Metroid Prime

Preview
Plattform
Microsoft XBOX
Vertrieb
Nintendo
Entwickler
Retro Studios Inc.
Erscheinungsdatum
21.3.2003
Genre
Abenteuer
Metroid Prime [XBOX , Justgamers]

Metroid Prime

Samus is back

Auch wenn die jüngeren Spieler womöglich noch nichts von ihr gehört haben, ist die Kopfgeldjägerin Samus Aran seit langer Zeit ein fester Bestandteil der Videospielbranche und kann auf eine große Fangemeinde verweisen. Metroid Prime stellt der inzwischen fünfte Teil der weltweit bekannten Serie dar, bezieht man den Ende November auf dem Gameboy Advance erschienenen Titel „Metroid Fusion“ in die Geschichte mit ein. Die beeindruckende Karriere von Samus Aran begann im Jahre 1986, als Nintendo ein Spiel namens „Metroid“ auf dem damals vorherrschenden NES-System veröffentlichte, das bis heute als einer der besten Titel für das Nintendo Entertainment System gilt. Verantwortlich für die Gestaltung des Spiels war Nintendo-Legende Gunpei Yokoi, welcher sich unter anderem auch durch die Erfindung des Gameboy und des bei uns nie erschienenen Virtual Boy einen großen Namen machte. Als Produzent von Spieleperlen wie Kid Icarus, Donkey Kong oder den Mario Bros. gilt er zusammen mit Shigeru Miyamoto als einer der größten Pioniere der Videospielindustrie, der vor allem durch seine revolutionären Ideen im Bezug auf Unterhaltungshardware einen einzigartigen Status unter Fans genießt.

Nach dem etwas weniger populären zweiten Teil der Serie, welcher im Jahre 1991 für den Gameboy erschien und den Titel „Metroid II – The Return of Samus“ trug, gelang der mutigen Heldin im Jahre 1994 der endgültige Durchbruch. Der damals veröffentlichte Titel „Super Metroid“ konnte seine enorm erfolgreichen Vorgänger durch eine gut ausgeklügelte Levelstruktur und eine unvergleichliche Spielmechanik sogar übertreffen und gilt unter vielen Kritikern und Experten als eines der besten Spiele aller Zeiten. Seither wurde es ruhig um Samus Aran, und auch diverse kleine Gastauftritte wie in Super Mario RPG oder Super Smash Brothers konnten die zahlreichen Fans nicht zufrieden stellen. Trotz vehementer Klagen vieler Spieler verschwand die Kopfgeldjägerin langsam von der Bildfläche, und auf dem Nintendo64 kam es trotz einiger Anspielungen seitens Shigeru Miyamoto nie zu einem erhofften Sequel.

Fast sechs Jahre nach Erscheinen von Super Metroid wurden die Bitten der Fans endlich erhört, als Nintendo im September 2000 auf der hauseigenen Space World Messe bei der ersten öffentlichen Präsentation des Nintendo GameCube einen kurzen Videoausschnitt zu Metroid Prime zeigte. Zur Überraschung vieler Fans übernahm allerdings nicht Nintendo selbst die Entwicklung des Spiels, sondern übergab die wertvolle Lizenz an die Retro Studios, ein bis dato noch unbekanntes Entwicklerteam aus Austin, Texas. Dieses wurde 1997 von Ex-Iguana Chef Jeff Spangenberg gegründet und genießt inzwischen einen Status als Second-Party Entwickler von Nintendo. Nach einigen Schwierigkeiten aufgrund einiger Unstimmigkeiten mit Nintendo, was in der Entlassung einiger Mitarbeiter sowie der Aufgabe solch verheißungsvoller Titel wie Raven Blade endete, erscheint mit Metroid Prime nun der erste Titel der noch jungen Talentschmiede.

