Gesamtwertung58%/10 |
GrafikGut SoundUngenügend |
LanzeitspaßMangelhaft SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Der Name Bruce Lee steht nicht nur bei Freunden des Kampfsports, für Action-Kino mit einer geballten Ladung fernöstlicher Kampfkunst und einer Prise zynischen Humors. Seine Filme sorgen auch heute noch für einen unterhaltsamen Abend vor dem heimischen TV Gerät. Das allein sollte schon Grund genug sein, Bruce Lee auch in Videospielen unterzubringen. Der Versuch wurde jedoch vergleichsweise selten unternommen. Besitzer eines Super Nintendo werden sich vielleicht an ein Modul Dragon The Bruce Lee Story erinnern, das wars dann aber auch schon. Auf dem Super Nintendo hatte man jedoch nicht den Anspruch, eine realistische Kampfsport-Simulation hervorzubringen, auf der Xbox hingegen, sollte dieses Unterfangen jetzt gelingen.
Realistische Umsetzung des Jeet Kune Do
Bei Bruce Lee Quest of the Dragon handelt es sich um ein Kampfsportspiel, welches primär ganz nach der Tradition der alten 2D Side Scroller gespielt wird. Die Power einer XBOX sollte es jedoch möglich machen, die von Bruce Lee entwickelte Kampfkunst so real wie möglich auf den Bildschirm zu bringen. Um dies zu realisieren, hat man bei Ronin Interaktive, den Entwicklern von Bruce Lee Quest of the Dragon, voll und ganz auf Motion-Capturing gesetzt. Hierzu soll laut Aussagen der Entwickler eine hoch entwickelte künstliche Intelligenz, die auf unterschiedliche Verhaltensweisen von 30 Charakteren aufbaut, für eine möglichst reale Umsetzung der Kampfkunst beitragen.
Während die Umsetzung der von Bruce Lee entwickelten Kampfkunst noch als wirklich gelungen bezeichnet werden kann, fehlt die künstliche Intelligenz komplett.
Hier werden einfach nur, wie es in Spielen dieser Art üblich ist, an bestimmten Stellen die Gegner eingesetzt, die dann auf den Spieler einstürmen und je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad leichter oder schwerer zu besiegen sind. Das war natürlich auch nicht anders zu erwarten, jedoch könnte ein Blick auf die Rückseite der Spielverpackung durchaus zu der Annahme verleiten, dass die Gegner von so etwas wie künstlicher Intelligenz geleitet werden. Das Charakterdesign von Bruce Lee, sowie seiner insgesamt 30 Gegnern, kann als gelungen bezeichnet werden. Dank polygonreicher Charaktere sieht Bruce selber, als auch seine Gegner, phantastisch aus. Rechnet man das nun auf ein Prügelspiel runter, könnten dem zum Kauf gewillten Spieler doch ein paar spaßige und unterhaltsame Stunden ins Haus stehen.
Die ersten Minuten des Spiels wirken jedoch derart frustrierend, dass selbst den gutgläubigsten Spielern dieser vollkommen verloren geht.
Bruce Lee bewegt sich schrecklich gekünstelt und er gibt Laute von sich, die einfach jeder Beschreibung spotten. Er quietscht wie eine Gans, die vor Ihrem Schlachter davon läuft und verzweifelt versucht dem Beil Ihres Peinigers zu entgehen. Es ist wirklich unvorstellbar peinlich, zu welchen Lauten man Bruce Lee hier genötigt hat. Zu diesem Zeitpunkt spricht nichts dagegen, das Spiel für immer und ewig dort stehen zu lassen, wo es dem Gehör und dem Geldbeutel nicht schadet: im Regal des Händlers. Spätestens seit dieser Testversion ist uns klar, wie wichtig ein guter Sound und passende Sprachsamples für den Spielspaß sind. Es kann und darf niemanden verwundern, wenn ein Spieler sofort nach Einlegen der DVD dieses Spiel nicht mehr beachtet. Als unermüdliche Spielestester schrecken wir jedoch vor nichts zurück und haben uns auch durch den Rest des Spiels gekämpft. Zu unseren gequälten Ohren kommt dann allerdings das, was eigentlich zu erwarten war: Das Spielgeschehen besteht nur darin, die Gegner zu bekämpfen, wobei es schlicht keine geheimen Ecken zu entdecken gibt oder etwas anderes getan werden müsste, als permanent auf den A Button zu kloppen. Eigentlich ist es gar nicht nötig die anderen Buttons zu beachten, Bruce Lee Quest of the Dragon lässt sich komplett durch Betätigen der A Taste durchspielen.
