Fahrenheit
Langsam aber sicher nähert sich das als eines der innovativsten Adventures der aktuellen Konsolengeneration angepriesene 'Fahrenheit' der Fertigstellung. Mit wechselnden Charakteren müsst ihr eine Mordserie aufklären, die das verschneite New York erschüttert. Das Besondere dabei: Ihr steuert sowohl den Mörder Lucas Kane als auch die Polizistin Clare und ihren Kollegen Tyler. Im September soll der Titel für 'PS 2' und 'Xbox' in den Läden stehen, wir haben uns schon jetzt die Preview geschnappt und die ersten Kapitel des Thrillers für euch angezockt.
Jäger und Gejagter
Unter dem Nachthimmel von New York zieht eine einsame Krähe ihre Kreise, bevor sie sich auf dem Fenstersims der Toilette einer kleinen Imbissstube niederlässt. Von dort aus wird sie Zeuge eines grausamen Ritualmordes: Völlig in Trance versunken überfällt unser erster Protagonist, Lucas Kane, sein Opfer und tötet es mit einem Steakmesser, mit dem er sich schon zuvor die Unterarme angeritzt hat.Der Mord wird begleitet von seltsamen Visionen, die über Lucas hereinbrechen, und eine höhere Macht scheint ihn zum willenlosen Werkzeug gemacht zu haben.
Nach der Tat hat er allerdings eher mit weltlichen Problemen zu kämpfen: Vor seinen Füßen liegt eine Leiche mit Stichwunden, er hat ein blutiges Messer in der Hand und im Raum nebenan schlürft ein Cop seelenruhig seinen Kaffee.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch der Bulle auf die Toilette muss, also solltet ihr euch schonmal eine gute Ausrede für das Massaker ausdenken.
An dieser Stelle kommt zum ersten Mal die Multiangle-Perspektive zum Einsatz, wie wir sie schon aus Serien wie '24' kennen: Wenn euch die Zeit davon rennt, wird der Bildschrim geteilt und zeigt auf der linken Hälfte eure Bemühungen an, die Spuren der Bluttat zu verwischen und auf der rechten den Polizisten, wie er langsam aufsteht und zur Toilette geht.
Während sich die Story von 'Fahrenheit' auf den ersten Blick nur wenig von anderen Adventures abhebt, ist die Erzählweise und die Handhabung doch mehr als ungewöhnlich: Ihr steuert nicht nur eine Person durch das gesamte Abenteuer, sondern wechselt je nach Kapitel die Perspektive.
So müsst ihr euch ganz zu Anfang erstmal als Lucas Kane Gedanken machen, wo ihr das Messer und die Leiche verstecken könnt und dann vorsichtig verschwinden.
Je nachdem, wie geschickt ihr dabei vorgeht, hinterlasst ihr mehr oder weniger Hinweise für die Inspektorin Carla und ihren Partner Tyler, die das Restaurant nach eurem Abgang untersuchen und dabei ebenfalls von euch gesteuert werden.
Mit zunehmender Spieldauer wird die Story immer vielschichtiger. Oft müsst ihr innerhalb weniger Sekunden Entscheidungen fällen, die das Schicksal eines Charakters direkt beeinflussen können. Wenn etwa die Bullen an eure Tür klopfen, habt ihr als Lucas nur wenig Zeit, um die Spuren der letzten Nacht zu verwischen.
Stolpern die Jungs nämlich über verdächtige Dinge wie zum Beispiel ein vollgeblutetes Hemd, dann werden sie sehr schnell misstrauisch. Nehmen sie euch fest, ist das Spiel vorbei.
Meist gibt es aber auch mehrere Wege, mit einem Problem fertig zu werden.
So könnt ihr das besagte Hemd einfach in der Waschmaschine verstecken, bevor ihr die Jungs in Blau in eure Wohnung lasst oder ihr versucht, sie schon an der Tür abzuwimmeln.
