Headhunter: Redemption

Review
Plattform
Microsoft XBOX
Vertrieb
Sega
Entwickler
Amuze
Erscheinungsdatum
-
Genre
Action
USK
-
Headhunter: Redemption [XBOX , Justgamers]

Gesamtwertung

79%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Befriedigend

Bedienung

Befriedigend

Headhunter: Redemption

Jack Wade ist zurück. Der harte Kopfgeldjäger, dem wir erstmals in Segas Überraschungshit „Headhunter“ auf dem Dreamcast begegneten, ist seit seinem ersten Abenteuer ein wenig gealtert. Doch die Zukunftswelt, in der er lebt, ist noch immer verseucht von Verbrechern, denen nur die Headhunter das Handwerk legen können. Hilfe bekommt Jack dieses Mal von Leeza X, die ihm dann und wann aber auch das Leben wiederum schwer macht. Wie sich Jack Wade durchbeißt, erfahrt ihr in unserem Review...

Kopf hoch!

Das erste Headhunter-Spiel war bei seinem Erscheinen ein Überraschungshit. Dreamcast-Fans schauten damals neidisch auf die Schleich-Agenten der Konkurrenz und wünschten sich eine systemeigene Alternative zu Solid Snake aus „Metal Gear Solid“ und Gabe Logan aus „Syphon Filter“. Amuze erhörte den Wunsch und lieferte ein Action-Spiel mit Schleich-Elementen, das vor allen Dingen durch das einzigartige Setting zu begeistern wusste. Die Welt von Kopfgeldjäger Jack Wade war der des Blechpolizisten „Robocop“ nicht unähnlich. Verbrechen und Korruption stellten die offiziellen Verbrechensbekämpfer vor unlösbare Probleme, und so wurden die freischaffenden Headhunter zu wichtigen Verbündeten. Das erste Spiel begeisterte mit fesselnder Story, stimmigem Gameplay und absurdem Humor, der aus Fernsehnachrichten groteske Unterhaltung machte. Mega-Konzerne lenkten die Geschicke der Menschheit, immer nur auf Profit bedacht und das Allgemeinwohl ignorierend. Inspiriert war diese Welt offensichtlich durch Filmen wie eben „Robocop“ oder „Total Recall“. Der Titel bot neben dem spannenden Spiel auch eine Menge Konsum-, Politik- und Medienkritik.

Nachdem Raubein Wade also damals die Welt rettete und seiner Komplizin Angela Stern in den Chefsessel des Stern-Konzerns verhalf, ging das Leben für ihn weiter. Mittlerweile ist seine Heimatstadt unterteilt in einen armen und einen reichen Bereich. Während die Reichen in der Oberstadt Above wohnen, werden Verbrecher und ärmere Bürger einfach im unterirdischen Below mit ihren Problemen alleingelassen. Damit keiner von den armen Schluckern das luxuriöse Leben in Above gefährdet, sind Headhunter wie Jack Wade im Einsatz. 20 Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils ist er immer noch in der Branche, einsam und bepackt mit einem Haufen Probleme, ein typischer Anti-Held also. Niemand, mit dem man tauschen möchte. Was kommt da unpassender als eine Frau? Leeza X ist eine junge Dame, die er bei einem Auftrag auf der Strasse aufliest und bei sich aufnimmt. Als Kind musste Leeza mit ansehen, wie Wade ihren verrückten Vater außer Gefecht setzte, als dieser die Kleine töten wollte. Da gibt es also noch eine Menge „Unfinished Business“, zumal Leezas Daddy sein Dasein jetzt in Below fristet.

Immer an der Wand lang!

Fans des Vorgängers werden frohlocken, denn in Sachen Gameplay hat sich nur wenig getan. Klar, es gibt zwar ein neues Zielsystem, die teils frustigen Prüfungen und das kontroverse Motorradfahren wurden ersatzlos gestrichen und ihr steuert neben Jack nun auch Leeza X durch die Spielabschnitte, aber das Ausnutzen der Deckung, die actionreichen Feuergefechte und das Anwenden von Items sind Elemente, die der Headhunter vor der Glotze schon kennt und liebt. Hinzu kommt neben der ambitionierten Story auch wieder die gewohnt übertriebene Darstellung der Headhunter Welt.

So stapft ihr also in Third-Person-Sicht durch die Levels, die Waffe im Anschlag und immer nach Deckung suchend. Begegnet ihr Gegnern, solltet ihr euch mit dem Rücken an die Wand stellen und nur vorsichtig um die Ecke schauen. Erst dann erscheint ein Fadenkreuz, das sich langsam auf den anvisierten Gegner einpendelt. Drückt ihr jetzt die R-Taste, so schnellt eure Figur aus ihrem Versteck und kann den bösen Buben mit drei bis vier gezielten Treffern erledigen.

Weitaus schwieriger wird es da, wenn ihr den Halunken nicht erst inspiziert, sondern gleich beschießen wollt. Das Fadenkreuz pendelt sich dann nämlich viel langsamer ein, sodass eure Treffergenauigkeit sinkt. Seid ihr im Kreuzfeuer, könnt ihr akrobatisch zur Seite ausweichen. Dies gelingt der flinken Leeza besser als dem in die Jahre gekommenen Jack, der dafür aber besser schießt. Glücklicherweise findet ihr im Verlauf des Spiels neben der Standardwaffe auch fettere Totschläger.

