Gesamtwertung89%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Das wohl erfolgreichste Tennisspiel der Spielegeschichte meldet sich zurück. Mit den technischen Möglichkeiten der neuen Konsolengeneration möchte Sega erneut zum Matchgewinn aufschlagen und der Konkurrenz abermals zeigen, wie der Weiße Sport als Videospiel auszusehen hat. Wir haben das Spiel einer Filzprobe unterzogen und sagen euch wie sich der dritte Teil der Virtua Tennis-Reihe macht.
Sega Virtua Sports Smash Power Extrem?
Segas Tennissimulation hörte im Laufe der Jahre auf viele Namen. Ob nun Virtua Tennis, Power Smash oder Sega Sports Tennis; eines war immer klar: Hinter dem Namen wurde stets simpel zu steuernder und arcadelastiger Ballsport geboten. Aber gerade die gute Zugänglichkeit machte die Titel aus. Und je mehr man sich mit ihnen befasste, desto mehr Spieltiefe entdeckte man und umso schwerer war es, das Pad wieder aus der Hand zu geben. Anstatt die Spielmechanik umzukrempeln, setzten die Entwickler auf das altbewährte Rezept und locken den Spieler nun mit einer weitaus verbesserten Würzmischung zurück auf den Center Court.
Neben den üblichen Exhibition-Modi stellt der Career-Modus das Herzstück des Spiels dar. Wie ihr sicherlich schon vermutet habt, müsst ihr hier mit eurem eigens erstellten Tenniscrack die Weltrangliste erklimmen. Dazu absolviert ihr verschiedene Trainingseinheiten und qualifiziert dadurch für verschiedene Hauptevents. Durch das Gewinnen dieser Turniere schaltet ihr dann neue Schläger, Outfits und vieles mehr für euer Alterego frei. Ganz besonderes Merkmal legten die Entwickler auf die Trainingseinheiten, bei denen sich eure Grundlinienschläge, Volleys, Aufschläge und Lauffähigkeit aufstufen lassen. Ihr habt jederzeit die Wahl, ob ihr in der Tennis Schule trainiert oder doch lieber die zahlreichen Minigames in Angriff nehmt, um eure Fähigkeiten zu verbessern. Beide Methoden unterscheiden sich gewaltig voneinander. In der Tennisschule geht es meistens darum, bestimmte Schläge richtig zu treffen oder zu platzieren. So müsst ihr es beispielsweise in einer festgelegten Zeit schaffen, drei Aufschläge mit maximaler Geschwindigkeit zu servieren oder eurem Trainingspartner drei Mal einen Winning Return um die Ohren zu hauen. Ganz anders läuft es in den Minigames.
Hier lassen sich eure Fertigkeiten in Disziplinen wie Tennis-Bowling oder Tennis-Bingo verbessern. Klingt komisch, erweist sich aber äußerst spaßig und vor allem motivierend. Verbessert so eure Laufgeschwindigkeit beispielsweise indem ihr riesigen Tennisbällen ausweicht und dabei heranrollendes Obst einsammelt. Gerade zusammen mit bis zu drei Freunden machen die Minispiele eine Menge Spaß und laden immer wieder zu einer kleinen Runde ein.
Er nu' wieder...
Habt ihr euren Recken in die Kunst des Schlägerschwingens eingeweiht, wird es Zeit sich mit den Profis wie Federer, Haas, Henman, Ancic oder Hewitt zu messen. Weiterhin trefft ihr auch auf diverse Spielerinnen wie Sharapova oder Williams. Leider tretet ihr immer wieder gegen dieselben Profis an, was gerade zu Beginn eurer Karriere seltsam anmutet.
Warum wurden keine No Name-Spieler zu Anfang der Karriere eingesetzt? Bei dem ersten Match überhaupt direkt gegen Federer, der aktuellen Nummer Eins der Weltrangliste, gegenüber zu stehen und ihn haushoch verlieren zu sehen, zeugt nicht gerade von Authentizität. Die Events führen euch weiterhin auf die Courts in China, Frankreich, England, Amerika, Deutschland, Australien, Italien und vielen weiteren Ländern. Neben normalen Einzelnmatches, spielt man oftmals auch mit einem vorher ausgewählten Partner im Doppel. Gemischte Doppel sind ebenfalls möglich.
Neben den vielen Matches und Trainingseinheiten solltet ihr allerdings nicht vergessen auf den Zustand eures Spielers zu achten. Gönnt ihr im nach langer Aktivität nicht die verdiente Pause, kann es schnell passieren, dass er sich verletzt und gezwungen wird, für einige Zeit auszusetzen. Falls ihr ein bestimmtes Event auf keinen Fall verpassen wollt, könnt ihr eure Ausdauer mit einem Energy Drink schnell wieder auffrischen. Ansonsten wirkt eine Mütze voll Schlaf wahre Wunder.