Dazu braucht Lucas allerdings Nerven aus Stahl, denn er hat ja immerhin einen Mord begangen. Wie es um die seelische Gesundheit eures Schützlings bestimmt ist, seht ihr anhand einer Anzeige, die sich jederzeit einblenden lässt.
Im oberen Bereich macht ihr einen selbstbewußten, neutralen Eindruck auf eure Umgebung, sinkt die Anzeige jedoch unter den Normalwert, werdet ihr zunehmend nervöser und deprimierter. Aktionen wie das Einschalten von Musik oder ein Glas Wasser helfen euch dann, wieder einen klaren Kopf zu kriegen.
Vor dem Spiel weist euch David Cane, der Direktor des Spiels, persönlich in die Handhabung der etwas gewöhnungsbedürftigen Steuerung ein. Er gibt euch einige Kommandos, die ihr dann mit Bob, dem Crashtest Dummie, befolgen müsst.
Der größte Unterschied zu herkömmlichen Adventures ist dabei, dass es keinen seperaten Button zum Interagieren mit der Umwelt gibt. Stattdessen wird der rechte Analogstick benutzt, um verschiedene Aktionen einzuleiten.
Dazu erscheinen am oberen Bildschirmrand Symbole, die euch anzeigen, was euer Charakter machen kann und direkt daneben eine Angabe, in welche Richtung ihr den Stick dafür drücken müsst. Alles in allem geht die Steuerung schon jetzt angenehm flüssig von der Hand, leider hat das System auch so seine Tücken: Oft sind die Symbole nicht eindeutig genug, um auf den ersten Blick erkennen zu können, welche Handlung ausgeführt wird. Da hilft dann nur das gute alte 'Try and Error'-Verfahren.
Auch durch die Dialoge wird auf diese Weise navigiert, jede Richtung steht dann für eine andere Antwort oder ein Gesprächsthema. Dabei müsst ihr einiges an Fingerspitzengefühl an den Tag legen, damit ihr auch wirklich voran kommt.
Es bringt zum Beispiel nichts, wenn Claire bei der Befragung der Zeugen in dem Lokal die noch unter Schock stehende Kellnerin zu hart angeht. Denn wenn die arme zusammenbricht und wegen eures aggressiven Verhaltens einen Weinkrampf kriegt, wird sie euch wohl kaum eine genaue Beschreibung des Täters liefern können. Leider wisst ihr hierbei meist nicht, wie eine Person auf bestimmte Stichwörter reagiert.
Sehr interessant ist allerdings, dass ihr häufig auch aufgefordert werdet, auf eine Antwort eures Gegenübers entweder offensiv oder beruhigend zu reagieren und dadurch entsprechend neue Gesprächsoptionen erhaltet.
Daneben gibt es natürlich auch Action-Szenen, in denen ihr beide Sticks möglichst schnell bedienen müsst, um vor den Bullen zu flüchten, einem Auto auszuweichen oder im Kugelhagel in Deckung zu gehen. Verpasst ihr ein Kommando, dann büßt ihr einen eurer kostbaren Lebenspunkte ein.
Ersteindruck
'Fahrenheit' überzeugt schon jetzt mit frischen Ideen und einer interessanten Story. Die Möglichkeit, die Hintergründe der seltsamen Vorgänge als Täter und als Polizist gleichzeitig zu erforschen sorgt ebenso für Hochspannung wie die stylischen Multiangle-Perspektiven. Die kantige Grafik könnte zwar ruhig noch etwas aufpoliert werden, die (englischen) Sprecher dagegen machen ihren Job sehr gut und erzeugen zusammen mit der gelungenen Präsentation echte Kino-Atmosphäre. Wir sind jedenfalls gespannt, welche Überraschungen das Team um David Cane noch im Ärmel hat. Falls es nicht wieder zu Releaseverschiebungen kommt, wissen wir im September mehr.
VIDEO
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