FILA World Tour Tennis

Review
Plattform
XBOX
Vertrieb
THQ
Entwickler
Hokus Pokus
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
0
FILA World Tour Tennis [XBOX , looki.de]

Gesamtwertung

68%/10

Grafik

Gut

Sound

Mangelhaft

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

FILA World Tour Tennis

Mit FILA World Tour Tennis präsentiert uns THQ ein Sportspiel, bei dem es sich voll und ganz um die bei vielen Deutschen so beliebte gelbe Filzkugel dreht. Damit bestätigen die Entwickler einen aktuellen Trend, denn in letzter Zeit scheinen sich Tennissimulationen bei den Herstellern eines ziemlich hohen Beliebtheitsgrades zu erfreuen. Wie sich unser heute getesteter Titel im Vergleich zur Konkurrenz schlägt, erfahrt ihr in unserem Review.

Mit der Lizenz zum Spielen?

Um eines vorwegzunehmen: Leider haben es die Entwickler verpasst, rechtzeitig eine schlagkräftige Lizenz für ihr Produkt zu erwerben. Wer also gehofft hat, seine persönlichen Wunschduelle auf dem heimischen Fernseher endlich einmal realisieren oder seinem Lieblingsstar zum ersten Wimbledon-Sieg verhelfen zu können, wird enttäuscht.

Man muss also auf die großen Namen des Tennissports verzichten und darf stattdessen auf fiktive Spieler/innen zurückgreifen. Ähnliches gilt für die Stadien, denn auch diese konnten aufgrund der fehlenden Lizenz nicht originalgetreu nachmodelliert werden. Dafür hat man sich einige leicht exotische Schauplätze einfallen lassen, die aber nicht wirklich immer zum Ambiente eines gepflegten Tennismatches passen. So kommt es schon mal vor, dass man inmitten einer tropischen Wüste unmittelbar vor eine Pyramide zum Aufschlag ansetzt, oder den Schläger vor einer englisch anmutenden Kathedrale schwingt.

Durch das Fehlen dieser Lizenz waren die relativ unbekannten Entwickler namens Hokus Pokus dazu gezwungen, auf eine leicht minderwertige Lizenz zurückzugreifen. Scheinbar hat man in dem italienischen Sportartikelhersteller FILA einen passenden Partner gefunden, denn dieser präsentiert im Spiel seine neueste Kollektion, was vor allem im Karrieremodus spürbar wird. Zwar kann man sich dort mit dem gewonnen Preisgeld mit einer großen Auswahl an neuer Ausstattung eindecken, allerdings tragen alle diese Produkte erwartungsgemäß ein großes F, das Markenzeichen besagter italienischer Firma.

Dass Tennissimulationen im Bezug auf eine Optionsvielfalt aufgrund ihrer Natur sehr beschränkt sind, ist hinlänglich bekannt. FILA World Tour Tennis macht hierbei keine Ausnahme, denn neben einem Arcade-, einem Quick Play- und einem Challenge Modus sucht man auch bei diesem Titel vergebens nach innovativen Einfällen. Wenigstens hat man sich bei Vielfalt der Spieler bzw. der Stadien nicht lumpen lassen und insgesamt 24 verschiedene Schauplätze und über 200 computergesteuerte Gegner in das finale Spiel integriert.

Was dem Spieler nach dem ersten Einlegen der DVD in das Laufwerk der XBox auffallen dürfte, ist die missratene Präsentation von FILA World Tour Tennis. Ein fantasievoll gestaltetes Intro sucht man vergebens, und auch die visuelle Gestaltung der Menüs erinnern eher an erste Gehversuche eines Hobbyprogrammierers, als an die Arbeit eines professionellen Entwicklers.

Wenigstens leidet unter dem einfachen Menüdesign nicht die Übersichtlichkeit, etwas mehr Liebe zum Detail und Engagement hätte man sich dennoch wünschen können. Dies gilt auch für die während eines Matches zufällig eingestreuten Wiederholungssequenzen, welche lediglich für ein paar Sekunden das Gesicht eures Spielers zeigen, ohne jedoch noch einmal auf den Ablauf des Ballwechsels einzugehen. Somit haben diese Wiederholungen keinen effektiven Nutzen, und die Entwickler hätten getrost auf deren Implementierung verzichten können.

Doch wären dies nur geringe Mängel, die sich leicht wieder verschmerzen ließen, wenn die Entwickler dafür die gewonnene Zeit in das Gameplay von FILA World Tour Tennis gesteckt hätten, da der Erfolg einer Tennissimulation ja bekanntlich stark von der Feinheit der Spielmechanik abhängt.

Leider haben wir im vorigen Satz nicht umsonst den Konjunktiv verwendet, denn nach dem ersten Warmspielen könnte der ein oder andere Spieler etwas verwirrt oder im Bezug auf das Gameplay leicht desorientiert sein.

Dies liegt hauptsächlich daran, dass man für den Titel eine verhältnismäßig lange Eingewöhnungszeit braucht. Schuld daran ist unter anderem die Steuerung, denn diese verhält sich alles andere als zuverlässig und direkt.

