Gesamtwertung78%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Nach den massiven Vorab-Infos im Rahmen der Entwicklung von 'Driv3r', sind schon etliche Gameplaydetails zum potenziellen Action- und Rennspiel-Hit durchgesickert. So wurde schon im Vorfeld bekannt, dass Entwickler Reflections auf einen GTA-inspirierten Genremix setzt. Ein packendes Gameplay, bestehend aus traditionellen Driver-Fahrmissionen und GTA-typischer Handlungsfreiheit inklusive Schusswechseln zu Fuß, sollte am Ende auf der Habenseite stehen.
Durch einen filmreif inszenierten Spielverlauf sollte sich 'Driv3r' zudem von der Konkurrenz abheben. Natürlich gehört dazu in erster Linie eine ausgefeilte Storyline in cineastischer Präsentation. Diese Entscheidung zwang die Entwickler allerdings zu einem streng linearen Handlungsstrang, der nur wenig freie Entscheidungen zulässt. Somit liegt der Fokus bei 'Driv3r' nicht wie im Vorfeld angenommen auf einem offenen Gameplay, sondern vielmehr auf dem mit zahlreichen Rendersequenzen ausstaffierten und festgelegten Storyverlauf. Die Geschichte aber entwickelt sich dabei wie ein tempogeladener Hochglanz-Thriller im Kinoformat: ihr schlüpft erneut in die Rolle von Undercover-Spezialist Tanner, auch als der Fahrer bekannt.
Sein aktueller Auftrag führt ihn in die weltweit verstreuten Millionenmetropolen Miami, Nizza und Istanbul. Ein Autoschieberring stiehlt in den beiden erstgenannten Großstädten 40 Edelkarossen im Gesamtwert von 20 Millionen Dollar und koordiniert den Verkauf in die größte türkische Stadt. Schnell wird klar, dass Tanner die Drahtzieher nur dann ausfindig macht, wenn er mal für und mal gegen die US-Autodiebe arbeitet. So müsst ihr auf der einen Seite euer Fahrkönnen als Fluchtfahrer unter Beweis stellen und andererseits eure Fingerfertigkeit im Gebrauch von Schusswaffen zum Besten geben. Wie gesagt besteht das Gameplay in 'Driv3r' aus abwechselnden Fahr- und zu Fuß-Missionen. Den Großteil der über 25 Aufträge machen aber die Aufgaben im Auto aus.
Und so bewältigt ihr die Verfolgungsjagd-Simulation mit über 70 verschiedenen Vehikeln. Euch stehen dabei von Geschwindigkeit geprägte Straßenflitzer, klassische Oldtimer, motorisierte Zweiräder oder durchschnittliche Mittelklassewagen zur Auswahl. An bestimmten Stellen im Spiel übernehmt ihr sogar das Steuer von Speedbooten oder nehmt im Führerhaus eines 18-Tonners Platz. Genauso abwechslungsreich wie der Fuhrpark gestalten sich die Missionsziele hinterm Lenkrad. So gilt es zum Beispiel, die Verfolgung von flüchtenden Zielpersonen aufzunehmen. Während der rasanten Fahrt durch die Innenstadt kann es schonmal passieren, dass euch Streifenwagen als Verkehrssünder ausmachen und sich an euer Heck kleben. An anderer Stelle müsst ihr in Höchstgeschwindigkeit mehrere Wagen klauen und unter voller Fahrt auf einen LKW verfrachten. Entwickler Reflections beweist gerade während den Fahrmissionen Ideenreichtum und integriert die Levels perfekt in die Story. So gilt es ein anderes Mal, mit einer tickendenden Bombe an Bord die Mindestgeschwindigkeit von 80 KMH nicht zu unterschreiten, während ihr mit der tödlichen Ladung durchs dicht befahrene Nizza zum Zielpunkt rast.
Andernorts müsst ihr mit einem Motorboot eine vor der Küste Miamis liegende Yacht infiltrieren und Bomben legen. Anschließend flüchtet ihr von einer beeindruckenden Explosion begleitet mit dem Rennboot aufs sichere Festland. Aber auch ein nächtlicher Fluchtversuch mit einem tonnenschweren Lastwagen samt Anhänger gestaltet sich sehr spaßig. Hier stehen euch immer wieder Polizei-Straßensperren im Weg, die bei voller Fahrt einfach durchbrochen werden dürfen.
Fußlahm...
Qualitativ eindeutig schlechter als die wirklich motivierenden Fahreinlagen zeigen sich die Aufgabenstellungen per pedes. Wie allgemein bekannt sein dürfte, steuert ihr den risikosüchtigen Undercover-Cop Tanner nun auch außerhalb des Wageninneren. Bewegungsfreiheit à la 'GTA: Vice City (dt.)' sucht ihr hier wie gesagt vergebens. Die Levels als Fußsoldat knüpfen lediglich an die Automissionen an. So kurvt ihr im Normalfall gezielt zum nächsten Ausgangspunkt, um euch danach einem spielerisch unterdurchschnittlichen Schusswechsel zu stellen.