Wollt ihr kein Risiko eingehen, gehört oder gesehen zu werden, so bleibt euch selbstverständlich auch die Möglichkeit eines Stealth Kills. Neu ist in „Redemption“ das Scan-Feature. Mittels des Scanners könnt ihr Gegenstände analysieren und nach Schwachstellen untersuchen - wer „Metroid Prime“ gespielt hat, weiß also wie das Teil angewandt wird. Manchmal kommt ihr erst weiter, wenn ihr die Umgebung abgescannt habt. Nachdem die Schleichpassagen des Originals einige Fans zur Weißglut getrieben haben, kann man nun auch mit Feuergewalt weiterkommen. Das Stealth Element ist hier also eher rudimentär und nur selten wirklich erforderlich.

Grafisch ist der Titel leider kein Hingucker geworden, die Xbox wird nicht annähernd ausgereizt und auch auf der PS2 hat man schon Besseres gesehen. Zudem werden sich einige Spieler über den dauerhaften Weichzeichner Effekt ärgern, der Lichtquellen umgibt. Auch die Animationen können nicht überzeugen und allgemein fehlt es an Details und dem nötigen Feinschliff. So überseht ihr des Öfteren auch herumliegende Gegenstände. Die Übersichtlichkeit geht auch dann flöten, wenn die Kamera mal wieder wild in der Gegend umherfliegt. Lehnt ihr hinter einer schützenden Deckung und tretet sodann aus dieser heraus um einen nahen Gegner per Stealth-Kill schlafen zu legen, so macht euch auf Verwirrung gefasst, wenn die Kamera um euch herumfährt und auf einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel zeigt. Ärgerlich ist es auch, wenn ihr aus der Deckung heraus auf einen Gegner feuern wollt, die Kamera aber gerade diesen Feind nicht einzufangen vermag.

Auch die Steuerung kann nicht so wirklich überzeugen. Zu oft macht die Figur nicht das, was ihr wollt. Gerade in hektischen Momenten, wenn Gegner auf euch zustürmen und Kugeln an eurem Kopf vorbeirauschen, ist es leicht, die Kontrolle über den Charakter und eure Nerven zu verlieren. Immerhin bekommt man die Steuerungsprobleme mit der Zeit in den Griff.

In Sachen Sound wurde immerhin nicht gegeizt, die englischen Sprecher flößen ihren Charakteren Leben ein und machen auf jeden Fall ein sehr gute Arbeit, so dass man das Fehlen einer deutscher Synchro nicht vermissen wird. Dazu gesellt sich eine superbe orchestrale Musik und realistische Soundeffekte, die die Illusion einer tatsächlichen Spielumgebung perfekt machen und den cineastischen Anspruch unterstreichen. Für die Musik wurde wieder Richard Jacques verpflichtet, der bereits für das originale Headhunter-Spiel die Vertonung übernahm. Darüber hinaus kennen ihn Spielefreaks auch durch seine musikalische Arbeit an den Titeln der Jet Set Radio Reihe. Gefreut hätten wir uns nicht nur über den guten 5.1 Sound auf der Xbox, sondern auch einen optionalen 60 Hz Modus für die PS2 Version sowie eine 16:9 TV Option für jene, die den cineastischen Ansatz des Spiels auch voll auskosten wollen.

Fazit

„Headhunter: Redemption“ ist kein typisches Sequel. Zwar wurde eine Menge aus dem ersten Teil übernommen, aber es wurden auch genug Innovationen implementiert, um Neulinge wie Veteranen gleichermaßen zu interessieren. So macht das Scan-Feature wirklich Sinn, das neue Zielsystem, obwohl gewöhnungsbedürftig, ist nachvollziehbar und der neue Charakter bietet Potential. Auch wenn manche Fans sich den jungen Jack Wade aus Teil 1 zurückwünschen, die Entwickler haben den nötigen Schnitt zwischen dem Vorgänger und „Redemption“ gewagt, aber die liebgewonnene übertriebene Darstellung der Welt beibehalten. So gibt es für „Headhunter“ Fans eigentlich wenig an „Redemption“ auszusetzen. Zwar nervt die Kamera immer in den ungünstigsten Augenblicken und auch die Steuerung zickt ab und an rum, aber das Spiel macht dennoch Laune, zumal Fans die Probleme bereits aus der Dreamcast Episode gewohnt sind. Der Durchschnittsspieler wird sich vielleicht fragen, warum er eher zu „Headhunter: Redemption“ als zu einem reinen Stealth Titel wie „Splinter Cell“ oder einem kompromisslosen Action-Titel wie „Kill.Switch“ greifen sollte, zumal bei „Headhunter“ die Grafik gerade mal überdurchschnittlich ist. Nun, keines der genannten Games bietet diese Atmosphäre, von der „Headhunter“ lebt. Wer endzeitmäßige Science-Fiction Filme wie „Robocop“, „Blade Runner“ oder „Die Klapperschlange“ mag und auf klassische Action-Adventure steht, die nicht so überladen daherkommen, der sollte sich „Headhunter: Redemption“ zumindest einmal anschauen. 

Headhunter: Redemption [XBOX , Justgamers]

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