Da die Akteure auf dem Bildschirm nur sehr langsam auf die Eingaben des Spielers reagieren, muss man den Button einen nicht unbeträchtlichen Zeitraum vor dem tatsächlichen Auftreffen des Balles auf den Schläger betätigen, um einen erfolgreichen Schlag absolvieren zu können. In der Praxis sieht dies so aus, dass man zu Beginn des Spieles öfter einmal zwangsläufig an dem Spielball vorbei schlagen wird, obwohl man das Gefühl hat, zum richtigen Zeitpunkt die Schlagtaste gedrückt zu haben. Auch wenn man sich mit der Zeit an das Timing gewöhnt, sorgt diese Tatsache vor allem bei etwas ungeübten Einsteigern für den ein oder anderen Frustmoment, der eigentlich leicht hätte vermieden werden können.

Hinzu kommt in Punkto Steuerung, dass das Schlagrepertoire des Tennisspielers auf die zwei Grundschlagtechniken „Lob“ und „Schlagen“ begrenzt sind. Weitere Techniken wie z.B. einen „Slice“ sind nicht vorhanden, so dass eine richtige Authentizität im Grund gar nicht gegeben ist. Zwar lässt sich der Ball mit einiger Übung andrehen, dies gestaltet sich allerdings schwieriger als erhofft. Zudem ist es quasi unmöglich, einen Ball diagonal von einem Eck des Spielfeldes in das andere Eck zu schlagen, da die Spielmechanik hierfür nicht ausgereift genug bzw. zu ungenau ist. Nennenswert ist hier zudem die KI, denn auch diese hätte etwas mehr Feintuning benötigt. Im Singleplayermodus werden sich zu Beginn wohl auch gestandene Tennisprofis die Zähne ausbeißen, da die computergesteuerten Gegenspieler so gut wie fehlerlos zu sein scheinen und den Ball fast wie nie ins Aus schlagen. Dies sorgt für einiges an Frustration, und außerdem verliert das Spiel dadurch etwas an Realismus und Glaubwürdigkeit, da das Bildschirmgeschehen in diesem Punkt schlichtweg nicht sonders realistisch ist.

Doch gibt es auch positive Dinge zu berichten. Das Spiel beinhaltet einen kompletten Karrieremodus, bei dem man sich langsam nach oben arbeiten und im Training an seinen Schlagtechniken feilen kann. Mit dem gewonnen Preisgeld kann man sich neue Artikel der Firma FILA kaufen und an gebührenpflichtigen Turnieren teilnehmen. Auch wenn es sich um ein grundlegend gutes Konzept handelt, scheitert FILA World Tour Tennis streckenweise an dem hohen Schwierigkeitsgrad und der schwachen künstlichen Intelligenz. Wer sich daran nicht weiter stört, kann im Karrieremodus auf jeden Fall seinen Spaß haben, auch auf etwas längere Zeit.

Der Spielspaß geht wie bei solchen Titeln üblich allerdings erst dann in die Höhe, wenn sich vier menschliche Spieler vor dem Bildschirm versammeln und sich ausgiebig dem Multiplayermodus widmen. Da FILA World Tour Tennis eine Unterstützung für bis zu 4 Spieler besitzt, steht spannenden Einzel- oder gar Doppelbegegnungen nichts im Wege.

Zwar kommt der Titel hier nicht zuletzt durch die gewöhnungsbedürftige Steuerung an die Klasse seines Vorbildes Virtua Tennis heran, Spaß machen kann ein Match gegen seine Freunde aber allemal, zumindest kurz- und mittelfristig. Auf technischer Seite ist FILA World Tour Tennis von THQ ein zweischneidiges Schwert. Den Sound von FILA World Tour Tennis kann man getrost vergessen, da sowohl die Soundeffekte als auch die Sounduntermalung sehr eintönig sind und wenig Esprit versprühen, was bei einer Tennissimulation allerdings auch von nicht allzu großer Bedeutung sein dürfte.

Zwar können auf grafischer Ebene die Animationen er Spieler voll und ganz überzeugen, andererseits bemerkt man nach einiger Zeit auch hier immer mehr Schwachpunkte. So wirkt das Geschehen sehr steril, da man kaum auflockernde Details in das Spiel integriert hat. Es existieren weder ein Balljunge, noch andere Objekte, welche einem solchen Titel das gewisse Maß an Flair und Authentizität verleihen. Außerdem wirken die Spieler bei näherem Blick sehr kantig modelliert, hinzu sind in den leblosen Gesichtern kaum Emotionen zu erkennen.

Neben den ja leider wie üblich extrem flachen Bitmap-Zuschauern wirken auch die Hintergründe ziemlich verwaschen und unscharf und fügen sich nur sehr schlecht in den Vordergrund in. Da man inzwischen weiß, zu was die Xbox fähig ist, hätte man auch hier mit etwas mehr Arbeitseifer mehr erreichen können.

Fazit

Im Grunde genommen kann FILA World Tour Tennis von THQ ein solides Konzept aufweisen, welches allerdings unter einer mangelhaften Umsetzung leidet. Hätte man etwas mehr Zeit und Mühe in solch wichtige Details wie Steuerung und künstliche Intelligenz gesteckt und vielleicht noch eine offizielle Lizenz erworben, hätte aus dem Titel eine ansprechende Simulation werden können. Übrig bleibt ein Tennisspiel, das zwar im Multiplayermodus mit menschlichen Gegenspielern Spaß machen kann, diese Vorteile im unausgereiften Einzelspielermodus wieder abgibt. Somit bleibt die traurige Gewissheit, dass THQ mit seinem Produkt nicht zum entscheidenden Schlag gegen die harte Konkurrenz ausholen kann und somit einige Längen hinter der Genre-Referenz von Sega im Mittelfeld zurückgelassen wird.

FILA World Tour Tennis [XBOX , looki.de]

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