Armed and Dangerous

Review
Plattform
XBOX
Vertrieb
LucasArts
Entwickler
LucasArts
Erscheinungsdatum
-
Genre
Action
USK
16
Armed and Dangerous [XBOX , Justgamers]

Gesamtwertung

70%/10

Grafik

Gut

Sound

Befriedigend

Lanzeitspaß

Ausreichend

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Armed and Dangerous

Von schottischen Maulwürfen und zurückgebliebenen Königssöhnen…

Videospielgeschichten setzen meist auf stereotype Charaktere und Handlungen, die sich nicht selten selbst zu ernst nehmen. Ob nun der Bauersohn, welcher durch diverse Irrungen und Wirrungen die Welt vor dem Untergang rettet und nebenbei das Herz einer Prinzessin erobert, oder der emotionslose Elite-Agent, der selbst im Angesicht des Todes einen lockeren Spruch auf den Lippen hat, der Pathos regiert auf Xbox, GameCube und PlayStation2. Etwas lockerer geht man da bei Planet Moon an die Arbeit. Anstatt Solid Snake oder Tidus erwartet euch hier die Viererbande der Löwenherzen, welche sich aus solch illustren Figuren wie dem englischen Kampfdroiden Q oder dem zerstörungswütigen Dieb Rom zusammensetzt. Da die fiktive Welt Milola gerade wieder einmal vom bösen Tyrannen Forge unterdrückt wird, machen sich die Vier auf, um das Buch der Macht an sich zu reißen, welches der Legende nach dem Besitzer unbeschreibliche Kraft zuspricht.

Was sich bis hierhin noch wie ein Klischee aus dem Hause Grimm anhört, wird durch den stark sarkastischen Humor der Zwischensequenzen zu einem Abenteuer der besonderen Art. In unzähligen Rendersequenzen erwarten euch derbe Wortwitze, amüsante Anspielungen auf die Star Wars-Triologie und abstruse Szenen, die selbst „Dumm und Dümmer“ wie Bildungsfernsehern erscheinen lassen. Zwar zündet nicht jeder Gag, dennoch sorgt allein die Menge an Witzen für den einen oder anderen Lacher und insgesamt muss man „Armed and Dangerous“ zu Gute halten, dass der Humor niemals aufgesetzt wirkt.

Leider haben viele der Wortwitze der US-Version unter der stellenweise desaströsen deutschen Lokalisierung zu leiden. Sicherlich ist es von Publisher Activision löblich gewesen, den Titel komplett ins Deutsche zu übersetzen – zumal die amerikanische Version aufgrund unterschiedlichster Dialekte mit Schul-Englisch nur extrem schwer zu verstehen gewesen wäre –, jedoch verpatzen die deutschen Sprecher selbst die einfachste Pointe und wo die Dialekte im Englischen noch witzig waren, sorgt das Bayrisch oder Sächsisch der deutschen Sprecher für reines Grauen. Unverständlicherweise ist ein Umstellen der Sprachausgabe für Englischkundige nicht möglich. Auf der DVD befindet sich nur die deutsche Tonspur.

Lasst uns etwas in die Luft sprengen!

Da verwundert es nicht, dass auch euer Alter Ego Rom meist lethargisch seine Zeilen von sich gibt. Doch umso emotionsloser die Sprachausgabe, umso actiongeladener das Gameplay des Third-Person-Titels. Im Verlauf der 21 Missionen andauernden Kampagne ballert ihr euch durch stets sehr lineare Level und erschießt alles, was sich bewegt und wenn es sein muss, auch alles, was sich nicht bewegt. Dank Havok-Physik-Engine lässt sich jeder Baum, jedes Gebäude und jedes noch so kleine Levelobjekt physikalisch korrekt auseinander nehmen. Unterbrochen wird die Instant-Action durch gelegentliche Jet Pack-Missionen, in welchen ihr mit einem Düsenrucksack durch die Abschnitte fliegt. Des Weiteren gibt es Sequenzen in einem Geschützturm, in dem ihr euch von einer stationären Position aus gegen ganze Gegnerhorden erwehren müsst.

