FlatOut

Review
Plattform
XBOX
Vertrieb
Empire Interactive
Entwickler
Bugbear
Erscheinungsdatum
-
Genre
Racing
USK
12
FlatOut [XBOX , Justgamers]

Gesamtwertung

71%/10

Grafik

Ausreichend

Sound

Befriedigend

Lanzeitspaß

Befriedigend

Spieleinstieg

Befriedigend

Bedienung

Gut

FlatOut

Aus dem Land der Elche hat ein weiteres Crashrennen seinen Weg auf die deutschen Konsolen gefunden: Mit FlatOut beglücken uns die Finnen von Bugbear mit einem Racer, in dem rüde Rempler, knirschendes Blech und fliegende Schrauben an der Tagesordnung sind. Ob es reicht, um Genre-König Burnout 3: Takedown aus dem Rennen zu werfen, lest ihr auf den folgenden Zeilen...

Schrottie auf Kollisionskurs

'Platz da, hier komm ich.' So einfach lässt sich das Prinzip der Rennen beschreiben. Auf den 36 verschiedenen Strecken ist alles erlaubt, was Spaß macht und euch in der Realität vermutlich nicht nur den Führerschein, sondern auch den Kopf kosten würde. Gefahren wird auf und um Baustellen herum, im dichten Gestrüpp eines Waldes und auf vereisten Pisten, die allesamt mit Hindernissen zugepflastert sind.

Doch nur Weicheier und Dünnbrettbohrer umkurven die aufgetürmten Holzstapel, ausgegrabenen Erdlöcher, Fässer, Zäune und was hier sonst noch alles steht. Der wahre Rennfahrer lässt sich davon nicht beeindrucken und brettert mit Schmackes in die parkenden LKWs, reisst Strommasten um und driftet lässig durch Omas Gemüsegarten.

Zusammenstöße bringen euch nämlich nicht nur Bonuspunkte am Ende eines Rennens ein, sie füllen auch eure Nitro-Leiste auf. Außerdem gibt es natürlich nichts Fieseres, als eure Gegner durch geschicktes Rammen und Abdrängen fachgerecht in einer Baustelle zu 'entsorgen' oder den nächstbesten Abhang runter zu schubsen. Eingeteilt sind die Rennen in drei verschiedene Schwierigkeitsgrade: Bronze, Silber und Gold.

Um sich nun langsam nach vorne vorzuarbeiten, beginnt ihr auf einer der ersten drei Bronze-Strecken. Schafft ihr es, euch gegen die Konkurrenz durchzusetzen, gibt es je nach Platzierung ein mehr oder minder großes Preisgeld. Gelingt euch sogar der Sprung unter die ersten drei, schaltet ihr so die nächste Strecke frei.

Das im Vorfeld des Releases so marktschreierisch angepriesene Schadensmodell wurde dabei konsequent umgesetzt, eure Karre sieht nach einem normalen Rennen wirklich Mitleid erregend aus: Als erstes verabschieden sich nach einigen Remplern unnötige Teile wie Außenspiegel, Fensterscheiben und die Motorhaube, später dann schleifen die Stoßstangen auf der Erde, die Türen (falls überhaupt noch vorhanden) öffnen sich in jeder Kurve und der Motorblock brennt munter vor sich hin.

Die zahlreichen Überschläge haben die Karosserie dann soweit eingedellt und deformiert, dass nur noch die vier eiernden Räder daran erinnern, dass es sich bei dem Objekt mal um ein Auto gehandelt hat.

Zum Glück wird die Kiste nach den Rennen kostenlos repariert. Tatsächlich kommt dank der detaillierten Darstellung beim Verschrotten der Karre einige Freude auf, allerdings finde ich das Schadensmodell nicht so sonderlich spektakulär, wie es überall zu hören ist. Denn auch der Meister aller Arcade-Rally-Spiele, Rallisport Challenge 2, kann mit einem ähnlichen System aufwarten, das nicht nur besser aussieht, sondern in Sachen sichtbarer Schäden sogar noch weiter geht.

Nächstes Jahr olympische Disziplin: Dummy-Weitwurf

Was FlatOut nun so besonders machen sollte, ist außerdem die Tatsache, dass der Fahrer nach einem saftigen Unfall mit Wucht aus dem Fahrersitz katapultiert und unsanft durch die Gegend geschleudert wird.