So ballert ihr euch beispielsweise den Weg durch besagte Yacht frei, tauscht blaue Bohnen inmitten einer Fußgängerzone aus oder flüchtet unter starkem Beschuss aus einem gut bewachten Industriegebiet. Am Bestand des Waffenarsenals liegt diese nervige Tatsache allerdings nicht.
Mit allerlei durchschlagskräftiger Bewaffnung schießt ihr euch in Rambomanier durch die einseitigen Gefechtsabschnitte. Die Palette reicht dabei von schallgedämpften Handfeuerwaffen über hochfrequente MGs bis hin zur obligatorischen Schrotflinte. Vielmehr nervt das unpräzise Handling des Protagonisten während bleihaltigen Laufeinsätzen. Tanner bewegt sich sehr schwerfällig, die Kamera muss zudem noch ständig manuell justiert werden und das korrekte Timing beim Anvisieren von Gegnern verkommt stellenweise zur puren Glückssache. Darüber hinaus beherrscht unser Superbulle selbst übliche Genrestandards wie an eine Wand lehnen, um ein Eck schauen oder aus einer gesicherten Position heraus schießen leider nicht. Das Bewegungsrepertoire reduziert sich lediglich auf Laufen, Springen oder Hechtrollen ausführen, was die akrobatischen Manöver im Kampf auf ein unbrauchbares Mindestmaß einschränkt.
Angesichts der trägen Steuerung zieht ihr hierbei öfter den Kürzeren als euch wahrscheinlich recht ist. Durch teilweise unfair gesetzte Rücksetzpunkte arten die Ballereien nicht selten in gähnendlangweilige Geduldsproben aus. Mal abgesehen von den verkorksten Ballereinlagen, zeigt sich 'Driv3r' von technisch guter Seite und spielt audiovisuell auf hohem Niveau.
Mit den drei Metropolen Miami, Nizza und Istanbul wurden nicht nur für die Story die richtigen Städte gewählt. Euch erwarten detaillierte und architektonisch schöne Umsetzungen. Die originalgetreuen Nachbildungen der Großstädte überzeugen nicht zuletzt durch einen hohen Wiedererkennungswert. Stadtteile, Sehenswürdigkeiten und das Straßennetz entsprechen den realen Vorbildern.
So besticht das US-Urlaubsparadies Miami durch geradlinige, mehrspurige Straßenführung, während sich in Nizza kilometerlange Strandpromenaden mit kurvenreichen Serpentinen abwechseln. In Istanbul hingegen erwartet euch die typisch verwinkelte Architektur mit zahllosen Gassen, die einem Verfolger das Leben schwer machen. Viele offene Plätze, die nur selten auf der jederzeit zuschaltbaren Karte verzeichnet sind, verschaffen zudem vorteilhafte Abkürzungen. Lediglich die Weitsicht in den Arealen wird durch ständige Pop-Ups geplagt. Auch in den Punkten Fahrphysik und Schadensmodell überzeugt 'Driv3r': ihr müsst euch mit jedem neuen Wagen auf ein verändertes Handling einstellen. Allerdings ist die Steuerung der Vehikel schnell verinnerlicht und geht schon nach kurzer Eingewöhnungsphase gut von der Hand.
Das ausgeklügelte Schadensmodell wirkt sich dabei nicht nur optisch auf euren Wagen aus. Wenn Reifen platzen, Motorhauben davonfliegen und Stoßstangen am Boden schleifen, wird die Kontrolle des Fahrzeugs naturgemäß zum Drahtseilakt. Ebenfalls in der Oberliga spielen die kinoreifen Zwischensequenzen. Nach jeder erfolgreich absolvierten Mission erwartet euch ein eindrucksvoll animierter Kurzfilm, der den folgenden Level einleitet. Dabei bestechen gerade der atmosphärisch untermauernde Soundtrack und die von Schauspielern wie Michael Madsen, Michelle Rodriguez oder Mickey Rourke synchronisierte und optional auswählbare englische Sprachausgabe. Als besonderes Technikschmankerl dürft ihr euren ganz eigenen Driver-Film schneiden. Hierzu dürft ihr eure gespeicherten Wiederholungen unter dem Menüpunkt 'Filmregisseur' mit etlichen Kameraschwenks und Filmeffekten wie Zeitlupe oder Bildverzerrer in kinoreife Highlights zusammen schustern.
Vielleicht kann sich ja der eine oder andere Spieler mit Hilfe der netten Fahrspielchen abseits des Storymodus über diesen Frust garantierenden Punkt hinweg trösten. Hier dürft ihr euch nämlich an Verfolgungsjagden, Rennen oder einer freien Fahrt versuchen. Als reines Rennspiel hätte 'Driv3r' sicher eine Traumwertung für alle Beteiligten abgesahnt. Die unnötigen Außenmissionen und missglückten GTA-Anleihen überschatten den positiven Gesamteindruck allerdings. Zurück bleibt so leider ein gutes, aber in einigen Punkten enttäuschendes Spiel, das dem monatelangen Hype und den sehr hohen Erwartungen der Fans sicher nicht gerecht wird.
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DRIV3R im Test.
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