Gesamtwertung80%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
In the army now!
Was bietet sich eher an, als in Zeiten, in denen Videospiele unauslöschlicher Teil der Jugendkultur sind, selbige zu Werbezwecken zu missbrauchen? Dies dachte man sich wohl auch im Pentagon und ist seit kurzem recht erfolgreich als Videospielhersteller tätig. Während dabei junge Amerika via Taktikshooter America`s Army von den Vorzügen einer Militärkarriere überzeugt werden sollen, dürfen sich schon eingeschriebene Armee-Angehörige unter anderem an einem Taktiktitel aus dem Hause Pandemic versuchen, welcher nun in abgewandelter Form auch als Xbox-Spiel auf den Markt kommt.
Full Spectrum Warrior heißt der Squad-Taktiktitel und setzt den Spieler auf den Kommando-Stuhl einer acht Mann starken Sondereinheit des US-Militärs. Bevor ihr jedoch eure Männer ins Gefecht schickt, steht zunächst ein MOUT-Training an, in welchem euch das Grundprinzip von Full Spectrum Warrior näher gebracht werden soll.
In dem Military Operations on Urban Terrain-Training erhaltet ihr einen umfassenden Lehrgang zum Thema moderner Straßenkrieg. Leider lässt sich dieses sehr ausschweifende Tutorial zumindest beim ersten Anlauf nicht überspringen, so dass ihr euch wirklich jeden Gameplay-Aspekt mit militärischer Genauigkeit zu Gemüte führen müsst.
Laufen, Decken, Feuern!
Wenngleich die actionebetonte Präsentation anderes suggeriert, handelt es sich beim Pandemic-Titel wie schon gesagt nicht um einen Actiontitel, sondern um ein rein taktisches Videospiel. Entsprechend steuert ihr eure acht Mann starke Truppe, welche sich in zwei Teams Alpha und Bravo aufteilt, nur indirekt. Quasi als imaginärer Begleiter stilgerecht über eine wackelnde Steady-Cam aus der Verfolgersicht eingefangen folgt ihr euren Mannen über das virtuelle Schlachtfeld, gebt mittels einfacher Cursor-Steuerung Befehle und gebt euren Jungs Bescheid, wo die beste Deckung ist, in welche Richtung sie feuern sollen oder wann es Zeit ist, eine Granate Richtung Feind zu schleudern.
Die stark vereinfachte Steuerung geht dabei überraschend gut von der Hand und man merkt dem Titel an, dass sehr viel Arbeit in die hervorragende Joypad-Steuerung investiert wurde.
Noch mehr überzeugt jedoch die Atmosphäre des Titels. Durch die schon erwähnte Wackeldackel-Kamera sowie exzessiven Gebrauch von Ingame-Dialogen zwischen den einzelnen Teamkameraden entsteht eine sehr lebendige und realistische Atmosphäre, wie sie für Titel dieses Genres eher ungewöhnlich ist. Ein biederes Schachszenario wie es Final Fantasy Tactics- oder Advance Wars-Spieler kennen, ist Full Spectrum Warrior-Zockern daher unbekannt.
Zumindest ist dies auf dem Schlachtfeld so die Präsentation der Kampagne selbst ist zwar ebenfalls recht ansehnlich ausgefallen, wer während des knapp zehn Stunden andauernden Nahost-Konflikts jedoch auf so etwas wie eine Storyline aus ist, dürfte enttäuscht werden. Die fiktive Handlung von Full Spectrum Warrior dümpelt die meiste Zeit nur vor sich hin und nimmt zudem ein recht abruptes und enttäuschendes Ende.
Als ebenfalls recht unbefriedigend stellen sich die Missionen selbst heraus. Dank des ausführlichen Tutorials bietet die spätere Kampagne fast keine nennenswerten Neuerung und die taktischen Möglichkeiten halten sich aufgrund des extrem linearen Leveldesigns sowie der beschränkten Auswahl an Optionen stark in Grenzen. Meist beschränkt ihr euch darauf, eure Mannen von Deckung zu Deckung zu scheuchen, Feinde mit einem Team ins Kreuzfeuer zu nehmen und mit dem zweiten Team nach einer passenden Position für einen Angriff Ausschau zu halten.
Dann und wann hilft eine Granate dabei, der Auseinandersetzung ein schnelles Ende zu verleihen.
Während den Feuergefechten kommt übrigens eine der wohl eigenwilligsten Design-Entscheidungen von Full Spectrum Warrior zum Tragen: das Prinzip der perfekten Deckung.
Stehen eure Männer hinter einer Deckung und erscheint über ihren Köpfen ein kleines Schild, sind sie für das feindliche Feuer unerreichbar, egal wie häufig eure Gegner auf euch schießen und egal wie knapp die Kugeln an den eigenen Soldaten vorbeiziehen.
