Forza Motorsport

Review
Plattform
XBOX
Vertrieb
Microsoft
Entwickler
Microsoft Game Studios
Erscheinungsdatum
-
Genre
Simulation
USK
0
Forza Motorsport [XBOX , looki.de]

Gesamtwertung

89%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Gut

Forza Motorsport

Der Anfang vom Ende der aktuellen Xbox-Generation wurde mit der Vorstellung der Xbox 360 eingeläutet, da erscheint mit Forza nun endlich doch noch ein würdiger Gegner für Gran Turismo 4. Ob es Forza Motorsport wirklich mit der absoluten Rennspielreferenz aufnehmen kann und vielleicht sogar noch viel besser gefällt, erfahrt ihr in unserem Review.

Als Einsteiger beginnt ihr zunächst auf dem Level 0 und habt nur eine kleine Auswahl an verfügbaren Rennserien. Eine Rennserie besteht dabei vorwiegend aus drei Einzelrennen, die auf unterschiedlichen Rundkursen statt finden und mit ein und demselben Fahrzeug bestritten werden. Die Anfänger-Rennserien gelten dabei aber erst dann als erledigt, wenn in jedem Einzelrennen der erste Platz eingefahren wurde. Wer ein jedes Mal erfolgreich war, erhält am Ende der Serie ein Fahrzeug geschenkt. Anders als bei Gran Turismo kann die Serie zwar auch endlos wiederholt, die Prämie aber nicht immer wieder eingesackt werden. Weil die Kreisfahrerei schnell langweilig werden kann, gibt es ab und an auch noch Etappenrennen im bergigen Gelände zu bestreiten. Diese sind aber leider eher die Ausnahme.

Stück für Stück arbeitet ihr euch so den Rennfahrerolymp hinauf, denn ihr erntet mit jedem eingefahrenen Credit auch wichtige Erfahrungspunkte. Letztere benötigt ihr zum Levelanstieg. Sobald ihr ein wenig Spielgeld verdient habt, wird dieses eurem Erfahrungskontostand gutgeschrieben und eine Grafik zeigt, wie viele Punkte noch bis zum Levelup fehlen. Höhere Level sind nicht nur erstrebenswert und notwendig, um bestimmte Rennen fahren zu dürfen, vielmehr winkt nach jedem Rangaufstieg auch eine Belohnung. Meist verbessert ihr zwar “nur” eure Beziehungen zu irgendeiner Tuningfirma und bekommt daher das eine oder andere Teil etwas billiger, manchmal hat sich eure Reputation aber auch bei einem der zahlreichen Autohersteller erhöht und ihr bekommt ein Fahrzeug geschenkt. Dieses solltet ihr erst einmal in eurer Garage einquartieren, zwar lockt die Knete, die man durch den Verkauf des gerade eben erhaltenen Gefährts bekommen könnte, doch stellt sich im Nachhinein fast immer heraus, dass man das Fahrzeug für die Zulassung zu einer ganz bestimmten Rennserie benötigt (hätte). Ihr merkt es schon: Im Karrieremodus kann man unter Umständen Stunden lang versumpfen.

Eine gute Idee jagt in Forza die nächste: Zwar steigt der Schwierigkeitsgrad natürlich auch mit zunehmenden Level und den damit verfügbaren Rennserien an, doch gibt es die Schwierigkeit betreffend einige Einstellungsmöglichkeiten, die ungeschickten Lenkern das Fortschreiten erleichtern. So ist in der “Werkseinstellung” des Spiels unter anderem eine Ideallinie aktiviert. Diese wird auf die Straße projiziert und zeigt euch nicht nur den idealen Schlängelweg über die Strecke, sondern gibt auch Aufschluss darüber, ob ihr gerade etwas zu schnell über den Asphalt düst. Nähert ihr euch nämlich mit zu hohem Tempo einer Kurve, färbt sich die Ideallinie rot. Wer jetzt noch sanft um die Kurve driften und nicht im Kies landen will, drückt besser auf die Bremse. Hält man sich an die Ideallinie und deren Warnfärbung, kann man zwar keine Streckenrekorde aufstellen, aber mit einem vernünftigen Fahrzeug und ein klein wenig Geschick werden relativ mühelos zahlreiche Rennen gewonnen.

