auch zu konventionell und schnell abgehakt.

Optisch kann man bei Vampire Rain geteilter Meinung sein: Die grafisch biederen, urbanen Szenerien sind trist und wirken eher wie aus einem PlayStation 2-Spiel, dagegen halten können aber die ansehnlichen Charaktermodelle, die zwar nicht das Prädikat „Next-Gen“ verdienen, aber immerhin besser aussehen als die lieblos wirkenden Level. Alles andere als lieblos sind jedoch Soundeffekte und Hintergrundmusik geraten, die sich dezent zurückhalten, der apokalyptischen Grundstimmung jedoch richtig zur Geltung verhelfen. Die englischen Synchronsprecher – es gibt immerhin deutsche Untertitel – sind hingegen gerade mal solide, aber keineswegs oscarreif.

Fazit

Vampire Rain wäre definitiv ein besseres Spiel geworden, hätte es dem Zocker doch mehr Chancen gegeben, sich gegen die Beisserbrut zur Wehr zu setzen. Ist leider nicht der Fall, weswegen unterm Strich ein Splinter Cell/Survival Horror-Verschnitt ohne großartige Highlights, dafür aber einer guten Endzeit-Atmosphäre dabei herauskam.

Aber wieso dann keine höhere Wertung? Die „nur“ solide Technik, teils deftige Designschwächen, eine schizophrene KI sowie der eher unauffällige, da überraschungsarme Mehrspielermodus drücken merklich die Wertung. Spieler, die aber gerne des Öfteren auf Granit beissen und nicht genug von Vampiren bekommen können, dürfen durchaus einen Blick auf Vampire Rain riskieren.

Vampire Rain [X360 , looki.de]

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