Das gleiche Prinzip gilt natürlich auch für eure Feinde. Erscheint ein kleines Schildsymbol über deren Köpfe müsst ihr euren Trupp neu positionieren, sofern ihr eure Gegner treffen wollt.
Dies mag zwar nicht unbedingt realistisch erscheinen, hilft jedoch ungemein, den Strategie-Aspekt von Full Spectrum Warrior zu unterstreichen.
Hier geht es eben nicht darum, Glück im Feuergefecht zu haben, sondern seine Leute wohlüberlegt zu positionieren, respektiv konsequent mit den zu Verfügung stehenden Ressourcen umzugehen. Munition ist nämlich auf dem Schlachtfeld rar gesät, so dass ihr immer wieder an einzeln verteilten Punkten für Nachschub sorgen müsst.
Pinky und der Brain
Eure zweite Ressource, eure Soldaten, verwalten sich im Notfall dagegen selbst. Wenn sie angegriffen werden, verteidigen sie sich selbstständig, und auch die zur Verfügung stehende Deckung wird von euren Mannen konsequent genutzt. Positioniert ihr sie so beispielsweise vor ein Auto, gehen eure Soldaten automatisch auf die Knie, um besser geschützt zu sein. So intelligent die eigenen Soldaten jedoch sind, so dämlich stellen sich eure Gegner an. Feinde bleiben regungslos stehen, während ihr sie unter Feuer nehmt. Granaten führen zwar zu Schreikrämpfen beim Gegenüber, fliehen tut der angehende Opersängern deshalb jedoch noch lange nicht.
Solche Situationen lassen euch am Verstand der KI-Gegner zweifeln. Die wenigen Glanzpunkte der gegnerischen Intelligenz basieren auf gescripteten Ereignissen, welche immer gleich ablaufen und somit nur wenig mit Taktik zu tun haben.
Ändert sich auch im Höheren der beiden anfangs wählbaren Schwierigkeitsgrade nicht. Spielt ihr das Spiel auf dem höheren Level, werdet ihr nur mit mehr Gegnern konfrontiert, welche jedoch nicht intelligenter agieren. Zudem vertragen hier eure Soldaten deutlich weniger Treffer, bevor sie Wüstenstaub schlucken.
Glücklicherweise ist sofortiges Ableben den Full Spectrum Warriors jedoch absolut fremd, so dass ihr einen niedergeschossenen Kollegen mit etwas Glück zu eines in den Levels verteilten Lazarette tragen könnt, wo dieser innerhalb weniger Sekunden wieder komplett geheilt wird. Kritischer wird es dagegen, wenn zwei Kameraden von den Feinden niedergestreckt werden. Dann heißt es Game Over und ihr müsst von einem der fair verteilten Speicherpunkte neu starten.
Technisch ist das Ganze dabei exzellent umgesetzt. Dies fängt schon beim Xbox Live-Support an. Wenngleich der Titel keinen Splitscreen- oder Netzwerk-Mehrspielermodus bietet, so kann man doch die gesamte Kampagne über Microsofts Online-Service mit einem weiteren Kollegen durchspielen.
Am Gameplay ändert sich dabei kaum etwas, da jeder Spieler nun die Kontrolle über eins der beiden Teams übernimmt und man nur via Headset die Angriffe koordinieren muss. Zudem lassen sich via Xbox Live Wiederholungen schon geschlagener Schlachten austauchen.
Hier kann man dann auch bestens die teils bombastische Optik des Titels genießen. Egal ob nun hochauflösende Texturen, überzeugende Partikeleffekte oder extrem realistische Animationen optisch zeigt Full Spectrum Warrior, zu was die Xbox technisch in der Lage ist. Das Ganze läuft dabei äußerst flüssig über den Bildschirm und die Havok-Physik-Engine sorgt dafür, dass getroffene oder gesprengte Objekte realistisch durch die Luft segeln.
Einzig einige Raucheffekte fallen im direkten Vergleich mit der restlichen Optik leicht ab und Abwechslung darf man angesichts des Nahost-Szenarios ebenfalls nur bedingt erwarten.
So toll die Grafik, so toll ist abschließend auch der akustische Bereich. Neben einem ansprechenden Soundtrack, welcher an den Kinostreifen Black Hawk Dawn erinnert, sorgen vor allem die dynamischen Soundeffekte in Dolby Digital 5.1 dafür, dass ihr euch wie auf einem modernen Schlachtfeld fühlt.
Glaubwürdige Synchronsprecher verleihen eurer Squad zudem das nötige Eigenleben. Hier noch zwei Worte zur Lokalisierung: Leider hat sich THQ nicht die Mühe gemacht, den Titel komplett ins Deutsche zu übersetzen, so dass ihr mit englischen Sprechern vorlieb nehmen müsst. Optional anwählbare deutsche Untertitel helfen jedoch beim Verständnis.
Full Spectrum Warrior im Test.
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