Damit man sich vor Freunden nicht als Warmdusch-Rennfahrer bloß stellt, sollte die Anzeige der Ideallinie auch irgendwann deaktiviert werden. Dies geschieht im Menüpunkt “Schwierigkeitsgrad”. Mit dem Abschalten der Ideallinie geht außerdem einher, dass sämtliche Siegprämien nun um 15% höher ausfallen. In einem Zug kann außerdem die Gegner-KI von “Leicht” über “Mittel” nach “Schwer” verstellt werden oder Fahrhilfen wie ABS oder Traktionskontrolle (de-)aktiviert werden. Je schwerer das Spiel durch veränderte Einstellungen wird, desto mehr Credits könnt ihr verdienen. Wer den Standardeinstellungen nicht gleich gewachsen ist und so zunächst lieber keinen Schaden am Fahrzeug haben will, muss in umgekehrter Richtung aber auch Prämieneinbußen hinnehmen.

Knackig wird das Spiel nicht nur durch abschaltbare Fahrthilfen und aggressivere Gegner, auch die Physikengine ist einigermaßen anspruchsvoll, wenn auch nicht ganz so realistisch wie etwa in Gran Turismo 4. Wer in einer aufgemotzten Kiste zu leichtsinnig mit dem Gaspedal umgeht, kommt schnell mal von der Strecke ab. Andererseits endet der Ausflug ins Abseits der Straßenführung fast immer mit einer frontalen Panoramaansicht der Streckenbegrenzung (vorzugsweise einer Mauer) oder einer 180° Drehung - so dass man sich den Blick in den Rückspiegel ersparen kann, da einem die Konkurrenz dann nämlich entgegen kommt. Zwar beschränken sich meine bisherigen (und unfallfreien) Erfahrungen im Rennsport nur auf das einigermaßen gesittete Herumdüsen in der Leipziger Innenstadt und auf bundesdeutschen Autobahnen, doch habe ich meine Zweifel, ob in unserer Welt jedes Auto immer gleich frontal die Mauer küsst.

Früher wurden die Stickerhefte aus dem Schrank geholt und die Matchbox beklebt, heute schaltet man nur noch die Xbox ein, wählt ein Fahrzeug aus und kann auf sechs verschiedene Fahrzeugbereiche je 100 Schichten Symbole und Markennamen pappen. Auch das Lackieren eines ganzen Fahrzeugs versaut nicht mehr den Fußbodenbelag, sondern wird auf Knopfdruck erledigt. Da ich als unbedarfter Serienmodellfahrer von der überwiegenden Mehrheit der Tuningfirmen noch nie etwas gehört habe und demnach auch nichts mit den zahlreichen “TOYO TIRES”- und “sparco”-Stickern anfangen kann, ist die optische Verschönerung der Fahrzeuge für mich kaum ein Thema gewesen. Die Rennserien haben sowieso verschiedene Zulassungsbeschränkungen, man ist daher ständig mit einem anderen Fahrzeug unterwegs, so dass es sich meiner Meinung nach nicht lohnt, viel Zeit mit der optischen Gestaltung seiner Fahrzeuge zu verbringen.

Warum noch selbst fahren, wenn es auch der auf der Xbox simulierte “Drivatar” machen kann? Wer sich ein wenig Zeit nimmt und mit einigen vorgegebenen Fahrzeugen einige vorgegebene Strecken fährt, kann sich einen Geisterfahrer anlegen, der dann den eigenen Fahrstil imitiert und euch gegen eine Gebühr in verschiedenen Rennen ersetzt. In wie weit es sinnvoll ist, dass der Computer selbst ein Computerspiel spielt, soll an dieser Stelle nicht erörtert werden. Letztendlich preist die Microsoft Research Gruppe, die den “Drivatar” entwickelt hat, ihn als tolle Hilfe in den so genannten Endurance-Rennen an. In diesen dürfen zahlreiche Runden gedreht und mehrere Boxenstopps eingelegt werden. Wer zwischendurch dringend aufs Töpfchen muss, kann so den Drivatar ein paar Runden drehen lassen. Natürlich kann aber auch die “Start”-Taste gedrückt und das Spiel somit pausiert werden. Letztendlich ist es doch wesentlich unterhaltsamer, sein Fahrzeug selbst zu steuern.

