Fallout - Brotherhood of Steel
Jenseits der Donnerkuppel...
Die Welt von Fallout dürfte PC-Spielern ein Begriff sein, denn erste Erfolge feierte Entwickler Interplay mit der Fallout Reihe bereits auf dem heimischen Rechenknecht. Damals wurde die Endzeitwelt allerdings noch als reinrassiges Rollenspiel präsentiert. Die Macher bieten mit Fallout - Brotherhood of Steel für Playstation 2 und XBox nun allerdings ein überarbeitetes Konzept. Statt des RPG-Spielsystems wird hier verstärkt auf handfeste Metzel-Action gesetzt. Wen das an eine komplett andere Spielewelt erinnert, der liegt gar nicht so falsch. Brotherhood of Steel kommt in der Fasson der Baldurs Gate: Dark Alliance Serie daher. In beiden Fällen wurde ein erfolgreicher RPG Titel vom PC auf die Konsolen transferiert und dabei seiner Rollenspiel-Features beinah komplett beraubt. Zwar gilt es weiterhin dank der Erfahrungspunkte die Charaktere aufzubessern, der Schwerpunkt des Gameplays liegt nunmehr jedoch auf Action. Und so nehmt ihr hier statt Klinge und Bogen eine Schrotflinte und Eisenhandschuhe zu Hilfe, wenn es darum geht, die Gegner vom Bildschirm zu kloppen.
Atomarer Niederschlag!
Zur Einstimmung solltet ihr das wirklich gut gemachte Intro genießen, welches euch über die Hintergründe des Atomkriegs und seiner Auswirkungen aufklärt. Hier seht ihr, wie die Welt von Fallout von einer amerikanischen 50er-Jahre-Idylle in eine atomare Wüste verwandelt wurde. Nach dieser Einstimmung geht es auch schon ans Eingemachte. Zu Beginn dürft ihr euch zwischen drei unterschiedlichen Charakteren entscheiden. Diese unterscheiden sich zwar in Aussehen und Fähigkeiten, für das Gameplay an sich ist eure Wahl aber kaum relevant. So macht ihr euch also auf in die post-apokalyptische Welt des Städtchens Carbon.
Als Mitglied der Bruderschaft des Stahls habt ihr es euch zur Aufgabe gemacht, die wenigen Siedlungen vor den berüchtigten Wüsten-Banditen zu schützen und nebenbei einen schnellen Euro zu machen, denn ohne Kohle wird euch auch keiner der Waffenhändler neue Schiesseisen verkaufen.
So hört ihr euch also in den Städten die Probleme der Bürger an und übernehmt diverse Aufträge. Eine eurer ersten Aufgaben ist beispielsweise, das nahe gelegene Lagerhaus von giftigen Skorpionen zu befreien, welche die Hütte mal eben zur Brutstätte auserkoren haben. Neben solch tierischen Mutationen trefft ihr im Verlauf der Handlung auch auf ehemals menschliche Gegner, die gerne mal einer Demonstration eures Waffenarsenals aktiv beiwohnen wollen. Die intelligenteren Mutanten bereiten dabei weitaus mehr Probleme als beispielsweise die herumschleichenden Riesenratten. So streift ihr also eure Power-Handschuhe über, die eure eh schon harte Rechte noch verstärkt, und boxt den Gegnern schnurstracks in die Magenkuhle oder zückt gleich eure durchschlagskräftige Flinte. Habt ihr durch lukrative Aufträge ein wenig Geld verdient, dürft ihr dieses gleich wieder für Schutzkleidung und Fernwaffen ausgeben, die im Kampf gegen schnelle Gegner weitaus effektiver sind. In den verschiedenen Locations findet ihr nicht nur harte Gegner, sondern auch immer mal wieder reich gestreute Bonus-Gegenstände und Geld.
Der tut nix, der will nur spielen...
Das Geheimnis des Stahls...
So schlagt ihr euch den Weg durch Horden von Mutanten frei. In den Ruhepausen zwischen den Kämpfen kehrt ihr in der Bar ein und quetscht die Bewohner nach Informationen aus. Dabei dürft ihr aus vorgegebenen Antworten auswählen. Die Sprache im Fallout Universum fällt zumindest recht derbe aus. Flüche sind an der Tagessordnung, gute Manieren kennt man nicht mehr, der Sittenverfall hat deutlich Einzug gehalten. Diese derben Umgangsformen passen atmosphärisch sehr gut zum Spiel, verleihen sie diesem doch Charakter. Die deutsche Synchronisation fällt dabei recht durchschnittlich aus. Zwar sind einige der Sprecher bemüht, Kenner und Könner der englischen Sprache wählen aber dennoch die authentischer wirkende Original-Sprachversion.
Da man es sich recht einfach machte und einfach die komplette Dark Alliance Engine benutzte, kommt die Grafik ohne große Überraschungen daher. Die Kamera fängt euch bei euren Streifzügen aus der Vogelperspektive ein, liegt dabei aber nicht immer richtig, so dass ab und an die Übersicht verloren geht. Glücklicherweise könnt ihr die Kamera mittels Stick auch rotieren lassen. Ansonsten weiß die Grafik zu gefallen, auch wenn sie nicht für offen stehende Münder sorgen wird. Die Figuren sind nett designt und animiert, die Hintergründe ansprechend und die Framerate stabil. Anders als bei Dark Alliance müsst ihr euch Gameplay-technisch des Öfteren auf eure Distanzwaffen verlassen, die automatische Zielfunktion kommt da sehr gelegen.
Fazit
Fallout - Brotherhood of Steel kann mit ansprechender Story und überzeugendem Endzeit-Feeling punkten. Die actionreichen Kämpfe machen Spaß, das Waffenarsenal fällt reich aus und die derbe Sprache passt sich gut ins hoffnungslose und verkommene Szenario ein. Dennoch fällt der Titel mangels Tiefe und wirklich frischer Ideen in der Distanz ab. Zu eintönig werden die Kämpfe im Verlauf des Spiels, zu simpel wirkt das Aufrüst- und Ausstattungssystem. Im Endeffekt erwischt ihr euch immer wieder dabei, wie ihr systematisch die verschiedenen Dungeons absucht und herannahende Gegner mittels automatischer Zielerfassung aufs Korn nehmt, ohne dass eine besondere Taktik nötig wird. Hier bietet die Dark Alliance Reihe weitaus mehr. Wer diese allerdings schon auswendig kennt und vom Monstermetzeln nicht genug bekommen kann, sollte einen Blick auf den Titel werfen, zumal das neue Setting wirklich gelungen ist. Gleiches gilt für Fallout-Spieler vom PC, die einen Ausflug auf die Konsole wagen wollen sowie für Freunde des Mehrspielermodus, denn dieser macht nämlich auch Laune, wenn sich zwei Spieler gleichzeitig mit den Horden von Mutanten anlegen.
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