Der Humor der Zwischensequenzen findet sich dabei auch im Spiel selbst wieder. Neben üblichen Waffen wie einem Maschinengewehr findet ihr im Verlauf eures Abenteuers solche „Hai End“-Waffen wie das kleinste Schwarze Loch der Welt oder eben einen Granatwerfer, der mit lebenden Haien um sich schießt. Zusätzlich gibt es allerlei Sekundärwaffen, mit welchen sich beispielsweise kurzzeitig das Universum umdrehen lässt, so dass die Gegner Richtung Himmel fallen. Doch obgleich die Waffenauswahl recht umfangreich geworden ist, dürften die meisten Spieler bei der übermächtigen Maschinenpistole bleiben, welche ihr schon recht früh im Abenteuer erhaltet. Dank viel Munition, einem schon zu genauen Auto-Aiming, welches sich jedoch auch auf Wunsch abstellen lässt, sowie einer unmenschlichen Feuerrate gibt es kaum eine Waffe, mit der sich die Gegnerhorden leichter aus dem Verkehr ziehen lassen.

Zumal eure Widersacher nicht gerade sehr schlau agieren. Die sich ständig wiederholenden Gegnertypen laufen meist stur auf euch zu und stellen einzig durch ihre ungeheure Masse eine echte Gefahr dar. Doch obgleich ihr gelegentlich mit 30 oder mehr Widersachern konfrontiert werdet, ist der Schwierigkeitsgrad sehr moderat ausgefallen, so dass selbst Anfänger den Abspann in weniger als zehn Stunden zu Gesicht kriegen sollten. Freispielbare Extras und Bonusmissionen sorgen danach für einen gewissen Wiederspielwert für all jene, die dem repetitiven Gameplay noch nicht überdrüssig geworden sind. Da der Titel über eine Xbox Live-Unterstützung für Download-Content verfügt, kann man zudem in nächster Zukunft mit zusätzlichen Missionen rechnen. Einen echten Mehrspielermodus – offline oder online – sucht mach jedoch vergebens. Angesichts des actionreichen Spielprinzips, welches vortrefflich für Deathmatch-Duelle geeignet gewesen wäre, mehr als schade.

Audiovisuelles Damoklesschwert

Technisch gibt sich der Titel recht zweigeteilt. Zwar kann das Spiel durch seine enorme Weitsicht überzeugen und auch die Texturen sind größtenteils recht gelungen, dafür sind die Animationen gerade in den Zwischensequenzen sehr abgehakt und vor allem die Modelle der Figuren wirken stellenweise einfach nur abschreckend. Das Charakterdesign kann man bestenfalls als gewöhnungsbedürftig einstufen und die unzähligen Clipping-Fehler an der Kleidung und dem Skelettmodell der Figuren dürfen heutzutage schlicht nicht mehr passieren. Zudem dürften sich viele Spieler an den dicken, schwarzen Balken oberhalb und unterhalb des Bildschirms stören. Das Spiel läuft von Werk aus im Letterbox-Modus, was ausnahmsweise nicht das Ergebnis einer schlechter PAL-Konvertierung ist, sondern von den Entwicklern gewollt.

Wohl weniger gewollt sind dagegen die Aussetzer bei der Hintergrundmusik. Diese wird so schon nur dezent eingesetzt, bricht jedoch periodisch ohne einen Grund ab. Besser gefallen dagegen die Soundeffekte. Wenn Rom seine Waffen abfeuert oder ein Haus in die Luft sprengt, sorgt ein wuchtiger Bass für die richtige Stimmung in der Bude. Die Dolby Digital 5.1-Unterstützung gehört dabei schon zum guten Ton. Über die oben schon angesprochenen Mängel der Sprachausgabe hüllen wir hier den Mantel des Schweigens.

Fazit

„Armed and Dangerous“ fällt unter die – zugegebenermaßen seltene – Kategorie von Titeln, die man eher wegen ihrer Hintergrundgeschichte, als wegen dem Spielinhalt an sich durchspielt. Die aberwitzigen Zwischensequenzen motivieren einen immer wieder aufs Neue, sich durch die auf Dauer monotonen Action-Abschnitte zu schießen. Zwar musste der Wortwitz der englischen Version unter der stellenweise arg misslungenen deutschen Lokalisierung leiden, dennoch sorgen die stellenweise mehrminütigen Videos immer noch für den einen oder anderen Lacher. Wer sich jedoch ein hochwertige Actionkost im Stile des Quasi-Vorgängers „Giants“ erhofft hat, wird maßlos enttäuscht werden. Die schnelle Action benötigt keinerlei taktisches Geschick und auch wenn sich die Missionsziele gelegentlich ändern, im Endeffekt lauft ihr stets von Punkt A nach Punkt B des extrem linearen Levels und schießt alles ab, was euch vor die Flinte kommt. Dies macht – nicht zuletzt dank der Einbindung der Havok-Physik-Engine - einige Minuten noch Spaß, nach einer Stunde dürfte jedoch selbst der größte Arcade-Fan nach mehr Tiefe und Abwechslung schreien.

Armed and Dangerous [XBOX , Justgamers]

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