Natürlich muss eine Microsoft Xbox-Entwicklung im Online-Bereich ein Vorbild sein. Entsprechend umfangreich ausgestattet zeigt sich der Xbox Live-Modus des Spiels. Neben dem obligatorischen schnellen Sprung ins Spiel und dem “Optimatch”, bei dem man mehrere Parameter wie Fahrzeugtypen, Strecken etc. auswählen kann und sich anhand dieser Einstellung automatisch in ein Spiel lotsen lässt, kann man online auch weiterhin an seiner Karriere basteln. So sind spezielle Rennen verfügbar, an deren Ende ein von der Teilnehmeranzahl abhängiges Preisgeld winkt. Ist man als Spieler geschickt genug gewesen und konnte sich gegen die menschlichen Gegner durchsetzen, wird genau wie im Karrieremodus nicht nur der eigene Kontostand erhöht, sondern einem die eingefahrenen Credits auch für den nächsten Levelanstieg gutgeschrieben.

In der Praxis zeigt sich, dass die Kombination aus ovaler Teststrecke und Enzo Ferrari außerordentlich beliebt zu sein scheint. Wer auf der Forza-Karriereleiter noch nicht so weit aufgestiegen ist, um sich den Enzo leisten zu können, hat dann leider das Nachsehen. Eine vernünftige Verbindung vorausgesetzt, kann man natürlich auch eine eigene Multiplayerpartie mit bis zu acht Spielern anlegen oder im Splitscreen zu zweit, via Systemlink ebenfalls zu acht spielen.

Musikalisch zeigt sich das Spiel wenig abwechslungsreich. Auf Dauer wirkt das von “Junkie XL” produzierte Gedudel etwas ermüdend. Bloß gut, dass die Xbox eine große Festplatte hat und dementsprechend auch Alben auf der Harddisk gespeichert und in Forza abgespielt werden können.

Grafisch gefällt der Titel dafür umso mehr. Wer alles doppelt und dreifach sieht, muss nicht zwingend betrunken sein, sondern erfreut sich vielleicht auch nur an den hübschen Reflexionen und Spiegelungen, die das Spiel zu bieten hat. Im Vergleich mit anderen Xbox-Racern ist der Titel optisch überaus gelungen, auch wenn das hübsche Erscheinungsbild hin und wieder etwas an der Framerate zerrt. Fairerweise muss natürlich auch erwähnt werden, dass die Jungs und Mädchen von Microsoft nun auch genügend Zeit hatten, die letzten Reserven ihrer Konsole zu nutzen.

Ganz schön 'gespiegelt' wird aber auch bei den Strecken: Zwar sind sämtliche Kurse schön und detailreich gestaltet, doch lässt die Vielfalt der Pisten leider ein wenig zu wünschen übrig. Am interessantesten sind noch die Strecken der bergigen Etappenrennen, die nicht ganz so oft befahren werden müssen. Alle anderen Rundkurse treten zwar leicht variiert und bidirektional auf, wiederholen sich jedoch ständig und lassen mit der Zeit den Wunsch nach etwas mehr Abwechslung größer werden.

Fazit

Um auch ohne Führerschein ordentlich in die Pedale treten zu können, eignet sich entweder eine GoKart-Bahn, ein gestohlenes Auto oder aber ein Rennsimulator wie Forza Motorsport. Weil vor allem bei Letzterem der Schaden nur simuliert wird, droht kein finanzielles Fiasko oder gesundheitliche Spätschäden, falls einmal etwas zu Bruch gehen sollte. Leider bietet der Genre-Konkurrent Gran Turismo 4 nicht nur noch mehr Fahrzeuge, sondern spielt sich auch noch einen Zacken realistischer. Dafür wandert der PS2-Primus aber in puncto Mehrspielermodus wegen dem noch fehlendem Onlinemodus auf die hinteren Startplätze, bietet auch in der vierten Generation noch immer kein Schadensmodell und ist halt PlayStation2-exklusiv.

Forza Motorsport ist in meinen Augen das beste Rennspiel, das derzeit für die Xbox erhältlich ist. Auch wenn die Strecken sich oft wiederholen und mit der Zeit etwas öde werden können, war meine Motivation bei einem Racer selten so hoch. Wenn das Spiel auch noch auf der neuen Plattform, der Xbox 360, konsequent weiterentwickelt wird, hat es gute Chancen, im direkten Vergleich mit Gran Turismo das nächste Mal die Nase vorn zu haben.

Forza Motorsport [XBOX , looki.de]

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