Da man aber bei der Verwendung menschlicher Fahrer eine Indizierung aufgrund dieser Flugeinlagen befürchtete, entschied man sich bei Bugbear dazu, die Menschen durch Dummies zu ersetzen. So könnt ihr nun bei jedem Crash eine überaus bewegliche (und ziemlich häßliche) Puppe aus dem Cockpit eures Boliden fliegen sehen, welche mit Hilfe der Ragdoll-Engine animiert wird, das heißt, ihre Gliedmaßen reagieren physikalisch korrekt auf die Stürze.

Eigentlich ein recht brauchbarer Kompromiss, allerdings hat man sich recht bald daran satt gesehen und klickt die Animationen einfach weg, weil man lieber weiterfahren will.

Zwischen den Rennen habt ihr in der Werkstatt die Möglichkeit, eure Kiste ordentlich auf Vordermann zu bringen. Tuning heißt das Zauberwort, und so gibt es neben neuen Motoren, Reifen und Bremsen auch Kleinigkeiten wie einen neuen Auspuff oder eine verbesserte Schaltung, mit der sich noch die eine oder andere Hundertstel rausholen lässt.

Auch ein verstärktes Chassis ist immer eine gute Idee, damit euer Auto nicht schon nach ein paar kleinen Schubsern aussieht wie von einem Wal gerammt. Bezahlt werden die Upgrades natürlich von den Preisgeldern, die ihr bislang erfahren habt. Erster werden wird somit schnell zur Pflicht, da ihr sonst ewig auf einen neuen Turbo sparen müsst.

Insgesamt finde ich eine solche Tuningoption durchaus löblich, leider dauert es bei einigen Upgrades etwas, bis ihr ihre Auswirkungen im Rennen spürt.

Zudem ist das Menü, in dem die einzelnen Teile angewählt und gekauft werden, ziemlich lieblos aufgemacht. Mehr als die Namen der verbauten Teile und eine reichlich grobe Umschreibung der Marke 'Neuer Auspuff: Verbessert die Geschwindigkeit' findet ihr hier nicht, kein Vergleich also mit den Tuning-Möglichkeiten vom Schlage eines Gran Tourismo oder Need for Speed Underground 2.

Sinnvoll und nötig ist das Aufmotzen aber allemal, da euer Schlitten zu Anfang reichlich träge seine Kreise zieht und nur durch geduldiges Zureden dazu zu bringen ist, durch eine Kurve zu driften.

Die Gegner-KI hat damit weniger Probleme, sie kommt auch nach einem Unfall recht flott wieder auf Touren, lässt sich kaum abhängen und rempelt, was das Zeug hält. So kommt schnell Frust auf, wenn ihr gerade ein Hindernis haarscharf umfahren habt, nur um von einem Kontrahenten abgedrängt und unter einem Reifenstapel an der Leitplanke begraben zu werden.

Zudem verhakt ihr euch oft in den Fässern, Reifen und Baumstämmen, die nach der ersten Runde auf der Straße liegen, wohingegen die Gegner sich kaum an diesen Sachen stören und nur selten einen Crash bauen, wenn ihr nicht etwas nachhelft.

Zum Glück habt ihr aber zwei wirkungsvolle Trümpfe gegen die etwas unfaire KI in der Hand: Zum einen nehmen die computergesteuerten Gegner grundsätzlich keine Abkürzungen, zum anderen steht euch ein Nitro zur Verfügung, mit dessen Hilfe ihr nach einem Crash schnell wieder den Anschluß finden könnt. Die Steuerung ist dabei ganz ok, per Digipad steuert sich eure Kiste allerdings wie ein Elefant nach 3 Wochen Schlafentzug, weshalb ihr besser zum Analogstick greifen solltet.

Pixelschrott

Grafisch ist die Playstation 2-Fassung von FlatOut keine Glanztat, die Texturen sind weitestgehend detailarm und erscheinen selbst aus der Nähe reichlich verwaschen.