Das wirklich Schlimme daran ist, dass ungefähr 200 Moves zur Auswahl stehen, die erlernt werden können, jedoch einfach nicht gebraucht werden. Wozu macht man sich die Mühe die ganzen Moves ins Spiel zu implementieren, wenn man das Game komplett mit einer einzigen Taste beenden kann? Auf der spielerischen Ebene kann das Ninja-Abenteuer somit nichts mehr reißen und doch gibt es noch etwas was nach dem Durchspielen zum Weiterspielen verleitet.
Wer die Abenteuer-Kämpfe erfolgreich beendet, wird mit dem Arena-Modus belohnt, der es dem Spieler erlaubt, wie in traditionellen Beat em Ups gegen alle aus dem Abenteuer-Kampf bekannten Gegnern anzutreten. Auch wenn hier prinzipiell kaum der Einsatz der Moves verlangt wird, hätte man viel vom Spiel verpasst.
Steuerung und Spielbarkeit
Die Steuerung ist teilweise gut gelungen. Am besten geht es, wenn man Bruce Lee mit dem digitalen Pad steuert und die analogen Sticks nicht berührt. Entscheidet man sich dennoch dazu, mit den analogen Sticks zu spielen, hat man die Möglichkeit mit dem rechten Stick Schläge auszuführen. Das ist jedoch unpraktisch und führt nur zu Luftschlägen, wobei man dann natürlich leichtes Futter für die Gegner ist. Die Moves lassen sich im Umgang mit dem digitalen Pad leicht bewältigen, was es auch Anfängern möglich macht, das Spiel zu beherrschen.
Die Spielbarkeit ist, wenn man von dem Buttongekloppe absieht, recht ansprechend gelöst. Hat man es mit mehreren Gegnern zu tun, was durchaus zur Tagesordnung eines Bruce Lee gehört, macht sich die Autoanvisierung bezahlt. Wird man von hinten angegriffen, führt Bruce schon mal ein paar geschmeidige Schläge nach hinten aus, ohne dass man dies beabsichtigt hätte.
Technik & Grafik
Grafisch bietet Bruce Lee einige wirklich sehenswerte Areale, die zum verprügeln von Schurken einladen. Es wirkt zwar etwas störend, dass die Umgebung stark eingegrenzt ist, aber schließlich ist es ja ein Beat´em Up und kein Adventure.
Die Animationen wirken leicht aufgesetzt und künstlich, können jedoch durch gute Modelle überzeugen. Bei der Technik fallen manchmal kleinere Fehler auf, die speziell beim Scrollen an einen PC erinnern, auf dem man das VSync abgeschaltet hat. Auf dem PC machen das viele Spieler, um die Grafikkarte nicht auszubremsen und das meiste aus Ihrer Grafikkarte zu holen. Nüchtern betrachtet, ist es jedoch fraglich, ob man dadurch tatsächlich einen Leistungsgewinn erzielen kann. Es hat meistens den negativen Effekt, dass das Bild beim Scrollen zum Schlieren neigt, etwas was auf einer Konsole wirklich überflüssig ist. Auch wenn man die XBOX mit Komponenten aus dem PC Lager gebaut hat, gibt es mittlerweile genügend Beispiele dafür, dass es anders geht, allen voran der Megaprügler Dead or Alive 3. Leider kann Bruce Lee Quest of the Dragon einen solchen Anspruch nicht erfüllen...
Das ganze Spiel ist ein einziges Tastengekloppe, im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist einfach nur traurig, wenn man nach dem Durchspielen dass Handbuch aus der Hülle zieht und verdutzt feststellt, welche Möglichkeiten man hätte haben können. Aber was soll das ganze wenn und aber, man kann Bruce Lee Quest of the Dragon einfach nur als unterdurchschnittlich schlecht bezeichnen. Was hilft die teilweise sehenswerte Grafik und die wirklich realistisch umgesetzte, von Bruce Lee entwickelte Kampfsportart Jeet Kune Do, wenn die Grundelemente nicht stimmig sind?
Darum kann ich nur jedem empfehlen, die Finger von dem Spiel zu lassen oder aber es zwingend Probe zu spielen. Für wirklich Hartgesottene Fans von Bruce Lee, zu denen ich mich prinzipiell zählen darf, ist das Spiel diesen Blick durchaus wert. Nur große Erwartungen darf man auf keinen Fall in dieses Spiel legen. Wer sich auf das Spiel einlässt, kann sich nach durchspielen des zu kurzen Storymodus immerhin an einem besseren Kampf Modus erfreuen. Die meisten werden diesen jedoch nie zu Gesicht bekommen und sich einfach nur über verschwendete 50 ärgern.
Die Wertung bezieht sich auch auf die teils ansehnliche Grafik und den umgesetzten Kampfstil.
Bruce Lee Quest of the Dragon im Test.
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