Carve
Schnitzende Jet-Ski Fahrer?
Bevor wir näher auf das Jet-Ski Abenteuer eingehen, sollten wir uns zunächst einmal mit dem titelgebenden Begriff Carve auseinandersetzen. Dieser kommt aus dem Englischen und bedeutet soviel wie schnitzen oder zerlegen. Beschäftigt man sich jedoch eine Weile damit, merkt man, dass der Begriff augenscheinlich nur wenig mit dem Spiel zu tun hat. Vielleicht gibt es im späteren Verlauf des Wassersport-Neulings eine Sonderfunktion, die euren Fahrer aussehen lässt wie ein Holzarbeiter?! Wahrscheinlicher ist da schon, dass damit die Einschnitte bezeichnet werden, die euer Gefährt macht, wenn es in die Wasseroberfläche schneidet.
Über Werbeeinlagen und Spielerprofile
In Carve werden euch viele Ziele gesetzt, der erste Auftrag lautet dabei: Drück dich durch die unvermeidlichen Werbeeinlagen und das Intro, denn beim ersten Start des Spiels werdet ihr zunächst einmal mit recht langer Entwickler- und Publisherverewigung konfrontiert. Nach diesen Schrecksekunden werden euch alle Fahrer, welche immer in Teams antreten, in einem ausgiebigen Einleitungsvideo vorgestellt. Merkwürdigerweise setzen sich diese Teams immer aus Geschwistern zusammen, so fahren stets Bruder und Bruder Seite an Seite oder auch mal Bruder und Schwester. Im Jet-Ski Sport wird Familiarität scheinbar großgeschrieben. Leider geht es nach der Teamwahl immer noch nicht direkt ans Eingemachte, sprich die Action, denn um in den Genuss des Jet-Skifahrens zu kommen, müsst ihr erst euer persönliches Profil einrichten. Im Laufe des Spiels habt ihr die Möglichkeit fünf Spielerprofile zu erstellen, mit welchen ihr Strecken, Fahrzeuge, Tricks und Cheats freispielen könnt. Um diese wieder zu löschen, muss man sich leider erst umständlich in das Xbox-Festplatten Menü begeben und dort die Profile manuell entfernen.
Nach diesen Finger-Aufwärmübungen können wir endlich loslegen. Ihr könnt im Hauptmenü sodann zwischen den Modi Schnelles Rennen, Arcarde, Turnier, Tutorial und den Multiplayer-Funktionen System Link und Xbox Live wählen. Gehen wir erst einmal auf den wichtigsten Modus des Spiels ein wenig näher ein: das Turnier. Hier könnt ihr euch quer durch Europa, über die USA, bis hin zum Nordpol durch verschiedene Events kämpfen, welche in die Klassen Anfänger, Amateur und Profi gegliedert sind. Vor jeder Turnierrunde werden euch die Anforderungen für den Sieg und damit zum Freischalten von verschiedenen Fahrzeugen, Tricks, Cheats und Strecken präsentiert. Ausschlaggebend ist dabei der Gesamtrang, den ihr in der Wertung belegen müsst, um überhaupt für die nächste Strecke zugelassen zu werden. Außerdem werden euch die ebenso erforderlichen Trickpunkte, welche ihr mit rasanten Flugeinlagen über Rampen einfahren könnt, positiv angerechnet.
Leider ist der Übergang von Anfänger zu Amateur und Profi nicht wirklich gelungen, denn der Schwierigkeitsgrad geht unerwartet steil in die Höhe. Diese eher negative Eigenschaft von Carve stellt leider auch einen der größten Kritikpunkte der Wasserschlacht dar. Versöhnt wird man wenigstens wieder mit der Möglichkeit, die freigeschalteten Features und Strecken dann in einem schnellen Rennen oder im Arcade-Modus mit zwei bis vier Spielern verwenden zu dürfen. Gleiches gilt auch für die Rennen auf Zeit. Im Allgemeinen gibt sich Carve recht anspruchslos und verfügt nicht über das gewollte Fahrvergnügen, welches die meisten Xbox-Spieler mit dem Kauf des Titels erwarten. Auch im System-Link, welches ebenso als Multiplayer-Verbindung genutzt werden kann, kommt Spielspass nur wenige Minuten auf.