Dank optionalem 60 Hz-Modus und stabiler Bildrate bleibt das Geschehen zwar immer flüssig und gut spielbar, dennoch wirkt die Umgebungsgrafik dabei matschig und wenig abwechslungsreich. Mit der Prachtoptik eines Burnout 3 kann das Spiel jedenfalls nicht mithalten, zudem gibt es außer ein wenig spritzendem Sand und schwarzem Rauch praktisch keine Spezialeffekte, die von dem tristen grafischen Einerlei ablenken könnten. Gegenüber den anderen Fassungen zieht die Playstation-Version hier klar den Kürzeren.

Der Sound dagegen geht in Ordnung, die Tracks unterstützen die Hatz nach Kräften mit heftigem Nu Metal-Geschrattel und punkigen Einlagen. Von den Soundeffekten her hätte aber alles ruhig einen Tick wuchtiger ausfallen dürfen. Das gilt sowohl für die Crashes als auch für das Gesurre, welches wohl den Motor darstellen soll. Insgesamt erfüllen Grafik und Sound ihren Zweck, wirklich spektakulär sind sie aber nicht.

In Sachen Spielmodi hat man sich auch nicht gerade viel Mühe gegeben, so gibt es neben dem Singleplayer nur noch die Wahl zwischen einem 'Zeitrennen' und der Option 'Schnelles Rennen', in der es ohne große Vorbereitung gleich zur Sache geht. Ein Multiplayer ist zwar auch vorhanden, allerdings kann man hier nur zu zweit gegeneinander antreten.

Ein Online-Mode fehlt ebenso wie die Möglichkeit, mehrere PS 2-Geräte lokal zu vernetzen, gegenüber den Xbox- und PC-Versionen ist dies ein klares Minus. Denn der 'Bonus' macht wie die Rennen nur mit mehreren alkoholisierten Mitstreitern Spaß: Als besonders nettes Feature stehen einige Minispielchen auf dem Programm wie etwa Dummy-Weitwurf, Dummy-Kegeln und das Fahren auf einer Strecke in Form einer liegenden Acht.

Bei den Disziplinen mit den Dummies geht es immer darum, bei voller Fahrt an einem bestimmten Punkt den Nitro zu zünden, um den Dummy möglichst hoch oder weit aus dem Fahrzeug zu schleudern. Preisgelder werden auch hier verteilt, mit etwas Übung kommt ihr so schnell an Kohle. Trotzdem werden diese Spielchen schnell langweilig, jedenfalls wenn man alleine zockt.

Fazit

Unterm Strich ist FlatOut ein brauchbarer Vertreter seiner Zunft, dem es aber in Folge einiger Schwächen in der Präsentation und dem Gameplay nicht gelingt, am Thron von Burnout 3: Takedown zu sägen. Die Strecken wissen zwar mit ihren Sprüngen und einem gewissen Offroad-Charme einige Zeit zu gefallen, auch die Tuning-Option ist ein guter Gedanke, der allerdings nur mittelmäßig umgesetzt wurde. Besonders übel sind aber die die matschige Grafik und die unfairen Momente im Rennen. Der Frustfaktor treibt einem vor allem im Singleplayer an den Rand des Wahnsinns, wenn man in einem brennenden Wrack in der letzten Runde kurz vor der Ziellinie von einem übermächtigen Kontrahenten scheinbar mühelos gegen einen blöd rumstehenden Brückenpfeiler gedrückt wird oder die Karre von einem Fass getroffen einen dreifachen Überschlag macht, bei dem der Dummy einen kostenlosen Freiflug in die Botanik gewinnt. Zurück auf der Strecke dürft ihr dann den Staub eurer Gegner schlucken und das Feld Zähne knirschend von hinten aufrollen. Mit Kinderkrankheiten wie diesen hat man bei FlatOut leider einiges an Potenzial verschenkt, so dass der Titel nur für eingefleischte Crash-Fetischisten zu empfehlen ist, die die Strecken des in sämtlichen Bereichen überlegenen Burnout 3 schon im Schlaf beherrschen und nun dringend neues Futter brauchen. Im Multiplayer ist das Spiel zwar ganz ok, allerdings sollte man dann aufgrund der Einschränkungen der PS2-Fassung lieber zur PC- oder Xbox-Version greifen, sofern man die passende Hardware zuhause hat. 

FlatOut [XBOX , Justgamers]

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