Gesamtwertung79%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßMangelhaft SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Willkommen in den späten Dreißigern! Die wirtschaftliche Depression hat der weltweiten Globalisierung Einhalt geboten, Amerika ist in Dutzende Einzelstaaten zersplittert, welche sich nun bis aufs Blut bekämpfen und mangels ausreichender Infrastruktur hat sich selbst ihr Nachbar zum Fliegerass gemausert. Wer bei diesen Zeilen beginnt, an seinem Geschichtswissen zu zweifeln, kann beruhigt werden: Hier wird nicht von einer verschlafenen Geschichtsstunde berichtet, vielmehr stellt dieser fiktive Hintergrund die Basis fürs FASAs erfolgreiches Tabletop-Spiel Crimson Skies dar. Selbiges wird nun zum zweiten Mal von Microsoft versoftet. Wie schon beim Erstlingswerk auf dem PC schlüpft ihr in High Road to Revenge in die Rolle des tollkühnen Luftpiraten Nathan Zachery. Als eine Art Robin Hood der Lüfte bekämpft der charmante Recke mit seinen Fortune Hunters allerlei comicmäßig überzogene Bösewichter. Erzählt wird die Geschichte des knapp zehnstündigen Spiels in allerlei Renderzwischensequenzen, sowie mit Hilfe des umfangreichen Funkverkehrs während der Missionen.
Diese sind dabei fast durchwegs nach demselben Schema aufgebaut und erfordern den Abschuss einer bestimmten Anzahl an Gegnern. Gelegentlich verteilte Eskortmissionen, sowie abseits der eigentlichen Handlung Rennparcours sorgen zumindest für ein Mindestmass an Abwechslung im Flieger. Wird es euch in den Lüften auf Dauer zu brenzlig, könnt ihr zudem an bestimmten Stellen euren Luftgleiter gegen ein stationäres Geschütz eintauschen und von Bodennähe feindliche Flieger und besonders schwere Zeppeline unter Beschuss nehmen.
Die Steuerung ist dabei stetig gleich. Die Schultertasten dienen zum Abfeuern euer Primär- und Sekundärwaffe, während ihr mit Hilfe des linken Analogsticks euer derzeitiges Gefährt ausrichtet. In den Fliegern dient die Y-Taste zudem dazu, einen zeitlich begrenzten Boost zu aktivieren, während die B-Taste eure Geschwindigkeit auf ein Minimum reduziert. Eine analoge Geschwindigkeitskontrolle mittels rechtem Stick sucht ihr vergebens. Vielmehr könnt ihr mittels rechtem Daumen selbst komplexeste Flugmanöver wie einen Korkenzieher dank einfachster Tastenkombinationen vom Stapel brechen.
Ebenfalls erfreulich einsteigerfreundlich: die Gesetze der Schwerkraft gelten für euren Flieger nicht, so dass Strömungsabrisse oder ähnliche physikalische Begrenzungen zum Fremdwort für einen Crimson Skies-Piloten werden. Einzig das Zielen erfordert etwas Fingerspitzengefühl. Zwar verfügt das Spiel über ein simples Aiming-System, dennoch muss man stets die Flugrichtung seines Gegners vorausahnen und somit leicht vor das Flugzeug des Gegners feuern.
Um bei dem an sich doch sehr simplen Gameplay auch erfahrene Spieler bei Laune zu halten, haben sich die Entwickler bei Grand Theft Auto bedient und dem Spiel zumindest ein Mindestmaß an spielerischer Handlungsfreiheit spendiert. Während ihr der streng linearen Handlung folgt, könnt ihr immer mal wieder auf eigene Faust die vier Areale des Spiels erkunden und nach Zusatzaufträgen oder versteckten Symbolen suchen. Während ihr mit Hilfe der Symbole nach und nach eure Fluggeräte aufrüsten könnt, bringen die Bonusmissionen Geld in eure Kriegskasse, welches wiederum meist in die Reparatur eurer Flieger geht. Leider wurde diese offene Missionsstruktur nur sehr halbherzig ins Spiel eingebunden, da ihr in einmal verlassene Gebiete nicht zurückkehren könnt und meist schon zu Beginn des Abenteuers so viel Geld ergaunert habt, dass ihr eine Werkstatt im Missionsgebiet vorausgesetzt beliebig oft euren lädierten Flieger reparieren lassen könnt. Da sorgen dann auch die höheren Schwierigkeitsmodi kaum mehr für eine echte Herausforderung. Zumal es egal ist, ob ihr gegen Sonntagsflieger oder den Roten Baron persönlich fliegt, die künstliche Intelligenz eurer Gegenüber lässt fast immer zu Wünschen übrig. Meist fliegen eure Widersacher direkt auf euch zu, ignorieren konsequent euren Beschuss und stürzen sich letztlich zielsicher in den nächsten Berg.
Wer sich bei soviel CPU-Dummheit nach echten Gegnern sehnt, muss auf den umfangreichen Mehrspieler-Modus zurückgreifen. Hier habt ihr die Wahl, entweder mit bis zu drei weiteren Mitstreitern via Splitscreen die Lüfte unsicher zu machen oder mittels fast komplett lagfreiem Xbox Live nach 15 weiteren Onlinerecken Ausschau zu halten. An Modi werden dabei die üblichen Verdächtigen geboten: Neben diversen Deathmatch- und Team-Deathmatch-Modi auf insgesamt fünf Karten könnt ihr euch noch mit dem lustigen Fernhalte-Modus frönen. Hier gilt es, ein Artefakt so lange wie möglich in seinem Besitz zu behalten, während eure Gegner euch ins Visier nehmen.
Grafisch macht der Titel dabei egal ob nun alleine oder im Splitscreen einen bombastischen Eindruck und zeigt auf, zu welchen Glanzleistungen die Xbox bei Exklusiventwicklungen in der Lage ist. Das Spielerauge wird mit einer schier grenzenlose Weitsicht, bonbonfarbenen Spezialeffekten und extrem detaillierten Texturen verwöhnt. Zudem bleibt die Framerate fast durch die Bank auf einem erfreulich hohen Niveau und geht nur alle Jubeljahre in die Knie. Die fein modellierten Fluggeräte, sowie die wunderschönen Animationen von Nathan Zachary, während er sich von einem Fluggerät zum Nächsten schwingt, tun ihr Übriges, um Crimson Skies zu einem der bis dato schönsten Xbox-Titel werden zu lassen.
Da versteht es sich fast von selbst, dass auch der akustische Part nicht nachstehen darf. Der packende Soundtrack sowie eine sehr gelungene deutsche Synchronisation sorgen für Zusatzatmosphäre, während der perfekte Dolby Digital 5.1-Support typisches Mitten drin-Feeling vermittelt. Spieler, die gerne den englischen Stimmen horchen, können zudem mittels Xbox-Spracheinstellungen die Originalsprecher aus der Multilingual-DVD hervorzaubern.
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