Xbox Live = Tote Hose?
Während der gesamten Testzeit mit Carve konnten wir leider keinen einzigen Online-Spieler in Microsofts Xbox-Portal zu einer Runde Carve herausfordern. Es scheint so, als ziehe der Budget-Titel weniger multiplayerbegeisterte Zocker an als vergleichbare Live-Spiele, was einerseits verständlich, andererseits dennoch enttäuschend ist, wenn man mal ein Duell gegen menschliche Spieler herbeisehnt. Das Prinzip ist aber das gleiche wie in anderen Live-Spielen. Es gibt die Schnell ins Spiel Funktion, mit der ihr euch in ein beliebiges Spiel einloggt und sofort mitfahren könnt, sowie das Optimatch, mit welchem ihr zum Beispiel Mitspieler aus einem bestimmten Land finden, oder immer eure Lieblingsstrecke fahren könnt. Zusätzlich könnt ihr natürlich noch in eure Freundesliste schauen, falls es euch zu langweilig wird alleine durch die Welt zu rasen.
Grafik und Sound von vor zwei Jahren?
Die Millionenfrage: Was ist das wichtigste in einem Wassersportspiel? ... Spannung ... Genau, die Wassereffekte. Leider müssen wir euch mitteilen, dass diese in Carve nicht einmal annähernd so gelungen ausfallen wie jene aus dem Vergleichstitel Splashdown. Die Einschnitte des Jet-Skis auf der Wasseroberfläche sind lieblos dargestellt und auch die Fahrzeuge an sich protzen nicht gerade vor Detailreichtum. Die Entwickler setzten scheinbar eher auf in Splashdown vernachlässigte Grafikelemente: die Umgebungen. Diese werden mit einer wunderbaren Kantenglättung versehen und pushen das Feeling der einzelnen Abschnitte und Ortschaften durch die ihr fahrt geradezu in die Höhe. Immerhin eine kleine Entschädigung für die unzureichende Wasser-Darstellung.
Ein weiterer Kritikpunkt ist der Sound, welcher wirklich sehr einseitig daherkommt. Man hätte vielleicht auch andere Musikarten, außer dem enthaltenen Rock, oder sogar länderspezifische Songs in Carve einbringen können. Um diesen Schandfleck zu beseitigen, hätten die Entwickler wenigstens die Funktion einbauen können, dass man seine eigenen Musiktitel von der Festplatte der Xbox laden kann. So bleibt es leider eintönig trist in Sachen Sound.
Fazit
Leider fällt es Carve von Take 2 deutlich schwer, sich gegen den schon älteren Titel Splashdown 2 durchzusetzen. Die Steuerung ist zwar leicht zu erlernen, dennoch fehlt es an echtem Fahrgefühl, wodurch kaum Spielspass entsteht. Auch mit den kleinen Cheat-Features und Trickkombos entsteht nicht das gewollte Fahrerlebnis, wodurch das Pad schneller wieder im Regal liegen bleibt als erhofft. Die verschiedenen Spielmodi um Einzel- und Multiplayer sind größtenteils einfallslos gestaltet und auch in Sachen Grafik und Sound kommt das Spiel nur bedingt an das oben genannte Jet-Ski Vorbild heran, welches nach wie vor Genrereferenz ist. Da Splashdown 2 allerdings nur auf der PS2 erhältlich ist und es an Alternativen auf der Xbox ziemlich mangelt, darf man zumindest mal einen vorsichtigen Blick auf Carve riskieren, welches immerhin zu einem Preis von 30 Euro veröffentlicht wurde.
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