Zwar sind die Nebensächlichkeiten natürlich ganz nett, aber was wirklich zählt sind schließlich die eigentlichen Tennismatches. Und ja, sie sind in der Tat mehr als gelungen. Jeder der insgesamt 20 Spieler spielt sich komplett anders. Ihr dirigiert euren Spieler via Analogstick oder Steuerkreuz präzise über den Platz. Das Spiel bietet euch zwar lediglich drei verschiedene Schlagvarianten, die da wären; Topspin, Slice und Lob. Je nach eurer Position zum Ball, könnt ihr jedoch mehr Kontrolle und vor allem Kraft in die Schläge stecken. Schlagt ihr zum Beispiel ein gut platzierten Return und die linke Ecke eures Gegenübers, den er nur mit Mühe erreichen kann, könnt ihr seinen langsamen Return dazu nutzen, euch in aller Ruhe in die Position zu bringen und mit einem brachialen Schlag gegen seine Laufrichtung zu donnern und so den Punkt an euch zu reißen.
Oder ihr zieht den Stick während des Schlags nach hinten, um einen unerreichbaren Stopp zu spielen. Passiert es aber mal, dass ihr einen Schlag zu unplatziert zurückspielt, übernimmt der Gegner die Kontrolle und ihr werdet vom Jäger zum Gejagten. Was während des Schlagabtausches auffällt, ist die Tatsache, dass ihr so gut wie keine Fehler machen und den Ball ins Aus oder ins Netz schießen könnt.
Wenn es dann doch tatsächlich mal dazu kommt, dann meist nur weil euer Gegner zu einem enorm wuchtigen Schlag ausgeholt hat und ihr den Ball nicht mehr kontrollieren könnt. So kann es ab und an zu dramatischen Ballwechseln kommen, die jedoch immer spannend und abwechslungsreich sind. Werden die Ballwechsel dann doch zu lang, ermüden die Spieler und der Ball landet letzten Endes im Netz oder im Aus. Die Ermüdungserscheinungen sind allerdings bei einem nächsten Ballwechsel nicht mehr zu spüren.
Obwohl die Spielmechanik wirklich das momentane Non Plus Ultra darstellt, ist sie noch nicht perfekt. Oft kommt es vor, dass ihr zu einem entscheidenden Smash ausholt, euer Spieler dann aber unverständlicherweise daneben schlägt und der Punkt an euren Gegner geht. Auch fast schon zu häufig hechten die Spieler nach dem Ball, auch wenn man es gar nicht beabsichtigt oder es unbedingt nötig ist. Auch die Lobs wurden im Vergleich zum Vorgänger entschärft und sind jetzt fast schon unbrauchbar.
Nur in den seltensten Fällen gelingt es euch, den Ball über euren Gegner zu schlagen. Meist wird der Versuch jedoch mit einem unerreichbaren Smash bestraft. Da bringt es meist mehr, dem Spieler den Ball mit aller Kraft auf den Schläger zu spielen und ihn zu einem Fehler zu zwingen. Asse werdet ihr ebenfalls so gut wie nie zu Gesicht bekommen. Wer mit diesen kleinen Macken und dem arcadelastigen Gameplay leben kann, bekommt allerdings ein Tennisspiel geboten, was an Dynamik und Action seinesgleichen sucht.
Die Präsentation erweist sich als sehr gut. Die Spielermodels sind ihren Konterfeis wie aus dem Gesicht geschnitten und Animationen sind wunderschön in Szene gesetzt. Gerade die kraftvollen Topspin-Schläge sind sehr eindrucksvoll und man spürt förmlich die Wucht, die Spieler in ihre Schläge stecken. Derartig gelungene Animationen findet man in keinem anderen aktuellen Tennisspiel. Auch die Sounds überzeugen auf ganzer Linie. Die nervige Hintergrundmusik lässt sich dankenswerterweise in den Optionen abschalten.
Das Sahnehäubchen
Im Gegensatz zu der Version auf anderen Plattformen bietet die Xbox 360-Fassung einen Online-Modus, der fast keine Wünsche offen lässt. Ihr könnt entweder im Einzel gegen gleich gesinnte Spieler antreten oder euch mit ihnen zusammen ein spannendes Doppel liefern. Habt ihr einen Freund zu Besuch könnt ihr mit ihm zusammen im Doppel gegen andere Spieler online antreten. Klasse! Es lassen sich sogar ganze Turniere spielen. Hierzu könnt ihr ebenfalls auf euren im Karriere-Modus gezüchteten Astschwinger zurückgreifen. Weiterhin könnt ihr an zahlreichen Leaderboards und Statistiken erlaben oder euch die Highlights der letzten Zeit noch einmal anschauen. VT.TV machts möglich. Die Matches verlaufen zum größtenteils recht flüssig und ohne große Einbußen. Kommt es wegen Verbindungsproblemen doch mal zu Lags, wird der letzte Ballwechsel fairerweise wiederholt. Alles in allem bietet der Multiplayer-Modus alleine schon genug Potenzial, um für Wochen zu begeistern.