Conker: Live & Reloaded

Review
Plattform
XBOX
Vertrieb
Microsoft
Entwickler
Rare
Erscheinungsdatum
-
Genre
Abenteuer
USK
16
 [XBOX , looki.de]

Gesamtwertung

88%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Als eines der letzten Spiele für die Nintendo 64 Konsole erschien Conker‘s Bad Fur Day noch Anno 2001 und sorgte noch einmal für kleine Begeisterungsstürme. Die Kombination aus Kinderspiel-Optik und derbem Humor kam so gut an, dass Rare sich (schon vor Jahren) entschloss, das Spiel auf die Xbox zu portieren und durch einen komplett neuen Mehrspielerpart zu ergänzen.

Nach der Party folgt das böse Erwachen: Schluckspecht Conker, der ab und an mal einen über den Durst trinkt, wacht nach einer durchzechten Nacht sichtlich verkatert auf. Zu seinem Unglück findet er sich dabei irgendwo in der freien Natur und nicht in der Wohnung seiner Freundin, die er am Vorabend noch heimsuchen wollte, wieder. Als Conker, immer noch von der hochprozentigen Nacht gezeichnet, den Heimweg antritt, ahnt er noch nicht, dass der wohl schlechteste Tag seines Eichhörnchenlebens gerade erst begonnen hat.

Im Vergleich zum N64-Original ist der Singleplayerpart Conker’s Bad Fur Day inhaltlich nahezu unverändert. Lediglich ein paar neue Gegner wurden hinzugefügt, das Spiel natürlich aber grafisch auch stark aufgebohrt. Die schönen bunten und weitläufigen Level laden geradezu zum Weiterspielen ein. Viele kleine Teilaufgaben sorgen zudem abseits einiger Hüpf- und Kletterpassagen für genügend Abwechslung.

Conkers Lebensenergie besteht aus Schokolade und wird durch zahlreiche kleinere und einige wenige große Monster gefährdet. Ein wehrloses Mäuschen ist Conker dabei nicht, weiß er sich doch mit Bratpfannen, Baseball-Schlägern oder Maschinengewehren zu verteidigen.

Sind die (sechs) kleinen, lebensgebenden Schoko-Täfelchen aufgebraucht, bekommt das versoffene Eichhörnchen einen Termin beim Sensenmann.

Weil Eichhörnchen aber genau so wie Katzen einen tollen Schwanz haben, stehen ihnen auch mehrere Leben zur Verfügung. Sowohl Schokoladenstücke als auch Ersatz-Schwänze sind in alter Jump’n’Run-Manier in den Leveln verteilt und sollten fleißig eingesammelt werden, macht der recht hohe Schwierigkeitsgrad doch gerade Anfängern das Leben Conkers schwer und oft sehr kurz. Sind die Schwänze dann doch einmal aufgebraucht, muss das Spiel nicht zwingend von Neuem begonnen werden. Das Laden eines alten und stets automatisch generierten Savegames tut es auch.

Besondere Gelegenheiten bieten sich, findet unser Held eine so genannte “Kontextzone“. Befindet man sich auf dieser, führt Conker durch einen Druck auf die B-Taste eine Spezial-Aktion aus, die in der jeweiligen Situation recht nützlich sein dürfte. Einem singenden Scheißhaufen kann so z.B. mit Toilettenpapier das Maul gestopft werden, gleich zu Beginn des Spiels kommt Conker auf die Idee, den Restalkohol mit hochdosierter Chemie in Tablettenform zu beseitigen.

Mitunter bedient sich Conker auch einigen Fortbewegungsmitteln. So kann ebenso wie auf einem kleinen Dinosaurier auch auf einer hüpfenden Mistgabel geritten und auf einem Jetboard geflogen werden. Im späteren Spielverlauf ist man dann im Körper einer Vampirfledermaus unterwegs und sollte tunlichst dafür sorgen, nicht “aufgepflockt” zu werden.

Die zahlreichen Filmzitate aus modernen Klassikern wie Matrix oder Star Wars sind durchweg sehr amüsant, die teilweise recht derben Äußerungen der Charaktere und Anzüglichkeiten dürften ebenfalls jedem ein Grinsen ins Gesicht treiben. Weil viele angesichts einer misslungenen Synchronisation herumjammern, ließ man die Sprachausgabe unsynchronisiert, also Englisch. Natürlich könnte man aber auch behaupten, Microsoft hat die Sprachausgabe aus Kostengründen unberührt gelassen und nur aus Geiz durch simple, in Deutsch gehaltene und im übrigen nicht abschaltbare Sprechblasen ersetzt.

So niedlich die Grafik des Spiels auch ist, so böse und zynisch sind die (Äußerungen der) Charaktere. Auch der Splatterfaktor spielte wohl bei der USK-Einstufung “Freigegeben ab 16 Jahren” eine Rolle, fliegen doch mitunter ganze Körperteile durch die Gegend oder gehen Köpfe platzend zu Bruch. Mitunter fließt das Blut auch gleich den Bildschirm herunter. Für Kinder sind Conkers Abenteuer also kaum geeignet.

Wie bei Jump’n’Runs üblich, spielt die Steuerung und Kameraperpsektive eine große Rolle. Beides wurde in Conker: Live & Reloaded recht gut gelöst. Missfallen hat mir allerdings, dass die Kamera beim Zücken einer Waffe stets stark an Conker heranzoomt und so ein gutes Stück der Übersichtlichkeit verloren geht. Auch könnte die Steuerung noch einen Tick genauer sein, würde dies doch einige der Spring-Aufgaben erleichtern.