Rette das Universum

Zur Überraschung vieler Fans knüpft Metroid Prime nicht an die Geschehnisse von Super Metroid an, sondern spielt in einer Zeit nach den Ereignissen aus dem ersten Teil. Damals musste die Kopfgeldjägerin auf den Planeten Zebes reisen, um den dunklen Machenschaften der Space Pirates ein Ende zu bereiten. Diese hatten nämlich eine fremde Lebensform entführt, welche auf einem weit entfernten Planeten namens SR388 sämtliches Leben ausgelöscht hatte. Diese aggressive Lebensform trägt passenderweise den Namen Metroid und stellt für die Space Pirates und deren Anführer Mother Brain die optimale Waffe gegen die Allianz der existierenden friedlichen Rassen dar.

Auch wenn unsere Heldin damals die Bösewichte und die gefährlichen Metroids besiegen und Ruhe in das Universum bringen konnte, gibt es in Metroid Prime ein Wiedersehen mit den fiesen Space Pirates. Um ihnen dieses Mal das Handwerk legen zu können, wird Samus von der Föderation auf den Planeten Tallon IV geschickt, wo sie sich um die Unruhestifter kümmern und endgültig Frieden bringen soll. Von dort aus begibt sich unsere Heldin auf eine imposante Reise, die sie auf eine Vielzahl fremder und mysteriöser Planeten bringt. So besucht sie während ihrem Abenteuer unter anderem mit Lava gefüllte Ebenen, eisige Einöden oder seltsame Ruinen, die durch ihre zerfallenen Bauten Zeugnisse früherer Zivilisationen darstellen.

Welcome to the third dimension

In den ersten Monaten gab es viele Aufschreie von Fans, welche eine Anwendung des beliebten Gameplays der Serie auf die dritte Dimension nicht gut heißen wollten. Dies war den Entwicklern bei „Super Mario 64“ und „The Legend of Zelda: Ocarina of Time“ auf dem Nintendo 64 zwar außerordentlich gut gelungen, doch bei Metroid Prime gab es bei diesem gewagten Unterfangen von Beginn an Zweifel, was nicht zuletzt an der Unerfahrenheit der Retro Studios und der komplexen Spielmechanik der Serie liegen mag. Durch eine enge Kooperation mit Nintendo of Japan und durch die strenge Aufsicht von Shigeru Miyamoto konnten die Programmierer aber das von vielen für unmöglich Gehaltene realisieren und das Gameplay der Vorgänger tadellos auf die dritte Dimension übertragen.

Wer Metroid Prime aufgrund der First-Person Ansicht nun für einen waschechten Ego-Shooter hält, der liegt allerdings im Irrtum. Zwar sind gewisse Szenarien, bei der Samus einer Vielzahl bösartiger Gegner gegenüber steht und diese mit Waffengewalt in die Knie zwingen muss, nicht von der Hand zu weisen, jedoch stellen diese eher die Ausnahme dar. Zudem dürfte die Auto-Lock Funktion der Waffen sowie die nicht sehr Ego-Shooter freundliche Steuerung, welche gleichzeitiges Zielen und Bewegen unserer Kopfgeldjägerin unmöglich macht, jedem Neueinsteiger deutlich machen, dass Metroid Prime auf andere Werte als ein actiongeladenes Gameplay setzt.

Erkunde die Welten

Wer die Vorgänger kennt und bereits gespielt hat, der wird sich bei Metroid Prime sehr schnell heimisch fühlen, denn das wichtigste spielerische Merkmal der Serie wurde auch bei diesem Teil beibehalten. Zu Beginn ihres Abenteuers steht Samus den außerirdischen Invasoren relativ hilflos gegenüber, da sie bis auf die Beam Cannon noch über sehr wenige Waffen und Bewegungsmöglichkeiten verfügt. Dies ändert sich aber im Laufe des Spiels, denn in regelmäßigen Abschnitten hat sie die Möglichkeit, ihr technisches Repertoire um einen hilfreichen Gegenstand zu erweitern. Ob es sich nun um neue Schusswaffen wie zum Beispiel einen Ice- , Plasma- oder den Grapple Beam handelt, oder man neue Optionen im Bezug auf seine Bewegungsfähigkeiten erhält, hängt immer von der Situation und der gelösten Aufgabe ab. Durch diese ständigen Erweiterungen kann der Spieler immer neue Geheimnisse auf den Planeten lüften und zuvor nicht erreichbare Levelabschnitte werden sich durch den Einsatz neuer Fähigkeiten früher oder später erschließen. Bei Metroid Prime handelt es sich somit keineswegs um ein lineares Spiel, denn es kommt sehr häufig vor, dass Samus auf ihrer Reise zu einem früheren Ort zurückkehren muss, wo sie nun auf höhere gelegene Ebenen gelangen oder versteckte Pfade ausfindig machen kann, die sie zu weiteren Geheimnissen auf Tallon IV führen.

Durch dieses ausgeklügelte Belohnungssystem steigt die Motivationskurve des Spielers mit zunehmender Spieldauer beständig an, zudem bleibt unsere Heldin aufgrund einer Vielzahl an versteckten Items und Bonusarealen nie an einer bestimmen Stelle hilflos stecken, da es in der Regel immer noch weitere zu erforschende Landschaften gibt, die man noch nicht eingehend untersucht hat. Dieses Feature hat sich bisher bei allen Teilen der Serie bewährt und findet in Metroid Prime einen neuen Höhepunkt, da sich den Entwicklern aufgrund der dreidimensionalen Struktur des Spiels ganz neue Wege im Bezug auf das Leveldesign eröffnen.

Trotz diesen neuen Möglichkeiten haben die Retro Studios den Schwerpunkt nicht auf innovative Neuerungen gesetzt, sondern man konzentrierte sich bei der Gestaltung des Spiels bewusst auf beliebte Elemente aus den Prequels. Eine Rückkehr feiert auch der allseits beliebte Morph Ball, mit dessen Hilfe Samus sich zusammenrollen und somit problemlos durch Lüftungsschächte und andere enge Passagen bewegen kann. In einigen Situationen wechselt die Kamera in eine starre zweidimensionale Frontansicht, damit man bei dem Manövrieren entlang komplizierter Tunnels nicht den Überblick verliert, was von den Entwicklern aber sehr gut gelöst wurde.

Technik aus der Zukunft

Auf technischer Ebene haben die Programmierer ganze Arbeit geleistet, was unschwer an den veröffentlichten Screenshots zu erkennen ist. Die Texturen in dem Spiel wirken sehr detailliert und können durch ein abwechslungsreiches Design vollauf überzeugen, gleiches gilt für die Animationen der Gegner. Zudem scheint das Geschehen auf dem Bildschirm immer äußerst flüssig abzulaufen, befürchtete Ruckelorgien bei hohem Gegneraufkommen sind also nicht zu erwarten. Erstaunlich ist zudem der extrem hohe Detailgrad, den die Entwickler liebevoll in das finale Spiel integriert haben. So wirken die eigentlich oftmals verlassenen Welten sehr authentisch, und kleine Elemente wie vorbei fliegende Vögel hauchen dem Spiel einen gewissen Grad an Lebendigkeit ein. Doch gibt es eine weitere Vielzahl an subtilen Effekten, die den Spieler entzücken dürften. So beschlägt sich das Visier von Samus in kalten Gegenden mit Wasserdampf, bei feuchtem Wetter kann man einzelne Regentropfen auf ihrem Schutzhelm erkennen. Diese und viele weitere Details sorgen dafür, dass der Spieler sich in eine authentische Welt hineinversetzt fühlt und diese aufgrund der beeindruckenden Technik und dem spannenden Handlungsplot nicht mehr so schnell verlassen will.

Über die musikalische Gestaltung lässt sich bisher noch nicht allzu viel sagen, doch kann man davon ausgehen, dass die Hintergrundmelodien wie bei den Vorgängern primär zur Gestaltung einer beklemmenden und überzeugenden Atmosphäre eingesetzt werden. Die Tatsache, dass Kenji Yamamoto von Nintendos Entwicklungsabteilung R&D1 (Research & Development) wieder einmal für den Soundtrack und die die dazu passenden Soundeffekte verantwortlich ist, dürfte Fans der Vorgänger auf jeden Fall erfreuen. Somit kann man also getrost davon ausgehen, dass Metroid Prime auch in Sachen Sounddesign zur absoluten Spitzenklasse auf dem Nintendo GameCube gehören wird.

 

Metroid Prime [XBOX , Justgamers]

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