Das Oberkommando der Eichhörnchen (kurz: OKE) rückt in den Kampf gegen die Erzfeinde der Eichhörnchen, die Tediz, aus. Unter Zuhilfenahme von Technologie, die Zeitreisen ermöglicht, begeben sich die Soldaten beider Parteien nicht nur auf Schlachtfelder der Gegenwart, sondern unterstützen auch ihre Kameraden in den großen Kämpfen des “Alten Krieges” und der Zukunft.

Konkret bedeutet das, dass man sich entweder als Eichhörnchen- oder Tediz-Soldat auf insgesamt acht Multiplayermaps vergnügen kann. Verschiedene Spielmodi stehen ebenfalls zur Auswahl. Neben dem klassischen Team Deathmatch Modus gibt es auch in mehrere Teilaufgaben gesplitterte Missionen, die man als Team zu erledigen hat. Leider sind die Spielmodi für jede Map festgelegt und unveränderlich. Auf der an die Landung der Alliierten ähnelnden Karte “Tod am Strand” kann so eben nur im Missions-Modus gespielt werden, die futuristische Arena “Der Engpass” bietet nur die simple Teamschlacht. Leider wird auf der Spielhülle nicht der Punkt “Downloadable Content” aufgeführt. So wird man wohl leider auf der mageren Anzahl von acht Maps sitzen bleiben.

Wer braucht für die Xbox schon noch ein Battlefield, wenn Conker: Live & Reloaded ebenso über mehrere Klassen und sogar einige Fahrzeuge verfügt. Den gemeinen Infanteristen bezeichnet Rare als “Dreckfresser”. Mit einem normalen Maschinengewehr ausgestattet verursacht dieser zwar nicht so viel Schaden wie der Bazooka-tragende Demolierer, ist dafür aber flinker zu Fuß. Insgesamt sind sechs Kämpferklassen verfügbar. Eine jede verfügt über mindestens eine Spezialfähigkeit. Der Himmelsstürmer, die Pilotenklasse des Spiels, ist dabei nur auf Karten verfügbar, in denen auch tatsächlich Fluggerät vorhanden ist. Zwei Flugzeuge gibt es dabei: Das einsitzige “Ross” zum einen, den “Dumbo 52”-Mehrsitzer zum anderen. Letzterer bietet als Truppentransporter mehrere Geschützposten, die auch von anderen Klassen besetzt werden können. Neben den Fliegern bieten einige Karten aber auch Panzer, Quads oder leichte Geländewagen. An Terminals im Spawn-Bereich können zudem automatisch agierende Geschütztürme “bestellt” werden. Der kleine Haken dieser Verteidigungseinrichtungen ist jedoch, dass sie genau wie auch verfügbare Minen und Portale zunächst zum Einsatzort getragen und dort montiert bzw. aufgestellt werden müssen.

Ist Conker‘s Bad Fur Day bunt, so ist die grafische Darstellung der Mehrspielerschlachten noch bunter. Die Waffeneffekte sind schön, aber in Kombination mit vielen anderen Explosionen und Schusswechseln leicht verwirrend, geht vor lauter Schüssen und Laserstrahlen doch auch schnell die Übersichtlichkeit flöten. Erschwerend kommt hinzu, dass jede Joypad-Taste je nach Situation mehrere Belegungen hat, was Anfängern zunächst einige Probleme bereiten sollte.

Sowohl im System-Link, als auch im Xbox Live-Modus kann man sich mit bis zu 15 menschlichen Gegnern herumplagen. Hat man überhaupt keine (Online-)Freunde, bietet Conker: Live & Reloaded auch die Möglichkeit, diese durch Bots zu ersetzen. Drei einstellbare Schwierigkeitsstufen sorgen dafür, dass es je nach Können und Geschmack nicht zu schwer oder anspruchslos wird. Das Auffüllen einer gemütlichen, aber spärlich besetzten Xbox Live-Runde funktioniert hingegen leider nicht. An diesen können ausschließlich menschliche Spieler teilnehmen.

Mit zunehmender Erfahrung bzw. steigender Anzahl getöteter Gegner wächst im Xbox Live-Modus nicht nur das Selbstbewusstsein, sondern steigt der angelegte Charakter auch in den militärischen Rängen auf. Opferzahlen im drei- und vierstelligen Bereich bringen beispielsweise zahlreiche Gimmicks wie einen zusätzlichen Granatenslot oder verbesserte Heilungsfähigkeiten ein.

Eine globale XBL-Bestenliste lädt außerdem zum virtuellen Eichhörnchenschwanzvergleich ein. Die Besten haben derzeit weit über 15.000 menschliche Gegner zur Strecke gebracht. Beängstigend.

Fazit

Ein Kinderspiel ist Conker: Live & Reloaded genau so wenig wie die Simpsons ein Teletubbie-Ersatz. Die grobe Gewalt, der sehr erwachsene Humor und knackige Schwierigkeitsgrad empfehlen sich daher eher für erfahrene Spielernaturen. Wer sich mit Conker‘s Bad Fur Day schon auf dem Nintendo 64 auseinander gesetzt hat, sollte die Kaufentscheidung vielleicht davon abhängig machen, ob er den recht gut gelungenen, leider aber auch nicht übermäßig umfangreichen Xbox Live-Modus nutzen kann oder nicht. Die aufgebohrte Grafik und wenigen Änderungen des Singleplayermodus rechtfertigen einen Kauf wohl nicht.

Blieb eine Begegnung mit Conker vorher aus, darf aber sorglos zugegriffen werden. So amüsant und technisch hübsch umgesetzt war ein Xbox-Jump’n’Run lange nicht mehr. Schade eigentlich, dass die schönsten Spiele immer zum Schluss erscheinen…

 [XBOX , looki.de]

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